Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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w6 st« ihn Miiiannt«. Wir haben in Teheran Klage geführt, und der gerecht« König warf einen gnädigen Blick auf «ns, indnn er befahl, daß Soldaten da» Judenquartier bewachen sollen. Er ernannte auch zur Verhaftung der Schuldige» einen Eommiffar, der jedoch noch nicht angelanat ist. DerOrisgouverneur, Jz Aldaula, Bruder de« Schah, lieh inzwischen gestern, Samstag«, einige der Schuldigen verhaften und ihnen die Bastonnade gebe» und gedenkt in gleicher Weise auch gegen die anderen Vorzug»den. Die Regierung hat mit Erledigung dieser Sach« den Vezier und den Polizeichef beauftragt, denen die Angelegenheiten der Juden unterstellt stnd. Die ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, ist von einem unaussprechlichen Schrecken befallen, und obgleich seit dem Aufruhr bereit« süns Tage verflossen stnd, ist dieselbe doch noch nicht beruhigt, zumal in Anbetracht der Feindschaft, w«lche Muchtahid und die niuselmännische Bevölkerung gegen un« nähren. Am andern Tage haben sie 10 Häuser geplündert und 30 Personen verwundet; mehrere schwanger« Frauen haben abonirt und eine Menge Kinder ist zertreten und gelödtet worden. Der Grund unserer Befürchtungen liegt darin, daß die Bevölkerung, die 80,000 Seelen zählt, stch tätlich zusammenrotlet, während wir so gering an Zahl stnd und nicht wissen, wa« wir machen sollen . . .; die Angst verläßt un« nicht. Sie wissen, daß mir keine einflußreichen Männer haben; unsere Reichen find ad» furchtsamsten, und in solcher Lage gibt es überhaupt keinen Llandeöuntrrschied. Der schrecklichste unserer Fei-! de ist Said Hussein Arad, der diese» Eomplot angezettell hat und e» noch ««zettelt. Wir können nicht» machen und find gewiß, daß da» Resultat dieser Äewaltlhaten darin bestehen wird, daß alle Israeliten auf dem Lande werden Muhamedaner «erden oder zu Grunde gehen müssen; wir haben von denselben keine Rachricht. Einige Unsinnige hätte der Schrecken beinahe dahin getrieben, den Islam anzunehmeu, wen« wir ste nicht am vergangenen Sabbath in der Synagoge mit der Hoffnung auf den Ewigen beruhigt hätten. Wir bitten Sie dringend, der Alliance von unserer Brdrängniß Rachricht zu geben und un« hierdurch zu Hilfe zu kommen. Der Abfall greift um stch, und wenn auch unsere Gemeinde stch hält, alle anderen jüdischen Geuieinden von Perstrn werden zerstört werden. So berichtet man un« aus Assadabad, daß di« Muselmänner daselbst die Israeliten massacriren oder zum Abfall zwingen wollen. Da» Einzige, nia» Sit ja unserer Rellung thun könnten, ist, durchsetzen, daß die Behörden für jede Gewaltlbat, die gegen un« verübt «erden sollte, derMegierung gegenüber verantwortlich gemacht würden. Rur auf diese Weis« würden die J«raelften hier beruhigt werde»», anoereqfalls wäre dies unmöglich. Bei der Lieb« zur heiligen Schrift, verhindern Sie unser« Untergang!" (Schluß folgt.) Vermischte Hilft neueste Nachrichten. flttti). Wie mehrere Blätter berichten, hat da» großherzogl. Oberconfistvrium jüngst i« Einvernehmen mit de« Ministerin« in «ine« specielle« Fall di« Entscheidung getroffen, daß di« evangelischen Kircheüglocken zum Gebrauch nur bet der Beerdigung chrtstUcher, nicht äbeider jüdisch^ Religio« angehörender Personen bestimmt find. Such habe über de« Gebrauch der evangelisch«»» Kircheaglockeu dir . kirchliche BehSrde, nicht ader der Vorstand der Eiöitzimeiadh zu verfitzest. (Der Schwerpunkt der Entscheidung liegt in letzterem Umstande, und daher ist wohl besonder» für norddeutsche Leser die Ich« stchr befremdend, daß bei Beirdiguag eine« Inden mir best Glocke« geläutet «erden soll.' Aber in viete« süddeutschen Gegrüben stäub' der Grundsatz fest, daß die Glocken der Ti»ilgemeinde ächöreu, das Geläutsglti dem Ortsbürger, nichtdent Christen. 'So gut wieble Ge «tri üb e- Versammlung durch die Glocken berufen und bei einem Lrani», kein Unterschied zwischen Ehristen- und Judenhäusern gemacht, wird, so hat, nach jenem Herkommen, überhaupt der Bürgermeister über die Kirchenglocken zu verfügen, selbstredend ausgenommen dann, wen» fie zum christl. Gottesdienst rufen sollen. Sobald 1848—49 den Juden das OrlsbÜr« gerrecht zuerkanat war, ist in vielen Orten bei Beerdigungen von Juden geläutet worden, was uns anfänglich selbst chokirte, bis mau uns das Sachverhäliniß als ganz correkt erläutert«. Der Glöckner verzichtete natürlich auch nicht gern auf sein« Gebühr. Daß oben erwähnte Entscheidung unanfechtbar sei, möchten wir sehr bezioeifeln. Die Juden können stch fteilich leicht darüber tröste» Red.) 111». Am 16 Rov starb Kaufmann Louis Elzbäch e r, der sich durch Wohlthärigkeit überhaupt und durch Gründung de« „israel. Asyls für Altersschwache und Kranke" insbesondere ein bleibende«, gesegnete« Andenken gesichert hat. An« de« Oderelsa-, 10 Rov. Ein, Illustration zu dem katholischen Prozessionswesen bildet folgender Vorfallts Am Allerheiiigen'ag begab sich der israelitische Schlächter Michael Bloch aus Sulzmalt von da nach Rufach, als er, am hochgelegenen Kirchhof des letzteren Orte» angetommeu, eine vom Ruchfacher Pfarrer geleitete Prozession daher komme« sah. Um den Zug schiiklich zu begrüßen, beeilte stch Bloch, die landesüblich« blaue Biouse abzuziehr», vergaß dabei jedoch, seine Mütze abzunehmen. Der. Pfarrer ließ Bloch an sich herantrelen, fragt« ihn nach Ra men und Stand, worüber Bloch berritiyillig Auskunft ertheilte, worauf ihm der Pfarrer mit einer so kräftigen Ohrfeige anwortete, daß dir Mütze Bloch's weit weg in di« Straße flog. Offenbar zum Glücke für sei» Leben hatte Bloch die seltene Geistesgegenwart, inmitten einer sehr bedenklich hinzudrängenden Heerde von mehr als 100 Prozessionsgängern di« Ohrfeige nicht zu erwiedern, fanden schweigend einzustecken. Doch stellt« Bloch Klage bei« Gebweiler Kreisdirektor, worauf Untersuchung «ingeleitet wurde. (Mühlh. Zkg^ Aus Antzpenhet» bei Rastadt erhalten wir die Prö^enummer eines neuen jüdischen Blattes »Deutsch-Israelitische Zeijung, Organ für da« Gelamintjudentbnm" Herausgeber ist Lehrer L. Wolff in Kuppeuheim, Sitz der Expedition ist Earls ruhe. Das Blatt will, nach dem vorgedruckten Programm und nach einem private« Begleitschreiben des Redacteur«, den Frieden erstreben, es will von keinen Sekten in Israel wisse«, gehässige Polemik fernhalten, da« Juveuthu« nach innen z» festigen und nach außen zu verlheidigen bestrebt sein. — Ein« besonder« seuilletonistische Beilage führt den Tit l »der Freitagabend". Enrlstzah. Der den Lesern diese« Blatte» wohlbekannt« vr. London, früher Ehesarzt des Rothschild'schen Hospital» in Jerusalem, welchtr sich als praktisch-r Arzt in Earisbad Niedergelassen hat, hat ein Blatt „M itl Heilungen' an»'den Leprösen-Hütten (Sink si ülamniliu) in Jerusalem" heraus» gegeben. Dasselbe enthätt Beobachtungen und genaue Krankengeschichten in Betreff de» für die Bibelforschung in mehrfacher Hinsicht wichtigen „Aussatzes". UngorL Die „Deborah" erwähnt iy chrem" Rekrologr, daß'der sei. Leop. Lö« nicht nur (nebst seine« Schwiegervater Schwab) durch Hayna« eingeterkrrt, sondern anch be-, reit« zum Strange verurcheilt gewesen, und daß in der Rächt vor der Hinrichluug der Befehl an di« „Hyäne" gelangt sei, mit de« Würgen nun einzuhalten. vr. Sonneschein,, der dies, erzählt, mag als Landsmann Löw» wohl unterrichtrt sein, doch haben wir von eine« solchen Eretzntß in den Berichten ungarischer Blätter nichts gefunden. J' New-Gerk. Schon im fünften Bande erscheint hier iw Monatsheften englisch Und mit einer deutfchen Beilage ein« Zeitschrift fürdie jKdifch« Jugend f oft ^nglsschsst Vtfte unter dem Titel „Yoaag IvellGt, ü» iNadchütdck au»üÜU)' J