Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5938019--2953-5372380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mit hoher Achtung d«< vr. und seine« Wandel«. 8l« An» erkennnng dafür vermachte ste ihn» die artige Sn««« von 30.000 Dollar«. Da» Lebe» etne« Wanne«, der solch« v«weise der Verehrung genießt, ist der nähern Beachtung werth. vr. vaar begad sich, nachdem er Liverpool verlaffeu, nach Brüssel und gründete da ein Institut. Später reiste er nach Amerika zurück, und nachdem sich seine Sesnndhettsverhältniffe wieder gebessert, wurde er Rabbiner in WaShington. Hier unterlag er aber wieder de« alten KrankheitSansällen und vertauschte diese Stelle mit einer Anstellung al« Professor an einem jüdisch«» ErziehungSinftitut in Rew-Orlean«, woselbst er sei. den jüngsten S Jahren beschäftigt ist. Hier wurde nun vr. Baar mit der Nachricht von der Großmuth seiner alten Freundin, wie bereit« erwähnt, überrascht. (Jew. Lim.) Bermijchte und neueste Nachrichten. Berit», im Dezember. Wie sehr e« der Regierung darum zu thun ist, auf dem Bebtet« der Wissenschaft alle konfessionell« a Unterschied« schwinden zu lasten, dafür hat der Eultu«miuister neuesten« wiederum einen Beweis geliefert. Bekanntlich hat Herr vr. A. Berliner, Docent am hiefigen Rabbiner-Seminar, schon vor 3 Jahren au» Slaattmitteln eine «rhrolich« Subvention erhalten, um ein« wistenschaftiich« Reise nach Italien zu unternehmen. Bon de» höchst werthvollen Resultaten seiner Forschungen während seine« halbjährige« Aufenthalt« in Italien, hat vr. B. schon Biele» in dem von chm redigirtea »Magazin für jüd. Geschichte und Literatur" veröffentlicht. Ein« besonder« Lnerkennung und günstige Aufnahme bet den ersten Kennern der aramäischen Sprache fand seine dem zweiten Jahresbericht de« Rabbiner- Seminar« vorangehend« und auch separat erschienene Abhandlung über »di« Mafforah zum Targum OnkeloS". Der Berfaffer der Schrift verspricht in der Einleitung in einem 3. Theile die weitere« Resultate feiner Forschungen niederzulegen, und weitere« Material zur kritischen Bearbeitung und Prüfung dieser aramäischen Schristübersetzung zu liefern. Um diese höchst werthvolle und verdienstvolle Arbest aber vollenden zu können, war e» nöthig, daß vr. v. noch einige Städte in Oberitalten besuchte und di« darin geborgene« Sprachschätze in Augenschein nahm., Zur Fortsetzung dieser Untersuchungen und Bollendung der genannte« Arbest hat nun der EultuSminifter in einem anerkennung-vollen Schreiben dem Verfasser «ine abermalige namhafte Subvention au« der Staatskasse bewilligt. (I. Pr.) H»«h»rg tz. d. Hiihr. Al« mittheilen«werth berschte ich Ihnen, daß ein in einer nahen größeren Synagogengemeiude mit großem Geräusche ausgetretener Jude, sich vor einiger Zeit in aller Still« an den hiefigen EultuSoorstand S«wandt, um sich einen Platz auf dem hiefigen Friedhofe zu chern. Sehr correct und taktvoll lehnt« der Borstaud aber da« Gesuch ab. (A—Z d. I. E» ist ohne Zweifel der freigemeindlich-muhamedanisch« Jude Stiebel-Steffen« zu Frankfnrl a. M) Briese». Der jüdische Frauenverein gedenkt den Armen einen Weihnachtstisch auszubauen. Zu diesem Zweck wird eine Lotterie veranstaltet, in welcher freiwillige Gaben auSgeloost werden. Berest« sind viel« Geschenke eingegaugen nnd auch schon 300 Loose ä ö0 Psg. verkauft. P»lzt», 8. December. (Or.»Eorr.) Nicht nur in Magdeburg — wie Rr. 48 der »Wochenschrift" berichtet war — auch hier hat ein jüd. Sestügelhändler seit Jahren Gänse von Nichtjuden »geschlachtet" und gesiegelt al» koscher nach Berlin gesandt. Dies» Wjrthfchast ist jetzt hier ein Ende gemacht. Auch da» versenden der SänsrbMste von nicht vorher geöffneten und. untersuchten Gänsen sollte verboten werden, vajä später bei» Oeffnea sich ein Fehler finden kann, wodurch di« Gang trefa, wird; inzwischen ist aber di« Gänsebrust längst verzehrt. D«»-ig. Am jüngsten Freitag-Abend fanden die Besu». «her de« Tempel« der »ltsch,ttländer Gemeinde bei« Eintrstt in denselben den linken Flügel in Hellen Flammen, die von der herbeigerufenen Löschmannschaft gelöscht wurden. Di« Feurrsbruast war durch «in Licht, da« zum Aufthanen de«: Wasser» in der GaS-Uhr gebraucht wurde, entstanden. (Blfe»ftllg. Da» ermordet« Elia»'fche Ehepaar, von de« die Zeitungen berichten, ist ein israelitijcheS. Die Mörder find bereit« ermittelt und in Haft. Prag- Auch außerhalb Wien fängt die Manie der Selbstmord« unter den Juden an sich zu verbreiten, vr. Karl Fürth, ein JSraelile, 31 Jahre alt, au» Strakoniz in Böhmen, war al« Advocaten-Eonzipient in Prag angestellt; er war zugleich Secretär der böhmischen Juden Rrpresentanz, LebenSüberdrüffig reiste er «ach Hause und da angetommen öffnete er sich mit einem Rastrmeffer die Pulsadern; doch erfolgte der Tod nicht darauf; er kam wieder nach,, Prag, machte «inen abermaligen Mordversuch: diesmal mit Erfolg — indem er sich erschoß. Der Unglücklich« hinterläßt etne unversorgte alte Mutter und Schwester. Der Eorrespondent setzt hinzu: In Wien find diese Verirrungen leider an der Tagesordnung. In Prag aber erregt die« Aufsehen. Pari«. Da» »Journal de« Deb." vom 37. Rov widmet der Beleuchtung der rumänischen Recht«? rechnng in Be- - zug aus Jude» einen eingehenden scharfen Artikel. — Bon der Alliance J»r. Unio. erhalte» wir ein besonderes Memoire: Note sur la Situation des Israelites en Roumain an point des vue des relations internationales." — Wir kommen auf Beide« zurück, bringen auch in nächster Rr. «inen- Bericht von unseren Berlader Tarrespondenten. Warfcha». Wie der »Hazephira" gemeldet wird, ist die Verordnung, traft deren von Neujahr 1876 ab, di« Chedarim geschloffen und den ungeprüften Melamdim da» Unterrichten verboten werden soll, noch einmal suSpendirt und di« Frist bi» * Neujahr 1878 verlängert worden. Obeß« Der Minister der BolkSaufklärung, Graf Di» mStri Tolfta, welcher auf einer JnspectionSreije in Südrußland begriffen ist, hat sich sehr lobend über di« jüdischen-. Schüler der von ihm besuchten Gymnasien u. s. w. aus-«»- sprachen. Er sagte, daß sie überall zu den ausgezeichnetesten und befähigtesten gehören. Am Freitag Abend (m® THD) wohnte der Minister auch dem Gottesdienste im Tempel bet. vr. Schwabacher hielt «in« Ausprach«; es muß lohend , anerkannt werden, daß er den natürlich sehr zahlreich versammelten (vornehmen) Juden sagte, er wisse sehr wohl, daß ihr . Erscheinen nicht de« Sabbath und dem Gotteshaus«, welch« sie sehr wenig achteten, gelt«, sondern dem Minister — daß dieser aber auch ihrer Verehrung würdig sei. (Rach Hazeph.) Bnkarrst. Seneral-Eonsul Peixotto ist Mftte November hierher zurückgekehrt, freudig begrüßt worden und hat mit den Regierungsorganen mehrere Besprechungen gehabt, in de-'' nen er Zusagen endlicher veffergesialtung der Lage der Juden erhalten hat. Man hat ihm versprochen, den demnächst wieder zusammentretenden Deputaten Vorlage darüber zu machen. Da« Spirttnosen-Gesetz wird fortwährend so milde gehandhabt, daß di« Juden von den befürchteten verderblichen Wirkungen desselben nicht viel empfinden. Die erbärmliche« Finanz- und Lrwerbsverhältniff« de« Lande« verbieten ohnehin alle dt« Einnahmen de» Staats und den Verdienst der Einzelnen gefährdenden Experimente. (Nach I. Ehr.)