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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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war. . . . Die großen Geister find heute nicht so dicht «säe», daß der Hintritt einet so bedeutsamen MarmeS u. s. ns. — Was wir da gelesen, ist keine Lobhudelet, kein unverdient gestreuter Weihrauch. Denn Löw war wirklich ein reich begabter Geist, «in Mann von eisernem Fleiße, im Talmud wie in den anderen Gebiet«» des Wissen» heimisch, ein tüchtiger Kanzelrümer und zudem für seine Ansichten ein ehrlicher Streiter, frei von jeder Heuchelei, frei vom Streben nach Popularität, und er ließ sich von keiner Seite ins Schlepptau nehmen. Diesen Mann jedoch finden wir in demselben Blatte vor einigen Jahren, von dem, der ihm nach dem Tode dieses Epitaphium schrieb, mit dem Epitheton „Szegediner Bursche", auch „Szegediner Bachur" belegt. Es ist traurig, n»enn man große Männer im Leben vor dem Forum der Oeffentlichkeit in Koch herabzieht und nach dem Tode — de inortuis nil nisi bene — sie wieder verhimmelt; die Welt weiß dann nicht, ob die frühere Grobheit oder der schmerzerfüllle Nachruf eine Lüge sei. Bon der Staatssubvention der böhmischen Rabbinen, die so viel Staub aufgewirbelt, ist es mäuschenstill geworden. Dt« Landes-Repräsentanz wurde von der h. Statthaltern mit Bezug auf einen Ministerial-Erlaß ausgefordert, einen bestimmten und motivirten Antrag zu stellen, in ivelcher Art die einzelnen Rabbinen zu ertheilenden Subventionsbeträge zu bemefien waren und dazu einen Ausweis sämmtlicher dermalen in Aktivität befindlichen, behördlich bestallten Localrabdiaer deizuschließen. Die Repräsentanz hat jedoch in ihrer Weisheit auch ihre Schooßkinder, die sogenannten Religionslehrer, *) in ihr Gutachten hineingezogen. Manche glauben, es geschah dieses nicht sowohl svN mmta als rnuva '2TNL; sie wußte, (da fie die Kompetenz für Rabbinisches sich beilegte, wird sie doch wenigstens so viel wissen) nvcn ntPfiD K? raVTD' so werden die Rabbinen dadurch auch leer ausgehen, und so scheint es auch zu sein. Der Finanzminister h«tt dem ReichSrath sein Budget vorgelegt/jedoch von einer Sub.ention an die Rabbinen ist keine Red«. Oesterreich und Teutschland scheint bei allen freundlichen Beziehungen und diplomatischer Herzlichkeit doch nicht ein Herz und eine Seele zu sein. Hüben und Drüben muß die Judenfreundlichkeit nicht im Gleichgewicht stehen. Bisher war bei uns der Religionsunterricht an den Gymnasien für jüdische Schüler obligat und die Klasse maßgebend; seit neuerer Zeit, da im deutschen Reiche der Mische Religionsunterricht obligatorisch eingeiühn wurde (?!), ist er hier in Oesterreich gleichsam außer EourS gesetzt; er ist zwar nicht ausdrücklich als unobligat erklärt worden, jedoch ist ein liebvoller Erlaß des h Ministeriums herabgelangt, der besagt, daß die Klaffe auS der Religion bei jüdischen unb protestantischen Schülern keinen Einfluß äuf den Fortgang haben soll. Auch ein Zeichen der Zeit. Die Hoffnung, die die rumänischen Fäden aus die Handelskonvention mit Oesterreich gesetzt, ist nicht sehr in Halmen aufgeschossen. Im Lergleich mit den bisherigen Pfortentractaten wären die dortigen Juden Oesterreichs jetzt nach der Convention übler daran als vorher. Rach den Pfortentractaten war ihnen Befitzfähtgkeil zugefichert, die ihnen aber die Rumänen 1864, pochend auf die ihnen von den Großntächten garantirte Autonomie in internen Angelegenheiten, wieder entzogen und auch bei der Convention nüt Oesterreich darauf beirrten. Die Besitzfähtgkeit der Juden konnte Oesterreich- Regierung nicht durchsetzen, fie hat nur erlangt, daß die Angehörigen Oesterreich», als Handelsleute unb in dem Betriebe ihre« Gewerbe-, durch die rumänischen Gesetze in keiner Weise äirrt werden dürfen. Der ReichSrath wird voraussichtlich diese Convention genehmigen. Ob fie diese schmalen Zusicherungen ohne Plackereien von Seit« der rumänischen Behörden genießen werden, ist noch dt« Frage. •) In rinn früheren Comfponbat) ist ihr Wisse» und Wirken geschildert. « »Sr» auch immSgtich, »ab der Staat jeden «etigiouilehrer snträttomre; in Böhmen giedt ti an 300 kleine örnuinbrn, jeder Lehrer ist «o lpio «eliwanstehre», da fall der Staat &tnuu*ta «an 10 »i« «0 gamili», Sutdentio, ertheile^l S. A. Meltz. Reben den Nekrologen über bedylwudst nnd berühmte Männer, welch« wir nur zu oft bringe» >stüss«^ wird auch einmal ein . Nachruf an eine alljüdische Musterfra» Raum und günstige Aufnahme finden. Er gilt der unlängst hier verstorbenen „alten, guten Chetsche*, Großmutter de» rühmlichst bekannten Hr. Mezei MoS in Pest, und ist de» „llng Jsr." entnommen. „Die alte, edle gute Chetsch« — war selber nicht reich gekleidet, aber ihren armen GlaubenSschwefteru stand fie zn jeder Zeit reichlich zur SeUe. Sobald Chetsche von der Entbindung einer Armen Kunde erhielt, so erschien fie balh bei der Wöchnerin, brachte ihr, waS sie tonnte, eilt« bald zur '• Vorsteherin de- FrauenvereineS, um für die arme Wöchnerin eine Gabe zur schleunigen Abhilfe zu erhalten. Da dies« nur quf kurz« Zeit hinreichte, so eilte di« alte schwache Frau z» ihren bemittelten Glaubensschwestern, um Abhilfe zu bstten, di« chr stelS zu Theil ward. Wer konnte auch die freundlichen Bitten der guten alte« Chetsche unerfüllt lassen? Sollte ein armes Mädchen heirathen, so war zu dessen Ausstattung Chetsche inehr al» die eigene Mutter beschäftigt. Bon der Einen brachte sie Weißwäsche, von einer Andern Bettzeug, von einer Dritten Kleidungsstücke u. s. w., bi« alle» Nöthige beisammen war, da mußte gar manche gnädige Frau, nolens volens, ihren vollgestopften Wäsch- und Klek» t verschränk der guten Chetsche zu Gefallen lüften und in dem» selbeu Raum machen. — Trübe Zeiten waren für unsere gnk« Chetsche während de» Bestand«» deS berüchtigten Borfod- MiSkolczer AuSstattungSoereineS, durch welchen zur tiefen Schmach aller seiner Helfershelfer viel« sonst fleißige, sparsame und redliche Bürger in die tiefste Armuth gestürzt wur« den, au» der fie sich noch jetzt nicht erhoben haben. Sie sah sich durch ihn eine» Theile» ihrer Existenz, näm» lich ihrer nöthigen Hülfeleistung zur Ausstattung armer Bräute, beraubt. Der Direktor jene» Schwindelvereins sagt« hier in' > seiner Rede an seine mißtrauisch gewordenen AffecurtneN: - „Jst'S Euch lieber, daß man für Euch zur bAchnosos knlah herum gehe?" Nun dies mußte die gute Chetsche tief geschmerzt haben, ' chr Lieberwerk so verspottet zu sehen. Aber — der Spötter ward bald zum Gespölte. Kurz nachher ging erwähnter Au«» stattung«- wie alle andern auf „Lug und Trug" errichteten AuSstaltungSvereine zu Grunde. Run hatte unsere gute Chetsche wieder vollauf zu thun, viel mehr, al« vor Entstehung genannten Verein». Aber nicht nur bei Ausstattung einer Braut, sondern auch bei Bestattung armer Leute, besonder», wen« unmündig« Kinder zurück blieben, zeigte sich die alte gute Chetsche als wohlthätige Mutter der Wittwen und Waise«. Ja bei solchem Todesfall« gelang e» ihr eher manche» sonst ' harte Herz zu erweichen, indem fie auf da» End« de» Rest» scheu hinzeigte, und so dürfte fie an manchem Sterbetage einest , Armen mehr Spenden al» an seinem Geburtstage zusammen» '' gebracht haben. „Besser der Tag de» Tode«, al« der Tag ® der Geburt" .*j Es ist fast unnöthig zu sagen, daß die Verblichen, wie S in llebuug der Liebesdienste ebenso thätig in Uebung der Gottesdienste» war." * i » 4 Vermischte unb neueste Nachrichten. BreSlan. Aus dem kürzlich erschienenen „achten Bxrichk der hebr. Unterrichts-Anstalt" von vr. P Neustadt, mt«t§» men wir zunächst die erfreuliche statistische Notiz, daß di» Schüler,ahl auf 78 gestiegen ist. Bon diese« genieße« Sfr. den Unterricht unentgeltlich mit Frethalluna der nölh' Schulbücher, 24 zahlen nur die Hälfte de» Schulgeldes für einig« besonder« würdig« und bedürftig« wurde sogg^t Schulgeld zum Besuche einer höheren städtischen Lehtans gezahlt, auch werden dieselbe« während de» Sinkqtz. mer Kleidung versehen. So «erduldet diese I

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