Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938311--6518-5372433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
CrfHan« -che da» Wort de» Prophet,» (Jes. 99.22.): »Nicht finkte soll Jakob z» schänden rr erden, und nicht i'f ftrfcn sei« «AKflcht eiblaffrn. sondern, -wen« er sieht seine s7'V»der. k>ie Werke «eine» Geiste», in seiner Mitte wnden Ve brilipm »einen Namen und den Gott JSrcekS der- - ' herrlichen.- <>C LaS jüdische «egräd»itz in »s,B«k»ßischer A«ke»cht»»§. m Di« ethische Seite de» Tode» liegt ganz rnd voll, stinkig aus der Seite de» Leben» — da» ist ei» Latz, den wir, namentlich die religiösen Bekenntnisse, nicht genüg beher« »iaen können. Alle Moral hat e» ausschließlich mit den Behältnissen de» menschlichen Leben» zu thrn» Gut ^cher schlechtem ethischen Sinne ist weder ein Ding, noch «rae That oder pet eiu Zustand, sondern nur die Ge. srnnu irg de« Menschen, oder, wie La nt *» weniger prüci» rutbrCcft, der Wille. Gesinnung oder Wille sind aber Aeußerungen de» Leben»; mit dem Tode wird der Mensch ein „physikalischer Körper-, ein Ding mit Zustände aber ohne Bewußtsein, ohne Gesinnung und Wille. E» ist rin ethisch tief bedeutungsvoller Satz, war ein Rabbi de» Tal- - «nd mit einem gewiffrn Nachdruck hervorhebt: 'VBfl D'HÖ1? treten pnrennwsj cm nee jra, „dev Todm, ist Fr«, heit, mit dem Tobe tritt Freiheit von de» Pfl'chte» ein"*), — der Tod ist die Billanz de» Leben», der Absckluß de» . Erdentasein»; über den Tod hinan» reicht weder die Gettuog drr „Güter- und der „Tugend-, noch die der „Pflcht". Wa« bedeutet die religiöse Form der Beerdigung? Nicht« weiter als den harmonischen Abschluß der religtvsrn Zagrhürigleit, die während de» Leben» branden. Die sijriedhvse haben im Laust der Geschichte einen konfessionellen Charakter erhalten; da» Grab ist dadurch da» Zeugniß für die Confessio» de» im Grabe Ruhenden geworden. W.r sich ovs dem Begräbmßplatze seine» Bekenntnisse» lrerrdigen läßt, der bekundet nicht damit, daß er auf diese cder jene Ceremonie ein besondere» Gewicht legt, oder daß er den «ls^tg'.üubischen Vorstellungen huldigt, die in manchem Kreise dmchbrr herrschen, sondern... er läßt Mo» di« Thatsachen tw Leben» fort wirken, er läßt der historischen Caujalität mrrv Lauf; er ist als Jude gebaren, hat im Leden zum Zudeuchuo» sich bekannt, hat da» Band de» Geburt- Be» keuntnisse» nicht zenissen, ist als Jude gestorben und wird . 'Haram alt Jude begraben. Wer sich im Leben nicht so weil 'hem Judenthum eatstcmdet fühlte, daß er e» für seine Pflicht Halle» durste, demselben den Rücken zu kehren, der darf es 'tun To weniger für .seine Pflicht halten, mit sei» em Grabe sich dlmselben zu entwinden, drr hat im Leben die Pflicht, .,»;«<» su thun, too»r verhindern würde, daß ha« Grov ein .palst«» Zeugniß über da» abgeschlossene Leben ablege. . Roch dem Tod« har alle Pflicht ausgehöct und beim .Htixp, wa» könnte ihn berechtigen, eine Verfügung zutiessm, ^d's dem Leben Zeinen falschen Abschluß gäv«? Soll oa« ^Grab etwa Prct st «inlrgen,graen den ujmll konfessionellen Tharastrr der Giabstätten? Die Gradstäuen stad »Höfe Flirdev^; im Leben ist tf Zeit, für seine Anschaul J«ow elozmreten. da» für falsch Gehalten« zu bekämpfen. ".»^Sichald ho» Herz aufhört^zu schlagen, und die Hand sich zu ,. .foegen, muß auch der Strest ruhen: kNL2v NND. »der Tod a., ," Der Talmud M$t bekanntlich «ach weiter und lehrt: ttLIO '^^Mntteign^sme roanjö-m», .str «linw fft frei n btt welitzieti, weil der Blinde wie Ä« Talüer zu achten &4P'!- Rtchel teäwlft «ehr.ilwch der Xaimud nicht die That, die UereffMqi«,svudaru dt» wesiupuua, dt« zu «wpfana»»dr Unrrgung old da« .Lß«wel»wrnt der rrtigiAea llehuqgen beirachtet bat. al» dieser Satz. *r»i« praintIsche Akrdffnn, durch 'weichet die religiöse« stebüngeN aus . »HttDdsiu*«na Mrkeu. ist sts» dUrchtztlaatg. HUt nur «ent»» Au». ww aust Dch r Mcheud« «ernnauu» sind ,schon wche „tt»w)i|«Uar,:l%4 ist Organ de». SefÜhI«, . «4 »Wb-'-iHk .. u.-r muß versöhnen.- — Dst Formen der Beerdigung sind für dev» er unterwirft sich alle» Consequenzeu seiner Thal, allen Schädigungen setner^Jnteressen, die darcku» erwuchsen könne». Wo» rirkirt der Todtr mit seiner That? Für ihn ist jede Consequevz derselben abgeschnitten. Die Disharmonie, Lebenden» nicht für die Todttn. Co lange die Ueberlebenden eine gewisse Form der Beerdigung für richtig halten, wird eine Manifestation gegen dieselbe nur Unwillen, Perbraß. Empörung stifte«. Ist hier eine Reform nöthiq, so muß die Anschauung der Lebenden zuerst reformirt werden. Eine von der usuellen Form abweichende Bendigung ist keine Tbat, die ein« Ueberzenguna zum Ausdruck bringt. Wer mit der Thnt für seine Urbeizeugung einsteht, der ist im Leben achtungSwerth und verleih seiner Lehre Nachdruck, die dadurch bei den Urberlrbenden empfunden wird, ist aber um so greller, al» e» der Echlußoccord ist. der sich gar l nicht wehr harmonisch auflösen läßt. Wa» sonst de> Mensch im Gegensatz« zu dem religiösen Kreist, dem er aogehört. im Leben begeht, da» kann er wieder abündern; der Gegensatz» in den er sich durch da» Begräbnih bringt, ist in alle Ewig-- keit unabänderlich. Ei» ganze» Leben oppositionellen Perhalten» ist darum »och kem so schroffer Gegensatz, wir eia sotcke» Sichabsondern im Tod«. Verlangt aber der Mensch Reipect vor dem Grabe, in dem seine irdischen Rest« nust ruhen werden, so ist er »» so mehr auch ven Form» Respekt schuldig, welche den Gräbern geschichtlich Respekt verschaffen und diesen sichersteüm, weil die Lebende« ihnen Respecr zollen. — Ob wir da» Recht haben, eiaem Nicht» juden einen Ruheplatz aus unsrrm Friedhof zu verweigern? Diese Frage gehört nicht hi« her: eiu anderes fft er. sich, den Seinen nicht entfremden; eia andere», den Fremden zurückjN» weisen. Wir wollten nnr den NachwäS liefern, daß der Jude, drr seine Zugehörigkeit zom Judenchum im L:b« frstgehalten, auch die ethische Pflicht hat. seine irdishea Reste nach jüdischem Ritus in« Grad senken zu lassen. Landrabbioer Dr. Golds chm id t»Birkrnseld. Gerichte «»d Eorrefpo»de«§e«. Deutschland. Mngdeönrx, 19. Januar. Magistrat und Stadtber» ordneten'Versammlung beschlossen in heutiger Sitzung elv» stimmig die Abseudung einer Adreffe an den Kronprinzen, welche zunächst daran erinnert, daß die Stadt vor.-dreißig Jahr«» da» Glück hatte, den Krvupriuzen an. det Seite seiner Gemahlin, welche er. wie einst Kaiser Otto der G.-otze die jugendllche Kiuigi» Lditha, au» dem befreundeten Engl.mtd hrimgeführt, tu ihren Mauern zu begrüße». Seither seien dreißig inhaltsschwer« Jahre vergangen» in welchen die Liebe zum- Lronprinzmtpaar« immer tiefere Wurzeln g«s<!hlageU. Nicht dem ruhmreichen Krieg-Hrldeo allein, sonder» vor Allem dem edlen leutsrligcu Man«, dem vrrftändnißvollea Fretrpbe »ut Gönner von Kunst und Wissenschaft» dem Fürsten, der «st warmem Herzen und westem Blick «n» Allen ei» Bor» bist religiöser Duldsamkeit und jedweder ManntStugend ist, gelte die allgemeine Verehrung de» Baste». — Die Adreffe schließt mst de« wärmsten Wünschen für baldige Genesung und frohe Heimkehr. Merkl«, den 19. Jauaar. (Or.-Corc.) G.stern fand in den Räumen von Cassel» Hotel eine Feier statt zur Be» aehung sine» für den Talmud-Berrin freudige« Eriügmsje«. Eigentlich war kaffelbr schon zu Beginn de» vorigen Monat» eingetreten, ater die damals so fctutflbt Wolken über unfern». Henjchethgnsfj hie Sonne der SHoffnung jetzt immer wettsr vffpheucht,. fielen wie überall, w luuh hierzu keiqn Feststünchnaaauskvmtnrkk So wache penn dar VNS.F«st Papk.der fortschitismdeu Oenrsang de» rvnpriffzen noch begangea. khnd wqhrlfch,', kn« solerme tsr war auch wohl verdient nach BewLuigffng estöe» sslißchr irsenpenfltme. wst e< dir Ahsolvirung dei Zanzen Taffauk« < ' - ■ A-..