Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Zit Angriff de« »Spettal^rauf jüdischen Aberglaube» Hai seine Wellen nicfc auf die jüdischen Zeitnngen auSgrdehvt. «Hie Welf, hie lLaibliagen". Für und Wider! Aber eS bleibt doch woh-. daß eine Masse von Aberglauben noch unsne heilise Religion verunreinigt und der Spectotor bat damit dem Judenthum nur genutzt. «Er kam zu fluchen und ging zu segnen.- — Unter den Juden der englischen Provinzialsiädte tritt dieser Aberglaube besonders rclatant zu Tage, twr oll m bei Todesfällen. Man sicht hier Inden, die da» gar ze J„hr nid t zur Synagoge gehen noch irgend etwa» vom Judeithum halten. Da tritt der Tod in ihre Mitte und der ganze Wust von abergläubischen Gebräuchen wird beobachtet »st einem Eifer, der einrr besseren Sache würdig wäre. Die christliche Propaganda, die hier so thätig ist. erntet gerade oft bei solchen ihre crsteulichsten Resultate. Wa» Sie kürzlich in Ihrer gesch. .Wochenschrift" übet Drutschland sagten, trifft nur zu sehr bier zu, aber oft mit dem Unterschiede, daß nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltrrn fleißige Astchrndesucher werden, die vorher wenia an Synagoge dachtet. Es fehlt am moralischen Halt. Durch UrbM'ltt fallen ein paar Brosamen christlicher Geselligkeit für de gierig Lebenden ab und > > ist man dann groß!! Und doch denken gebildete Engländer sehr gering von getauften Juden. — Der Wanderb eitel der russischen Juden wächst von Jahr zu Jahr und die Sache ist so ernst geworden, daß Parlaments,nlglirder sich bereits mst der Frage beschäftigen, wie der Einwanderung miit. Loser Ausländer abzuhelfen sei. — Einem s«l,ö»en Beispiel unserer Alten uachzuohmm, will ich mit Erfreulichem für heute schließen: E» giibt hi.-r nicht wenige, besor erS deutsch« Juden, die nicht nur ein offene» Herz, sondern auch eine stet» offene Hand für Juden hum und Mildihätigkeit haben. So stattete kürzlich rin solcher in einer der Städte Rordengläuds da» KindechoSpital mit einem Bett aus. was eine Ausgabe von \ 300 Sterling vranlaßte. Derselbe deckte da« Deficit der! jüdischen Gemeindekasse au« eigener Tasche. Wir leben eben in einer Welt vl llrr Gegensätze, so war es von Anfang an und so wird rS auch fortgrhen bi» zum Ende. N««ä«iev. i ZtuKureß, 1. Januar. Ich bin fest überzeugt, daß 1 Sie, geehrter Herr allege, an dem unglücklichen Geschick der rumänischen Glaubensgenossen den innigsten und aas- , richtigsten Anthr l nehmen, und daß Sie zu allen Opfern bereit wären, welche eine Beffernng unserer Lage herdeiführen > Snntrn. Sie v.-rfolgen und registrier« mit Aufmerksamkeit! Misere Leiden ur d appelliren öfter» mit Wärme an die öffeut- I liche Meinung, um diese für uu» günstig zu stimmen. Seiner ist Ihnen für d ese. Gesinnungen und Bemühungen dankbarer «ll» ich. Ich möchte jedoch die jüdischen Blätter, die. sich soviel mit uu« beschäftigen, darauf aufmerksam machen» daß an» nichts mehr schadet, als Uebertreibung. Unsere Lage ist eine f» nnausiprecht' h unglückliche, daß wir uns jo damit be» degnügcn können, die nackten Thatsacheu zu erzählen, jede Uebertreibung urd Entstellung derselben gereicht nur unseren Gegnern zum Bvrcheil. Dir» vorailSgeschickt schreite ich an die Richtigstellung einiger in Rr. Kl und 52 Ihrer ftschätztru «Israelischen Wochenschriftenthaltenen auf Rumänien bezüglichen Mit» theiluugen. Ihr Correspondent stellt den Hergang beirrffend die Bertreibung vitlen Glaubensgenossen au» den Landgemeinden de« Distrikte« Fälciu (Hauptort Husch) nicht ganz richtig dar und thnt iin Besonderen unrecht, wen» er die^Persr« SönigS Eatol L in diese Angelegenheit hiueiozerrt. Da ich gezwungen war. die Sache in die Hand zu nehmen, jo kann ich Ihnen genaue und wahrheit«getre»e Auskunft geben. Der Hergang ist kurz folgender: Seit mehi denn zehn Jahren lasse» e« sich die rumänischen StaatSmä-mer angelegen fein, dir Inden au» den Landgemeinden nach seu Marktflecken und Städte» zu drängen. «ede» auf von er» Die Präkrkte« »isst» sehr »»hl. daß sie 1«m Minister.' »i er auch immer heißen möge, zn Gefallen sind, wenn st« sich in der Bertreibung der Inden mr» den Lemdgrmeindea eifrig zeigen. Und leider eutrvickela sie ans lürsem Gebiete de» allergrößten Eifer. Auf seiner ley'eu Reise durch den nannten Distrift bemerkte der gegenwärtige Minister Innern. General Radu Micha», daß noch viele Jude« de» Dörfern lebten und trug dein Präfekten aur, sie dorr zu eutsernru. 6« begann nun eine wahre Heye. barmung«lo« wurden an dreihundert Familien im November v. I. vertrieben und buchstäblich auf die Straße 'O* setzt. Die Unglücklichen wußten in ihrer Roth nicht, wohin sie mit Weib und Sind geher^ wohin sie ihre gering« Habe flüchten sollten. Dir llnterpräfekten and Dorfschulzen kannten kein Mitleid, sie trüben di« Arme» auS ihrea Wohnungen und au» der Gemeinde und beriefen sich in ganz ungerechtfertigter Weift auf da« Fremdeagrsetz vom Jahre 1881, da« der Regierung da« Recht einräumt. Fremde, welche die Sicherheit de« Lande« gefährden, zu verweisen. Zwei Opfer dieser Barbae ei kann» nach Bukarest, Nagien mir ihr Leid und baten mich, dahd» zu wirken, daß sie und ihre LeidenSgeaoffru wenigsten« bt« zum Frühling 1888 in den Dörfern geduldet würden, im April wären sie alle gerne bereit, nach den Städten über-usiedeln, m ttru im Winter wäre e« ihnen jedoch unmöglich, dort Wohnung >>nb Beschäftigung zn finden. Ich that mein, Pflicht, ging yvd Minister des Innern, schilderte ihm die elende Lage der Be» triebenen. erklärte ihm. daß keine Regierung der Welt et» an sich schon hart.« Gesetz in solch barbarischer Weis« au»- führen dürfe und verlangte schließlich-nicht mehr, ol« daß meine armen GlaubraSbrüder de« Distriktes Fälciu di« St. Georgi (alten Stil«) in ihren jetzigen Wohaplätzen geduldet würden, und daß der Präfekt und seine untergeordneten Beamten in diesem Sinne telegraphische Instruktionen er« dielten Obschon der Minister die Billigkeit meine« Ber» iangens anerkannte, dauerte e« doch fast 14 Tage, bi« meine Bitte erfülle wurde. Da« Hinderaiß wir wohl die That» fache daß die dortigen Jaden schon lange ftüher aufgefordert worden waren, die Rnral-Gemeinden zu verlassen, wa« fie aber nicht thaten, weil e« ihnen, worüd.r man sich nicht aufhalteo kann, schwer fiel, nach fremden Ortschaften z» ziehen. Ich war entschlossen, fall» meine Bemühungen bei« Minister erfolgt»« geblieben wären, im Interesse der Utt» glücklichen die Gnade Söaig« Sarol I. cnzetflehen. Da ich jedoch Samstag Abend, 5. (57.; Dezember, an« Husch die Nachricht erhielt, daß di« aewaltsame Bertreibung der Indes. aufgehört hätte und daß diese nicht »«her behelligt würden» ■'i ■ij "i unterließ ich diesen Schritt. Ich bin mit dem Resultat meiner Bkmühnugeu zufriedz»^ weil ich — so scheint e« wenigsten« bi« heute — dasjenige^ erreichte, wa« mau von mir verlangt tu» worum ich bat\ Minister gebeten hatte. Ich halte die llntfernung der Jude» von den Dörfern Rumänien« für kein große« Unglück, ‘ fie in Folge von vitlen Gesetze«, die in den letzten Iah re» geschaffen wurden, dort ohnehin keine lVkittrl finden, ein am ständige« und menschenwürdige« Dasein zu fristen. — Daß der Rabbiner Tande« in Jassy verur»' tdeilt würbe, ist Thatsache, daß da« Ur. heil de« Jassy« Ge» richtShofr« g-'rude gesagt, seltsam ist, ltßt fich nicht lüüanen,! daß da« Betragen de« Offizier«, der dem Rabbiner tq diesen 7 außergewöhnlichen Prozeg vr.-rickele hat, seine« Stande t % Ehre macht, muß zugegeben werten; ater falsch wäre e», j bcyaupteu. daß die oberen MilitärbehtrdeN von dem $ brr Intoleranz b.feell wären. Ich wr ß fovftl, daß di« j Soldaten der hauptstädtischen Garnison sowohl während Peßachai« auch während der HerdstÄertage. im Gey 18 Tage lang, von jedem D'enste in »er Armee brfrmi den. Wen» fich manchmal ein Offizier sträubt, die de« Mnister« auszuführeo. so bat säst immer eine liche Vorstellung bet ihm oder feine« Vorgesetzten zum wünschten Ziele geführt. Dr. B e ck,^