Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938309--6501-5372418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I t crftn nab jctc religiöse Entwickelung hemmen, gewöhnlich! oa« kleinen Gcmeinden Einge»and«te. Diese glauben ihre Bildung durch tlnfrömmigkeit beweisen zn müssen, weil ihnen zuweilen kein cnder« Beweis dafür zu Gebote steht. Alle" versuche, «S zu bessern, find bisher am Wollen und Können gescheitert; die Schechitah und ein guter Gesang find eben ot Alles. In Ostpreußen hat der Grmeindeverband seinen Berichten nach xc» Uebel rin wenig gemildert, in Westpreußen ist dasselbe größer, und einProvinzialverdaud allein kömtte unter b-n obwaltenden mißlichen Umständen nicht genug Wandel schaffen. In den allerw-migsteu Gemeinden wirken Rabbiner und tüchtige Lehrer, für die andern Gemeinden giebt es nur ein Mittel: Wanderlehrer. Diese Institution könnte gedeihen, wenn j; drei oder vier Gemeinden fich zusammenthäteu und der Deutsch-Ji rarl. Grmeindebund ihre Bestrebungen ideell und materiell unterstützte. Er müßte alle Hebel ansetzen, nm solche Krchsschäden, die dem gesammten Judenthume Schaden bringen können, zu beseitigen; hier müßte eine solche Orgauisatton Hand anlegen. Im Süden, wo der Staat auch für die Reinste Gememde sorgt, zeitigt dar re'igiöse Leben erfreuliclcne Resultate, als bei uns, wo aus Mangel an Unterricht BieleS zu verkümmern droht. Durch die bereits in Ihrem Blatte erwähnte Bestrebung zur Gründung eines .Provinz al-WaisenhauseS", würden die zerstreuten Gemeinden der P oviuz wehr Fühlung mit einander erhalten» und es soll an Bemühungen nicht fehlen, durch gemeinsames Wirken auch imf dem Gebiete der relig. J ugenderziehung Erfreuliches zu erzielen. Gebe Gott, daß e« gelinge, unsere Wünsche, wenn auch erst in beschränktem Maße, zur Ausführung zu briugeul La»ßurg, 2. Januar. (Or.-Lorr.) Gestatten Sie mir, Herr Redrcteur. Ihnen einige Notizen über die hiesige Talmud-Thora-Schule zu geben, welche, soweit sie auf Zahlen bernhen, der letzten Jahresabrechnung derselben entnommen find. Die Schu r, welche im Jahre 1884 in einem, von zwei Mitgliedern der Gemeinde, den Herren Michel Lehmann uu^ Elias Rüben, z eschensten, in der dritten Elbstraße belegenem Hause, gegründet worden, bezweckt: Kindern unbemittelter Gemeinde-Angehöriger unentgeltlich Unterricht im Hebräischen und den im bürgerlichen Leben unentbehrlichen LehrgegenstSüden zu erth-ileu. In den ersten Jabren ihre» Bestehens waren, den Zeit- Verhältnissen entsprechend, die Leistungen dieser Instituts keine sehr hervorragende und erst, nachdem der im Jahre 1821 erwählte Ehachc m BernayS als Ephoru» die pädagogische Leitung der Sch tle übernahm, kam sie zu größerer Entwickelung. Auch der Ober »bin« Stern widmet in gleicher Eigenschaft! einen großen Theil seiner Zeit der Schule uad wird selbst von denen, weliht im Uebrigeu der Wirksamkeit dieses Manne« ein Lob nicht z» ertheilen vermögen, anerkamit, daß er ersprießlich für dieselbe wirke. Seit dem Jahre 1870 trat die Talmud-Thvra in den Kreis der höheren Bürgerschulen ein und erwarb damit die Berechtigung, den Schülern, welche die AbgangS-Priifuug bestanden, ein amtliches OualificatiouSzeugniß für den einjährigen Freiwiüigeudienst auSzustelleu- Schon im Jahre 1857 war es der Schule mtt Hülfe der Gemeinde, velche chr M. 15.000 als Zuschuß gewährte, gelungen, ein rigeneS größeres SchulhauS auf den Kohl- Höfen neben der Hauptsynagoge zn erbauen und im Jahre 1872 wurde sie durch die hochherzige Schenkung des Herrn Sally Lewisohu in den Stand gesetzt, ein zweites Schulgebäude m mur ittelbarer Nähe zu errichten. Ueberhanpt hat die Schule fich des Wohlwollens vieler Gemeindemitglieder za allen Zeiten zn erfreuen gehabt; so find chr auch von dem verstorben m H. S. Herz bei Lebzeiten M. 180,000 gescheutt worbe., der« Zinsen erst nach seinen und seiner Frau Tod« der Schule zu gute kommen sollen; das ist seit zwei Jahren der Fall. Das Bern ögen der Talmud-Thora beträzt außer den beiden Srnu stück» etwa 371,295 Mk. 46 Pf., wovon M. 267,900 rnAypothekenposten. 99,018 Mk. 2 Pf. dagegen bei der Gemeinde zinsttagend belegt find. Außerdem leistet die Gemeind« einen jährlichen Zuschuss von 7200 M. und betrug die von Eontriduenten gezahlten Summe 2736 Mark 70 Pfg. Ist» Schul- und Büchergeld nahm I»ie Talmud-Thora im Jahre 1886/87 27,083 Mk. an Zinsen 13,850 Mk. 17 Pf. und au testamentarisckeu Renten 2462 Mk. 40 Pf. ein. An Legaten fielen ihr 2000 Mk. zu. Die HauptauSgabe der Schule erheischten 'die Gehälter der 29 Lehrer: 46,565 Mk. 30 Pf.; einige kleine Pensionen betrugen 322 Mk. 80 Pf.; außerdem zahlte sie für Bücher und Unterrichtsgegenstäude 4718 Mk. 31 Pf.; sowie für Neuanschaffungen und an Handwerker 3010 Mk. 21 Pf.: Diverse Leibrenten und drgl. erforderten 1408 Mk. 25 Pf.; Oeconomie, Feuerung, Ga» und Wasser 2329 Mk. 57 Pf.; die Kosten für Jusera'e sowie diverse Spesen betrugen 312 Mk. 42 Pf. Die Zahl der Schüler stellte sich am 1. April 1887 auf 615, davon waren gemeindeangehör'ge Freischüler: 201. nicht gemeiudeangehörige, größtenthMS zahlende: 188 und zahlende Kinder Gemeind.augehöriger: 126. Der Schuloorstand besteht aus einem Mitgliede des Gemeinde-Borftand-, welche» den Borfitz führt, dem Ephorns der Schule und fünf anderen Mitgliedern, welche beittagend«, Mitglieder der Gemeinde sein müssen. — Am 21. Dezember fand die Neuroahl von drei Mitgliedern für da» Delegirten-Eollegium des Synagogeu-Berbande» statt; die liberale Richtung fi:gte mit einer Zweidrittel-Majorität; ttotzdem dir Gegner, die Partei de» Oberrabbiuer», wohl vollständig au der Wahlurne erschienen waren, brachten sie es nur auf sechSzig Stimmen. Um fich übrigens einen Begriff davon zu machen, was man hier unter .liberal" versteht, muß man wissen, daß »mter den Gewählten fich ein Bruder des Rabbiner» in Schrimm befindet, der diesem au Frömmigkeit wohl nicht nachsteht. Das aus zehn Mitgliedern bestehende 4)rlegirten - Eollegiu» gehört fast vollständig einer Richtung an; sie wünschen einen Prediger und etwas zeitgemäße Reformen auf strengreligiöser Grundlage sowie einige unwesentliche Statutenänderungen. Bon den fünf Mitgliedern, aus welchen der Borstand de» Synagogen - BerbandeS zusammengesetzt ist, stimmen wohl drei im Allgemeinen mit dem Delrgirteu- Eollrgiuw. Trotz dieses günstigen Verhältnisse», glaub« ich wird vorläufig Alles beim Alten bleiben; wir werden, obgleich die Wahl bereit» ausgeschrieben ist und zehn oder ctff j Eaudidateu für das Prediger-Amt fich gemeldet haben fofitn, meiner Meinung nach, einen Prediger virläufig nicht erhalten.^ Kamtnrg, 1. Januar. (Or.-Eorr.) Am 31. ®«j*inb«: feierte daS Lieberm auu'fche Ehepaar das golden« Hoch-/ zeitsfest. Zu Ehren de« Jubelpaares fand bereits Frettag Z Abend in Gegenwart der Familie unt der zahlreich oer«; sammelten Gemeinde eine solenne Fein statt. SSmmtliche Borsteher des Tempelverbandes führten unter feierlichen Gesängen den Jubilar als da» älteste Gemeinde- Mitglied und Borsitzeuden des Repräsentanten Kollegium» in Begleitung seiner ehrwürdigen Gattin > (Emilie, geö. Zeuder) und der Linder zu den festlich geschmückten erhöhten Sitzen im hell erleirchtNeu Gotteshaus«. Nach üblicher Sabbathandacht stimmte btr Festchor des Teurpels eine Jubelhymne an, worauf Herr Prediger Dr. Lei»-, dörfer von der Kanzel herab einen ergreifenden Segen für! das Jubelpaar sprach. Herr Joseph Sch öufeld, der Präses! de« Tempeloerbandes, überreichte zuvor eine prachtvoll aus»I gestatt«« Adresse Namen« der Gemeinde, für welche der! Jubilar stets eifrig gewirkt. — Nachdem die jüngste» Enkels den goldenen Myrtheuschmuck den gefeinten Großeltern über- 1 reicht hatten, fand am Tage >elbst, Mittag« 12 Uhr, in den^ äußerst imposant gefchmücstcn Räumen des Liebe rwaun'schar^ Hauses rin besonder« Festakt statt. Unt« Leitaug des ' kannten Musikers HerrnE. von Holte« warben von