Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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..1» fiaften) an den 18 Feiertagen in Jahre vom Schulbesuche befreit, und am Samstag ennoeder di« Gegenstände, welche Schreiben oder Zeichnen benüthtgen, auf andere Tage verlegt, «der aber di« 8 Stunden (des vormittag») auf den Mittwoch Rachmülag verlegt werden, so daß der Samstag frei vom Schulbesuch wäre. Wir wollen sehen, wie weit die Gleichberechtigung den Juden vermöge der garantirien Verfassung hier durchschlagen wird. Zwei hebräische Literaten — Lehrer. JnLemderg wurde Hr. Nathan Samuel, der Dichter de» Q'JJI rpi, zum Lehrer der hedräischen Sprach« an der 2. Hauptschule > ernannt. Der jugendlich«, geift- und gemüthvoll« hebräische Dichter, welcher von Hause au» eine gute Erziehung mitbringt und im Talmud bewandert ist, kann auf diesem Gebiet« Carrier« machen, obschon e» demselben in seiner kommerziellen nicht «lüigen wollt«. E» wäre zu wünschen, daß derselbe einige Zeit darau, verwendet«, um an einem Seminarium di« Prüfnug als Reltgtonslehrer auch für Mittelschulen abzulegen. Bei der großen Aniahl der jflb. Schüler, welch« Gymnasien und Reaiichulen besuchen, und dem vorgerückten Alter der gegenwärtigen Herren Religionölehrer könnt« er un«nügltch übergangen werden, auch sein« so herrlich« Muse wird Gelegenheit finden, sich wieder in ihrer Lieblichkeit hören zu lassen. Roch hadcu wir nachzutragcn, daß Herr Lyrisch Goldenderg, Redakteur de» „Roga hajareach", nach Botuschan al» Lehrer der ü. Klasse berufen wurde, und wollen wir hoffen, daß er dort Lied« zum Judemhum und zum Wiffrn in die Herzen der jungen rumänischen Glaudenögenossen etnpflanzen wird, vielleicht läßt er dam» nochmalt sein „Monbe»i>chl" in der jüdischen Lüeratur ausgehen. Arawkreich. Pari». Da» Eonsiftorium hegt seit einiger Zeit den Wunsch, einen weiteren vierten Hülftradbiner für die Pariser Gemeind« uuzustelleu. Mau moiivirt diesen Wunsch durch dt« stark gewachsene Zahl der Jtraelite» der Hauptstadt und durch die Errichtung der zwei neuen großen Synagogen, von denen die zweite bald fertig fein wird. Man verlangt nun vom Staate und von der Stadt die betreffenden Beitrage zur Besoldung und Wohnungöenlichädigung. Die Nationalversammlung hatte dem Plane ihre Zustimmung «rtheilt, vorbehaltlich de» Votum« der städtischen Behörde. Wahreno oie Piotestaute», Lugtburger Lonsessio». deren Z>rhl nach letztem Lenin»'18,6«» beträgt, zehn Pastoren haben, ist für die Jtraetlten, deren Zahl sich aus 33,43« belief und seither sich sehr vergrößert Hai, nur ein Oberraddiner (Herr Isidor >st nicht Stadtrabbiner) mit drei Hülferabdinern vorhanden. E» liegt un» nun der Bericht der Lommiision de» Stadtrnth» über diese Angelegenheit vor (im „Unio. J»r."). Derselbe erkennt di« Motive vollkommen an, er spricht auch den gewiß bemerkentwerchen Satz au«: „Wenn e« ein religiöse» Betenutniß giedt, welche» unsere Sympathie verdient, so ist es sicherlich da« t»raelirtsch«, welche» inmitten der ungesunden Fiederbewegungeu der lehren J»hre und Angesicht« gewiffer verwegener Angriffe aus unsere bürgerlichen Einrichtungen, ein« patriotisch« Haltung zu bewahren wußte" — aber der Bericht schlägt Ablehnung de» Gesuch« vor. — G« handelt sich um 2600 Are«, jährlich; der Bericht geht jedoch von dem Gedanken au», daß der Rahmen dieser geringfügigen Summe die große und schon so lange besprochene ^^ragc der Trennung von Kirche und Staat umschließe. Zu- Hweigung, Abneigung, Billigkeit»rücksichten müffen zurücktretrn, £90 e» sich um ein bedeutende» Prinzip handelt. Wir üdergehen di« juristischen Erörterungen über da» Recht der Stadt- - . behörde, in dieser Frag« Entscheidung zu treffen. Die Schluß- >Wh«ti»ernna läßt sich wohl am kürzesten in den Satz soffen: ^^BRMchrnngen, di« nn» gegen di« R«iigion»grsellschaften ein- . mot «ötiegru, müffen wir innrhalten; aber neue übernehmen mR Nicht. — Di« Entscheidung de» Stadtrath» über Geien j& - Bericht steht noch an». G» ist klar, haß sie, ganz wie «» ber , Bericht besagt, von großer Wichtigkeit sein wirb. Fällt st« nach dem Lommission»vorschlnae ablehnend au», so ist hier ein „dunkler Punkt" für dir Organisation de« iürael. Lultu» in Frankreich, und e« wirft rin kleiner Umstand einen Schatten wett hinan» in dir Zukunft Wir habe» dir schon mehrerwähnte Begründung selbstständiger Gemriudekassen für dir Lultnöbedürsniff« der französischen (resp. Pariser) J»ra«litrn immer so ausgefaßt, daß man au» weiser Vorsicht sich aus die Zukunft vorbereikrn «olle. Holland. Amüerbam. (Ortg-Lorr.) Man hat «» hier zu Land« gern vernommen, daß unser ehemaliger Landetgeuoff« Herr Rabb. Vr. Frank in Linz zum Rabbiner auf die einflußreich« Stelle in Lölu berufen wurde, Dahingegen hat e» sehr unangenehm berührt, daß der Fanatiker, der Meininger „J»< raelit", auch hier nicht zurückblieb, dies« Thalsacht mit dem Griste der Verleumdung zu begeifern. Herr Lehman freut sich, daß den Ultraorthodoxen die Person de» Herrn vr. Frank nicht ganz genehm ist, und bald ist er dabei, den wohlwollenden (?) Rath zu ertheilen, r« mögen di« wenigen Mtramonlanen sich sammeln und eine Separatgemrind« gründen. Sin orthodoxe« holländische» Jüd. Blatt, da« ,Weekblad roor Jsraelieten," da» älteste jüd. Blatt, «» zählt dereit» seinen 3l. Jahrgang» — bringt in Rr SV, vom IS. November einen Auszug au» dem „Israeli!," fügt aber Folgende» hinzu. „Für diejenigen, die den Mainzer J»raeli:<n (Redakteur vr. Lehman») nicht kennen, achten wir e» nöthig hinzuzusügen, daß sein« Richtung hpper» orthodox ist, ja sogar, daß sie stark nach Fanalismu« riecht, daß er die Geiehrtesten und Edelsten unter J»ra«i, wenn sie nicht mit ihm gehen, mit Koth bewirft, baß die Bildung von abgesonderten orthodoxen Gemeinden (vr. L. ist selber Rabbiner einer solchen Gemeind«) sein Steckenpferd ist, daß er überall, wo er nur einige Aussicht har, dazu aneiserr und reizt (auch seine Devise ist: divlde et impere), daß da» Rabbiner-Seminar in Bretlau. wo auch historische Kritik geübt wird, ein Gräuel in seinen Augen ist.' daß Rabbiner an jener Anstalt hrrangebildet, schon » priori von ihm in den Bann gelegt werden und endlich — lut not least — daß unser vr Frank an jenen» Seminar znm Rabbiner befähigt wurde, ergo u. s w " Nu», wenn anerkannte orthodoxe jüd. Blätter über den Mainzer Lonfrbre (!) in jener Weise urrheilen, so haben wir nicht zu befürchten, daß die wahre jüd. Orthodoxie lange jene» abstoßend«, schmutzig« Gewand tragen werde, da» ihr jene süddeutschen Dunkel- und Dünleimänner anlegrn. E« regt sich hier seit einigen Wochen rin große» Jnterrsie für di« „Allianoe tsraelite universelle“, den Anstoß hierzu hat eine vorzügliche Anrede gegeben, welch« Herr Oderraddiner vr. Dünner in einer «ul hoc rinderusenen Generalversammlung gehalten hat; die Rede ist In» Französisch« übersetzt und dem Lentral-Lomitö nach Pari» eiugeschickt worden. Außerdemsind di« fl.iu« ».- nsi,:. da» Intereffe für den neuen „Verein für die Literatur de» Judenthnm»" zu wecken; e» wird auch Zeit, daß Holland sich nicht mehr wie früher hermetisch von Deutschland adschiieße; der Strom der Wiffrnschast, der in den deutschen Bergen entspring», soll die Ebenen Holland« bespülen und den Geist de» Forschen» und Unieriuchen» anregen. Ob aber vr. Dünner und ähnliche Männer nicht auch bald tu Lehmann« Ungnade fallen werden? wir befürchten, — nein, wir hoffen «»! Mafia«*. Otef«. (Etta« Orschantki und vk. Emannel Solowietlchik.) (Schluß) Der „Odeffaer Bott", drr sich in den angeführlen Worten über vr. SRowietfchik äußert, ist nicht etwa ein judeufrrundlich«« Blatt. Man erinnert sich noch sehr wohl seiner gehässigen Haiiusig bei Gelegeichrit der htrstgen Judenhetze OsterN 1871. — Doch gewichtiger al» di« Stimme der Press« ist di« osficiell« «nerkennmHg von Seiten der höchsten städtisch« «ntmsitöten.