Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Rictlti (Or-Lorr.) Sonntag. b«n 5. Dezember, -ab eine grobe» von Rab und Fern herb«»geeilte Versammlung unserem a,n 3 kuj verschiedenen, würdige» Rabbiner, Lewin Landsberg, da» letzt« Geleite. Außer den Leidtragenden, unter denen wir den Bruder des Verblichenen, Herrn Rabbiner LaudSberg zu LoSlau, vermißten, verfehlte« nicht mehrere College» d«S verklärten sich cmzustndrn. Wir bemerkten di« Herren D.Dr. Hirschfeld. Rabbiner zu Sletwitz, Roseuthal. Radb. zu vemh-n O./S.. Lohn, Rabd. zu Kattowitz. Jaffe, Rabbiner zu MySiowitz, Deutsch, Rabbiner zu Sobrau O./S. und Herrn Alexander, Prediger zu Pleß Au« o-m Trauerhaus« begab sich der ansehnlich- Leichenzug in di« Synagoge. Rach Abfingung eines TranerchoraiS sandten von geweihter Stätte den» verklärten Eollegen Wort« der Anerkennung und deS Schmerzes nach di« Herren: vr. Hirschfrld, Alexander und vr. Rosenthal. Auf dem Friedhöfe würdigt« Herr vr. Eohn di« Verdienste de« Verblichenen in längerer Red«. Di« Worte deS Herrn vr. Rosenthal, welch« ein» Eharaktrristik deS Hingeschiedenen nach den verschiedenen Seiten seiner Wtrfamkeit anstrebtea, erfreuten sich sichtlich eine» günstigen Eindruckes bet den Zuhärern. Herr LaudSberg war 22 volle Jahre Rabbiner in Nicolai. ES ist ihm leider nicht erspart geblieben, »S bisweilen mit aller vitterkeit durchzukostea, wie dornenvoll und undankbar in heutigrr Zeit der Beruf eine« LolkSlehrerS tu Israel ist. Einig« Wochen vor seine« Ableben beabsichtigten mehrere Lollegen dem ihnen befreundete« Jubelgreise au« Anlaß seine« 70. Geburtstage« eine Ovation zu bringen. Di« Freud« wurde vereitelt. Dt« Krankheit, ivelche kurz darauf seine Auflösung herbeiführt«, »nacht« die« unmöglich. Selbst ein strenger Beurtheiler de« verblichenen wird seine Friedensliebe. HerzenSgüte, seine hohe talmudische und jüdisch-theologisch« Gelehrsamkeit gebührend anerkennen müsse«. I« kleiner unse Ort und je größer di« geisti, * Oe de, besonder« wa« jüdisö, -Mereffeu betrifft, desto empstndlicher betrifft un« der herie ^lust. .1 SJCJn- Memel. (Echlu^) Die Sammlungen bei den deutsche« Glaubensgenossen, ivelche un» zu Handen gelangt sind, haben bi« jetzt di« ungefähre Höh« von 18,000 Mark erlangt. Da» BertheilungSgeschäft stellt« sich jedoch, wie wir bald erfahren sollten, als ei» sehr schwierige« heran». Diese Schwierigkeiten zu überwinden, erforderte unserseits dt« genauest« lleberlegung und die größte» Anstrengungen. Die erste Schwierigkeit beruht in der heftigsten Äegnrrschaft der beiden Parteien in der verunglückte» Stadt, der Rabbanitenund Saharttenoder Afchkenafim und Sefardi« wie sie sich nennen. SS ließ« sich viel hierüber sagen, genug eine paritätisch« Verständigung herbeizuführen lag außer dem Bereich« der Möglichkeit. Ein« zweite Schwierigkeit liegt in der zu großen Entfernung der abgebrannten Stadt. Widze liegt noch 3J Meilen von hier in unwirthsamer und unwegsainer Gegend, derart, daß di« vertheilung von hieran» zu regeln gleichfalls zu den Unmöglichkeiten gehört. Die dritte und vielleicht Hauptschwierigkeit beruht aus der Unzuverlässigkeit der russisch«« Verhältnisse, welche e« als sehr gewagt erscheinen ließen, eine zu dem in SRcb« stehenden Zwecke bestimmte größer« Sumnre dorthin gelangen zu lassen. Die Postsicherheit ist zwar in Rußland so groß wie in jedem andern Land«, desto unzuverlässiger find jedoch oft andere Beamten. Eine vierte Schwierigkett bestand darin, den Prozentsatz zu finden, welcher für de» Wiederaufbau der Gotte»-, Lehr- und Gemeindehäuser abgesondert werde» sollte. Starke Differenzen machten sich sowohl unter un«, al» auch unter Allen, die zur Mitberathuna herangqogen wurden, geltend. Biele meinten, zu diesem Zweck« gar nicht» bewillige» zu sollen, im weitest gehenden Gegensätze zu dem Unterzeichnete», der gerne, und zivar au« rein humanen und wirthschaftllchen Gründen, fünfzig Prozent, di« Hälft« aller Eingänge. zum Wiüwraufbau ganz besonder» der Bothe-Midroschi» zurückgelegt haben wollte. Um da« zu verstehe», muß man di« Bedeutung der Bothe-Midroschim in diesen über all« Begriff« armen, rusfichen-jüdtschen Städten kennen. Da» Veth-Hamidrafch ist nicht etwa die VerkrhrSstelle einer kleinen Anzahl Gelchrten, behuf» Talmud-Studium». Gerade di« »oirklich Talmud-Gelehrten sind dort v nur selten zu finde». S» ist der Versammlungsort alle, Welt,. besonder« aber der Arme» und Bedrängten, di« dort Trost und Hülfe suchen und meisten» auch finden, «S ist der Ort, wo Ader Erholung sucht nach de» Tage« Last und Müh«, ' wo Jeder auch die geistig« Nabrung findet, wie sie ihm genehm und angemeffen ist, woselbst, »renn der religiös« Geist de» Orte» kein allzurigoroser ist, sogar jene halb politische« Zeitungen in hebräischer Sprach«, wie Magtd und andere gehatten und gelesen werden, e» ist der Ort, der für den Anne» besonder» im Winter ganz unersetzlich ist. Dort wärmt er sich die erstarrten Glieder, »venn er zu Haus« kein« Feuerung hat, um sein Stübchen zu heizen. (Aber Weid und Kinder, Red.) Die weutgen Kopeken, welch« bei der vertheilung, bet der großen Zahl der verunglückten, auf den Einzelne» entfalle», find bald verbraucht, «in« solche« Beth-Hamidrasch ist «ine dauernd« Wohlthat. Al» endlich vor etwa drei Wochen ein Abgesandter der verunglückten Stadt hier «intraf, da konnte mit dsten Beirath, all« Schwierigkeit umgehend, folgender BertheUungSmodu« festgestellt werden. Di« Vertheilung wird gar nicht am Ort« selbst bewirft, sondern e» regelt sie «in Lomilä angesehener Männer tu Dünaburg. der dortig« hochberühmte Rabbiner au der Spitze. Ei« zum Lomitä gehörige« GeschäftSha,»» legt da» »üthig« Geld vor und macht sich wieder per. Anweisung aus unfern Schatzmeister, Herrn S. Bloch, bezahlt. Zum Wtederaufba» der Gotte«- und Lehrhäuser werden 20 Prozent verwendet — und so dürfen wir hoffe», daß die vertheilung ans da» best« »ab gerechtest« vor sich geht. Schlleßlich wollten wir nur noch de« Wunsch aussprechen, daß vorstehend« Darstellung noch recht Biel« veranlaffen möge, zu den Sammlungen für di« Unglücklichen beizusteuern. Dr. Ralf. Oesterreich. Sin. (Affaire villroth.) Al« ob wir in Deutschland nicht genug an dem „Journal-Rischuß" („Kreuzzett., Germania und Deutsche LandeS-Zeitung tc") hätten, gesellt sich nun noch der „Profefforen-Rischuß" hinzu; jener wirst un» de» Reichthum und da« rasche Emporkommen und Eindringen de» jüdisch-geistigen Element« in die wiffenichaftlichrn Kreis« vor, dieser macht un» di« Armuth und di« gering« geistige Begabung zum Borwurf. Zum Glück findet solcher Rischuß in de» hiesigen gebildeten Kreisen keiueu empsänglichen Sinn; da wendet sich Alle« mit Un- und Widerwille» von de» Prof, villroth S00 Seilen starkem Pamphlet «eg. Ich gebe Ihnen statt eine« eigenen Bericht» einig« AnSzüg« au» der „Wiener Medizinisch n Presse" über di« jüngsten skandalösen Vorgänge an »nserer Universität. Diese« Fachbiatt schreibt in Rr. 50 hierüber wie folgt: „Btl lro th gehört nicht allein zu oeu geistreichsten, sondern auch zu de» oielieitigsten Gelehrten an unserer Hochschule, und hat somit neben den Vorzügen auch die Fehler, der meisten vielseitigen Menschen, dt. — die Leichtfertigkeit iw llrtheil. B ist bekanntlich Lhirurg au» Beruf» RitroStopiker au« Liebhaberei, und nun hat er sich in jüngster Zeit noch auf kulturhistorisch« Studien geworfen und al» Resultat derselben kürzlich eilt über Ü00 Setten faffende» Werk unter dem Titel: „Ueber da« Lehren und Lernen der deutschen Ration" veröffentlicht Diese« Wert hat «in ganz ungewöhnliche« und, füge» wir gleich hinzu, peinliche« Aufsehen erregt, ja e» hat tu ärztlichen und selbst nichtärzlichen Kreise», dw sonder» aber uuter der studirenden Jugend «in« ganz außerordentlich« Aufregung heroorgerufen, deren Folgen sich heut« noch gar nicht absehen lasten. In den nichtärztlich«» Kreisen ist «S besonder« der «igenthümlich« Standpunkt, den B. i» den consesstonellen und UuterrtchtSfragen «innimmt, der aller« wärt« höchst unangenehm berührt; in ärztlichen Kreisen ist «S wieder di« AN und Weis«, wie B. über di« Wttuer me« *: dtcinisch« Schule, sowohl über di« Studirenden al« über Lch» rer, spricht, di« allgemein verurtheilt wird. I» eonfessionet- - ler Beziehung nimmt der Autor eine» solch spezifisch christliche - A germanischen Standpunkt «in, daß er bet «tt»e« sonst jo ge- -