Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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' - <4^- tcitra einte Eheschlü^nog schreitet. Wohl aber hat der Religi «»»dimer, gleichviel ob e» fich um eine t« Inland« «der lüKlavde bürgerlich geschlaffme She handelt. fich stet» bi« bkrgerlich« Gültigkeit der geschloffene» She Nachweis« zu laffeu. Verabsäumt er die« «ad ist er fich dieser Berabsäumuog bewußt, so ist er au» tz 67 de» gedachte» Gesetze» z» bestrafe», auch wen» er i» dem irrthümlicheu Glauben fich brfa»d, daß die Ehe recht»giltig geschloffe» «ordeu sei. Gerichte «rd COrrrfP<»de«re«. De»tfchl«u»d. zserkln Der Hilstvereiu für jüdische Studire»d« sowie der Zoeigverei» desselben zur Unterstützung bedürftiger Gewerbe«, Bau» uud Knostatademüer zählt gegenwärtig 1060 Mitglieder, von denen 863 der eigentlichen uud Hauptgesellschaft zur Unterstützung armer Studirender an unserer Universität angchören. Da» Bermögen desselben beläuft sich auf etva '/« Millionen Mark, während die laufenden Beiträge 11745 Mk. betrogen. Da der Verein seine Unterstützungen lediglich al» Darlchne gewährt, deren Zurückzahlung er dm Betreffend« überläßt, sobald e» deren Lebenslage gestattet, so vereinnahmt derselbe alljährlich mehrere taufen)- Mark als Rückzahlungen; diese betrugen im abgelauftma Geschäftsjahre etwas über 4000 Mk. Sn laufenden Unterstützungen (40 bis 60 Mk. vierteljährlich) gewährte der Verein 18,695 Mk., an einmaligm 7357 Mk. Einmalige Unterst ützungm wurdm als Beihilfe zur Bestreitung von Promo nonSkostm und für da» StaatSexamm gewährt, theilweise auch zu Lollegiengeldern. Der Verein sttllt ferner alljährlich Preisfragen zur Läsung; im vergaugmm Jahre wurdm dem Sieger in diesem Wettbewerb« wegen seiner besonder» fleißigm Arbeit außer dem cuSqesetztrn Preise von 150 Dck. noch besonder» 100 Mk. eingehändigt. Die für diese» Jahr gestelltm Aufgabm habm S Bearbeiter, und Mar 5 Mediziner und 4 Philologen gesund«. (lieber da» Ergehn ß dieser PreiSbewerbangm soll in der Geaeralversammlung Bericht erstattet werden.) Di« Zahl der unterstützt« Mediziner ist seit einig« Jahrm in stetigem Anwachsen begriffm; von 35 pCt. im Jahre 1878 ist sie gegenwärtig auf 73 pEt. gestieg«. Dieser Umstand ist für die veurttuilung mancher Zeitströmungm nicht ohne BÄeutung. Die Piozmtziffer der Juristm ist seit de« Jahre 1884 von 3 pCt. auf 8 pCt. der Unterstütztm gesnegm. währmd sich die Ziffer bei dm Studirmdm der philosophffchm Fakultät auf den annähernd gleich« Höhe, zwischen 17—20 pEt. erhält. — Au» der Zweigstiftung für Akademiker wurdm 14 Stvdirendk fortdauernd unterstützt. Dieselbm erhieltm Beihilfen zum Betrage zwischm SO und 485 Mk. In 14 Fällm wurden einmalige Unterstützung« in Beträgen von 70 bi» 260 Mk. bewilligt. Die Art und Weise der Unterstützungrbewilligungm in Form von Darlehm mit nicht festbestimmten Zohlunqsfristm hat sich außerordmtlich bewährt. A trlin. Bei der letzter. Generalversammlung de» HilfSverrin» für jüdische Studirmdr ging es diesmal wieder recht lebhaft I>er. Schon viele Tage vorher wardeu die Mitglieder mit Flugblättern. Aufrufm, Kandidatenlisten förmlich überschwemm. ES gab fich eine Bewegung kund, wie etwa bei dm pol tischen Wahle». Uud al» nun der Wahlabeud herangekommm war, da sah e» in dm traulichm Räumm des ^BrüdeweremS" Unter dm Liudm so a«S, wie bei dm Reichst, ^»wählen. ES war ein unablässige- Komm« uud Gehe», ein förmliche- Kootrolirm jede» Eiuzelueu. Bon beiden «iuander feindlich gegeuübersteheulim Parteim wurde eifrig b-werben. Uud weshalb all' die Auftegung? AllerdingS spielte die Polittk auch hier bei dea Wahlen zu einem LnterstützuugSvereiu eine Rolle. Die Leser mtsinum fich vielleicht »och, welch' Aussehm im vergaugmm Jahre da» Verhalt, u der Professor« Lazaru« und Soldschmidt verursachte. Die Folge war, dH Prof. Lazaru» nicht mehr in des VernnSvoi stäud gewählt wurde. N>m aber geschah da» ganz Uuerwartete, daß der rmgewählte Vorstand de» Ge» . > fiouuugggeuofle» de» Beseitigt,», dm Prof. Golbschmtbt zu» Borfitzeubm ernannte. Darüber gab fich unter dm Mitgliedern lebhafter Unwille hmD. S» drohte sogar et»« zeitlang die Sprengung de» verein«. Nun sollte diesmal auch Herr Goldschmidt durch die uochwmdig gewordmm Reuwahlm besetttgt werdm. SS wurdm die größtm «nstrm» guugm gemacht, aber e» kam auch in diesem Falle ein Kartell zu Stand«; da» Sartell siegt«. Allein so recht froh sollt« die Sieger nicht werde». Währmd in früherm Jahrm die Generalversammlung mit einem zahlreich besttchtr» Festmahl schloß — bet welch« Gelegenheit manch hübsche» Sümmchen i» die Unterstütz»»,»»kaff« floß — war die«mal da» Häuflein auf kaum 40 zniammmgeschmolzm. Zßreska», 2. Februar. Dienstag, dm 24. v. M., fand in dem Hotel .Zu dm drei ÜSergm" die erste ordentliche Sitzung de» Verein» .zur Förderung der jüdffchm Litteratnr" statt, wozu sich ein sehr zahlreiche« Publikum eingefunden hatte. Nachdem der Borsitzmd-^ Herr Dr. Goldhammer, di- Anwesendm begrüßt und ihn« für ihr zahlrnches Erscbeium seiam best« Dank aulgesprochen halft, ergriff Herr Rabbiner Dr. Joel da» Wort zu seinem Bortrage: Die kritische Beleuchtung der .Smdung Mose»- von Schiller. I» überau» glänzender, geistreicher und spannender Weise _ führte der Redner au», daß nicht religiöser Fanatismus und Intoleranz Schiller bei Abfaffung seine» Auffatze» geleitet hättm, da eine niedrige Denkauise dem edlen und großm Geiste keineswegs zugenutthet v»erden könne. Ja, Schiller wiffe vielmehr in vollstem Maße dav zu würdigm, wa» durch da» Volk Israel und vor allem durch seinm große» Gesetzgeber Mose» der ganzm Menschheit geleistet wordm; auch erkentrt er an. daß da« Thristmtüum und der J«lam ihre Entstehung und Bedeutung dem Judenchum verdanken. Herr Dr. Joel wie» nun in schlagender Weise nach, daß Schiller bei der Abfaffung seine« Auffatze» von ganz falschm und von der hmttgm Wissenschaft längst aufgegebenen Anschauung« auSgegangen sei. daß namentlich die Quellen» au» dmen er geschöpft, Manetho uns TacituS, für die Geschichtswissenschaft keineswegs ausschlaggebend seien. Daher kommt e», daß Schiller über da» Bolk Israel und über da» von seinem Gesetzgeber begonnme W.'rk in gänzlich falscher Weis« geurtheilt habe, indem er die Quelle der mosaischen Religion in dem mystischen GeheimcultuS Aegypten» zu find« glaubte. Die nmerm Forschungen hervorragender Aegyptologen haben mit Evidenz erwiesen, daß eS m-t der WeiShett der Aegypter keineswegs so wohlbestellt gewesen sei, wie «au «» früher allgemein anzunehmen pflegte. Redner schloß mit der nachdrücklich« Ermahnung, einerseits an» dm Ausführungen Schillers durchaus nicht auf religiöse Intoleranz und Voreingenommenheit zu schließen, anderseits bei aller Achtung vor seinem Gmie dem Dichter auf historischem Gebiete uur mst größter Borsicht zu folgen, warnt aber zugleich, au» blinder Verehrung der Autorität Schiller'» seinem absprechm» dm Urtheile unbedingten Glauben zu schmkm und dadurch zu falschen, mit der väterlichen Religion «ad der Pietät un» vereinbaren Anschauungen zu gelang«. Ger«, 23. Januar. Auf ter Tagesordnung der letzt« Sitzung destädtisch« Gemeiu>»erath< stand« ,«. >. eint - - Anzahl Gesuche um Erthelluag de» Bürgerrecht», darunter ,-j eine» schon fest vielen Jahr« in Deutschland ansässig« <- rusfischen Kaufmann» Jankelow tz. Diese» Bürgerrechk-S» - cheiluugSgefuch wurde ab gelehnt. Der Redner der kouser- - vattv-uationalliberaleu Mehrheit, LaudgerichtSdirector Dr. tag«, meinte, der Einwanderung russischer Jnd» müsse Eg Inhalt gebotm werden, Gera s« nicht dazu da, ihnen «ttr Asyl zu gewähr«. .Rußland maltrairt die Dmtschm weist sie am»; warum soll da Deutschland nicht auch zu Gegeumaßregelu greif«?" Herr Jaukelowitz wohat tM Hause de» Schwiegersohnes eine« tausnvativeu GevieiuderithSmit» gliede», dieser bekundete, .daß e» tu ganz Gera wohl keine bessere .christliche" Familie gebe», könne, al» tieft