Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 19 Gerichte «ck G»rrefPO»de«ze«. De»tschl«»d. P«|M*u Bei der zu« Schloß de« abgelaufrnen Jahre» stattgehabte» Generalversammlung der hiesigen isr. BeeichtzungS-Gesellschaft gab der all bewährte Cendant derlei ben, Herr Adolf Jaroby,eine statistisch« Ueb-rsicht über die letzten 3 Jahre, wonach die Mitgliederzahl von 184 auf 204 »ewachseo war. gestorben waren in diesem Triennium 80. Die Einnahmen beliefm sich auf M. 14,243.1)8, die La«- gaben 12.023.62, so daß ein Bestand von 1320.38 Mt. in der «affe verblieb. Der Vorsitzende. Herr Adolf Rosenthal, gab der Versammlung Keuntniß von dem Weruthal'schen Legat, sowie davon, daß die Einfriedigung de» zu« Begräbuißplatz hinzugekauftrn Acker» mit einer an die bisherige sich confoi m anschließende Mauer hergesiellt sei und 5800 M. gekostet Hab«, ferner sei gegen einen Uebelstaad, der bei schlechtem zugigem Wetter vom Äichrngefolge stet» unangenehm empfundm wurde, tzchhilfr geschaffen worden; die nach den Gräbern zu bisher offene Halle, in der die Gebete und Leichenreden gchalten werden, ist durch eine stilgerechte, durch Räder leicht nach beiden Seiten hin wegzuschiebeode Glaswand mit bunten Scheiben geschloffen worden. Die Losten für die Herstellung dieser von der Bersammlung mit freudiger Anerkennung be» Srüßten Einrichtung betrugen nur 1500 M. — El, nimmt nicht Länder, wenn bei der hierauf folgenden BorstondSwahl die potntenmäßig ausscheidrnden 5 Mitglieder (die Herren Adolf Rosenthal. Phil. Rosenheim, Dr. Rosenthal. M. Rüben». Wolf Blumenthal) einstimmig auf 6 Jahre ttiedergrwählt wurden, denn die Bersa«mlung wußte die Leitung und Verwaltung der Geschäfte ihrer Beerdigungs-Gesellschaft in besten Händen. Fü den von hiernach Frankfurt a. L>. verzogenen Herrn R. Gradaauer wurde Herr Max Weil auf 3 Jahre gewählt. WarK», 16. Januar. (Or.-Corr.) Endlich hat sich der Ausschuß de» deutsch-israelitische« Semeindebundet! entschlossen, de» statutenmäßig alle zwei Jahr« zusammen za berufenden Gemeindetag in diesem Jahre — nach (wenn wir nicht irre») vierober sechsjähriger Unterbrechung — stattfiude» zu kaffen. Die Einladungen werde» diese Woche versandt, und zwar auf Montag, de» 20. Febr., Bormitta, 10'/, Uhr, in Cassel'« Hotel (Burgstraße 18). Die TageSo.dmmg wird erst später bekannt gemacht werden; Anträge sind bis zum S. F^ruar beim Bureau des D. I. G. B. (Sigismundpraß« 5) eiuzureichm, wenn sie »och auf die Tagesorduuug kämmen solle«. Der .Einladung" find gedruckte Mandats« rmulare für be» aber di« zu entsendenden Abgeordnete» der Gemeinde beigefügt, und für de« Fall, daß eine Gemeind, keine» Abgeordneten nach Berlin zu senden beabsichtigt, auch ein Formular, durch welches der Ausschuß des D. I. G. B. bevollmächtigt wird, eine» Vertreter der betreffenden Gemeinde zu wählen. Bo» dem Gebrauch dieses Formulars (d) sind jedoch die Gemeinde» dringend adzurathen und zwar avs doppeltem Grunde: Die von dem Ausschuß gewählten Vertreter «erden gewöhnlich aus der Reih« der Ausschußmitglieder selbst, oder aus der großen Zahl der anwesenden außerordentlichen Mitglieder, oder Beamten der Berliner Gemeind« entnommen; diese haben meist keine Leuntuiß von den Bediirsniffen der Lleiugemeiuden, die sie vertreten, und stimme» gewöhnlich mit ihre« Wählern, d. h. in diesem Falle mit Ke« Aussch « ß des D. I. G. B. I Es ist darum vtcl richtiger, wenn «au keinen Abgeordneten aus der Gemeinde selb!, oder aus der Rachbargemeind« entsenden kann, lieber garz uuvrrtreteu.zu sei», Äs sich vom Abschuß einen Vertreter vktroyire» zu kaffe». Mrootu«. In «tue» Vortrag«, welchen hier ia der Weihnachtszeit ei» Schuetdermetstrr Weiß ta evangelischen Arbeite rvrrri» gehakte» heg, hatte derselbe geäußert: »Es ist für uus Eoaugelifche ganz selbftverftäudlich, daß wir weder bet Jude« noch bei Katholikeu kaufe».- Das Organ des Reichskanzlers sah sich hurauf zu fotzender Erklärung veranlaßt: .Religiöse Intoleranz macht vor kei» e m ander» Bekenutniffe Halt und muß deshalb vor Alle» Knnachfichtlich von allen Gebiete» ferugehalten »erde», auf welche» etnnrüthige» Zusammenwirken aller Wohlmeinende» die Grundbedingung der gemeinsame« Wohlfahrt ist." (Er ist erfreulich, diese Umkehr tu der Regierungspreffe zu beobachte». Man schreckt doch vor den letzte» Konsequenzen des Antisemitismns zurück. Die Theorie de« antisemitischen Schneidermeisters in Breslau läuft am Ende auf di« Auflösung jeder staatlichen Gemeinschaft der verschiedenen Konfessione» hinaus. Wir hätte» nur gewünscht, daß das Kanzlerblatt seine» Protest gegen die religiöse Intoleranz auch gegen die vou zahlreichen Lügen strotzenden Flugblätter, welche mit der Devise: .Kaust nichts bei den Jude»!- massenhaft verbreitet wurden, erhoben und mcht gewartet hätte, bis dieses Hetzwort auch gegen die .Katholiken" ausgestoßen wurde.) Jeßuttz, 15. Januar. (Or.-Corr.) Heute fand, hier unter Thrilnah«e aller Kreise>da« Leichenbegangniß des Herr» Commerzienrath Aron Herz statt und hat dasselbe glänzendes Zrugniß abgelegt für die Hochachtung, die sich der verstorbene bei seinen Mitbürgern erworben. Derselbe hat nicht allein für di« israelitische Gemeinde vieles geleistet »ad Stiftungen hinterlaffen, sondern auch bei allen Angelegenhetten der Stadt, wo es sich um milde Werft handelte, stet» durch reichliche Theilnahme i». stiller Weise mitgearbeitet. Die Stadt bewies auch durch ihre fast vollzählige Theilnahme, (ca. 3000 Perioneu und an 4000 Einwohner), wie schwer sie den Verlust betrauern. An der Spitze des Leichr«- zuges schritt d»e städtische Musikkapelle, dann die umflorten Fahnen des Kriegervek ünS, der Schützengilde, der Turnvereine und Feuerwehr und di« Vereine selbst. Die Zöglinge des Waiseuhauses Blume» streuend bis zum Kirchhof«, die Sonorattonrn der Stadt. Bürgermeister. Stadtverordnete, eistliche re., welche Alle bi« zum Grabe demselben da» Geleit gaben, jedoch faßte der Kirchhof nicht di« Hälfte der Folgeudru und mußte deshalb abgesperrt werden. Im Hause und am Grade würdigte der Landesrabbtuer Herr Dr. Weibe in erhebender Weise die Verdienste des verstorbenen. An» de« Kauuöveesche». (Or.-Corr.) Simultan-, jüdische Elementar- und Religiousschuleu. — E» ist ein erfreuliche« Zeichen der Zeit, daß die Frage, in welcher Weise der Jugend da» jüdische Bewußtsein erhalten und gekräfftgt werden soll, so mauntzfach ventikirt wird — und mau t raucht durchaus nicht der pessimistischen Anschauung zu huldigen, daß dies ein Zeichen des Verfalles, der Auflösung sei. Nun gehe» selbstverständlich die Ansichten darüber, wie das Ziel zu erreichen sei auseinander; aber über die Vorschläge eines Gutmeiueuden deshalb, »eil sie unsere Zirkel stören, sofort iu Harnisch zu gerathe» uud denselben tu ander» Blättern zu verdächtigen «nd gar zu beschimpfe», ist wahrlich unseres Standes nicht würdtz. Laßt doch Jede» seine gutzemeinte Ansicht aussprechen «nd widerlegt ihn «it Ruh« und Anstand. Wir können dem Redakteur dieses Blattes es nur Dank wissen, daß er dem Meinnngsaus» tausch ungehindert voll, »Raum läßt. Die Frage ist, welcher Schulform ist der Vorzug zuzuerkennen, welche im Interesse de« Judruthums vorwiegend ins Leben zu rufen, bezw. lebensfähig zu erhalten? Wir wollen die 3 Klaffen der in der lieber» schrift genannten einzeln durchgehen «nd dann das Schlnßresultat ziehen. I. Die Simultanschule. Diese zählt ihre Anhänger iu deujruigeo Schichten, welche dem Volksleben fern stehen.' Diese, die vielleicht selbst Profeffore» oder Gelehrte find, »nd ihre Kinder Gymnasien bezw. höhere Töchterschulen besuche« kaffen, empfinden es übel, daß außer ihrem Shreifc »och confesfiouelle jüdisch« Schule« bestehe», die ihrer Anschauung von der Verschmelzung jüdischer «nd deutscher Bildung gleichsam Lügen strafen. Daß die öffentlichen Sänken