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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 7. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 7.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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fBtr (eben zwar in Zeitalter ber FrauenEmancipation; aber ««« bedeutet ba«? Etwa eine Erhöhung der weiblichen Lutoritä:? Im Gegenlheile: eine Degradation der Majestät der »<ibl chen Liebenswürdigkeit. Ortographische Fehler waren, noch zur Zeit Börne'«. die Hlüthe der weiblichen Liebenswürdigkeit. und war nicht die .»eidliche Logik" ein Gebier, das von den Männern nie begriffen aber stet« respekkirt wurde? — Im Zeitalter der Frauen- Emavcipation ist alle« anders geworden: .mit zaubeiifch lieblichem Blicke" ist den ernsten, sestgesügten Berhältniffen unsere« Leben« nicht meqr beizukomiaen, .der Stärke trotzig Recht-, oder de« Rechte« trotzige Störte find die Waffen, die die Frauen schwingen lernen riüffen! nicht da« Pulver in zierlichem Raketen- Sprüh-Regen verpuffen laffen, sondern mit festen Hinterladern scharf zielen und richtig treffen, gilt es für jeden, der an ren ernsten Kämpfen unserer Zeit Theil nehmen will. D e Frau Gräfin stellt fich, wie die alte Wolken-Säule zwischen Israel und die verfolgenden Egypter, sie fängt wie die Rabiuen alle dieser Wolken-Säule nachrühmen, alle Pfeile auf die oon den Egyptern aus die Israeliten abgeschoffen werden — da« ist edel, da« ist menschlich» da« ist hilfreich, da« ist gut- Aber fie läßt die Pfeile auf die Schützen — nein, auf den ganzen ungeheueren frei«, dem die Schützen angehören — zurückfliegen: da« hat die schützende Wolken- Säule nach dem schönen alten Berichte nicht gethan. Sollen, dürfen wie e« uu« gefallen lassen, dürfen wir e« anerkennen, dürfen wir applandiren ja dürfen wir schweigen, wenn die .Frau Gri fin es für nn» geshan hat?— Die alte Wolkensäule stellte sich zwischen Israel und den Egyplern, sie trennte, wo keine Vereinigung dankbar war.' Die Frau Gräfin stellt sich zwischen die Judenheit und Christen he t, um die Trennung permanent zu mach-», um der Trennung noch wettere Dimensionen zu geben, aß sie jetzt schon hat. Die Christen sollen die Juden bewundern, stndiren. tie Strahlen auffangen — aber olles au« weiter Ferne, me dem Teleskope, wie der Astronom, nicht von Her, zu Herzen in der Wechselwirkung de« Geben« und Cm- -fangen«, staatlicher und gesellschaftlicher Vereinigung. Sollen wir au« ^Dankbarkeit für die schönen lieben Worte der Frau Gräfin da,;n ein Auge zudrücken? Rei». saam oaiqae! Wie sagt Irer alte Brutus? .Weil Cäsar mich liebte, wein' ich um ihn; weil er glücklich war. freue ich mich; weil er tapfer war, ehre ich ihn; aber weil er herrschsüchtig war Die Frau Gräfin hat manchen Tropfen lindernden Bal'am -Egrflen in Wunden, die nn« der Äi.tifmitßmu« geschlagen. Sie hat aber auch manche Wunde gerissen, wo gar keine war und diese als Kea-ikheitS-Shiptom hingestellt, da« genau -r studirt werden muß. Sollen wir uns an gani gesunden Stellen von der Sonde durchwüh'en lassen, weil eine liebenswürdige weibl che Hand auch ihre scharfen Nägel nicht umso ist haben wollte? — Aber noch mehr: die Frau Gräfin hct eine allzu optimistische Diagnose über Israel« Gesundheitszustand gestellt. Die Judenhett ist gesund überall d«, wo die Christenheit krank ist; bei den Juden ist olle« de» Schön- und Gute zu finden, was bei den Christen zu wüajchen tbct« bleibt. Gnädige Frau! Wir sind sehr zum «tzauviniOvlu« geneigt. Wer kann e« un« verdenken? Welcher «erkannte entschädigt sich nicht gern durch Selbstgefälligkett? Sköer wie cefährlich sind Ihre li.beuSwürdigeu Schmeicheleien für unsere Neigung zum Chauoinßmu«? Nein, wir »ollen uu« nicht al« besser und schöner hinstellen lassen, «l« wir sind — wir haben e«, Gott sei Dank, nicht nüthig; wenn man nur da« Gute anerkennt, da« f n un« wirklich i st, kann die Welt schon mit un« verliei nehmen, und wir wollen dann für unsere Fehler und Mängel nicht geehrt, sondern belehrt sein. — Ach, un» die Gunst der Frau Gräfin ist gar zu gefährlich! Sre liebt die Christenheit, und sie hat Recht. Biele« an der Christenhett gefällt ihr nicht und da hat sie wieder Recht: welche« Menschliche ist vollkommen? Sie will die Christenheit bessern: welch 'ed.'es Ziel! Die Frau Gräfin ergreift ein echt weibliche« Büttel: — 'Die Christenheit hat einen Rivalen: die Judenheit. Liebt die Frau Gräfin die Judenheit? Wer wollte da« ergründen? Ich wollte wette», die Frau Gräfin hat schwarze Augeu und .Eines schwarzen Auges tfirfankel ist stet« wie Gotte« Wege dunkel!" Doch liebt dir Frau Gräfin die von ihr so gepriesene und bewunderte Judmheit oder nicht, da« ist ihr Nebensache, nun ich glaube, sie haßt dieselbe nicht. Aber d e Judenheit wird von der Chri'tenheit al« Rivale angeschen --- und da« benutzt dir Frau Gräfin. Sie will ihren Geliebten bessern und sie erregt seine .... Eifersucht auf seine« angeblich n Rivalen: ist da« wcht echt weiblich? »Lieber Chrsst, du hast diesen Fehler; da steh einmal, wie dein Rivale, der Jude, an Stelle diese« jZehler« die ihm entsprechende Tugend besitzt. Nimm dir ein Beispiel an ihm!" — Sollte dirse Methode nicht zum Ziele führen? — Ja, wer weiß? .Gort, der Herr, wandte sich zu Abel und ferner Gabe. Zn Kain aber und seiner Gabe wandte er sich nicht, lind da« ärgerte den Hain über die Maßen." Und da« Ende vom Liede? »Kain sprach mit seinem Bruder Abel, und e« geschah, a(S sie auf dem Felde waren, da stand Kain auf gegen seinen Bruder Abel und-schlug ihn todt"- Es ist 'ne alte Geschichte, Doch bleibt sie ewig neu, U»d wem sie just passiret. Dem bricht'« da« Herz entzwei," — oder auch dar Genick und die Klochen.- Rach allen diesen Gesichtspunkten wollen wir uu i die Brochüre der Frau Gräfin gründlich studiren. Ich habe zu viel Ehrfurcht vor der hohen Frau Verfasserin und ihrem Genie, al« daß ich glaubte, fie w o l l e — wie die Damen — nicht ernst genommen sein. ilttt Xaaedurbitittta debevorstehende« fünfte« 8e«eindetnged. Berlin, 12. sstbrnar. Die Tagesordnung für den in 8 Tagen statrfind enden deutsch iscaet. Gemeindetag ist dieser Tage an die Gemeinden versandl: worden. Freilich etwa« spät» so daß ein« Berachung de« bete. Abgeordneten mit der Gemeindevertretar.q in ordentlichir Sitzung nicht mehr gut möglich ifi. Dieselbe umfaß» fotzende Gegenstände: 1. Eröffnung. 2. Constitniimng. 3. Berichterstattung. 4. Decharge-Ettheiluig. 5. Wihl dreier Kaffenrroisorrn. 6. Anträge de« Ausschusses aus Statutenveränderung. 7. Antrag vetr. Centralssation der locilen Armeapfi-ge und Bekämpfung der Wanderbettelei. 8. Antrag bett. der Unterstützung von Vereinen zur Förderung de« Hand werke«. 9. Anttag betr. vopuläc-wissenschrftlicher Vorträge. 10. Ren - wähl de« Ausschusses. - Abend«: Festessen ü Eoavert 4 M.

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