Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 12-13.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Haltung der österliche« Religio» «ud der väterlichen Gebräuche Nl richte«. Uaii» dieser Bezuhuug ist viel za thmi. Di« Hauptgewellu« Swbll»«, die i» Belgrad, war etwa 25 Jahre oh»e Rabbdier. >»ch hier ift der schädigend« Jndtfferauismug dngedruuge» und die Leiter der Jemenit hielte« es für gerathener, sich mit Rabbinatsverweser» abzufiude», welche letztere in iirer Zwitter ftelluug keine« Widerstund gegen de« Zerfall der Religion leisten konnten. Mt vielen Opfern wnrd« eine Schule erhalte»; diese leistete ad« nichts. Und so ist tu de», geurnateu Zeitraum ei»e Generation entstanden, welche, d« vütnlichen Religion entfremdet, keinen sittliche» Halt mehr find und d« schrecklichsten Degeneration zu »er. fallen drohte Diesem Uebel abzuhelfeu war da« Strebe« Biel«, d« älteren Generation Angehvreudeu. welch« ab« auch den Zeitgeist «kannten; und dieses Streben Halle auch die Berufung des jetzigen Oberratbiuers zur Folge. Daß nur ein zeitgemäß gebildtt« Rabbin« hi« nützen kann, war allgemein anerkannt, weswegen dt« Belgrader Gemeind« zuerst den Schritt thuu mußte, als spagnolische (Kemeinde einen deutschen Rabbiner zu wählen. Die Zustände, welche d« Rabbin« dort gefunden hat. waren wirklich traurig und deprimirend. Hi« d« kraff«, dem Judenthum widersprechende Aberglauben, dort d« gänzliche Abfall von d« vät«lich«u Religion. Hier konnte nur dn en«gisch«s Eingreifen helfen. Die grüßt« Schwierigkell stand ab« dem neugewählten Rabbin« ent« gegen, daß « weder die (s«bische) Landessprache, «och das lunter den Juden übliche) Spagnolische beherrschte. Des Deutsche« find nur wenige Reiche mächttg. Dr. Bernfeld hat im Juni 1886 sein Amt anaetretru und am Rosch Hascheno deffe den Jahres b«eits in beiden Synagogen spag» »»lisch gchired gt, zugleich die Orgauisatio« d« Schule in Angriff genommen. Nachdem auf müglichst schonend« Weise eine nvthige Veränderung >m 8«hrerp«soaal vorgeuommeo warde, die alte« und neuen Lehr« auf ein festes Programm angewiesen worden, wurde die Schule (welche seitens d« Regierung als Progymnafium anerkarmt ist) als eine sechsklasfig« organistrt. Gegenwärtig wird dieselbe von etwa 170 Knabe« und 70 Mädchen besucht. Für die Mädchen giebt es nur vier Paralellllaffen. Mt dem vollendeten 5. Jahre für Knaben und 7. für Mädchen wndeu die Kind« eingeschult. Jod« Knabenschule i '1 d« Unterricht wöchentlich auf 35—40 Stunden uormirl, vondmen20—24 für txn profanen und 15—20 für de» religiösen Uuterricht bestimmt find. Im Religionsunterrichte wird d« Standpunkt festgehalten, daß Ine Knab«« die gründlichen Elementarkenotatffe erlange», um spät« sich wcit« fortdildeu zu könne», und wenn die« nicht möglich, doch wenigstens nicht gäuzltch unwissend auf religiösem Gebiete z« sein. Schon i» d« dritten und vierte» Klaffe verde» die meisten Gebete und ei» Theil des Peutateochs übersetzt; außerdem aus einem von Dr. Berufeld i« spagno Ischen Idiom verfaßten Büchlein in d« Religion und der Geschichte unterrichtet. Ja d« vierte« Klaff« wird auch ei» Theil d« hebr. Grammatik unterrichtet. Ja d« fünfte» wird Bibel-Uebersetzung die hebr. Grammatik, mll Ausnohme d« «»regelmäßigen Verba, beigebracht. Es wird eifrig darmf Gewicht gelegt, daß die Knabe» aus dem Spaguoli lche» i»s Hebräische übersetzen, wobei die größte Geuanigkeil in Bezug auf Bokaüsatio» «ud korrekte Aussprach« des Hrt räische» beobachtet wird. I» der sechste» Klaffe wurde in diese« Jahre z»m erste» Male mll Einführuog »o» Tulumd-Untrrrlcht der B«rs«ch gwuacht. Veit 25 Jahren hat tu Belgrad (da Uuterricht i« Talmud patt» k-fuLden. Der Versuch gelaug vorzüglich, wobd dll bekauatr . tal»r»dische Ehivftomalie ,fmr sehr gute Dienste geleistet hat. Außerdem wird i» dieser Klaff« der Unterricht in der hebr Grauonallk («»regelmäßig« Berba, hebr. Stilüllwxr») und k ibel-Uedersetzung forchesetzt. ' V«»» »»» dies« Schüler ans dieser Schule, mll gute» «emeutarrenutuifle» ausgerüstet, las Gymnafium überall», erhalte» st« auch fpätertzi» 4 Stunde» »tzchwttltch Relidonsunterricht, um leine Rückschrille in de« diesbezügliche» Kennt, uiffeu zu mache«. Im nächste» Brief soll von dem i»s Leben gerufenen Lehrersemiare berichtet »erden. —»— Kerichte n«d G»rref^O»de«^e». Dawt^ebleurd. Magd«H»r§. Wir erhielte» und erhalte» noch fortwährend aus sehr viele« großen und kleine» ltzemetude» Deutschlands mehr oder minder ausführliche Original-Berichte resp. Ausschnitte ans den Lokalblättern über abgeh alten« TranergotteSdieuste für Seine Majestät de» hochleligrn Kaiser Wilhelm. In allen wird hervorgehoben, daß die Gottes- Häuser, meist schwarz drapirt und mit sonstigen Embleme« der Trauer versehen, gedrängt voll, »ad auch von Nichltsraelllm besucht waren.*) und daß die Gedächtnisrede» der Prediger allenthalben einen tiefe» Eindruck auf die von Schmerz «md Trauer erfüllten Zuhörer hervorbrachte«. Wir können unmöglich alle diese Berichte abdrucke» ste würden mehr als eine Nr. dieses Bl. füllen. Wir unterdrücke» deshalb auch den ausführliche» Bericht über de» feierlichen Act in der hiesigen überfüllte« Synagoge am Freitagabend (nach de« Mnchagebet über den Text: v"vk? STll "TIK, der au der Hand de« jes'jonischen Verse« 46.4 ND MN IN .UpT TS! *31 7I30K IN na-TP nach allen seinen Ausstrahlungen beleuchtet wurde.) — Wir coastatiren, daß fich in alle» Berichte« dll tiefste Liebe. Bekehrung und Dankbarkeit der jüd. Gemeinde» für den glorreichen Kaiser und Laudesvater, sowie die treueste Anhänglichkell uad die patriotischste Gesinnung für das erlauchte Hoheuzollersche Königsbau 1 kundgiebt. Wir können es uns jedoch nicht versagen, aus der Füll« des uns zugesandten Materials das folgende höchst stimmungsvolle und formvollen bell Gebet unseres grsch. Brandenburger Kollegen zum Abdnick zu bringen, da wir vielfach von kleinen Gemeinden und Eultusb,amten um «in solches angegangen wurden: •*) Mra»de»ö»rg «. A. (Gebet bei der Tranerfeier für den hochselig«« Kaiser Wilhelm.) I» der hiefigen Synagoge fand am 10.. sowie am 16. d. Mbö. eine Trauerfeier für den hochseligeu Kaiser Wilhelm statt, bd welch letzterer der Rabbiner Dr. Krouer folgendes Gebet (auch hebräisch) sprach: »Hilf. Ewiger, de»» vollendet hat der Liebrdche!* (Pf 12, 2.) Ein großer Tag ift jetzt zu Erbe gegangen, ein Tag, an de« unser großer. unser «»vergeblicher Kaiser Wilhelm zur Ruhe gebdtet worden. Mll chm ist ei» glorreiches Leben dngesargt, das dll ganze zii»lltstrll Welt mit staunender Bewunderung begleitet hat. und »ir Deutschen, die in ihm den hdmgegangeue» treue» Baler des Vaterlandes beklage«, mit verehrungsvoller Liebe. »Er war »nser — laßt dies stolze Wort den laute» Schmerz gewaltlg übertönen!" Nicht durch gemein« Klage, nicht diirch Thräne« . will der große Tobte gefeiert sei» — Thränek! mögm »» kleinere Leiden fließen. Der erschütternde Wehtrnf, der di« . ganze Welt durchzttterte bd dem Gchdde» Kaiser Wilhel»»«, heute, a» Tage seiner Bestattung, bricht er wieder hervor mll elementarer Gewalt. Heut« gedenkt Keiner seiner kleine» persönliche» Geschicke, das groß« weltgeschichtlüh« Gedgntß erfüllt die Grmüther »ud erhebt st« über dll engen Spiranten . *) »us Haauover erfahre» wir, daß fich mUer de» A«»«fr»dt» der Herr ötrgieru»g«prafide»t ». ikraaach llfa»d, was um höher «azuschlage», als gleichzeitig t» der Kirche «tu «baahaue» w«rde, de» die «Hörden ofpeiell tetwohawa. Mell) Los »m» D. I.». B. versagt« Gellt llfriedigw, iw, «G ve» viele» Gell» geickeiell» warll. nulle »ach Iahmt «ch m»h Gor», es oühielt in fei»«« Gchbchthell lagarGerfistzegegi» di« »»gchchkimöw» »ad itdüche» Ztt*üO«t* fet «stächöchfie» «Ud" höchste»! IMUmM . 4 *8*%L Hanse». . >