Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 12-13.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ülienviodlich. Dir Vnüfnnttra sag«: Der Jude fomt nie so rbd werden, wieder Nicht-Semite; die Frau Gräfin sagt: Der Jude kann nie so tief sinken, wie d-r Nichtjude. Leider, oder Gott s. D.. ist der Satz der Frau Gräfin «de» so falsch, wie der »m Munde Böckett; wir werden auch noch die Quelle de» Jrtthum» kennen lernen. — „Der Jude bleibt Jude'-da» ist «in Satz der Beobachtung, so West er sich auf Bergaugeriheit und Gegenwart bezieht, und die Frau Gräfin beobachtet aut. „Der Jude wird immer Jude bleiben' — da» ist Spekulation oder Prophetie, oder Imperativ — — 3 Künste, in denen die Domen mti sehr vereinzelt Meister waren. — „Der Jude bleibt Jude' — warum? Der Antilemit sogt: da» sinkt im Wut. daist Race. — Daist der Standpunkt de- Pserdehandel-, auk den eine edle Natur, wie die der F»ou Gräfin, sich unmöglich stellen kann; ihr widerstrebt et, di, verbrecht ri gegen die Majestät der Menschbest dadurch zu deilen, daß man die Majestät vernichtet, „die Menschheit entthront.' Sie sucht darum «in andere- Pri»rip. „Warum bleibt der Jude immer Jude, auch wenn er die Dause empfängt?' Die Nationalität ist eS, sagt die Frau Gräfin, sie ist dos unverwüstliche Element. Waist aber die Rationalität der Juden? .Jakob, die Thora, die heiligen Schriften. Gott und Jerusalem"! — Gut! Die Nationalität kann man si<1> schon gefallen lassen. Aber ist denn damit da» Problem gelöst? Haben wi r den Jakob, hatten die Römer ihren Romulu-, dir Griechen ihren'Jon. baden die Deutschen ihren Teut; — die Thora, W« heilige Sch ist. die Bibel ist längst Eigenrhum aller Böller und ha ja jede- Volk seine Rational-Litteratur, ebenso wie Gott längst nicht mihr au-schliehlich in Israel zu finden ist; and selbst Jerusalem ist längst die ideale Metropole däd einstigen Satte-reicheauch für die Kirche geworden: warum also bleibt der Jude nur Jude? — Und wi« reizend tritt un« die ganze Oriainalität der weitticheu Logst in der 8, weisführvng der Frau Gräfin entgegen! Die Formel dafür ist ungefähr folgend«: Behauptung: a--w. Bewei»: n—b, und d—non o, also a--o, quod erat demonstrandum. Man lese nur noch einmal die bereit« zittrte Stelle: „Ist der Jude Bürger einer andern Nation orworden. so empfängt und erhält er da« Recht, aber nicht dir Pflicht, sich seiner ursprüngliche^ Nationalität zu eustedigen. Er kann dir» nicht, ohne zu entsaorn. und er wird nie entsagen. Kann man zweien Herren dienen? Der Jude dient Gott, die Goim dienen dem Mammon.' — Also: Der Jude bleibt Jude, seiner Nationalität n<x!j. Kamm? „Der Jude dient Gott, dir Goim dienen dem Mammon'. Ist da» Nationalität? Ist da« nicht vielmehr Religion? Zugegeben, der Gottesdienst Kjüb. Natioualität; ist Mammon-Dienst auch ationalität der .Goim'? — Auch die Pointe de» „Baterlondc«' zeigt dieselbe Logik. „Jerusalem ist ihr Batrriand ' Im Osten Europa« verrälh die ernste, traurige Miene de» Juden die Trauer de» Exi- Krim, die Hoffnmtg auf di« „Rückkehr in da« Land seiner Bär«'. Lew«»: „Wo sich nur Gelegenheit find«, kehrt her Jude immer wieder nach Palästina, nach Jerusalem zurück' ... ja weit gefthlt! Die Fron Gräfin lx weist luous non luoendo: „haben wir nicht letzthin bei ihrem Au«, zugi au» Rußland gesehen, daß sie sich lieber nach. . . Amerika, a!» nach Palästina begaben, wohin die Umländer unter dem Einfluss« Monlrfiorr'» hatten ziehen vollen'? — Als» thatsächlich ziehen die Juden de« europäischeu Osten» lieber in der Roth nach Amerika, al« oaif Palästina; „im Westen denkt b«r Jude oft nicht mehr «n fein Vaterland, denn er ha» sich unter den „Goim' accll natifirt' — — also: ist Jerusalem chr Vaterland l? — Die grau Gräfin erkennt au, daß der Jude «st Hineng ftme« zeitlichen Vater lande und der herrschenden ckttug desietbeu mors tonn (3* «ont d* §trix chvoo d«Toa«BMit tiae xatria temporairs etc,), dennoch bleibt dämmen Jerusalem ihr Vaterland. Aber oben hirst e» di« Frau Gräfin für ganz unmöglich, zweien Herrrn zu dienen: peut-cn serrir denn mnttres? — Rem! der Satz: „Jerusalem ist ihr Vaterland' ist nichtweniger al« bewiesen, ist vielmehr durch die Frau Gräfin sehr entschieden wil»«legt. — Rehmen w>r aber von den Elementen der Nationalität de« Judenthum« Jerusalem hinweg, wa« bleibt dann übrig? „Die Tbora, di« 'ieiligen Schriften und Gott"! Ist ab« d ies e Nationalität nicht da« Gegentheil ein« Nationalität? Die Heilige Schrift und Gott, sind da» nicht die Träg« der edelsten Humanität unser« Zeit? (Fortsetznng folgt.) Um Batta«. mm In den letzten Jahren haben folgenreich« Umwälzungen unt« den Bewohner» der Balkanhalbinsel stattgefunden. Diese Errrgniffe haben auch für die dorttgea Juden V«- änderung in ihr« volitischm Stellung und ihrer materiellen Lage verursacht. Neck, tasten sich die Folgm dieser B«- änderuogen nicht ütersedcn, da die Umstaltuag d« Lage d« Juden am Balkan ich« vor sich geht; aber schon veidieu« die Bestrebungen unser« Glaubensgenossen im Südofteu die Aufmerksamkeit d« westeuropäischen Inden. Mit Ausnahme Rumänien«, wo die unglückliche poltttsche und ökonomische Lage uns«« Glaubensgenossen von jeh« unsere Aufmerksamkcit auf sich gelenkt, und wo die Juden von d« von ihnen ebeufall« «kämpft« Selbstständigkeit de« Batrrlaude« nur Rechtlosigkeit und Unterdrückung haben; mit Au-nahme Rumänien« haben die Juden im Südosten durch die Konsolodirnng der Balkauflaatm nur gewonnen. Zwar Hab« die Jnd« unt« den Türken nie zu leiden gehabt, und die ehemalige türttsche Herrschaft steht bei ihn« in gutem Au» denk«; ab« die bstdung-feiudliche Geiste-richtung der Türk« übte auf uus«e Glaubensgenoff« eine schädigende Wirkung au«. D« kraffe Aberglaube, d« unt« d« türsischm Jud« noch jetzt h«rscht, kann daher gegenwärttg tu Serbien und Bulgarien nur mit Mühe bekämpft w«d«; im «st« Staate mit mehr Erfolg, weil vor Allem die s«bische Regierung diese» Stteb« mit Wohlwollen unt«stützt und weil ferne? die hauptstädtische jüdische Bevölkerung, die große Gemeinde Belgrad, ihre« vor zwei Jahr« «wählt« Ob«. «Mti««; Herrn Dr. Berufe! d. tu dies« Richtung die größtmögliche Hilfe geivährt. E« ist nicht zu v«k«u« daß seit dies« zwei Jahren ein großer Fortschritt zur Kultivinmg d« Juden S«bteus zu »«zeichnm ist, waauch in maß» gebendeu Regi«ungskreis« nstt Gmugthuuug auerkauut wird und zugleich in weit«« jüdisch« Kreis« des Orient« Nachahmung zu fiud« anfäu^t. Was die poltttsche Stellung dn Jud« in Serbtm betrifft, so läßt sie nicht« zu wünsch« übrig. Da« loyale L«haltm d« Juden und ihre vat«laudstteue findet bet König und Volk die beste Anerk«nnng. Da« serbische Volk, von Natur an« gastfreundlich und tol«ant, hat auch kein« Veranlassung, gegen die Jnd« Animofität zu heg«. Die Geistlichkeit hat nie ge«« die Jud« gehetzt, »ud würde ei» B«such uach dies« Richtung gemacht w«d«, so finde die» sofort sein« Rektifizinmg durch da« Ob«haupt d« Landeskirche, d« Metropolitan von Serbien. Dies« würdige Priest« hat s. Z. dem Oberrabbin« von Belgrad eine diesbezüglich« Versicherung gegeben. Auch bei« jüngst« Empfang de» Dr. Beruseld bei« Köutg anlllßüch d« Nationalfei« am 22. Februar («. St.) drückte d« Monarch j»e» gegenüb« sei« Sympathie für die jüdisch« Bevälkernng an». Zn d« Feier, welch« dir J-raelttm in ihr« Synagoge »eranstatteten, find »ei«« Minist«, ter königliche Adjutant, mehr«« höh«» StraKttürdeuträg« «schien«. Um« dies« Upchänden ist es den Sjnfec» in Sadi« »«Pich, ihre ganze Avftmrksamkrtt ans db: geistig« Entwickelung nud di« Er-