Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938313--6536-5372449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Kollege kr»»»- BrutheL S» sei wünschentwerth, daß der Ausschuß der »Freien Berrinignog' schon i» Som«er zusammrutrete, um die Anträge der einzelnen Interessenten «chtjnitig vorzubereite». Pr. Müntz-Gleiwitz regt die Gründung von i»r«el. Juaend-Bibliotheken on, deren Inhalt sich innerlich der jüd, Anschauung beweg«, besonder» empfehlrnrwerth seien historische Werk an» Israel» Vergangenheit. Die Gemein, den bfitftfn hierfür leicht gewonnen werden. Al» Vorort pro 1888 wird Gleiwitz bestimmt. Der geschäftssührend« Ausschuß de» vorigen Jahre», bestehend vu« den Herren Kollegen Bernhard-Tarnowitz, Jocodsohn. Gleiwitz, Rosenbaum I. Beuchen wird per Acclamation wiedrrgewählt. Rach Schluß der Versammlung fand ein pemülhliche» Geisammensein sämmtlicher Theilnehmtr statt. Vra n n. Beuchen O.-S. Dr. M«yer Fe«chtwa»g. (vchluß.) Seine letzten Jahr« verliefen friedlich. Man achtete seine Frömmigkeit, man beugte sich vor feiner Gelehrsamkeit, man ehrte seinen Charakter. Al» er vor acht Jahren Monate hindurch schwer krank daruiederlag, so daß die hervorrageusteu Aerztr an seiner Wiederherstellung verzweifelten, trauerte die ganze Geineiode um ihn, wie u« ei» Familien. Haupt. Er wurde wunderbarer Weise, nachdem er ein Halde» - Jahr völlig bewußtlos, in den wildesten Firberphaatasten r gelegen hatte, köiperlich und geistig wiederherarstellt. Scherzend bewerkte er zu mir, al» ich ihn m seiner Reconvalescenz 6c« 'Ssuchte, auf die Frage noch seinem Befinden: »Ich habe jetzt 1 diel zu thun, denn ich muß Alle» nochholen, wa» ich in «einer langen Krankheit versäumt habe". Sein Fleiß war t überhaupt eia erstaunlicher. Sommer und Winter war er 5,,- um 4 Uhr morgen» schon bei seinen Büchern und zu keiner Y. Stunde des Tage« sah man ihn müßig. Trotzdem hatte er nicht» von den unangenehmen Eigenschaften de» Stuben« 'y gelehrten; er bewahrte sich einen feine« Sinn für Statur« f*. schönheitrn: sein« Studierstube war ein Garten, in dem er ' - die schönsten und seltensten Topfgewächse zog, die er selbst . mit größter Sorgfalt pflegte. Und wie er sich bei seiner i£. Gelehrsamkeit und Genauigkeit in religiöse« Pflichten doch »c dt« Frische de» ästhetischen Empfindens bewahrte, so erhielt pl er fich-nnch bei allerZZurückgezogeuhett ein warme» Herz für hf seine Mitmenschen. Sein Leber» ist jreich an seltenen Eharaltenüge». In seiner Jugead hatte er von Oeitinaen au» £ da» Rabdinat in Schwabach für die Wittw« des früheren Rabbiner» acht Jahre unentgelllich verwaltet und zuletzt in der großen Gemeind« mit überwiegend armer Bevölkerung > ging Niemand angetröstet von ihm und die Zahl derer, die "" seinen Rach, seine Hilfe suchten, war wahrlich keine geringe. Ein ganz besouder» seltener Eharakterzaa war seine rührende Bescheidenheit. Er hatte schon al» Student den Umgang der bedeutendsten Männer genofieu. Her bar» hatte ihn in Güttingen, wo er mit einer Dissertation über Plato promovierte, zur akademischen Laufbahn ermuntert, der daterische Staat»miuister v. Zwehl hatte ihn in seinen nähern Umgang gezogen, chn persönlich zum radbtnischen Awtr empfohlen, er selbst besaß ein selteue» Wissen in der > rabbuuschen und philosophischen Luteratur, er war dabei eia Prediger, dessen Rcbt* durch Wärme und Gedankentiefe die Zuhörer-mtt Fortriffen, aber niemal» sprach er von sich, von feine» Krnntniffen oder seine» Erfolgen i« Amte. Rur, «um er das Judeuthmn als solche» in sich geehrt fühlte, zsiegte er seine Erinnerungen mttzutheilen. So erzählte er, vre bei einer Prüfung in der Schule zu Oettingea. der Re« kruugSsecrrtär selbst ihm am Saiwuth die Bibel nach jause trug ober wie der Mtutfler von Zwehl für. sein er» rroftrt Kind von eine» einfachen Juden Thtür» bete» ließ; t k pellte sich nie an Vordergrund seiner Eqühluugru.' Rur zeba Tage war rr bettlägerig uud bis zu diesem Augcnbkicke studierte er aus'« Emsigste trotz seine» leidenden Hnstaade», als ahnte er sein nahes Ende- Roch an seinem Todestage verlangte er die Teßüin, aber die Kräfte verließen chn, er verschied sanft und ruhig, wie er gelebt hatte. An seiner Bahre sprachen Dr. Groß, Rabbiner in Laudeaburg, die Radbiaatsassesioreir von RikolSlärrg, einer seiner Schwieger« sohn und ein. Sohn, der sich dem Radbinerstande widmet. Alle Kreise der Stadt waren im Leichenzuge vertreten. Der Verstorbene hat 41 Jahre in glücklichster Ehe gelebt, er hinterläßt eine tiefgebeugte Wittwe, deren Leben nur die Aufgabe kannte, ihren Gatten aller störenden Sorgen zu entheben, zehn Kinder uud zahlreiche Enkel, aber größer rst die Zahl der Leidtragenden, die um diesem Tobten sagen dürfen: W33 K? Kmt»3 K*?3 n «1v1v TCT% Rabbiner Dr. Deutsch-Brüx. Aus der Praxis für die Praxi». Magdeburg. Wegen Bergehen« gegen § 67 des Personen« stoudsgrsetze» hotte sich der jüdische Privatlrhrrr G. in Berlin vor der Strafkammer des Landgericht» II zu verantworte». Der au» Preußen al» Au-läader au»aewirsene, früher i»Rangestellte Kantor B. war mit seiner Brrlobten zu dem An« SrNagtea gekommen, »m fich rituell trauen zu lasten. Der Ingeklagte kam diesem Verlangen nach. Un'er Anklage gestellt, behauptet er, daß er nach jüdischen Gesetzen zur Bor. nähme der Trauung berechtigt war, daß er alle rituellen Bor« schriften erfüllt und auch den staatlichen Gesetzen genügt habe, infofern er fich den schriftlichen Nachwei« führen ließ, daß dir bürgerliche Eheschlreßung der rituellen vorangegangea war. Die Straftammer de» Landgericht» I sprach den Airgeklagte» frei. Obwohl der Bertrrter der' Staat»anwaltschaft selbst die Freisprechung beantragt hatte,'wurde doch von Seiten der Anklagebehörde die Revision eingelegt. Da» Reichsgericht hob zwar die erste Entscheidung auf. die Sache zur erneuten Verhandlung an da» Landgericht Ü verweisend, e» sprach aber auch gleichzeitig den RechtSgrundsatz an», daß rin Verstoß gegen tz 67 de» PrrsonenstandSgesetze» nicht vorltege, wenn der Rachvei» geführt werde, daß der rituellen Eheschließung de» Brantpaarr» di« bürgerlich« Eheschließung vorangegangea sei. In der erneuten Hauptverhandlung behauptete der »u> geklagte, daß ihm der Kantor B. eine Urkunde vorgelegt Hab«, wonach er am 8. Aprl vor der Etvilbehörde in Hall bürger» lich getraut worden sei. — Bezüglich der Berechtigung zur Vornahme einer solchen religiösen Handlung gingen die Anfichtrn de» Angeklagten und de» al» Sachverständiger geladenen Rabbiner Dr. Ungerleider weit ««»einander. Ersterer behauptete, deß dies« Berechtigung jedem strenggläubigen*) Juden zustehe. Letzt« rer dagegen, daß nur die Gemeinde» organr (?) zu bestimmrn haben, wer religiöse Handlungen vornehmen dürfe, denn «» sei durchaus erforderlich, vorhrr festzuftellrn, «er die »öthige Qualifikation dazu besitze und »er nicht. E» wird fich zunächst darum Handel», fest« zustellen, ob die bürgerliche Trauung stattgefunden hat, und soll bei den Livildehökden in Hall nach dieser Richtung hin recherchtrt «erden. Wir schließen hieran folgende» Urtheil de» Reich»« gericht» zu Leipzig (Strafsenat Ü) vom 11. November 1887, wonach die Strafbestimmung ^de» ß 67 de» Personenstand»« gesetze», wonach rin RütgioaSdiener, welcher zu den religiöse» Feierlichkeit« einer Sheschltrßuu, schreitet, bevor ihm »ach. gewiefe» wurden ist, daß die Eh« vor dem Stau de« beamte» geschlofiru sei, sich strafbar macht, keine Anwendung auf einen Religkousdiener findet, welcher tu Bezug auf eine im AuSlaud« nach »vrtt-r« Recht bürgerlich gültig ge« schloffen« Ehe im Julanbe zu den r el tg i v s e n Feierlich« *) SW» Vereng gts Ni tgk et t bat hiermit gar nicht» zu schaffen» smcher» unranfri« genau« «vttniß de» «es.-talmnd. •»tgmft» wmmt «, an. me» «brr diese hat »er Trauen»« durch ei» Zrngniß flnfin pOTPp) sich »n»M»n>n>, (IM.)