Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938311--6517-5372432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
beutenfefie .Ziffer ia der ganz« Periode) erreichte, »ährend «ur 14 Personen aastratcn. So zeigte das Judmthu« i» der erste» .Zeit der gegenwärtig -llti-eo coaftisioaellm Gesetz«. einen 10 fache» Gewinn geamüber seinem Verluste, Während es jetzt 7 mal so viel verlier», als es Zuwachs an Proselhten erhält. Gau» besonders traurig ist dar BerhäÜ« mft in denjenigen Städten, wo di« Juden in geringer Minderzahl sich befinde». So zeigt Linz, mit 555 jüdischen Seelen: 9, Salzburg mit 193 Irden: 4 AuStrittSfälle i» den letzten 8 Jahr«,, was, jo geringfügig auch die absolute» Zahlen erschiene», doch in Rücksicht auf das Prozentnalverhällntß sehr schwerwiegend ist. Nicht nindrr giebt «S uns zu denken, wenn wir das Alter der Urbergrtrttenen in Anbetracht ziebev. Hier muff btt Erscheinung anffalleu. daß der stärkste Proceatjatz der Uebergettetmen der Altersstufe zwischra 20 —30 Jahre» an« gehört. So sind von den im Jahre 1886 in Wie» ans dem J»d»th»m ausgetretenen Personen 132. d. h. nahqu die Hälfte cller Cauvertiten. in diesem Alter; hingr^m st'hen «nr 41 dev rlbea im Alter von mehr als 40 Jahren. Das zeigt »ns nrlengbar, daß gerade das heirathrfähig« Alter vir größte ljuhl zu de» UeberlSufern stellt, oder wenn wir j» Hurbeteaütt ziehen, daß unter de» Coavrrtit« di« Juden viermal so tark vertreten sind, als man nach ihrer Zahl erwarten sollte, in den Fällen, wo zwei Personen verschiede»« Brtmatniffes die Ehe mit einander eingrh« wolle», das Judentt um viel leichter seine Bekenner verliert, als es ».-»gekehrt dir Fall ist. Ferner rrgiebt sich an« dem Altersnmtweis der Ukbergetrrtenm, daß der Verlust sü» die Zu« küsst viel srswerrr anzuschlagra ist. als man beim ob.rflächlichen Betracht« der Ziffern meinen sollt«. — ' Wir kommen nun auf dieStellang derConvertiten zu spreche»: Di tritt in die Augen, daß unter ihn« sich eine große Zahl von Student«, Beamt« und Militärs sich befind«, kurz auffällig viele Leute, welche offenbar, um ihre L>b«rstrllm>g günstiger zu geswlte», da» Judenthum verlojs«. Die große Zahl, welche di« Männer gelehrt« Bern»- zu dm Täuflinge» stell«, ist «ne dmtliche Illustration des Antifem tismuS in officiellen Preisen. DaS flhrt un» auf die Motive der Uebergetretenen, Welche sich rächt in dm praktisch« Zweckm allein erschöpf«, kowert diese Zweck« eine beste« Versorgung im bürgerlichen Leben im Arge Hab«. Wir werdm nicht frhkgehen, w«n wir die groje Zahl ron Täufling« unter dem weiblichen Geschlecht in der Absicht erner Henaih begründet sieh«, denn rS ist kein Zweifel, daß bei Heirathen verschiedener Gotfessionrn der weibliche Theil viel geneigter ist, seinen Glauben zu wechseln. Anderseits muß man zoged«, daß dir Verhältnisse bei dm Judm derart lieg«, daß es nicht leicht wird, nn Mädchen standesgemäß zu verheirathm. Der Tastnndische Satz: »Wer eine Fron um de« Geldes will« heirothet, erlebt von diesem Geld« kein« Segen*» wird von unserer mänrlichm Jagend nicht sonderlich beachte». Ferner muß in Betracht gezogen werden, daß die Juden für die Erznhuug ihrer Sinder über ihre Berhältuiff« hinaus Opfer bringen und, daß es darum ihn« »« so schwerer ward, kür du Zukunft «im Tochter zu sorgen. Doch sind rt nicht Heirathen oQv.n, die dm ConsessionÄorchjrl be- -stmuneo. Eiv wichtigerer Farror ist auch gerade in gegen- «er Leit die gesellschaftliche Eruiehrignug. die sich die Im lall« müffm. Desweg« kann « leicht"Drei» «ater, der stlbst davor znrückschrrckt. ein «t dm Lipp« abzulrgeu. das schirm Herzen ft in«, fiwb« smnoch d« Tanfk susöhrt. ' »pstssrch/.stitz«: .Mir selbst es, > z» thnn, d« ich moralisch ft, verwtrDch holte, mein« »kr», jedoch kommt«» pi Gute.»' Ich will hier ein« desonders bezeichnende« Fall als Leffpiel anführen. Ein Advokat bekam ein« Sohn, de» ,-r gleich «ach. der Ar«, dnrt taufe« laff« wollt«, damit dcO Sind sich ia späterer-^ Zeit mit einem Taufscheine ausweisen könne, de« w»» eß 4 nicht ansehe, daß er blo» z« dem Zwecke eingebolt »ward« 3 sei. seinem Inhaber ei« g«s«Lschaftlick»es Hiadqmiß an« dem ,■? Wege z» räum«. Der Man« des Gesetzes hatte aber bei 4 seinem Eifer sär die christlich« Religion ganz übersehen, daß A nach dem Grsetze österreichisch« Sinder bi« zu ihre» S. , LebmSjahre der Eonfesston der Ettom folg« müffm, und - i «s nur bei einer gemischten Ehr, d« Elte« frei gestellt bleibt zu entscheiden, welchem von beiden Theilen die 'Be- * stiwmung über den Glaub« der Sinder vorznbehalteu sei. Da nun der Bater für sich doch etwas Peinliches darin lgd. - fein« Glauben zu verlast«, wurde die Frau dazu bestimmt, v dm Katechismus zu lern«. Weil nun unsere Orthodape «i gern den Glaub« verbreitet. olS fei eine freier« Auffassung der religiösen Satzung» der llebergrug zur AbtrünnWei^ \ will ich hier bemerk«, daß der gmannt« Advokat, bis in 3 sein reifes Jünglingsalter Zögling bit Preßbnrger Jeschlbah .» war und daß seine Frau ein direct,i Rachtowwea de« bekanntm R. Samuel halevi Ldliu, te« BerfasterS eine» bekannt« GlcffenwerkeS zum ersten Theil des Schulchaa Arnch NVlv) ist. — Es fehlt nicht an ander« ebmso he-' zeichnmd« Beispielen, wie etwa, daß ein junger Man», der Sohn eines reich« Fabrikanten, der selbst ia derFabrik seines Vaters thätig ist und garvicht daran zu denk« braucht, ein« Beruf zu ergreifen, wo das Judcnthum ein Hindern iß bildet, sich taufen ließ, weil er sein freiwillige» Dienftjahr bei der Tavaller« zurückleg« wollte, wo es ein Indo nicht so leicht zum Rsteweoffikier bringt, d. h. also; Einzig »»d allein, für da« Recht, im günstigsten Fally, hei den Eoatnn» Versammlung« Stiefel oüt Spor« tvage» zu dürfen, Ei» anderer Fall: Eure Frau läßt sich mit i&ca Sohae-äüaf«. - weil es ihr bei eine« Sommeraufmtlzaltr in Salzburg per»- ' lich war. von ihrer Wirthia gefragt zu werden, warum sie denn nicht — die Kirche besuche! ... , Gehen wir nun von dies« äußerlich« Beweggrüad« zu de» tieferllegenden innen, über, so muffen wir na» frage», wie eS der Talmud (Sota 45, d) bei dem Sühngebet thut» welche« di« Aelteft« an der aufgefuridenm Leich« eine» .Erwordktr« verricht« soll«: Tra en «ir an dies« Zustände» keine Schuld? und wir müffm antworten: Allerbn-gs E ans die Schuld der lloterlaffuvgssimde, indem wir »m genug dazu thnn, dos jüdische Brwuhtseia, dos jüdifcs, Selbstgefühl, die Kenntniß de« Irdenthums zu fördeo» - und zu heben. Wir beschräoke« uns zu {eijt auf die amtklch uv»" gesteckt« Grmzm tu Synagoge und Schul«. Neuestes« j hat dir Berliner StadlmisstvN viel vou' stch red« gemacht. '' Matt mag über ihre Wirksamkeit drnteck wie ms« will. a«r da« Ziel, welches sie pch eigenttich gesteckt hat, dix Wstdsd» erweckuag des religiös« Lebens in dm-Kreis« der eigene» «laubensgenostm ist etwas, was übrrasl zur Nachahmuvz veranlast« sollte. Wir.soll« ganr besonder» tivpiivtz trachten, durch Bereinsversammlunoev, Heyttichr FlugschHE«, und ähnlich« Mittel in den »rrisru zu 'wirlen, »Jchisder .Synagoge fern bleib« und de« llrttkrricht entwcuhse» nftbi... Wir Hab« woht nicht nöthig, um uiisrrr Zoknuft väüMiÄk -'s fei», d«n.sii!i.stM,aick eine« viel stärerryk Orüuve, iA»"a-f dem menfchllchrk Tchät,gleit; fle steht auf veui^Mvade licher Verheißung, welche un» die Worte gesagt hat. I rad» t Zukunft ist kein leer« Trcuuu^aber-wir find. veraatwartlikü für Bernachläfstguug uusorrr'-Aufaabr, und uns UeK.e» si zu thnn, was in »»sei« Macht ficht. »« vm, vmsalle z» vegcham, soweit wir ksnnm. Uv« liegt es ob, k» HMp» Zeitalter das so viel« Schvankuageir uatrrworf« wts Üvsnge zu thmu. »« Gottes Sach« zu ffcta*, *»« i »itH ganz t>rso«ders ob, der Jagmd, »etcht gern v«ch «uamvlttk.' lich« Fdlgeck müheilt, «ach augrvilWchen vchtmuflst». havdelt, die «üchttgr Leittmg' aog.deth,» zu taff«, daß