Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Firma »Mannheim Cohn Söhne* <m 1. Februar bol Hund rtjährige Fest ihres Bestehens. Es hat sich nämlich der lrgrotzviter der jetzigen Firmer inhaber, der Herren Jsaac und Moritz Loh», als erster und einziger Jade hier nmrer; «lassen und da» noch jetzt von seinen Urenkeln be» wohnt; HouS am 1. Februar 1788 durch «ine» Kanfkontralt an sich gebracht. Wie schwer eS damals einem Juden war» Grundeigeuthum zu erwerben, geht au« der Bemerkung im Koufkoatraft hervor: »Rur ist eS KSvferS Sache, sich z» diesem Ankauf die erforderliche gesetzliche Couc.ssio« zu beschaffen." tziogor nach 13 jährigem Besitz kam noch auf einen wieder!»ölten Antrag der Bescheid: »veror dem Kontrakt von Gerich «wegen nachgegeben, am allerwenigsten gar bestätigt werden kann, maß zunächst der Schvtzjad« MarcuS Mendel (Lohn' innerhalb 12 Wochen durch bei« erforderlichen Konsens Einer Königlichen General-Dirrktion von Berlin zur Acquiftion bürgerlicher Grundstücke »ck Lot» beschaffen oder aber gnoärtigen, daß das ganz« Geschäft für unzulässig angenommen werden wird." Finden wir auch in einem alten »Privilegieu-Buch" von 1801 >cn PassuS: .Das Dominium kann einen Kaufmann oder Juden ansetzen, welcher das Recht Hot, mit allen Material-Waaren und allen mögliche« Getränken zu handeln. UebriginS wird festgesetzt, daß außer dein bereits eingesetzten Juden MarcuS Mendel Lohn weitcr kein anderer Jude in Somotschin angesetzt werden soll." so zählt doch schon Sam. im Jahre 1816 unter den 1023 Einwohnern 186 »Alttes amentaristea" und außer den Pnvathäusern und 1 Bet Haus eine — Synagoge. Ar» bescheidenen Anfängen also tirrvorgegangen, hat sich doh genannte Firma durch streng« Rechtlichkeit, durch Fleiß imd Auedaurr, namentlich unter dem vor 2 Jahren verstort-eneu Firmeniuhaber Mannheim Cohn zu diesem großen Wohlstand und hoher Achtung enporgerunge«. — Z» Erinnerung an diese huudertjähciqeJubelfeier haben die Herren Jsaac und Moritz Cohn der Stadt eine schöne Uhr urd der jüdischen Gemeinde außer einer werchvollen »Schul chan> Decke" noch eine jährlich« Rente von 30 Mk. (die Ziesen von 600 Mk) behufs Verschönerung de« Friedhof« geschenkt. A rßer vielen Gratulanten vou Rah und Fern erschienen auch in. Hause der Jubilare der Magistrat, die Stadtverordnete!,, deren Mitglied Herr Jsaac Lohn ist, die Gemeiudaertreter rc., um ihren Glückwunsch und Dank in warmen Worten auszusprechen. Alend» fand ein Festessen statt, welches durch eine vom Refere« en verfaßte und au der Tafel vorgelesene Chronik der hurdertjährigeu Famllienbesitzthum» der Firma Manuheim L ihü Söhne, sowie du«h viele Toaste ernsten und heitern Inhalts gewürzt wurde. Mögen die Jubilare, echte Löhne ihrer stammen Eltern durch d e schöne Mische Eigenschaft Dlfim12 Dlöm, sich »och lange frisch« Kraft und reichster Let*n»frende« erfreuen. Zti» MstrttemSerg, 3. Februar. (Or.-Corr.) Rr. 227 des Staatsaozeigers für Württemberg v. 27. Januar er. bringt ne König!. Verordnung, wonach di« i«r. Kirchengemnudi! Ulm von dem RabbwatSverband« Laupheim loSgetrennt wird und ein eigene« Rabbinat bildet, und zwar mit der Rajgabe. daß diese Arnderuug sofort mit dem «»tritt de« «euavpr teilenden Rabbiner» in Ulm in Kraft tritt. E» vollzieht sick, hiermit ein geschichtliche« Errigaiß. Die Reichsstadt Ul« h«te i« R ttelalter eine sehr bedeutende jüdische Gemeind«: zweimal wurden die Israeliten dort anS-etrieben und erst ua At.faug diese« Jahrhundert«, als Mm au da« Königreich Württemberg übrrgiog, siedelte» sich wieder Juden dort an Gugenhmmer und Röder warm di« ersten Wiederausiedl«r der »Sr. Gemeinde.*) ") t «der die jidische wankinde Ulm sin» M«wgrmchi«n von?iotekjnr Dr. chabler, von Professor Ar. Peefsrl, ma losesspr Dr. P^esenmeier ».«.«. vorhanoeo. . i. Der Judenhof »ob die alte Synagoge find monmumtale Denkmäler. Mm wurde «ine Filiale der iSr. «Semeinde Laupheim, die erst i« vorige» Jahrhundert unter de« Frei- - Herren v. Selbe« sich gründe,». Die Filml^meinde Ul« hat nunmehr den Mntterort Laupheim überfliegett; j-ne zählt über 700. dieser nur 600 iSr. Einwohner. Ul« hat vor 1» Jahren eine neue Prachtsyoagoge auf dem Weiuhof erbaut: sie hat den Stuttgarter GebetrituS mit Orgel nttd Chorgesang eingestihrt. Alle 4 Wocheu hatte der Rabbiner - von Laupheim den Gottesdienst, dem sonst der Vorsänger toorftaRb. zu leiten. E« ist in Ilm auch nicht auSaeblieben. daß eine Anzahl sogen. .GesrtzeStrener" die Orgelsynaqoge' nicht besuchte und ein eigenes Letlokal sich «iarichtete. Diese. Separatg nnriode hat eS auch darchgesetzt, daß da» Kirchenvorstehercmt da» rituelle Sckä<l>tm und Porsche» unter die- Obhut d«S Rabbiner« stellte und eine« gewissenhaften Schächter in Dienst «ahm. Wenn an gewöhnlichen Sabbathea von dem Besache der Synagoge gesagt werden kan«: .Die leeren Wände grinsen mich an!" so wird da« wohl ander« werden, wenn der RabbinatSsttz nicht mehr verwaist ist. Ein weite« Feld der THStigkeit eröffnet sich dem künftigen Rabbin«« auch aus de« Gebiete de« Religionsunterrichte«^ da die wissenschaftlichen Anstalten. Gymnasien. Real- und HSHere Töchterschulen nur einen akademisch gebildeten. graduierten, Lehrer zulaflen. Während in Ulm ein neues Rabbinat gegründet war de, find zwei Rabbiuate, Freudeuthal und Butteahausea, erledig», und sie solle» auf den Aussterbeetat gesetzt sein. Butteu - Hausen könule in diese« Jahre sein 100jährige» Jabrläua begehen. 1788 hat Freiherr von Lieben st «in die erste i«r. Ansiedler ausgenommen; Freudenthal hingegen ist die älteste altwlirüemdergisch« Gemeinde; berühmte Rabbiner» - waltete« dort; von denen einer, Rabbi Alexander Elsässer, von dem ersten König de« Laude« Friedrich I.' al» LandeSrabbiaer eingesetzt wurde und ia dessen hoher Gunst stand. Qi» wäre im Interesse geschichtlicher Erinue- -if rang Pflicht, düsen RabbiaatSsitz aufrecht zu erhalten »nd ihm einen Bezirk zazuweisea. Ällwürttembccg hatte nur 3 ,-j jüdische Gemeinten: Frrudenthal. Hochberg und Thalheim; sie sind durch die Freizügigkeit 1heilwe.se entvölkert; aber von x/' ihnen kann gesagt werden: ,Hie gut Württemberg allw«!" - 'i tzstNßkwwV iv.y 1. Februar. ^Or.-Corr.) Folgender Be^» schluß deS Sefammtministerium« kam heute zur officiellea Ir Bervffentlichnng: Jene im Küaigreich Pole» wohnenden anSländifchrn Joden, welche für da» Jahr 1887 Patente erster Gilde erhalten habe«, könne» solche Patent« auch für da« Zahr 1888 «chatten. Der Beschluß betrifft jedoch nicht solche ausländischen Israeliten, welchen auf Grund der de« stehenden Gesetze die Erlanbniß, «ia Geschäft in Rußland»« führen, verweigert wnrde. Den Letzteren wird der 1. Mat 1888 al« letzter Termin zum Einreichen von dieSbezstgltchen Petitionen bezeichnet. Diejenigen, welche bis zu diese» Termin nicht günstig beschiedea «-erden, stad zum Ans geben ihre» Geschäft», sowie zum Verlassen de» russisch» Gcmrte» und zwar »och vor de» 1. Januar 1889 gezwungen. A. den 1. Februar. (On-Corr.) Uever die grotzarttge Spende de» Baron Hirsch zum Besten der in Rußland lebenden Juden, über welche die Presse bereits hott nn gen an« und einander widersprechend« Ra gebracht hat, so daß während die eine Zeitung di« ganz« Spenden-Geschtchie al» müßige Erfindung betrachtete,' bk J zweite bereit« die einzeln« Detail» anzugrben in der n—* zu sei« v'orgab. Der .OdeSki West." Snßert sich darüb« folgt: Baron Husch hat allerdings die feste Absicht', 2» Millionen Rubel (50 Million« iZranc«) z« sp-md«o. Aus' Anrathea Boliakcir'«, wie auch anderer jüdisch« Persönlich»: ketten, spendet er diese gewaltige kam»« «nwstlMsich , Einrichtung von HandwerkSschnl«» Da»<üeld»äkd seinem ganze« «.trage der Rqstr«, eingchändk» -.nch< den erwähnte» Zw:ck de« Ministerin« der