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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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«ine*, herau«.,>gebe„ so» Loui« Schnabel, haken eia Prachtvolle« Aeußere«. Da« Formal gleicht Western,»»»'- RaautLheften, aber Papier unv Druck sind viel splendiver. Jedem Hefte (4 Bogen) ist eine Illustration (Holzschnitt-Blatt) beigeaebeu; l>x>u Octoderhesle „<8ii, dem der flüchtige venjaminil dt« UngliKk-nachrichl bringt". Die deutsch« Btilag« in großem Zeilnitgesormat führt den Titll „Libanon". Den Inhalt bilde» größer« Erzählungen, Novellen. Mannigsaltig«» aus jüdischer Literatur und auch viele«, wa« mit Judenthum »ich« z» thuu bat. Wie dem sei, da» Blatt besteh:! I n Deutschland wäre ein solche« Unternehmen unhaltbar. Die «S bezahlen können, Mächten um Alle« kein „jüdischer Magazin" ans ihrenTisch legen und die Andern habe» für solchen Luxu« kein Geld. Feuilleton. Der Schutzjude. Ein« historisch« Erzählung au« d«r Beschichte »er Juden in Magdeburg. (Fortsetzung.) Ich stieg von Stufe zu Stpfe. Au» dem verachteten Juchen — er kannte meine Abkunft und war edel genug, mich deshalb nicht geringer zu schätze» — ward ein Ritter und begüterter Burgherr. Er schenkte mir ein köstlich gelegene« Ftlsenschloß, i(;ib wa« da» Herrlichste war, «inen guten klangvolle» Namen. Durch seine Permittelung ward ich von Don Alvaro adoptirt oder in seine Familie ausgenommen. Man nennt mich an den Mündungen de« Mlnho Don Gideon Pevetra. Und Dolore« ist mir zugesprochen." „Die schäm Dolore«?" fragten Bianca und Beppo zu gleicher Zeit. Sie waren Beide von dem Seltsanten und Wunderbarnt in Gideon'» Mitlhellung«» überrascht, doch Jeder auf andere Weise. Die Schwester empfand nur Freude, wonnige« Entzücken über de« Bruder« Glück. Für da« Ungeheuerliche seiner Erlebniffe, für di« unübersteigliche Höh« der Hindernisse, die sich durch den Makel der Geburt und de« Glauben« zwischen ihm und seiner Zukunft auf:hürm!en, hatte da« i siebzehnjährige, in aller Abgeschiedenheit erzogene Mädchen keinen rechten Begriff. Ihrer erregten Phantasie schien auch da« Unmögliche möglich. Ander« waren die Gedanken und Gefühle, di« sich de« nuten Beppo bemeistrrten. Trotz seiner glühenden Einbildungskraft, war er doch zu sehr Ritter, zu sehr Deutscher und Christ, um nicht bei Anhörung de« Pernommenen stutzig zu werden. Gideon la» in seiner Seele Er wollte di« aufkeimende» Dorugewächse, peinigenden GewiffenSskrupel« im Geiste de« jungen' Freunde« ersticken und nah,» deshalb den Faden seiner Etzähtung schleunig wieder auf. „In P Nugat," sprach er, „gelte ich al« Anhänger der christlichen Lehr«. Da« Geheimniß meiner Religion ist nur dem König Johann, Don Alvaro und meiner Dolore« bekannt. All« drei sind zu erhaben in ihrem Edelmuth, um in mich «egen Arnderung meine« Bekenntnisie« »n drjngen. So tief sie von der Dcchrheit ihrer eigenen Religion durchdrungen find, ebenso hoch achten sie auch die meinige. Sie wissen, daß ein Mann, wie ich, seine Religion nur au« üeberzeugung ändern kann und beschränken sich darauf, meine allmählich« Belehrung vön der Zukunft zu erhoffen. Doch lassen wir da«. -Dte Lpaniir haUen eb«, Frieden mit mn» geschloffen, und ich benutzte diese Gelegenheit, um meim Wohfthäter nm eine» mehrmonatlichen Urlaub zu bitten. Bereitwillig.Lstvjze er mir gegeben. Mit dz» besten Segenswünschen de« königlichen und väterlichen Freunde« überschüttet und nach eimm schckerzitchen Abschied« von «einer Dolore«. I» Frankfurt fand ich einen Brief vor, ln welche« der Vater mich zur Eile mahnte, da in einigen Tagen zu Weißenftl« der ßbemeintzetag u. Turnier stattfinden sollte. So traf ich denn am zweite» Tage de« Turnier» hier et». M «« /»»iM Wm «tz-ester, ÄdLUJt iein» Jütbertn ^amu*. Ich wollt» P» «ü »tr pach den schönen Bergen de« Minho, auf mein Beraschloß. nehmen, damit sie dort ein andere» Leben führe, ah» Wer im Lande der Schumch und Erniedrigung, der rohen Erpreffustgen und blutigen Verfolgungen. Doch ich ward verwundet und an« dem Sattel gehoben. Ob ich auch Jude bin, so konnte sich doch bisher Keiner <m» der Portugiesischen und Spastischen Ritterschaft eine« gleichen rrrsolge« rühmen. Um Bianca aber habe ich mit Euch nicht die Lanze gebrochen, denn Ihr seid RitterSmann und Ehnst, mithin außerhalb unserer Turniergesetz« gewesen. Nicht wahr, Schwester, Du gehst mit mir nach Weste», wenn mein« Wunde verharscht ist?" E« ist unmöglich zu schildern, wa« bei dieser Frage t» in der Seele der beiden jugendlichen Zuhörer voraing. B ianca ward bald blaß, bald roth. Sie schaut« bald ihrem Bruder in'» Antlitz, bald in den Schooß, wie verwirrt, bald ließ sic ihr dunlle« Auge forschend auf dem Angesicht de« stürmisch bewegten Grafen ruhen. Alle», wa» sie antworten tonnte, prar di« Gegensrage: „Wird e« denn auch der Vater erlauben, Gideon?" Dieser lächelte vor sich hin und versetzte: „Der Bater ist vollkomme» damtt einverstanden. Ich habe bereü« mit it,m davon geredet. Ufberbastpt veranlaßt« ihn nur die sichere Nachricht von meiner Aukunst iu Weißenfel« zu jenem Schritte, Dich al« Prei» sür de» Sftger zu bestimme». Er sowohl, al« ich, wir waren der Üeberzeugung, daß kein Anderer, al» ich selber da» Feld behauptest würde. Dich also hier zu vermähle», daran hatte er nicht im Ernst« gedacht. Du bist ja der Trost seine» Alter« und jung gjm$, um dem Greise noch einige Jahre llebrrich zur Seite zu ftch«. Wenn er »»einen BUten, Dich mit mir zieh« zülaffen nachgab, so that er e« nur mit schwerem Herzen und au« tzftjb« zu Dir und niir. Nun, Bianca, folgst Du nur?" „Za, mein Bruder, ich folge'', hauchte ble Jungfrau. Aber da» war kein« Freudigkeit, kein jzudeinde» Eiswerständniß, ^da« auö ihrer gepreßten Lümpie hhrporklang, säubern e« war wie eine Entsagung, wie ^'»heroische« Aufgeben der innigste», liebste» Erdenhoff nung. Gideon fühlte da« und halte darüher seine eigene« Hsdanken. Mt durchdringendeu: Auge betrachtete er den jungsp Grafen, heften eigenthümljcheS tzsedahren ihm auch Stoff genstg zum 'Nachdenken gab'. . In der That war die Seele de« guten Beppo währeup der ganzen Unterhaltung de« heutigen Abend« her Schauplatz der widerjp.echendsten und stürmischsten Gefühle gewesen. Er ftebte die schöne Bianca mit dem Feuer eine» , neunzehnjährigen, leidenschaftlichen Jünglingß. Die gern hcht« « seine Ansprache auf ihren Besitz giftend gemacht l War ‘et nicht der Sieger de» Tage« gewesen? Und.konnte ersticht mit eben demselben Siech:« die Hand der Jüdsp, fordern,, wie Gideon .hie der stolzs» Portugiesin? Denn ein wegen seiner beispiellosen Tapferkeit durch ganz Europa berühmter König, wenn ein hochgeborener, ahurnMzer Edelspgnu dem Jstdeu die Toch'icr eine« pralten, reiche» GesLlechte« zur Gemahlin geben, wollten, konnte Hann nicht er, her Graf pouWernigeroh«, der sich den Teufel um Kaiser und Reich, um Verwandtschaft und Ad«l»fippen schrerle, die schöne Jüdin zu sich empörzieh«»? Zwar dachte er an die aewaltigeu Schwierigkeiten, die sich feinem Vorhaben in de« Mg stellten, an die unbeugsame Härle de« Vater», der nun ul nimmermehr einen solche» Schritt zugtt>en werde, an die bovorstrhhnh^p Ahmahuungeu von Seiten feiner geliebten Mutter, «a die thränenreichen ergreifenden Scenen, dt« durch «in« solch'uuerhöNe Mißheirath im Schloff« zu Wernigerode heraufbeschwore» «erden mußte«. Wohl sah er im Geiste de» Kammer brr Mutter Thekla, die Betrübnis der Schwester Helen«, Gras.Dieter« Wuih und daß schneidend« Hohngolächter der SffAt; aber er war ein ganzer Derulgerod«, «iu ächter Nachkomme seine« durch seine« unerschütterlichen Starrsinn berüchtigseu Väier». Art läßt nicht von An. Da» zeigt« sich l» der Stund«, wo i» Herzt» he« soust so sustsvuüchige» JüugUug» die Gluth eiuer Leidenschaft

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