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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 12-13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 12-13.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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,L«de» «N> Shrifte»." von d-r Ohflfi, Ratalic D«Wttef ge«. MM, »ortsch-koff. n.*) »Der Jude bleibt I«»«, auch »nm er die laust empsilogt'. Die lftrtkchmer der Frauen haben immer eine gefährliche Tragloeite. Die Jrrthümer der Männer vergiften den Kopf. »nd dagegen giebt rt ein llniversal^egengist: die Logik, di, Wahrheit. Die Jrrthü-ner der Frauen vergifte» das Herz, und gegen vergiftete Herzen giebt «S nur ein Gegengift: den Tod. Im Leben ist ein vergiftetes Herz unheilbar. Die ss-rau Gräfin ist aber eine große Frau; Monarch ist uamrlich da« Herz, aber Reichskanzler ist der Kopf, und nur d e Jrrtbümer de» Letzter» wollen wir hier beleuchten. Hören wir die Frau Gräfin ü ber die Festigt ei t, Standhaftigkeit, Unverwüstlichkeit de- Juden» thums: „Alle Institutionen der Vergangenheit wanken; die Völker v«liieren sich in Demagogie, die Intelligenz verirrt sich in ein« unsinnige Philosophie; die Philanchropie findet kein anderes Mittel, die Leiden der Menschheit zu Hellen, als diese zi entthronen, indem sie ihr die Verantwortlichkeit für ihre Thaten entzieht: nur eine Nation >nchält sich intakt mitten in dieser Zügellosigkeit des Gedankens, die unser» göngliche jüdische Ration! Sie scheint sich manchmal ver» mischen zu wollen, aber sie vermischt sich nie mit den Nationm hrer Umgebung; ihre Mitglieder bleiben, auch wenn sie d e Taufe empfangen, immer Judm, wie Esther, dl« geliebte und siegreiche Gattin des König« AhasweruS, und in der modernen Geschichte Crvmieux. Beaconsfield und so viele andere von weniger bekannter Abstammung. Zur Macht erhoben schützen sie in einer so wirksamen Weise ihre Glaubensgenossen, und ihr Einfluß macht sich fühlbar in dm Thatm der modernm Geietzgebung. — „Früher stellte man sich u tter eine» Judm ein verworfenes, gierige«, über fern Gold gebeugte« Wesen vor, welcheda« Gold zu seinem Gotte gemocht und ganz sich versenkt hatte in die Sorge rioe« unersiittlichm Geize«. Jetzt ist da» ander«.' Die Rach, kommm Israel« habm sich in viele moderne Sozietätm eingeführt; Frankreich, Jtolim empfängt sie auf einem Fuße »er Gleichheit (nn pied d’igaliti). „Der Atheismus, dessen der Eyrift sich rühmt, hat auf Seitm der Getauft« die Lorurtheile zu Fall« gebracht, aber nicht auf Seitm der Judm. Im Gespräche mst un« heucheln sie manchmal Gleichgiltigkeit und Toleranz, ja sie affectiren sogar zuwei!« und nennen da« Ehristmthum ein refor» mirle« Jndenthuin. Im Grunde ihre« Herzen« ist da« nicht so. Ter Ehnst ist immer der „Goim" (?>, und er da« Bolk Gottei. Seine Religion ist unauflöslich verbunden mit seiner Nationalität; wie er auch durch dre ihm zur Verfügung stehend« Journale da« Fallm der Racm und Nationm rrm» nmdm Schi anstn .rroklamirt; wie er auch eine Phllanthropie der Gleichheit und einm Bund, der Völker predigt — er hütet sich se ,r vor jede« Akte, der ihn definitiv mst dieser allgemein« Mmschlichkeit, derm Apostel er sein will, ver» schmelzen würde.— „Der Ort seiner Geburt ist gleichgiltig, der Jude bleibt Jude; Jacol« ist sein Vater, die Thora und der Thalmud find seine Lchrer, I>ie Wiege seiner Kinder; sür sie handelt es sich nicht bloß um Religion, sondern um Rationalität. „In d,m Studium dieser Werke schöpfm >»ie Judm ihre unvergänglikze Lebenskraft, ihr« Glaub« und chre Hoffnung für die Zukunft, die Erfüllung der verheißtingm, die sie schon fest so viel« Jahrhuudertm erwarte». „Ist dir Jude- Bürger einer andern Ration gewoid«, f» empfängt und echält er das Recht, aber nstft die Pflicht, sich seiner irsprünglichm Rationalitüt z» entletngm; er kan» 1 «Miel I. ssth« t» «r. 7. die« nicht, ohne z« entsagen (»»v» adäiqoor) »ad er wird nie entsagen (»'»ddiquar» zanmia). Kan» man gwet Herrn dien«? Der Judedimt Gott, dstH»« »stnm dem Mammon. „Ihr Vaterland ist Jernsale»; aber e« ist estre Rare »st eminmter Begabung für Patriolismns (aminammansoapUdla da patriotmrna), »ad wie sehr sie auch Jerusalem als eia ideale« Vaterland betracht«, so sind sie dennoch i« Stande, mst Hingebung einem zeitlich« Vaterland« und der herrschend« Regierung zu dien«, ohne ihr« Ursprung und ihre gemeinsamen Juterefsm je aus dm Angea zu verlier«. — „Unter den östlich« Ratioaalstät« Europa'« befremdet der Jude durch seine emste. ja traurige Pdhsiognomst, sei« Blick offmbart eine West der Gedrnken und unauslöschlicher Trauer; e« ist der Verbannte, der sein Vaterland beiranert; » es ist da« mystisch träumerische Wes«, welches täglich das Wunder, die RüÄehr in das Land seiner Väter, die Ankunft des Messias nach der Verheißung seiner Schrift« und hei» ligm Bücher erwartet. Selbst seine Sprache beroahrt dst Guttural-Laute seine« orientalischen Ursprung«. .,Jm West« ist es noch immer der Verbannte, aber der Verbannte, der oft nicht mehr an sein Vaterland denkt. der sich unter d« Golm acclimatisirt hat, und vielleicht würden, wenn man ihn« d.e Rückkehr nach Jerusalem offeriere, viest unter ihnen, wie die 10 Stämme zur Zest de» Ehrus, es vorzieh«, tn dem Lande zu bleib«» dessen Sitten und Ge» wohnheiten sie angenommen haben. — „Habm wir nicht letzthin bei ihrem Au«zuge au« Rußland gesehen, wie sie sich lieber nach Amerika, als nach Pa» lästioa begaben, wohin die Engländer, unter dem Einflüsse Montefior»'«, sie hattm zieh« wollen. „Die jüdische Ratio» hat noch nicht ihr letztes Wort gesprachen, denn selbst scheinbar a«f alle Religion ve zichtend, wie da« zuweilen sich so ansstht, selbst dem Materialismus sich zuwmdend und mit David sprechend: „Wo ist unser Gott", fühlt man doch eine andere Regung als dc.« moderne Heidenlhum. mau fühlt d« Zom der Ration, die sich als die auserwählte kmnt und sich vergess« glaubt."- Die Frau Gräfin hat ein wunderbare» Beobachtung»« tastnr, sie sieht haarscharf und alles, wa« in ihr« Wort« Darstellung, Beschreibung de« Beobachteten ist, verräth ihre Genialität für dst Empirie. Sie ist auch eine Bsttuofin der Disposition, sie muß eine vortreffliche Girthiu sein, sst har ein« großartige« Sinn für „Ordnung, dst alles wohl erhält", der nichts verlor« gehen last« will, der auch da« Wid«rsprech«de mit dem Zauderstabe de« ordnende» Geschmackes beherrscht-der praktische Sinn der bürgerlich« Hautsrau. der in de» abgetrag«« Mantel de« Papa'« »och eine Jacke für den Sextaner ahnt und erstes» läßt. Ader wa« der Frau Gräfin fehlt, wa« ihr auch kem Kops» zerbrechen macht, da« ist-dst Spekulation, da« ist die wiflens baftliche Präcisioa, da« ist dst Rückstchtsnahme auf Zeit und Ort der Beobachtung. Ihr ist der Augenlllick die Ewigkett. Warschau oder Pet«r«burg oder Wilna ist ihr dst ganze Erde, und in dem Bestreb«, Wilna, Warscha u und Petersburg in Heidelberg und Paris wstderzufiaden, «tstrht ein wundervolle«, bstabendes Potpourri, eure Eausirie, die da« Auzsth«dsst ist, was man sich denk« kan», well e» lauter misst Töne und Dinge stad, dst da in die Einheit eines Rahm«« komm«. Dst Einheit de« Rahmm« ist aber nicht dst Einlzest des Princips, nicht dst Einheit der Spekulation, dst Einlzett der Wahrheit. „Der Jude bleibt Jude, auch wenn er dst Tanke empfängt" — dies« Satz kann man auch bei Henrict und Böckel lern«. Ader bei dies« heißt das; Der Jude isdunverbesserlich, dst Race hat e« ihm angetha«. In der Frau Gräfin Mund« ist es em Eompliment: der Jude ist unner» derblich. Das Jndenchum im Jnd» ist urvermüAich, «n-

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