Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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gemischten Küuftlerchor herrliche Weisen vorg^tragen, woraus die Festrede de« genannten Prediger« anküpfeud au die Psalmverse (Ps.S2,14—18) folgte, welch« da« der ifliche, häusliche und gesellschaftliche Dirken und Walten, sowie die wrrkthättge Menschenliebe de« Jubelpaare« feiernd, den Nachkommen da« Boibtld der Eltern zur Nachahmung empfahl. ®» folgten hierauf verschiedene Deputationen von Wohlthätigkeit«- Vereinen, welchen da« Jubelpaar anqehörl, und die zu diesem Doge mit Geldspenden (auch die „Alliance Jtraelite') reich bedacht wurden, darunter eine Deputation der neuen Beerdigungs-Gesellschaft. deren PrSse« Herr Liebermann ist, mir einer schönen Widmung. ES kam ferner eine kunstvolle Adresse von der Sa mso«»Schule zu Wolienbüttel, deren Schüler der Gefeierte 1818—1818 einst gewesen und deren jep'gen Schülern er zu diesem Feste eine besondere Feier bereitete; f.rner Anerkennung-- und Dnnkschrnben aus der HeimothSgemeinde Halberstadt, von dem D. I G B. u. s w. Ü-ter den Gratulanten bemerkte man mehrere Geistliche, Vertreter der Kunst, der Wissenschaft und der KaufmannSwelt. Namen« der L o g e »BundeStreue a. d Elbe', gratulierte Herr Professor Dr. Bahnsoho. Nach vielen Hunderteu zählten die Beweise der Lieb« und Freundschaft, deren sich dir Gefeierten «freuten, die bei ihrem Hitze-, Alter da» Fest in voller Frische und Rüstigkeit begingen. Ansehnliche, kostbare Geschenke, riesige Blumensträuße und Gewinde, Briefe und Depesche» au« allen Richtunqen vom frühen Morgen bi« spät Abend«, Freunde und Verehrer au« allen Confessioaen, kamen an. Rach dem mit heiteren und ernster« Toasten und Ttschlirdern gewürzten Ffftmahle fand von den L.'schen Mitgliedern deS HmseS «ine musikalische Aufführung statt, womit die Fcier schloß. Au» Hkerschkesteu, 6. Januar. (Oc.isorr.) Jüngst -rächte die „Wochmschrift" die Meldung au« Ratibor.im alten GotteShause sei am 10. December 1887 der letzte feierliche Gottesdienst abgehalten worden. Da« alte Gotteshau« wird niedtrgerissen. An seiner Stelle dürste in absehbarer Zett sich eia stattlicher, wmn nicht gar eleganter Neubau erheben. E» bleibt immerhin erfreilich, daß die sehr indifferente Gemeinde Ratibor di« Opfer zur Herrichtung «ner großen, schönen Synagoge nicht scheut. Ob dc-r neue,, monumentale Prachtbau eine größere Frequenz de« Gottesdienst«» im Lause de« JchreS, von den hrbcn Festtagen natürlich abgesehen, zur Folge haben wird? E« wäre zu wünschen und — wir. wollen c« hoffen. Ja gewissen Kreisen Hai «» lebhaft verstimmt, daß mru den Syaagogendau einem christlichen Baumeister übergeben hat. obgleich i» au tüchtigen und bewährten Baumeistern unter unfern GlnubeaSgenoffea in Obeischlesien durchaus nicht fehlt. Rattlar selbst hat «inen sehr leistungsfähigen, jüdischen Baumeister aufzuweisen. Sehr gewandt« und erprobte jüdische Bautrchn ker finden sich unseres Wissen« auch in Gleiwitz. Kattowii;, Tarnowitz. Hätte sich da n'cht eine geeignete Auswahl treffen lasten? (Wir denken, der Vorstand wird für die getroffene Auswahl feine guten Gründe gehabt haben; ot der jüdische Baumeister beim Bau auf Sabbath- und jüd. Ieienage Rücksicht genommen hätte?) — Am 26. Decbr. 1887 tagte, wie wohl bereit« gemeldet, die freie Bereinigung der jüdischen Lehrer O^rschlesien». Wenn Zahlen reden, hat dieser Verein nach Ablauf de« Triennium« feine Lebeusfähigkett bewiesen. Rach der uns vorliegenden Tagesordnung absorbirten die zur Berathvug stehenden Thesen, welche der im Jahre 1886 gehaltene Bortrag de« Herrn Dr. MatterSdorf-Gleiwitz über mthodifch« Er- Iheilung de« hebräischen Unterrichte« ergab, da« Haup:- Jnteresse. Der Vortragende tritt mit aller lrntschiedeaheit dafür eia, den Unterncht im Hebräische» auf die Ueber» setzuag au«gewählt«r Stücke de« Pentateuch« z>t beschränken, dre Urdersetzuaa der Gebete dagegen auf eia Minimums?) zu xtbnciitn. -Alle Argumente de« Bortragend«» zugegeben sollen wirtlich Knaben und Mädchen ausschließlich auSgewählt« Abschnitt« au» de« Pentateuch übersetz«?*) — Biele Gemeinden rüsten sich jetzt zur Feier de« SttstungSfeste« ihrer wohlthättqen Bereinigungen. In erster Reihe begeht die Ehewra kadischr in verschiedenen Städten Obnschlttüen» im Laufe dieser Wcche ihr durch die Staturen vorgeschriebene« Stiftungsfest. Die in Tarnowitz pflegt an ihrem Freudentage viele arme jüdiscbe Familien mit Kohlen und Feuerungsmaterial zu beschenken eine Liebe«- qabe. welche die Armen bei der exorbitant strengen Kälte de« Winters vollauf zu würdigen wissen werden. — Besonder« feierlich dürfte sich dikSmal da« Stiftungsfest Ehewra kadischa in Beuthen gestalten. Letztere besteht, wie oberschlesische Blätter melden, bereitseit dem Jobre 1745, zählt also, wenn diese Angabe richtig sein sollte, zu den ältesten Leichenbestat tungSvereineu Oberschlesiens. Um dem Feste, welchem, wie hier ollgkmein üblich, eine ernst religiöse Andacht vorauSgetzt, eine höhere Weih« zu «eben, wird, da die Rabbinnstelle noch nicht besetzt ist — die in Aussicht genommenen Kandidaten haben zum Theil abgelehnt — der frühere Herr Rabbiner Dr. Rosenthal au« BreSlau zu diesem Behufe in Beuther. eintreffen. Großbritannien. Au» Avrdeuglau», 1. Januar. (Or.-Eorr.) Zum Eingang dr« bürgerlichen neuen Jahre« sende ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, wieder einmal einen längeren Bericht über jüdische Berhältaiffe in hiesiger Gegend. Da» Judemhnm macht hier zu Land« sehr langsame Fortschritte, sowohl innerlich wie äußerlich. ES fehlt un« vor allem an einem ZritungSorgaa, da« da« Judentum;n der Provinz so derücksichttgt. wie z. B. da« »öewioh Chromoie“ e« mit der Metropolis thut. Für letztere« existirt fast nur London, was außerhalb liegt, wird mitleidigcr W^ise mit einem paar Zeilen abgefertiqt. Ein Chasan in London ist in den Augen veS „Chronicle" wichtiger, als ein akademisch gebildeter, mit allen Qualifikationen eine« jüdischen Theologen ausgestatteter Geistlicher. Leider existtrt auch kein Verein, der die jüdischen Geistlichen de« Norden« umfasse und ihnen Gelegenheit gebe, ihre Stellung anqe» sehener und unabhängiger zu machen. TTTJ2 "l8Pn BTK Man fürchtet nur den Parneß und besten .illmächttge Gewalt. Zwar erstrebt der junge Herr Dr. Ad er einen dem Bischof der anglikanischen Kirche gleichttehenden Einfluß, allein diese« Streben wird wohl kaum zur Wirklichkeit werde», so lange zu viel polnisches Element das Judenchum England« ausmacht. Solches läßt sich nicht so leicht unter einen Hut bringe». Ein Gutes ist iudeffen kürzlich geschehen. Sammtliche Chewroö in London wurden unter dem mächtigen Einflüsse des Parlamentsmitgliedes Montazu in einen einzige» Verein zusamwrngebracht. dessen Oberhaupt kein geringerer als Lort Rothschild ist. Letzterer thut enorm viel für da« Judenthum und zeigt aktive« Interesse der allen Gelegenheiten. Er ist durchaus kein Fanatiker wie manche anderen jüdischen Leiter, sondern huldigt dem Judenthum im Verein mtt Vernunft. So stand er kürzlich nicht an. dem Herr Oberttibdioer in Angelegenheit der Eremation zu opponiren. Da« Gelungene bei der Sach« war, daß der Herr Oberrabbiner eine Stelle au« der Bibel gegen Feuerbestattung citirtr (Amos 2,1), während Lord,' Rochschtld eia« ande»e für dieselbe beibrachtr (Bestattung de» Saal und seine» Söhne). Beide Herren scheinen die in Ihre» „Litteraturblattin so gründlicher Weise von zwei hochgelehrten deutschen Rabbinern cstirteu biblische» und talmudischen Quellen, die fast alle pro ,-üd ooubr» in dieser brennende» Frage erschöpfend behandelten, nicht zu können. *) Wir halte» hie llebersetzang wo«S-lich aller Qk&ttfHUb für unbedingt nniHvmdig, ja für die Hanpiaufgab, d«< hehr. Unterricht«, «e»r> der JadifferenliStnuS bei« Aoctesoic»stc gebrocheu u»t der Mcht «berechtintr Etiuvand -ege» den hedr. EalrnS: „wir versteh» i« doch nicht, »a« »tr de»«" gehobea werde» fvll (Rr>.)