Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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*" rtfcc tc., alle« dir« ist ei» Mm starke» Eiudrickm beglriteler Theil der Beerdigung, wo der Ernst nod die Erregtheit die Eiudrücke noch vertiefe», und besonder« jeden Kontrast gegen Sitte uubHlrkowmen auf« lebhafteste auffaffea läßt. Jeder, der nicht gleichgiltig eine« im Grabe Ruhenden sich erinnert. »trd daram unwillkürlich der Umstände gedenken, »uter denen derselbe in« Grad gesenkt wurde, entweder in den allgemein üblichen Karmen oder in der Abweichung von denselben, mit welcher r« erfolgte — und letztere« natürlich viel lebdofter al« rrsterr«. — Abgesehen also vom religiösen Gesicht», punkte, rein vom Standpunkte der Ethik au«, ist die jüd. Beerdigung für den Bekenner de« Judenthum« «ine heilige Pflicht; e« ist Pflicht de« Sterbenden gegen die Ueberletenden, sich ein jüd. Begräbuiß angedeihen zu lassen und r« ist Pflicht der U«verlebenden, den Leichnam nach dem üblichen Rita« in« Grab zu senken Diese These wollen wir nun beweisen . (Aortstpung folgt.) Gerichte mrd Co rresp»«de«»eu Deutschland. Magdebnrg, 8. Januar. Die deutschen Thierschutz, vereine ruhen nicht; nach der Niederlage, die ihre Petition in der Reich«tag«sttzang vom 18. November v. I. erlitten, ist ihre stille Agitatirn nunmehr darauf gerichtet, rin Gesetz herbeiznsührrn, welche« den Fleischern rrsp. den jüd. Schüchtern den Zwang auferlegen soll, sofort nach dem vom Schochet vollzogenen Hal«schniit, während nach da« Blut hera»«ftrdmt, dem Thiere durch Schläge auf den llopf oder einen Stich in'« Genick den letzten Todesstoß zu geben. Im Zusammenhang dirwit steht wohl eine jüngst beim hiesige« Polizeiamt ringrgangene Anfrage de« Thierschuhverein« zu Stuttgart, in welcher Weise hier da« jüdisch« Schla chtverfahren ftattsäude. Der bedeutendste jüd. Fleischermstr. <Hr. Weinberg), reffen Fleisch» und Wnrstvertrkb unter Auf. säht de« Rabbiuat« steht, wutde al« Sachverständiger ocr- »ommen. Nachdem er a. ». rrllärt, daß ein« salche nach, trtglich« TSdtuug nach dem rituellen Halsschnitt sich auch -au« praktische» Gründen gar nicht ohne Gefahr de« betr. Klrischergesellen ermöglichen lasse, lud er den vernehmenden P»lizricooimissarin« zur Ocularbefichtigung eine« solchen Schlachtacte« ein. Der betr. Beamte wohnte demselben mit der Uhr in der Hand bei und überzeugte sich, daß vom voll» »geura Hal«schnitt bi« zum vollständige» Todtfeiu de« Äklstrre« nur zwei Miaute» vergangen waren. Der Polizeicommiffariu« sprach wiederholt seine Ueberzeugunp '-dahin an«, daß dies« rituelle Schlachtweise dir praktischste, -da« Thier am schnellsten und uuter de« genügst« u Schmerzen aum Tode bringend« und daher ewpfehlenSwertheste Tvdtuug«art sei- Ja diese« Sinne ist a»«h sein Bescheid an den Thier» schntzverei:: in Stuttgart «»«gefallet». Daß übrigen« ein« Tödlnng unmittelbar nach der Schechita religio«grsrtzlich unzulüsfig ist, »eil durch di« plötzliche Tödtung da« Auesträmeu de« Blute t verhindert -wird, weiß jeder halachakundige Rabbiner. Dennoch ist e« mrcht verdienstlich von Herrn Dr. Plato in Köln daß er >die einschlägig« Moieiie zum Gegenstnude einer besonderen 3 stiarlegmtg macht und die Resultate iu einer Broschüre DUMP veröffentlicht; eine ernuiüthige, zu. »ende Srlliruug aller deutsche» Rabbiner steht zu erarte». iKieili«, 5. Januar. (Or.-Larr.) W un e« ein wohl. Itige« und heildtiagende« Institut giebt, weiche« die Unter, ag aller Slaubensgeuoflen verdien», so ist e« da« ^Jüdische KurhoSpital" in Lolberg. Ohne Anseh«» der >rf»n oder de« Staude« öffnet e« sriue Pforte« aüru 8eixudeu» soweit r« möglich ist, nur di« Bedürftigkeit ist maß. ad. Au« dem zur Lu«gabe gelangten 14. Jahreöberich»! erfahre« wir. daß im vergangene» Jahre 11V arme, aber würdige Person««, darunter 43 Linder unter 14 Jahren Auf. nähme gefunden haben, d. h. sie erhielte« ganz unent» geltlich Obdach und Verpflegung. ärztliche Behandlung, Arzneien und als Hauptsache Bäder zum Zweck« einer Sool-, See- oder Moorbadekur. Wir denken, da« spricht für sich, da« find Leistungen, auf die die Anstalt stolz sein darf. Bon diesen 110 Personen konnten st« geheilt 26 und at« wesentlich gedefferl 83 eatlaffm werden, immerhin ein gutes Resultat mit Rücksicht daraus, daß gerade in diesem Jahre eine größere Anzahl von schweren und chronisch verlaufenen Nebeln zar Behandlung kamen, wobei bie Erfolge erst später zum Vorschein komnien. Alle möglichen Krankheiten waren vertreten und an« allen Orten waien sie gekommen; da«Hauptcontingent stellt jedoch Berlin mit 74 Personen, dann folgen Provinz Posen mit 18. Pommern mit 12 u. f. w. Dir -ranken selbst behandelt« der dirigirend« Arzt Dr. Weißenberg. während die eigentliche Pflege eine Hausmutter und eine in der Königl. Eharitä in Berlin «»«gebildete Kranken» Pflegerin autübte. — Möchten sich doch recht viele edle und gute Menschen finden, die diese« Institut unterstützen, jede Gabe, auch die kleinste, wird dankend angenommen. Im vollsten Miraße verdient e« Aller Sympathie; e« wird jährlich soviel Geld außer Lande« gesandt für Zwecke, die > uns recht entfernt liegen und von denen wir so wenig wissen, ' hier bei dieser Heilanstalt ist e« entschiede» besser angebracht.; Und ba« umsomehr, al« e« säst nur auf die private Unter.! stützung angewiesen ist. eigne Fond» besitzt di« Anstalt nur; wenige. Dir ordentlichen Mitglieder (508° brachten 4295 M. j 50 Pf. Beiträge auf, während der Badezeit wurden verein» i nahmt Mk. 1901,35 — gegen vergangenes Jahr weniger j M. 581,68 — Die sich zusammensetzen au« 1. Sammlung! unter de» Badegästen M. 1081; 2. Reinertrag eine« zum j Besten de« Hospital« veranstalteten Konzert- M. 233,35; j 3. au« dem Betsaale M. 354,90; 4. Reinertrag eine« zum Besten der Anstalt veranlaßten Scatturnier« M 132.10 und 5. Zuwendung de« Herrn -apellmeister« Holländer au» Hamburg Mk. 100. Dir ordentlichen Mitglieder verlhcilen sich auf 85 Orte bavon u. 8. Berlin mit 137, Stettin mit 64. Bre«iau mit 23, Posen mit 18, Lvlberg mit 23. Star» gard i. Pom. mit 14 u. s. w. u. s. w. Hoffentlich trägt dieser Bericht dazu bei, daß sich an allen Orten Freunde und Gönner de« Ho«pital« finden, die dadurch orderttliche Mitglieder werden, daß sie jährlich eine bestimmte Summe einsenden. W. Mestprevßea, 3. Januar. (Or. .Eorr.) Der Rabbiner einer Grvtzgemeinde, der in Folge cmtlicher Be» rufimgen aft Gelegenheit hat. von den Berhältniffeu in dm kleine» Gemeinden in der Provinz-rnnlniß zu nehme, , em» yfängt meistentheil« einen nicht sehr erfreulichen Eindmck von dmsrlbm. Der wundeste Punkt, der mitunter eine furchtbare Lrisi« heraus beschwört ist der gänzliche Mangel an ge» riguetem Rrligion«unterricht. Nicht oft gmug kann darauf hingewicsen werden, wie traurig e« in den kleinen Gemeinden hiermit bestellt ist. Diese können meist nur einen Beamtm Ixsoldrn, weil dir Anzahl der beitragenden Mitglieder ge» wöhnlich nur sehr gering ist und dieselbm sich auch meist keiner großen Wohlhabenheit erfreuen. Bei der Anstellung diese« eivm Beamtm wird mit rühmlichen Au«»ahmrn darauf in erster Reihe darauf gesehen, daß er eine gute Stimme besitzt. Die Linder selbst können nicht dm geringsten Respekt vor einem vollständig ungebildete« -ulln«dea«ten haben, imd mit dem Spott über den Lehrer vereinigt sich natnr» gemäß die Nichtachtung seiner Lehre. Kommt noch hinzu, baß io solche» Gemeinden Gymnasien sind, in deum so «uauche Schüler der höheren -laffm mit einem gewiffm Düukel aus ihre frommen, aber ungebildeten Eltem blicke», und dabei ohne jeden systematischen Religionsunterricht groß »erde«, so ist brr Mißftaud dappelt verhängnißvall. Ja «nseru größere« Gemeinden sind diejmigm Element«, weiche mit einer gewissen Frivolität alle» R-ligiöse über Bord