Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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bunt. Dir Desertion ist nicht geoügeud gebraudmarv; viele unter unS drücken dem Ueberläufer die Hand, als sei «ichtS vorgefalleu. Ja, als einmal vor Kurzem in einer kleine« Gemeinde einer, ter abtrünnig geworden, nachher ,u de« betreffenden Borsteher kam und ihm achtzig Mark Gemeindesteuer brachte und versprach eS, auch für die übrige Zeit seine« Leben« so -t halten, fand der Vorsteher nicht» Böse« dabei da« Geld auznnehmen. Solche Thatsache» mögen öfter« Vorkommen, daß die Juden auf derartige« Geld sagen: non ölet, e« ruckt nicht. Und zweif.llo; würde mit dem Erwachen der Religiosität auch die jüdische Wiffenschaft neuen Glanz gewinnen und wir könnten aufhöun über Verwaisung zu Nagen. Aber wenn auch Organisationen allein nicht im Stande sind den Baun zu lösen, so find fie vielleicht fähig den Berfall in etwa« aufzuhalten. Da« deutsche Judenthum ist besonder« im Osten gar zu sehr atomifirt, eine Gemeinde weiß von der andern nich!«. Da ist zuerst ter Rabbinerverband. Dir können absolut nicht begreifen trotz der Korrespondenz, die schon bei der Arüudung de« Rabdioerverbaude« zwischen Orthodoxen und i iberalen sich entsponnen hat. warum drr Verband nicht all e deutschen Rabbiner umspannen soll; schon durch die gegenseitige Aussprache würde die der Gesammtheit so verderbliche Kluft sich verringern. Noch wichtiger ist ein Berb au d der Gemeinden, der deutsch<i«raelitische Gemeindebund könnte sich eia Verdienst erwerben, wenn er für Preußen, wo die Zersplitterung den hö ysten Grad er richt hat, eine Organisation anregte, wie sie im übrigen Deutschland schon besteht; allerdings ist nicht« im Weg« die Feh er. die vielleicht dort sich herauSgrstellt haben, bei Neufck üpfuogen zu vermeiden. E« müßte drr Versuch gemacht werden, wenn der preußischen Regierung ein Gesetzentwurf entgegeagedracht würde, um da« Judenthuu. >n Kreisen und Provinzen zulammrnzufaffen und zu orgeuisirrn. ob nicht di« Regierung sich dazu rntschlöffe an« ihrer Gleichgültigkeit gegen ein Bekenntniß. dem doch eine falbe Million Deutscher anhängt, herauszutrete». Daß eine so che Einrichtung nodj keine Urbergriffe der Regierung in uo er« Eultn« herdeiführt, dafür bürgen dir Erfahrungen, die im übrigen Deutschland und in Nenprußen gemacht worden fir d. Uebrigen« brauchten ja die für diese Länder geltenden Verordn ingrn nicht lediglich abgeschrieben zu werden, sondern sie sollten nur al< Grundlage dienen und sie Kanten wenigsten« dahin geändert werden, daß da« Gemeiudepriazip and die Theilnahme der Laien an der Verwaltung zu stärkerem Au-oruck kiime. Jndeß wir wollen un« hente nicht in Erwägung von Einzelheiten verlieren; wir wollten nur, nachdem wir die Zukunft de« deutschen Judenthum« al« eine nicht grade lichte bezeichnen mußten, einen Punkt herausgreifen wo die Arbeit beginnen könnte, um dem Uedel zu wehren, um sie Nebel zu scheuchen. DaS jüdische Begräbnis; in »sychokogischer Mekenchl«»,. II .Die Leiche heiligt da« Grab" — jagt Steiuthal sehr schön; aber man würde ihn mißverstehen, wollt« mau die« ganz wörtlich oelimen, und der Leiche an sich diese heiligende Wirkung beilrgen. Obgleich e« die Leiche eine« Mensche» ist. der noch vor kurzem beseelt und eine ethisch« Person gewesen, so ist er e« doch gewesen und jetzt eine — Leiche. . . »ein natürlicher Körper, der sich nach physikalischen und chemischen Gesetzen verhält." Da« der Meuscheuleiche «in« desondere Würde verleiht, ist der Umstand. daß «ii, die Ueberlebenden, in Folge der früberi Beseelthiit und ethische» Persönlichkett derselben, .sie mit andern^ rfsihlei öctrachieukalischru and chemischeo Gesetzen"; aber »nicht »ach physikalischen «ad chemisch«» Gesetzen» — wenigsten« nicht - nach - denen de« entseelten Körper« — verhält sich da« Gefühl ber Ueberlebenden gegen den^Veiporbenrn. . Der■' Leichnam ist allerding«, wie Steiuthal an anderer Stelle' (S. 305) sagt, .da« natürlich« Bild de« entschlafene» Matschen;" aber da« .Bild" doch nur, insofern da» Urbild, der frühere Mensch, im Geiste der Ueberlebenden fortbaaert, - oder doch da« allgemeine Urbild, di« Idee deL Mensche», in den Lebende« vorha»d«a ist und durch de»' Anblick de» Leichnam«, de« früher» Träger« oe« Geiste»," da« natürliche Bild der Seele, erregt wirb. Die« steigert sich natürlich »och, ,rwmn in diese« Leid« eine uu« liebe Person gelebt hat", dann .ist er un« eine thenre Reliquie» die wir »tt lebhafte» «Gefühlen der Erde (wenn nicht der Flamme')) vertraue». (Stetnthal a. a. O.) Diese Bedeutung der Leiche für dev allgemeine» und besonderen Inhalt de« Bewußtsein« der Ueberlebenden von dem verstorbene» 3keuschen, ist dir einzig«' ethische Bast« unserer Rechte und Pflichten gegen den ertseeltrn Körper.— <5» wäre hier leicht nachznweiseu, daß da« ganze ethische Berhältuiß zu den Verstorbenen, auch da« BereÄung«- recht re., auf ganz ähnlicher Bast«, näm'ich auf de» psycho» logischen Elementen in den Ueberlebenden beruht. Doch wir; wollen hier von unser,» Gegeustaube Pflichten gegen dir' Leich«, nicht abschwetfeu. E« genügt un«, bewiesen z» habe«, daß die einzige Voraussetzung aller ethischen Verhältnisse gegen den entseelte» Körper, deffea Beziehungen zu de« Bilde de« Verstorbenen, welch«« in ber Erinnerung der Lebenden noch vorhanden ist."' und zu den Äeflthlea der letzter»' gegen den Verblichenen sind. Und nun behaupte ich: Dir Form de« Begräbnisse« ist vermöge eine« unabänderlichen^ psychologischen Gesetze« von ber größte» Be».' deutung für da« Erinnerungsbild de« Verbl.ichenen in den Herzen ber Lebende», ats«^ ethisch nicht gleichgiltig. Da« psychologische Gesetz, welche« tier wirksam ist, ist: da« Gesetz der Jdeen-Affoziatiou: Jede Vorstellung tritt in. ber Erinnerung stet« in Verbindung mit denjenigen Vorstellungen auf, mit welchen fie ursprünglich am ftäiksten wr» jj bnnde» gewesen ist. Denn wir also irgend einen Gegenstand, von de» wir) zu verschiedenen Zeiten verschiedene sinniche Eindrücke e»-1 pfangeu haben, un« in der Erinnerung verstellen, welches Eindrücke werdrn sich da zuerst mit ihm affoziiren und taH] Bewußtsein treten? Nu», offenbar die lkiudrück«, die »tr i später oder zuletzt empfingen, die noch nicht so langes dem Zahn der Zeit aufgesetzt waten. Diese der Zett »ach! letzten Eindrücke sind da» Entscheidend« und da« Sprich»^ wort hat Recht, weuu e« sagt: .Ende gut, alle« gut k"; Da« Bild tf«u« Menschen, von dem wir getrennt finbH trägt die Züge desselben bet« Abschied«. Die letzte» Rach-j richten, die wir von ihm »der über ih» erhielte», werden sich s stet« zuerst mit der Erinnerung an ihn verbinden. Ist« in ein andere« Land gereist, so können «tt nicht an ih» 1 denken, ohne daß dtt Borstellnngm lebendig werben, dtt nckr^ von dem Land, der Stadt, oder dem Deltcheil haben. »»' sich ansbäit, oder von dem Hotel, in dein er wohnt, richt ander« ist r« mit eine« Verstorbenen: so ostz-i an ihn denken, erneuern sich dtt Vorstellungen oo» dunkel» Schooß der Erde, und besouder« Diejenigen, die durch MiNhettung oder prrsöullche Wahinehmung von Beerdigung derselben haben. Da« wird um so mrdr Fall sein, wenn btt Beerdigung von der gewöhnlichen Sit abwricht. — ■ ifcf .Formel», Zeremonien. SegenSsprükze." der Ritnst^ ,Oi»«wr» ttnckiook»E, da« Benehmen der Leidtragenden/ Gro tat.tnng gedenke» wir »ich i»j