Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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899 hervorgehoben |tt »erden, daß dies« kleine Semttnde, nachdem ihr« Persönlichen, bedeutenden Leistungen ihr noch immer nicht den Synagogeubau gestatten, kein Mittel unversucht läßt, in den Besitz eine« würdigen Gotte-Hause« zu gelange». Möge diese Synagogenbaulotterie vom besten Erfolge gekrönt sein —no— P. Bodeufelde, o. d. Weser,. 19. Roo. (Or-Eorr) Gestern fand in hiesiger Gemeind« in sehr würdiger, erhebender Weis« die Feier de- 80jährige» Bestehen« der Synagoge statt. E« waren zu derselben nicht nur di« Mitglieder der Gemeinde und viele -auswärtige Verwandte derselben erschienen, sondern auch der Herr Landrabbiner vr Guttmann au» Hilderheiin, die 3 Lehrer, welche in der letzten Zeit hier gewirkt haben, und die OrtSdehörde. (Der LmtShauplmann au« U«iar und der lutherische Geistliche de« hiesigen Orte», welche ebenfalls eingeladen waren, hatten ihr Fortbleiben von der Feier schriftlich entschuldigt.) Die Synagoge war festlich geschmückt und am Vorabend de« Feste« während de« Gottetvienste» sehr hübst, illumiuirl. Beim Morgengottetdienst wurde», da e« doch grade rn"np war, die vier o.r Äemeiav.' gehörigen Tirah'S auSgehoben und von den vier Jubilaren» welche vor 80 Jahren den Bau der Synagoge begründen halfen, getragen — Mittag» 12'/, Uhr hatte» sich sämmtliche K sttheilnehmer im Hause de« Vorsteher«, Herrn Freudenthal, eingesunden, und von da de - »egte sich '/, Stunde später ber Festzug unter den Klängen »ine« fröhlichen Marsche« nach der Synagoge, wo nun der eigentlich« FestgolleSdienst stattiand. Derselbe begann mit «»ein von den Schulkindern gesungene» Ehorale; hierauf folgt« da» Mincha» Gebet, die Psalmen 61 und 84 und ein Choral mit Instrumentalbegleitung. Dann bestieg der Herr Landrabdiner di« Kanzel und hielt eine so gediegene, gehall» volle und ergreifend« Rede, daß er nach Beendigung derselben von allen Seiten beglücktwünscht und gebeten wurde, dieselbe dem Drucke zu übergeben. fhob in seiner Rede besonder» hervor, daß die Bedeutv,j de« Soltesbause« grade in der Gegenwart eine um fr;;»ere sei, al» die Pflege jüdischer Sitten und jüdischer Leh « in den Familien in stetem Abnehmen sich befände, und Hi* Synagoge der einzigen Sammelplatz (N0Z2N JV3) sei, »o die nicht mehr durch drückend« Fesseln aus einander angewiesenen Bekenner de« Juveuthum« ihre Zusammengehörigkeit bekundeten. Er schloss mit der Erniahnung an die Ge- »eiud«, ihre vortrefflichen Institutionen, Synagoge und Schule, di« unter schwierige» Verhältnissen begründet worden und nur durch große Opserwilligkeil zu erhallen waren, auch ferner in gleicher Weise zn fördern. — Hierauf wurde mit Abfingung eine« „Hallelujah" der Golte»bienst beendigt, und nu» begab sich dir ganz« Versammlung zu einem solennen Festeffen, bei welchem ernste und heitere Toaste da» Mahl »ürzlen und «in« sehr gemüthliche Stimmung hervorriefen. Di« recht gelungene Feier wurde mit einem Balle deschloffen. Oesterreich. K»< Lih«e», im November. (Or.-Eorr.) Unsere jüdischen Lehrer haben in den verfloffenen Halbseiertagen wieder einmal ihren „Lehrertng" in Prag abgehalten, und ihre Beratduagen gaben Zeugniß von ihrer rühmlichen Beruf-treue und ihrem besten Wollen hinsichtlich der geistigen vlüthe und des Gedeihen« unserer Schulen. Bei der nur allzugeringen Lhetlnahme, die diese so ersprießlichen, im Principe doch wohl allenthalben anerkannten Lehrrrversammiungen, in unserer Groß Cultnsgemeinde Prag finden, ist e« fürwahr nicht ge- «ug lobend hervorzuheden, daß diese Herren Lehrer, denen doch «ohi selbst die unerheblichen materiellen Opfer, die ihnen der Besuch der Lehrerversammlungen auflegt, recht fühlbar »erden, doch nicht den Muth sinke» laffeu und opferfreudig unsa»«« «treten, um Lerbefferungen i« Schulwesen anzustrewtn, die doch am Ind« nur der Jugend, mithin dem Iudeni thume Böhmen«, zu Gute kommen. Zur Förderung de« hebräischen Leseunterricht« beschloß die Lersammlung die Heraulgabe einer praktisch nach demährtrr Methode eingerichteten Lesefibel, uno hat sich Herr Jacob W. Paschele« zur lledernahme de« Berl.z« bereit erklärt. Unsere« unmaßgeblichen Dafürhalten« wären jedoch die mit Unrecht hierzulande in den jüdischen Schulen fast ganz anßer Gebrauch gekommenen hebräischen L e s e - W a n d - T a b e l l e n, methodisch eingerichtetet, wieder einzusühren, indem die Erfahrung jedem Pädagogen wohl schon die üeberzeugung geliefert hak, daß die allgemeine Aufmerksamkeit der Kinder durch da« Hinschauen auf die in großer Schrift auf der Tafel stehenden Buchstaben resp. Sylben weit eher gefördert wird, al« durch die de« Kmde vorliegende Fibel. Iebensall« wollen wir de» von der Lehrerve riamnlung gefaßten Beschluß um so dankbarer anerkennen, al« da« Hebräischlese» gerade gegenwärtig der sch wächst« Punkt in unsere» jüdisch?» Landschulen ist uno hie mid da Ursache zur Unzufriedenheit seiten« der Ellern bietet. Dir Schule der Gegenwart aber sollte ihren Stolz darin setzen, wenn sie, ob oer Mannigfaltigkeil de« gebotenen Lehrstoffeschau nicht im Stande ist, der Jugend jene hebräisch« Vorbildung zu geben, die die Schule einer vergangenen Zeit gewährte, e« wenigsten» dahin zu bringe», daß jüdische Kinder selbst von minder geistiger Begabung co rreit hebräisch z-i lesen wüßten. W«» anoerseilS die mehsach geäußerten Beschwerde» betrifft, daß die Kinder selbst beim Austritte au« der jüdischen Schule nicht wie ehedem geläufig hebräisch lesen, noch weniger im Sidur hinsichtlich der Gebetorvnnng Bescheid wiffen, so kann diel aller - ding« nicht so sehr den Lehrern all vielmehr d-n Eltern zur L'st gelegt werden, da Letztere nicht, wie ehedem di« jüdlichen Eltern, strenge darauf sehen, -daß die Kinder Morgen» und Abend» au« dem Sidur beten und ihnen nicht wie »n guter alter Zeit lehrend und zurechtweisend dabei an die Hand gehen. Wir w.llen s. G. w. über diesedurchaus nicht unwichtige Thema un« nächsten« eine« Weiteren ergehen. Die jüdische Schule hat durch den jüngst erfolgte» Tod des wackere» Lehrers M. Fröschels in NicolSburg einen herben unersetzlichen Verlust erlitten. Fr. war «n beruf»- treuer, im Lehramt« ergrauter, jüdischer Lehrer, ein tüchtiger Kenner de« Hebräischen, auch de« Talmud« und ein unrhrhaft religiöser Maitn. Sein Angedenken sei gesegnet! Möge e« der unter Leitung de« gelehrten vr. EiSler projperirenden Schule gelingen, durch Acquicirung eine« tüchtigen Lehrers erneu, wenn auch nur lyelliveije, hinreichenden Ersatz zu finden. E- L. Von der Knezue, 18. Roobr. (Or.-Eorr.) „Die schöllen Tage in Aranjuez sind nun zu End«/ ich meine die gottselige Zell nach den hohen Feiertagen, welche di« Judraschaft Böhmen« — und wahrscheinlich aller Orlen — verlebt, da Zufriedenheit auf allen Gesichtern zu lesen ist. Jeder so vergnügt über die gefüllten Synagogen am sfteujahr«- und BersöhnangStage sich au« prichr. Wie genügsam doch unser« Juden sind! wie sie sich freuen und constatiren: „noch ist Polen ,richt verloren", well an 2 oder 3 Tagen im Jahre, wid an diesen Tagen auf 2 oder 3 Stunden so viele seltne jüd. Gäste im Gotteshause erscheinen. E« ist doch ein MHO MOP; man verlegt das Judenlhum in unsrer Zeit in di« Synagoge und läßt sie doch da» ganze Jahr — leer stehen. In dieser glücklichen Zell traf un» di« erschütternde Nachricht vom Ableben de« Oberrabbiner« Löw in Szegedin. Alle Blätter, auch die polllischen, brachten ihm einen ehrenvollen Nachruf. Eine kleine Blumenlese au« einem jüdischen Wochenblatte wollen wir hier zusammentragen. „Die Wiffenschaft de« Judenthum«", beginnt der Nekrolog, „hat abermal« einen schweren Verlust zu beklagen. . . . Darum ergreift un» ei« schwere« Bangen, so oft «in jüd. Gelehrter von de« Schauplatz« feiner Thätigkell adbernfen wird, zumal ein so wackerer und muthvoller Kämpfer für Fortschritt und Aufklärung, «in so hochbegabter und umfassender Seist, wie Leopold Löw es