Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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angesacht war, deren verzehrend« Flammen alle« Borurtheil, alle Uederlegung, alle Hemmniffe de« Glaubens, der Geburt »nd de» Stander mit einem Male zu vernichten drohte. Sein Entschluß war gefaßt. Bianca mußte die Seine werden und sollte er auch Allem, was ihm bisher lieb und lheuer war, um ihretwillen entsagen. Later, Mutter, Schwester, Befitzthum, Namen und Heimath war er willer,s, im äußersten Nothfalle mit einem Male aufzugeden. „Wenn Bianca geht, gehe ich mir Euch, Gideon." Das waren die einzigen Worte, die sich seinen Lippen entrangen. Eie sagten genug. Gideon verstand ihn und drückte ihm die Hand. „Bedenket wohl, was Ihr rhut, Gras Beppo. Ihr seid jung und hitzköpfig. Euch läuft bas Herz mit dem Verstand« davon. Ueberlaffen wir das vorläufig der Zukunft und dem da oben, der unserer Aller Geschicke lenk, mögen wir nun Juden oder Christen, Mauren oder Heiden sein." Während der letzten Worte war Samuel, eine Kerze in der Hand, in den Zeltraum getreten. „Ja", sprach er mst feierlicher Ruhe, „überlassen wir e» Ihm. Wir Menschen sind am schwächsten, wo wir am stärksten zu sein glauben." Also sprechend nahte er sich der Gruppe, die von der allmählich einbrechenden Dunkelheit beim traulichen Dreigespräch nichts wahrgenommen. War es der überraschende Anblick, oder waren er die eben ernommenen Worte des Alten, die Drei blickten zu der hehren, ehrwürdigen Gestalt wie zu einer höheren Erscheinung empor. „Kommt, meine Kinder", sprach er, „eS ist Zeit zum Aufbruch. Die Sonne ist längst unter den Horizont getaucht und am Abendhimmel schimmern die Sterne." Gleich al» hätten sie seine Worte bekräftigen wollen, hörte man draußen die Sttmmen von Männern und Weibern. Auch die helleren Töne kreischender Kinderkehlen fehl'en nicht. Hamuel's Zelt war fast da« einzige noch stehende im Lager. Es sollte deS Verwundeten halber zuletzt abgebrochen werden. Eine Tragbahre stand schon bereit, mit weichen Polstern und Kisten kunstreich überdeckt. Man hob Gideon hinauf. obwohl er noch einen letzten Versuch machte, diese Vorsichtsmaßregeln als unnöchig darzustellen. Es hals ihm nichts. Er mußte sich mit Geduld in das Unabänderliche fügen. Man setzte sich in Marsch. Beppo hatte den Oberbeschl de» Zuges übernommen. Auf flüchtigem Roste Me er bald dem Vortrabe voraus, bald zurück hinter den Rücken der letzten Nachzügler, sie zur Beschleunigung des Marsche« antreibend. Jetzt hielt er den beim Scheine de« Sternenlicht« gespenstisch leuchtenden Schimmel an, sprang au« dem Sattel und legte das Ohr auf den Rasen, um zu lauschen, ob sich Pferdegetrappel vernehmen laste. Im nächsten Momeme ritt er auch schon neben Bianca oder Gideon her, die Befürchtungen der Ersteren zerstreuend und di« klugen Reühschläge de« Letzteren getreulich befolgend. Beppo war der unermüdliche Schutzengel dieser armen, schwergeprüften Erdenkinder. 5. Satzttel. Der Ueberfall. Rach mehrstündigem Marsch« war der schneckenartige Karavanenzug bis in die Gegend von Merseburg gekommen. Schon 'sah Man die Thürme der Domkirch« und de« herzoglichen Schlaffes in die Luft ragen, al« der Weg sich plötzlich verengerte und dichtes Waldgehege von beiden Seiten noch eiurial die AuSficht schloß. „Horch. Jonas, e« raschelt im Holz!" flüsterte Beitel, der mü Jonas die Vorhut deS Zuge« bildete. „Närrchen, es war eine Eule, die wir aufgejagt", erwidert,' Jener. ' BerILtz itt ÄnWfion der „Htrarli Aschen WochrnsHrifr „Jona», hörst Du's nicht? Es wiehert ein Pferd!" „Närrchen, e« war ein Uhu, der rief!" „Sieh. Jonas, da glänzt es wie Helm und Schweift", rief Beitel ängstlich. „Nein, Beitel, «» war eine Sternschnuppe, die eben vom Himmel herab in's Dickicht schoß." „Weh, Jona«, wir sind im Hinterhalt!" wisperte der Geängstete „Hab' ich doch letzte Rächt 'nen grauslichen Traum gehabt, daß ich-" Er konnte den Satz nicht vollenden. Ein entsetzlicher Schlag, der ihm die Etahlhaube rief in'« Gesicht trieb, so daß er betäubt zu Boden stürzte, verhinderte ihn daran. „Halloh! halloh!" schrie Jona». Doch eh« er noch da« Schwert gezogen, sank auch er unter einem mörderischen Streich« in die Kniee. Die undurchdriugliche Finsterniß, die an dieser Stelle herrschte, machte de« verderbenbringenden Arm unsichtbar. Jona» wär»' verloren gewesen, da immer neue Gestalten in unsicheren Umristen gleichsam au« der Erd« hervorwuchs««. Ti« Dnnktlheit war seine Retterin. Die Räuber vermochten Freund und Feind nicht zu unterscheiden und hüteten sich, auf da» Gerathewohl drauflos zu hauen Der Warnungsruf des treuen Juden, das Geächze und Gestampf, da« Klirren und Blitzen der Waffen hatten den Zug zum Stehen gebracht. Verzweiflung «nd Verwirrung packle die Entsetzten. Alle« schrie und jammerte wild durch einander. Kaum hatte Beppo die Verwirrung wahrgenommen, al« er auch im gestreckten Galopp nach der Spitze der überrumpelten Karavaue jagte. Leicht raffelte sein Schwert au« der Scheide und sauste unverwandt aus einen Reiter«mann hernieder, besten blanke Eisenrüstung er beim fahlen Skerneaschei« undeutlich vor sich schimmern sah. „Zum Henker!" — fluchte der Getroffene — „Gottes Tod! Da« war keines ^uden Faust, di« mir den Helmflrst zerbeulte! Steh', Bursche, zum Henker, Du sollst d'ran glauben!" Sprachlos, vor Schrecken gelähmt, hört« Beppo eine ihm wohlbekannte, fürchterliche Stimme. Sein zum zweite» Streiche erhobener Arm sank wie erstarrt auf den Satteltnopf hernieder, so daß er nicht einmal den gewaltigen Hieb des wuchschäumenden Gegners pariren konnte. Der mst Riefenitärte geführte Schlag traf ihn mitten auf den Reiherbusch, trennt« die Naht der zusammengeschweißten Eisenhaube und drang bi« auf die Kopfhaut hinab. Mst dem markerschütternden Rufe: „Vater!" sank er bewußtlos vom Pferde. „Zum Henker!" donnerte dieselbe Stimme, die die Lebensgeister de» arme» Beppo gebannt hatte. „Zum Teufel! was war da»? Äeffen mich höllisch« Spukgeister in dieser vermaledeiten Rabennacht, oder war da» die Stimme meine« Jungen? Hollah, zündet Fackeln an! Licht! Licht! E« ist ei» Unglück geschehen!" Das war allerdings der Fall. Als die schnell in Brand gesetzten Pechfackeln aufloderten, beleuchteten sie «ine haarsträubende Scene. (Fortsetzung folgt.) Woche«. Decbr 1875 Kiaalew. 5636. SuUnUu SOMtNlIv. 9 11 Iw- S«st,« ■ 10 13 *)era«k*t . 11 13 C«ntt| . . . 12 14 Rllta| .... 13 15 Dienste, . . . 16 .1;i: MitNeech .... 15 17 - *) 3abt«t»aii*gmg (»ach Berti») 7 H N.» M. VM Ht«rz» dt« Juferaten-Bellage. J ui Äagdedulg. Druck uon <&. £ d) i r n t e m teatbij. '