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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 439 — fftr dir Geistliche» au« de« Religionsfond« bestimmt, ersetzt wird. Fällt also dir (Staats-?) Subvention für dr« korholisch«» Aeru» weg, so wird sicherlich eine solche für die Rabiner nicht bewilligt werden. Die Rabbiner selbst haben sich tm Allgemeinen in der ganzen Angelegenheit indifferent verhalte», nur wenige haben den Dachauer Rabbiner, welcher die Sach« in Anregung brachte, unterilützt. Die Rabbinerversammluug, welch« auf seine Beranlaffung im Juni zur Beralhung über den Subveutiontmodu» hier adgehalten wurde, war blo« von zwölf Rabbinern besucht. Die Beschlüsse dieser Herrn waren ziemlich engherzig; von der Lanüesjudenschafl- Repräseutanz wurde -au sie da« Ansuchen gestellt, zu berathen, welch« vorichlüge bezüglich der Subvention für Rabbiner, Re» ligtontweiser und Rrligionslehrer dem Ministerium zu umchen seien, die Versammlung aber sprach sich dahin au«, sie wünsche nicht, daß man die Religion-weiser und Religionslehrer mit den Rabdinen in Verbindung bringe, »löge jeder Stand sür sich selder sorge», die ReligionSlehrer und Religion-weiser möge», wenn sie SlaatSsubvenrio» beanspruchen, sür sich selbst Schritte lhun Die Lande-judenschaft-Repräsenlanz war aber der Meinung, nicht gegen die Würde der Rabbiner zu Handel«, wenn sie in ihrem Gutachten an da« Ministerium auch di« andern zwei Verus«stünde, die doch auch in» heiligen Dienste der Gemeinde rhälig find, al« der Subvention würdig und bedürftig empsehlen wird, wa» auch geschehen ist. Wir begreife» wohl die Animosität der Rabbiner gegen den Stand der sogen. Religion-weiser, e« sind dir« die auch in anderen Läudern volkommrnde» sogenannten f“0 f“V, welche dem Judenlhum viel geschadet, den Rabdinerftanv herabgewürdigt haben, e» würde auch nur gebilligt worden sein, wen» die Herren der Laude-judenschafr-Reprüsentanz einmal ein Memorandum über die Absttllung diese« Zwitteramte« unterbreitet hätten, aber gauz «iilsach sagen, u„« gehen di« Religiousweiser nicht» an, wir sind Rabbiner, da« war im Grunde nicht rabbinijch, überhaupt nicht jüdisch gesprochen. Roch besreurbeuder war die energische Verwahrung gegeu die Znmuthung, di« Rabbiner sollten auch Vorschläge über den Sudoention-modu» der Religion-lehrer machen; die Herren müffeit bei der <l«rathung in Prag vrrgeffen haben, wat sie daheim in ihren Gemeinden sind; die meisten von ihnen sitzen den größten Theil de- Tagean den UnlerrichlStisch gefesselt, der Schwerpunkt ihrer Thatigkeit liegt im Schulunterrichte, warum also den Haupttheil der eigenen Thätigkeit so gering achten V Anderuird sogar löblich wäre e« gewesen, wenn die zwölf Herren die paffend« Gelegenheit benützt hätten, sich darüber au-zusprechen, welch« Qualisication zu einem Religion«- lehrer gehön; e« wäre da« ein sei/: wichtige« Thema zur Benutzung, daoiil die Gemeinden nicht fürder Eoncurse in die Welt senden wie „ein Musik- und Religion-lehrer — so erst jüngst vou der Gemeind« 1k.... d — wird gesucht." Eigeuihümlich, gerade die jüngere« Rabbiner glaubten so sehr auf ihren Schein, wollte sagen auf ihr Ainr, zu pochen. Ein alter Lamdan, der aber nur Religion-weiser ist, meinte ironisch, sie haben ja Rächte über D“V «• D'pDifi durchwacht. Ob bic zwölf Herren neben der Subvention-frage noch andere, vielleicht gar noch wichtigere Kragen zur Sprach« hätte» bringen können? Wer di« Zustände in den böhmischen Landgemeinden tenm, muß sich wundern, daß enicht geschehen ist. Wir denken hier nicht einmal an innere Gemeindeangelegenheiten, wir meinen Fragen, den Rabbinerstand selbst betreffend, und da giebt e» so viele, von welchen un» als di« wichtigste erscheint, deu Ausschreitungen in der religiösm Amtsführung, wie solch« hi« und da Vorkommen, entgegenzutreten. Man mißverstehe un» nicht, wir meinen nicht da» Auftreten gegen irgend ein Princip, aber e» ist denn gar zu arg, wenn bU Gemeindemitglieder sich sagen können: „gestattet «»der Rabbiner nicht, so gehen wir zu dem andern, der wird e» nicht verweigern." Wir wollen die Sache hier nicht weiter ausführen, nicht einmal sagen, wa» da und dort, gewöhnlich an« ünkenntniß oder au» Ambition, sich geltend zu machen, erlaubt wird, es find Anregungen unserseU« zu« Nachdenken. wir fürchten, da» NVA rrjia 8TH ys könnte zur Wahrheit werden. (Wir erlaube» uns de« erste« Theil« dieser Eorrespondenz gegenüber au dr« Artikel „von der Knezna" in Rr. 48 zu «rinuern, wo die Sach« so dargestellt ist, daß es sich dabei nicht um eine Würde-, Amt»- und Etikette-Frage handelt, sondern darum, daß die Zahl der Rrl.-Weiser und Lehrer in groß und ein« Grenze für di« Anspruch-derechtigung nicht zu finden ist. Fordert man, durch Einbeziehung der Letztere», für eine zehnmal größere Anzahl, so kommt entweder von den auSgeworfeuen Summen auf jeden nur ein« Kleinigkeit, oder wenn All« anständig subventionirt werden sollen, so lehnt der Reichstag die ganze Position al» de» Etat überbürdend ab, Da» scheint doch ganz klar zu sein. — Man hat ja auch anderöwo Gehaltserhöhungen u. dergl. gefordert; man hat dabet Geistliche, Lehrer, niedere Kirchendiener au»einandergehalten. jede Kategorie hat für sich gefordert, und jede ist für sich berücksichtigt worden. Jede hat der anderen darum doch das Ihrige herzlich gegönnt, und wem ist es eingefallen, darum von Hochmuth oder Unterschätzung zu reden? In prakttschen Dingen erlangt, wer zu viel und zu vielerlei fordert, gar nicht» — da» ist bewährte Regel. Red.) Amerika. Baltinure In der „Tribüne" und mehreren andern vlättern steht folgende Notiz: „Unter de» Israeliten Baltimore'» herrscht seit einiger Zeit beträchtliche Aufregung, weil da» Gerücht plötzlich entstanden und schnell verbreitet war, daß der virlbewunderte (?) Rabbi einer dortigen Synagoge eigentlich ein Ehrist fei. Al» Ankläger tritt der Rabbi einer anderen Synagogengemeinde, vr. Szold, auf. welcher behauptet, der Beschuldigte» vr. jacob Payer, sei vor langen Jahren in Liverpool zum Ehristenthum übergetreten, und beruft sich dabei auf da» Zeugniß anderer unterrichteter Männer. Die Ermittelungen haben nun unzweifelhaft ergeben, daß ein Rabbi vr. Jacob Meyer in Liverpool allerdings zum Ehrtstenthnm sich bekannt habe. Der Angeschuldigtr bestreitet aber auf da« Entschiedenste seine Identität, und befindet sich jetzt auf der Reise nach England, um die Beweise für seine Unschuld zu sammeln" — Diese Eontroverse wird schon seit zwei Monaten in den jüdisch-amerikanischen Blätter», besonder» in „Jew. Tim." geführt. Weil die Sache jedenfalls unerquicklich und »och zweifelhaft ist, hat die „Wochenschrift" lieber nicht» davon erwähnt, bi» e« nun in politischen Blättern stebt. Im Uebrigen ist fraglicher vr. I. Meyer dttjenigige welcher, damals in Eleveland, bet der vor drei Jahren durch I. M. Wise veranstalteten Synode, oder wie das Ding hieß, erklärte, daß er nicht an „einen persönlichen Gott" glaube. Wise nahm ihn in seiner gewöhnlichen „Unverfrorenheit" darüber in Schutz. Darauf schrieb mir damol« ein Freund au» Amerika, dieser Mayer sei derselbe, welcher 1849 oder 50 in Weilburg vom „deutschen Hause" au» an mich ein Billet gesendet, worti» er sich al» vr. der Phylosophie (sie) und politischen Flüchtling au»gegeben, um Unterstützung gebeten und allerlei Schwindel ausgetramt habe, schließlich im Wirth«hause die Zeche schuldig geblieben sei. Z» Manchem, wa« au» Mayer», des großen Philosophen, (nach Wise) Vorleben bei jetziger Gelegenheit berichtet wird, paßt auch obiger kleiner Zug, der Zeit und den Umständen nach. ReMDrlttl#. vr. H. Vaar, füher Rabbiner in Liverpool, mußte nach neunjähriger Dirnstesthätigkeit wegen eingetretener Leiden an seinen Slimmorganen diesen Posten aufgegeben und widmete sich später dem Fache der Erziehung. Während seine» Lusrnrhaltes in Liverpool war er mit vielen Juden und Angesehenen bekannt. Zu diesen zählte auch «ine christtich« Dame von ungeheurein Vermögen. Dieselbe war stet» «ine Bewunderin seiner Talent« und Gelehrsamkeit, besonder« aber seines edlen Sharakters, der mustergiltig genannt werden konnte. Al« vaar schon viel« Jahr- England verlaffen hatte, starb die Dame. Sie hatte ihn aber nicht vergessen. I» ihre« Testamente gedacht« st« »och

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