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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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z»r Disposition gestellt. Er heißt sog«, daß alle mit der Uetergab« der Sprude verknüpfte» Formalitäten bereit» erledigt seien. Indessen finde« Person«», dir mit der Leben», träfe und den Bedürfnissen der russischen Juden auf» genanrste bekannt find, daß ei» so einseitige« Benutzen der kolossalen Summe von üblen Folgen sein kann und «her Schaden al» Nutzen bringen wird." So weit der O. W. E» folgen dann Betrachtungen darüber, daß den Juden selbst da» DiSpofition«reckt über die kolossale Summe an» hei»,«stellen sei. Die „Rowoja Wremja' meint aber dem gegenüber, daß e» dann zweiselhast werden dürste, ob die Spende ihren Zweck erreicht, da doch in der Aufbefierung nicht blo» der materiellen, sondern auch der moral>sch««(?) Existenz der Juden besteh«. Sübstverständlich liegt dieser Meinung der antisemitischen Row.-Grrmja etwa» «nderr» zu Grunde al» die Aufbesserung materiellen und .moralischen- Existenz der russischen Juden; daß dem e< ist, wird wohl niemand, dem e« bekannt,!>aß die .Rowoja Wremja" da» judenfresserischstr Blatt Rußland ist, bezweisckn. > Wir aber schlichen uns der Ansicht derjenigen an, welche! meinen, daß e» besser wäre, den Juden selbst da» Dispoj sttiontrrcht über die Spende anheimzustellen, wir können aber! nicht umhin zu bemerken, daß «ach unserer Ansicht die ge» ivaltigr Spende de» Baron Hirsch — welche seinem jüdischen Herzen alle Ehre macht — wenig zum Heil der slawischen Juden beitragen dürste. Ein Uebel. da» man verbessern will, muß man zuerst gründlich kennen, bevor mau Heilmittel dagegen verordnet, wenn man aber zu wiffen glaubt, daß da» Uebel t-er russischen Juden ao» Mangel an Handwerksschulen stammt, dann irrt man sich doch ganz gewaltig. Die» teweist ja die jüdisch-russische Emigration am besten, welche, «inrul russischen Blatte zufolge, sich im vorigen Jahre auf <#. SÖ,0»0 Familien belief, und unter diesen dreißigtausend Emigranten befanden sich an zweidrittel tüchtige Handwerker, welche tdrll» au» Beschäftigungslosigkeit, Heus au» anderen Gründen Rußland den Rücken gekehrt üaben! Es ist darou» leicht dir Lage de« jüdischen Handwerk» in Rußlund zu ersehen. — Wir huldigen daher nicht der Meinung, di« Jud-m mehr dem Handwerk zuzuführen, al» e» bisher g.-schah — nicht weil e» schaden bann. — sondern nur weil tti keinen Nutzen bringen wird. UebrigenS ist zu befürchten, d>»ß durch die HandwrrkSschule», d. h. durch die geschulten jüdischen Handwerker, an denen e» Rußland mangelt, der meid und Haß in die russischen Herzen nur noch mehr geschürt ‘ Vierden wird — und wer wag e» im voraus wiffeu, ob ' d<m« nicht eim einzige Stimme genügen wird, die Mittel» altrrzeih wie wir sie leider im Jahre 1<81—82—83 bereit» "erttbt haben, auf« Rene heraufzubefchwöreu? Ker«ifch1r »rrd ntueftt Machrichle«. Werkln, 2. Fedr. (Or^Sot.) Die Kaiserin empfing mir Sonnabend, den 21. v. M. Frau Lina Morgenstern in Pctvatandieoz, um derselben persönlich nochmal» ihr Beileid «»zusprechen. Einer armen Frau mit fiedeu Kindern, von Melcher Fra» Morgenstern der edlen Monarchin erzählte, gewlhrte die Kaiseiin eine Unterstützung, welche der Roth abhalf. Beim diesjährigen Orden-fest waren von jüdischen Damen «wesend Kran Kommerzienrath Pring-Heim, Frau General» -E»«s»l Krirdheim, Krau Kommerzienrath Schmabach und Fsta» Dr. Sach«. Wruoka«, 2. Febr. (Or.-Eor.) Professor Dr. Freudenchul am htts. jüb.-theol. Seminarist znm ordenllicheu Profrfsor an der dies. Unioerfität ernannt worden. Wenttze» H.-Kchk. Nachdem Herr Rabbiner Dr. G rttmann-Htlrächei«, auf de« man in erster Reihe bet Istefetznng de» hiestgen oacanten Robbiuat» reflektirt hatte, initiv abgelehnt hat, will «an uumnehr Hrn. Rabbiner Dr. «ger-Eaffrl »nd seine«Rochsolger He». Seminnr-Dtrekwr i. Kr»ner.Hanuooer zn Probrpredigt« eialabea. }tj^' . JUifmUnittu. Dar Urthell der Strafkammer gegen Tug. Gotthold. Berlag-buchhändler, lautete «:gen grobe» Unfug», begangen durch Brrbreituug antisemitischer Schriften, auf eim Geldstrafe von 1VV M., Unbrauchbarmachung der beschlagnahmte» Schriften uud Tragung der Kosteu. Z. Leipzig, «. Februar. (Or.-Eorr.) Am vergangenen Sabbath nahmen dieProbepredigteu iu hiesiger Synagoge and zwar unter zahlretchrr Betheiligung der Gemeinde ihren Anfang. Den Reigen eröffaete der in der litterarischeu uud theologischen Welt besten» bekannte Herr Rabbiner Dr. Krouer au« Brandenburg. Form. Inhalt und Lortrag der feinstnuig durchdachte« Predigt reihten sich den Glanzleistungen da» zu den Nestoren jüdischer Kanzelredsamkeit zählenden hiestgen Rabbiner» Herrn Dr.Goldschmidt würdig an. Die Predigt desDr. Kroner übte nach dem Urtheile Aller, die ihneu gehdrt. einen tiefen Eindruck auf die andächtig bewegte und mächtig ergriffene Zuhörerschaft au». Die überaus sympathische und äußerst würdige Erscheinung de» Redner» hat den Eindruck noch wesentlich gehoben. Am nächsten Sabbath wird Herr Rabbiner Dr. Weifse an» Dessau hier probepredigen. Mir». Dr. Gustav Wertheim, (J»r.) der berühmte Univers-Professor für Hautkrankheiten und Dirigent de» Rudolf-Hospital», ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Er war der Sohn de» s. Z. berühmten Augenarztes Dr. Zacharia» Wertheim und hat wie al» Lehrer, so al» Schriftsteller sich große Berdienste erworben. A»».Milßre». (Or.-Eorr.)JnSaaz predigt, wie die hiestgen Prooiozalblätter melde», rin Prämoustratenserpriester. der al» Eaplau in der dortigen Stadtkirche fungirt, allwöchentlich den wütheurstru Antisemitismus, da» ist wahrscheinlich die reine, christliche Menschenliebe, die man nnr durch Srtüdtuag de» Fleische», in der Weltfiucht. hinter den Klostermaurra erwirbt. Die Nachricht darf wohl a!» authentisch gelttn, da die deutsch-böhmischen Zeitung:» sonst auch gelegentlich in Antisemitismus machen und dem Herrn Eaplau nur deswegen gram find, weil er al» Ezeche in der deutsche» Stadt auftritt. Am 12. v. M. wurde in Brünn der Operetteusäuger Earl Drucker, welcher nach vielversprechenden, künstlerische» Lristangeu im 32. Lebensjahre starb, unter zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen. Der Verstirben? war zuletzt am Earl-Theater i» Wien engagiert gewesen. — Nach den nmimehr beendigten GemeindeAuSschuß-Bahlea gehören der Stadtvertrrtung sechs jüdische Mitglieder an, von denen einer, der Advocat Dr. Fiaila. welcher auch im Cultusvorstande ist, neugewählt wurde. Die Zahl ist bei einer Körperschaft von 48 Personen immerhin eine bedeutende. In Wtg« hat jetzt dir Polizei eine alte Verordnung wiederum i« Erinnerung gebracht, wonach Aurländrr mosaischen Bekenntniffe« nicht die Berechtigung haben, in gewisse, Gegenden de» russischen Reiche», zu deueu auch die baltischen Prooinzen gehören, al» Mnstler anfzutreten. Insbesondere gilt diese Bestimmung auch für Bühnenkünstler, denen daher Vorsicht bei Abschluß eine» Vertrage« mit russischen Bühneu» vorstäude» zu empfehlen ist- Wew-'N-rt. Im Emanuel-Trmpel hat eine Geaeral- Bersammluag der Gemeinde-Mitglieder stattgefund.-n, um den Vertrag mit dem Prediger Dr. Go dH eil zu erneuern. Zugleich soll ein Hofprrdiger neben demselben angestellt werden, um „Sonntags-Vorträge" zu haltto. In Kinrinaoli wurde am 1. Drcember v. I. die Statue de» verstorbenen Präsidenten Garfield unter großen Feierlichketten enthüllt. Reu Raphael Benjamin, welcher den Act mit einem fei-rl'chea Gerät: einleitete. wurde bei dieser Gelegenheit allseitig beglückwünscht Nachdem er die Gebete für da» Wohl de» Lande-, insbesondere de» Staate» Ohio gesprochen und die Erinnerung au den verstorbenen Präsidenten gebührend gefeiert hatte, äußerte sich der Gouoeraeur in ehrendrr Weise über den tiefe« EiuSruck, welchen die Rede de» Herr» Benjamin aus die zahlreiche Versammlung gemacht hatte.

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