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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bUfctttn mb geistreich«« Wüiuk völlig ««erklärlich wird. Dl« Behauptungen, in bene» er sich über bi« jüdischen Mediziner ergeht, finb gang falsch, sein llrtheil über bi« Wiener Schule ist ungerecht und unwahr." Da» gen. Blatt registrirt bereit» mehrere Kundgebungen gegen v. (Die Wiener L«r»te contra villroth.) In ber am S. b. M. adgehaltrnen Plenarversammlung de» Vereine» der Aerzt« in den südlichen Bezirke« Wien» referirt« der Obmann Dr. Scholz über da» jüngst« Buch Villroth'» „Ueber Lehre» und Lernen der medizinischen Wissenschaften"» und indem er eine Blumrnies« an» demselben -um Besten gab, hob er hervor, daß fast jede» Kapitel dafür zeuge, daß Thatsachen von Billroth entstellt bargelegt wurden, um die Verdienste der Wiener Schule und ihrer Vertreter zu schmälern und da» gewiß gerechlsertigle Ansehen und bi« an» erkannte Bedeutung dieser Schule herabzujetzrn. Er tadelt die unerhörte Art, wie Billroth über di« armcn und jüdischen Smdenten schreib», «a» um so anfälliger ist, da über di« Studenten anderer Hochschule« kein« Kritik geübt wird. Rur di« Diener Studenten seien hier ln Rücksicht gezogen und dies« hätten säst alle Lehmgehirn« oder seien besten Fall» — Haustier l Die Lutvrück, in den Billroth sein Unheil abgiebt, erscheinen dem Referenten so unwürdig', dag ste sich der Kritik entziehe». Die zahlreich versamvlelten Aerzt« stimm» ten den Lu»fnhruag«u de» R>serrnteu vollinhaltlich bei und erhob«» die folgende Resolution zum Beschlüsse. Die Reso» lution lautet wörtlich: „Der Verein bedauert, daß in dem Buche Billroth'» (Lehren und Lernen an de» deutschen Uaiversttärrn rc.) dt« Verhältnisse der Studirenden der Medizin tu Dien in einer Weis« besprochen stnd, welche nicht nur in >ct a»geführten Allgemeinheit unrichtig, ionvern auch geeignet ist, di« Studenten ungerechtfertigter Weise zu verunglimpfen." Di« anwesenden Vertreter der ärzlichen Vereine der anderen Bezirke Wien» gaben di« Abstcht kund, die Sach« ebenfall« in ihren Vereinen zur Sprache zu bringen. (Die Studenten contra Professor Billroth) Seit hem Erscheinen de» vielbesprochene« Werke« von Prof. Billroth „Utbtt da» Lehren und Lernen der medizinischen Wissenichajten" machte sich allmälich unter ven Studenten ein« gewisse .Erbitterung gegen den bi» nun von ihnen so hoch verehrten Lehrer geltend, und al»dald hatte sich ein« Partei gebildet, die die Parole autgab, daß dem Prof. Billroth eine großartige — Katzenmusik vargebracht werden müffe. Da diesem Skandale überdie» »och eine Demonstration im Hörsaale hätte vorangehen sollen, wurden „Strohmänner" geworben, und in der Thal halten viele Juristen, Philosophen und namentlich Techniker — darunter gar sehr viel« „Richtjuden" — ihre Mitwirkung zugesagt. Inzwischen war «» dem maß» und taktvollen Vorgehen einiger Lollegen gelungen, dt« beabfichtigtr Demonstration zu hintertreidrn und di« Studentenschaft von der Ungebührlichkeit solcher Auöschreitungen zu überzeugen. Dies« verhielten sich denn auch in der Thal dt» zu« 6. d. M. vollend« passiv. Allein ander« Studenten wieder glaubten die Spitz« der geplanten Demonstration am besten durch «in« Gegendemonstration abbrechen zu können, uud empfiugen, al» Pros. Billroth am 6. d. M. den Hörsaal betrat, diesen mit einem mehrere Minuten anhaltenden Beifall». Billroth war selbst von diesem Brtfalle offenbar peinlich berührt, und r« kostete ihm Rühe, di» er den Student«, „für di« lauten Beweis« ihrer Sympathien dankt« und K« bat, zu bedenken, daß st« stch in einem Lehrsaal« de» allgemeinen Krankrnbause» befinden." Unter den Studenten aber hot seither dt« Erbitterung arge Dtmenfionen angenommen. Sie wurde genährt durch dt« von Mitgliedern verschiedener „ultradeutscher" Verbindungen dargebracht« Ovation für B^ da die angegrtffrnen Studenten in dieser Ovation eine Parteinahme gegm sich erblicken, «amentltch aber durch da» Gerücht, da» unter den Medizinern eine »«aufhaltsam« Verbreitung gefuude«, daß nämlich Billroth sich dies« Beifall«- bezeugungen selbst — bestellt habe. Seither gab e» fast keinen Tag, an welche» e» nicht zu trgeud einer bald «ruftlicheren, bald komischeren Scene unter Lollegen kam. L« letzten Dienttag circulirt« ei« Teller, auf welche« ein medizinische« Präparat hernmgereicht wurde, mit mehkrren „von unsichtbarer Hand" hinzugelegten Zündhölzchen — al» Ln» spirlung auf di« Bemerkung Billroth'». daß arm« jüdisch« Studenten in „freien" Stunden mit Zündhölzchen „handeln." Am 10. d. M aber lief r» nicht so harmlo» ab. vor!0 Uhr war der Hörsaal Billroth'» bereit» di» aus da» letzt« Plätzchen gefüllt. Ll» nun der Profeffor in den Saal trat, empfing h», wie aus ein gegebene» Signal, ein stürmische» „Pereat", welche» sich einige Male wiederholt«. Prof. Billroth stand einige Moment« bleich auf dem Katheder, versucht« zu Worte zu kommen, wa« ihm jedoch nicht gelang. Wir wir hären, hielt di« Studentenschaft «ine neuerliche Versammlung ab, in welch»» «in Somit« mir der Luöarbeitung eine» Proinemorta betraut wurde, da» an den Ui«rrtcht»«inister geleitet werden und da» Berhältniß Billroth'» zu seinen Lehrern darlegrn soll. Di« jüdischen und armen Studenten wollen dann dieser Darlegung die Bitte anfüge«, daß e» ihnen fretgestellt werden möge, den Pros. Billroth al» Examinator bei den Rigorosen ablehnen zu dürfe«, da «» ihnen schwer fallen müffe, stch von einem Manne prüfen zu lassen, der, auf Grund ihrer Lrmuth und ihrer Konfession, ihnen „jede Befähigung und jede» inniger« Berstöndntß für di« medizinischen Wissenschaften" vor vorneherein absprech«. Zum Schluff« gaben sich di« versammelte» noch geg,,seitiß da» Wort, daß sich von ihnen im nächsten Semester auch nicht ein einziger bei Billroth inserlbir»^. lassen wolle. — Man muß die vorgefallene» D«monstra>>on«n — bei den«, e« auch au Rufen: „Juden hinau«I" nicht fehlt« — um so ernster beklagen, da sie auch einen falschen Schein auf di« Studentenschaft Wien» werfen, di« stch stet« durch eia besondere« Gefühl der Lollegialität und Achtung vor der Dissenschast au»gezeichn«t hat. Luch im Abgeordnetenhaus« hat Billroth'» Buch ein« Berurthetlung Seiten» de» Unl«rricht»minister» v. Stremayer erfahren. Uebrigen« hat der judenfetndlich« Hr. Profeffor vor einer Studenten-Deputation sich dahin autgesproche», daß man ihn mißverstanden, er gar nicht die Abstcht gehabt Hab«, „Unglücklichen au« Laune wehe zu thun", und daß er da» über „Konfessionen" Gesagt« nunmehr modificire, er »ein« gewisse R a t i o ««n (?), „die Konfessionen hätten in unserer Zeit nur noch subjeticoe Bedeutung." Wteu, 13. Decbr. (Or.-Korr.) Rach einer langen Entfernung von der schönen Donaustadt, freute «» mich, bU alten liebgewonnenen Stätten, Personen und Verhältnisse wieder aussuchen und beschauen zu können. Daß «» in dem lieben Wien nirgend» bet dem Alten geblieben ist, daß vielmehr gerad« di« letzten Jahre groß« Umwälzungen hier hervorgerusea haben, da» wußte ich, und ich war daher auf manch« Veränderungen vorbereitet. Der große Krach hat die Existenz vieler vernichtet und Aller erschwert und ich erwartete di« Spuren davon auf den Straßim, in den Theatern und ganz besonder« in den Gotte»häus«rn deutlich zu finden. In den Straßen mußt« da« Leben und in den Theatern der Besuch stch vermindert haben, «ähren di« Sotte»häuser nach dem Spruche: die Roth lehrt beten — stch eine« ungewöhnlichen Zuspruch» erfreuen müßten. Anstatt deflen fand ich auf den Straßen und in den Theatern da« alt« l«den»frohe Wien, während die Synagogen noch «eit leerer geworden find. Dagegen mußte mich eine Aenderung um so mehr betrüben, al» ich dieselbe im Interesse der Armen gerade jetzt um so weniger erwarten durfte. Ln bestand nämlich seit alter Zeit eine Einrichtung, daß die kyvra kadischa allwöchentlich einmal an dt« Armen Spenden venheiltt. E« wurden an jedem Mittwoch ungefähr 600 Fl. vertheilt. Diese einst so «ohnhätig« Einrichtung mußte den Zeitverhältniffen zum Opfer fallen. Durch di« Vermehrung der Armen und die Vergrößerung der Armuth innerhalb de» Kreise» der BrreintmUglittw »erden di« Msttel de» Verein» so sehr absorbirt, daß für frrmd«

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