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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4S- --- »tri» der GerechKgkett nnd de» WohlwdllBt»" gesammelt. (NL IS); diese stammte« ater au« dem Nvslaate. Damit f<8 Nicht gesagt sein, daß ln Deutschland di« Jntenfeindtich K» di« Oberhand nnd dir Mehrheit besitze, im Segmtheil, e« ist nnr ein sehr kleiner Theil der Presse, welcher in den Tb» der „G:nstania" einstimmt. Aber wenn anch die ganjt Ubtrale ,«d sortschrilUichr Partei da» Recht »er Jude« verchridigt «der vielmehr gar nicht nochwal« in Krage gestellt sehen will, s» ist dach eine offene and nmanwundene Anerkennung der weltgeschichtlichen Bedeutung de« Jutenthum« st» der nachchristliche» Zeit, eine gerechte Würdchnng ihre« Ghatakter» und de» an ihnen verübten Unrecht« nicht oft zu htren oder jk lese«. 9» wird daher Ihre Leser intereffiren, wenn «vir ihnen einen Aufsatz au» de» »Freie« Glocken" (» Lud», Attifctt) vom ia. d. R. «ittheilen. welcher da» >»g«de«1ete enthält. «r ist überschrieben „Jude und Ehrist" Mtt sagt »ach einige» einleitenden Worten: »Ja den spätere« Perioden war da» ander». Da kann von Schuld der JndeN «ich» mehr die Red« sein, — alle Schuld fällt anf da» Hanpt der Christen. — »Werfen wir «inen kurzen Blick auf die Bergangenheit. AM der Kaiser Julian, der vom Christenthume abgefalle« tfttt, de« Inden die Erlaubniß gab, ihren Tempel zu Jertsatem wieder aufzubauen, wie aber Feuer oder Erdbeben di» Arbeiter vertrieben haben soll und sie nun keinen Tempel mehr hatten, da «»»«rblieben ihre Opfer. Durch viele Gebete und Gebräuche suchten sie dieselben zu ersetze«. AllerdiNg» wurden Forschung und freier Entwlckelustg dadurch st» enge Grenzen gebannt. Aber war e» ander» bei de« Christen? Herrschte nicht auch hier schon der Aberglaube, da» Märchen, di« Lüge? hatte mau nicht die ei «lache Lehre dt» Razarrner» zum größten Theil schon verpfuscht? — »Al» nun um da» Iaht 400 die Bölkerwanderu»g etntrat — jene großen, furchtbaren Züge von Nordische« und östlichen Bölkrrn, di« nach den südlichen «st» westlichen Läadera Europa» drängten — nnd dadtrch überall Unordnung und Berwirrung en'siand, die römische Herrschaft in Italien und anderen Provinzen zerstört, alte Reiche gestürzt, neue Reiche gegründet wurden: dt« Inden zeigten doch noch etwa»Feste« undBesteh ende». »Zwei Jahrhunderte verstrichen, eh« die wandernde« Böller in den von ihnen eroberten Provinzen ruhig verbliebt«. So viele Sitte« anch diese große Bewegung verwandet», so viel« Srwohnheitrn, Sprachen, Religtonöweisen badet anch untergingen: di« Juden behielte«, wa« sie hatten, blieben, wa» sie waren, standen wie ein fester Thur« mitten in der Brandung. Sie zeichneten sich damal« an» durch chre Kenntnisse^— denn die andtängenden Böller waren größtentheil» unwissend und roh und wurden daher M« den Römern auch inögesammt „Barbaren" genannt. — Die Jude» wendeten ihr« Kenntntffe an, sie benutzten die Zeit und die Umstände, gelangten zu Reichthum und Ansehen. Sie richteten chr Benehme« «nd Verhalten gegen die verschiedene« „Barbaren" eil», fügte« sich ihren Ansichten, lauschte« aach ihren vedürfnissta und folgten so dem Strom« der Bewegung, bald dahin, bald dorthm, — den vortheil immer st« Auge behaltend, dir eigene Rationalität auch i« geringste« Grade nicht aufgebend. „Blicken wir weiter. Ihr Vermöge« und ihre Gewandtheit «achten sie überall angenehm —Brauchte man Geld, so lieh »an von chnrn und leider — man nahm e» ihnen anch mit Gewalt. „Welche Verfolgungen Und Mißhandlungen haben sich später die Christen gegen sie erlaubt! Mochte die» zuwefe len an» dUnden Rrligioateifer geschehe«, weit öfterer doch blick?« «nui dabei auf da» Gell der Inden, oder man suchte st« al» Gläubige?: lo»znw«rden, verdächtigte sie daher, stellte st« al» gefährlich hin. Man klagte sie an, daß st« da» Kreuz verspottet, dätz sie sich an heuigen Gefäße», an Hostien v-rgrtffeu, daß sie Christtnkksttet gestohlen and geiüdtet, Brunne« vergift« und »och ander Bttbkechett brachtest habt« sollt ist. Selbst wen« irgend «ine Landplage kam, klagte iäitk lU i» alter Zeit al» die Ursache davon an »nd lleß schwer« Brrfolgungen gegen sie eiatreteu. „Aar e« daher eia Wunder, wen« sie di« Christen haßten? wenn sie im Gefühl der offrnbarsten Ungerechtigkeiten, dir man ihnen zusügle, immer trotziger sich abschloffea. immer fester zusaminenhieiten «nd de» Christen nun wiederum Böse» zufügtest? Und doch ist in letzterer Beziehung, so häufig auch dft Christen AaschNldigung erhoben, gar Biele« unerwiefe«?Mieden (ES ist nicht» erwiesen «nd nicht« zu beheben, wenn man von de» Berhältniß der Gesammcheit der Inden zur Gesammcheit der Christen spricht. Daß Einzelne Einzelnen Böse» gelhan haben, ist natürlich, kann aber ia diesem Zusammenhang« gar nicht in Betracht kommen. Red. d. I. W.) „So oft auch diese Ration unter dem Drucke der Christest zu verfinken schien, immer und immer arbeite» fit sich wieder empor. Man teufe an Spanien. Hier lebte« nach dem Jahre 700 sehr viele von chnen. Ihr Verhalten in diesem Lande, wo damai« dir Araber, oder Sarazenen herrschten, war ein ausgezeichnete». Sie legte« gelehrt« Schulest an, trieben Aneneikunst «nd Mathematll »nd nahmen überhaupt ein« höherr Stufe der Bildung ein... In der Thal erhob sich in Spanten damal» eine neue Biüthezeit chre» Wohlstand«», ihrer Gelehrfamkrft, chre» Ansehen».... „Versuche zur Bekehrung zum Christenthume wurde« allerding« gemacht. Daß diese Versuche mißglückten, kann nicht beftemten. Wa« hätten die Juden davon anch Bessere» gehabt! Die Behandlung, die sie erfuhren, mußte sie ja von dem verstümmelten ChrifteNchume abschrecken; die christlichen Pfaffen standen jä überdies nicht auf der sittlichen Höhe, wie ihre Rabbiner. „Auch Spanien und Portugal machten am End« de» IS. Jahrhundert« gewaltsame BekehrungSoersuche mit chnen. I« Mafien wurden sie getauft, aber sie wichen dabei nur dir Gewalt. Sobald der Sturste vorüber, sah man sie wirtet in ihren Synagogen. Bon dem tolleifrigrn Könige Fervi'sta nd in Spanien wurden eine halbe Million au» deck Lande vertriebest. „Die Reformation ick 18. Jahrhunderte, durch Luther astgeregt, brachte in ihrer traurigen Hallheft keine Rettung für die Juten. Bedrückung «nd Berspottung blieben; heut» noch find sie vorhanden. „Die Christen haben in der That noch Biele» gut zu machen. Einzelne Regierungen erkennen da«, — aber möge man e» nur immer mehr erkennen! Möge jeder Christ die HuNranftät und da» Reinmenschltche höher achten, al» die kirchliche Glauben»form. „Wir schließest den kurzen Artikel mit einem Hinblicke anf den großen Todtenacker, de« die Weltgeschicht un» zeigt. Wie ehrwürdig muß dann da» Boll der Juden vor un» stehen. Denn wohin find dt« tzypter trotz ihre« Rtlstrome« und ihrer stolzen Pyramiden? Wo find sie hin die Griechen sind Römer trotz chrer einstigen Größe und Künste nnd Wissenschaften? Stillen Gräbern gehören jetzt viele Rationen an, die einst die Welt erschütterten. verschüttet ist chr« Sprach«, chre Sitte, ihr« Kraft, — nur au» verwitterten Schrifttafel sprechen st« noch zu un«. — „Wie ander» mit den Juden! Zwar hin find ihre Gefällten «nd hist chr Königreich, — sie selbst aber stehen »dH. Sie redest mit einander von der versunkenen Herrlichkeit, hören im Geiste noch die Harfen und die velbäume rauschest. Ob ste anch oft unter Drück, Hohn und Verachtung den Sarkophag ihre» Reiche» ««schreiten, — Schritt Und Tritt stich fest. Trag« der Eine goldene Sandale«, tet Andere korhige Sfthuht an den Füßen, — der Eine in seinen Taschen große Werthpaptere, ter Andere einen Trötelfack auf dem Rücken, — ihr Sang und chr Angesicht wentet sich nach de» Pfortta ter Zukunft, ste warten auf den Messia«. „Wird er kommen? Gewiß, gewiß! Aber — und da« wisse» ja Juden und Christen — nicht et« Einzel^ ntr wird Retter «nd Erlöser sei», Bildung, bU Wift seilfchaft, ter Fvrtfchrttt wird'«rwststl" —

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