Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938315--6553-5372464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
de» Leb«»» arfbrmglicher bemerkbar mach«, »»ährend gerade die edleren Seiten naturgemäß im Hiatergruulie de» Einzelleben« unbeachtet bleiben. Er steckt somit allerdings hinter der Antisemiten hetze ein Stück deutschen Jdeali«,au»(?), de' nur da«, wa» ihm rntgegcasteht, mißdeutet und sein eigenste» Jatercfse, durch falschen Eifer verblrndec, mißoerstcht. Andererseits aber hat dieser Antisemitismus auch garnicht die allgeineine und dauernde Bedeutung im deutschen Volke, die ihm vielfach zugeschricbm wird. Die Grobherzogin von Baden und unsere Kaiserin haben darüber in einer Unterredung mit Auerbach behetzigeoSwerihe Worte ge« sprachen, die e« verdienen aus Auerbach« Bliesen an seinen Freund Jakot Auerbach herausgehoben zu werden. Der Dichter bericht rt über diese Unterredung au« Berlin am 26. Wärz 1881 n ie folgt: — »Ich legte nun dar, wie tief ich im Gemüth g< stört sei durch die Judenhetze; r« ist kein Geringe«. daß min sich sagen lassen muß, man gehöre nicht zu den Deutschen und sei ohne Vaterland. Da« muß ich noch miterlebeo, der ich bereit» sechsundvierzig Jahre nach bester Kraft sür das deutsche Volk arbeite und im Patriotismus Niemand nach stehe. — Das wurde mir bestätigt und die Ä*oßhe> zagin sagte: — »Glauben Sie mir. diese häßliche Sach« ist nur in Berlin." — »Und auch hier ist ste nur vorübergehend', siel die Kaiserin ein. »Berlin treibt über Rächt, man weiß nicht woher, eine Pflanze auf. am andern Tag ist sie wieder verganaen und sie hat keine Wurzck. Und sie sehen ja, die Sache ist eigentlich schon vorüber, oder ganz gewiß im Ber'chwinden." — Ich mußte da« bestreiten und wiederholte, daß man am Hofe wahrscheinlich von dieser Verwüstung der Gemüther urd der Verkehrung alle» geraden Sinnes nicht genugsam unterrichtet sei. Die Kaiserin sagte mir: »Wir, mir haben unsere alten Beziehungen zu den alten Freunden — ich sehe von Ihnen ab. denn Sie sind nicht nur ein Freund, sondern auch ein Dichter — immer aufrecht erhalten und werden e» auch immer so zeigen." — Die Kaiserin wiederholte, wir unablässig wohsthätig die Juden sich bewähren, und wie sie selber vor kurzem das jüdische AtlerversorgunaShau» besucht habe, wie sie nächstens da» jüdische Krank mhau» besuchen wolle, und so solle ich nur rnhig sein, es wird sich alle» wieder schön auSgtesihea." — So Aue bachs Bericht über diese gewiß merkwürdige Unterredung. Wenn auch vielleicht unsere Kaiserin und dft Äroßhrrzogin von Baden den Umfang der Bewegung etwa» zu gcring angeschlagen haben mögen, so traf ber Versuch, de» aufgeregte» Dichter zu beruhigen, doch gewiß darin das Wahre, daß der Dichter den Umfang und die Bedeutung derselben überschätzte. Ich selbst habe dartber wiederholt mit Auerbach in aller Freundschaft gestritten. Der Antisemitismus hat seinen eigentlich«» Sitz nur in einige» großen Städten *) Dentschland» und auf einigen Landgedleten, oir durch Mitstud der betheiligten Christen von dem Schaden der Wucherer heimgesucht sind. Andere kleinere Städte sind nur gelegentlich und vorübergehend in diese Bewegung hinein gezogen worden, wenn Stöcker oder eia anderer Anti« semrt lerne Hetzreden hineintrug. Und selbst in Berlin wird diese Bewegnug gewiß nur vorübergehend in gewisien Kreisen Lärm gemacht haben; der überwiegend bessere Theil der dortige» Bevilkenrng wird dauernd nicht vergcssen, wa» gerade Beclür au geistiger Bildung seiner französischen Kolonie und >en eiugewanderten hervorragenden Juden zu verdanken hat Bor nod) nicht langer Zeit pflegte« derartige von Zeft zu Zeft im», »iederkrhrrnde Juden Hetze« in Dentschland rinen pöbelhafterer Charakter auzunehmen, obgleich die Ausrchgnageu ntdit von so maßgebenden Leute» autgingm wie i<*t Wenn trotz dieser gefährlicheren Sachlage di« würtcgr Anfuizuar doch nur z, so verhältnißmäßig rohen Au»sch:eituvgen geführt hat, so bezeugt doch schon die» ea«u Fortschritt, der zu der Hoff«», *> «der ic vteftt w»e»isch. tts* tafcic* Ulacktzttch -nch die 8-ts-- «litte mä fettm «ft (IM.) flfl*VJ***t s daß wir bald anch diese» Zettübel in nasere« Lrlke wieder überwunden haben werben. Daß di^r ganze Bewegung mit religiöser Eapflirbuaa nur geringe Verbindung hat. zergt am deutlichsten die», da» dabei nirgend eia Bemühen, die Inden zu bckhren hervortrat,—) sondern nur das Verlangen dieselben im soziale« Daseinskampf zurlickzudrüngen «ad einzuenge«. Angeblich zum Schutz« de» Christenlhum» und Deutschchum» von Millionen, die sich nach Christas, dem Lchrer der allgemrtu menschlichen Brude'liebe, Christ» nennen, gegen die wenige» Tausende von Juden sollten diese verasteten Schranken wieder aufgerichtet wersen. Nicht» beweist deutlicher die inner« Schwäche dieser Bewegung als dieses Mißverhättniß. Wenn bei solchem Zahlverhästaiß die übrrwirgeabe Mehrheit wirklich eine- Schutze» bedurfte, so war damit gewiß bewiesen, daß die Minderheit im Kampfe um» Dasein die größere Kraft und das bessere Recht auf ihrer Seite hatte. Es lag dann freilich ein Russcnkumpf vor, aber ein solcher, bei welche« die Juden schon den Beweis geliefert hatte», daß sie die kraftvollere und begabtere Rasse sind, die trotz aller Einschränkungen. ihre» Handel» und Wandel» auf den endlichen Sieg im Wettkampf de» Leben» rechnen kann. »Mich wandert schon lange, daß au» chrer Mitte nicht ein Mann anfstand, der den Much hat:«, gerade die» offen au«zusprechrn und den in ihrem eigenen Glauben so zekfahreuen Christen mst Siege»- gesühl den einfachen jüdischen Gotte»glaube« al» die einzig wahre Religion grgenütrrzustellen und di« Christm zur Rückkehr zu diesem Glauben auizurufta." (Wir wolle« diese bedeutsame Aeasiernng de» bedeutenden Manne« nicht durch eine längere Nachbemerkung schwächen und beschränken «n» blo», aus seine Schlaßfrage zu aut »orten : daß da», wa» er hier erwünscht, bislang nicht geschehen ist, hängt mit de» Grnadweftn de» Judea:humS zusammen, da» jeder Prosechtenmacherei abhold ist. e» tränt der Wahrheit soviel innere Kraft zu. daß sie auch ohne äußere Mittel und Anregung allmählich zum Siege fortschrettet. »Nicht dnrch Macht und nicht dnrch Kraft, sondern durch meine» Geist — spricht der Herr Zebaoth.") Daneue Juden-esetz i« Oesterreich. Mst anerkennen» werther Eatschb.'deuheit hat fich die österreichische Regierung von jeher Mt Lntisemitenpest ent* gegeageftellt. Nur der Regierung ist es zu verdanke», daß Rohling nicht ferurr sei« verderbliche» Gift der Jugend ein» impfen kann, die Regierung ist e«, die unbeirrt vom Geschrei vaterland«losec Ba!k«aaswiegl«r jüdisch«« Gelehrten den Weg zu den Lehrkanzeln der Universitäten frei hält» der oberste Kriegsherr hat vor Karze« wieder einen jüdische« Stad«- Offizier zum Obersten eine» Regiment» «raannt. De« wüsten Treiben der arischen Bertnnker alias deutscher Studenten nach dem Geschmacke Schönerer'» wird da» neue akademische Bereiusgcsktz gründlich et» Ende machrn. Da» sicherste Mittel aber, den Frieden uniee de» Konfessionen herzustellea, erblicken wir in der Regel»»» der Rechte und Pflicht,» dieser Kouftsstoneu auf gesetzlicher Grundlage. Laag« Zeft wurde ein solchä Gesetz zur Regeln«» der äußeren Rechtsverhältnisse der Jude» in Orfterrrtch schmerz* lich vermißt. Seit der bekannten Entscheidung de» oberste« verwallnugsgerichte», nach welcher in ganz Böhmen allein die Prager Kastusgemeind« zu Recht bestehend an erkannt wurde, hatte sich aller andere« große» und blühenden Gemeinden in diesem Laude begründet« 8*rcht bentächttgt. Alle Institutionen, «echte and Pflichten »aren der Willkür, de« Belieb« anheim gestellt, alle Fortschritie auf de« Gebiete der —1 Da» » dich aber »ach »ft »Nd »«Mich aema »e» tteteu. t i* iSmfmmwatkkp ,,__ttf ist staglbme «her m» war alljuaft. die kaafe. >»» »agl. «ich da» ftlgiadi »«iatzttttNU". (mm.)