Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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lassen« Schriftei, und Rotizbüchcr (Nr. 200—213) hat Rabbinowitz für Rm. 227 ersteige«. Ja beffere Hände hätte» dieselben nichl kommen könne». Den höchsten Preis erzielte Rr. 1237, ein Eonvo nl nii den Philippjou'fäien Rooellen »nd Brochüren mir — Rm 1. — In mehreren jüdischen Plättern fand ich jüngst eine Rotiz über ein junge« Mädchen, welche« stch an den Kaiser Wilhelm mit der Bitte gewendet batte, derselbe möge ihr die Mittel zur Ausbildung al« Lehrerin gewähre». Der Artikel stand z. B in der „Jüd. Pr" Rr. 45 als Eorcespondenz au« Eöl», er ist aber der Franks. Zeitung eulnominen, und er ist der Satz weggelaffen. i» dem gesagt wurde, daß da« Kind auf Kaiserliche Kosten de in Dr. Iac. Anerb ich hier zur Au-bildu»g übergeben wurde. DaS Kind wurde im Pbilantropin unterrichtet und bestudel stch j.tzl zu wcu-rer AuSbilduug in einem Institut. Die Geschichte ist übrigenschon 2 Jahr« alt. Flat»». (Or -Torr.) Mit der Ueberiendung der z w eit«n Sene, bestehend aus: Novelle von Herzberg, dem Roma» von Hauimerschlag, und den Studien zur Geschichte der Saminlung der allhebräische» Literatur von Bloch.*) hat der erste Jahrgang d.s innen „JSracl. Literatur-Verein-" eine» würdige» Abschluß gcfuudcu, und steht wohl zu erwarte», Satz die Abonnentenzahl, nachdem da« Institut stch lebensfähig gezeigt hat, nunmehr stch bedeutend vergröbern werde. Abgesehen davon, daß der geringe Betrag deS Abonnement» durch die erste Serie (Ärätz, Geschichte der Juden, Theil 2) schon gedeckt war. versolgl v»r Perein ja den Zweck, die jüdisch« Literatur zu fördern, und um diese» Zweckewillen »»übte die Brlheiliguug von jüdischen Kreisen doch eine viel bedeutendere sein, al» ste es bi» jetzt ist. Ist doch au» d«u> Mitgliederverzeichnisse ersichtlich, daß au» unserem engeren Balereanbe noch manche große und gröbere Stadl durch Abwesenheit glänzt, geschweige venu im wei eren, und — wohnen nicht »dele und gebildete Juten in allen Erdiheile»! — Sollte in diesen Orten wirklich kein Interesse für da», wa» unser größter Stolz ist, für unfern Schriftlhum, sein? Mil dem Wunsch«, vast die Milgliederzahl sich verzehnfachen »löge, rufe ich dem Literatur-Berein zu seinem zweiten BereinSjahre ein K2N zu. P. Srandenz, 17 Roo. (Schwurgerichtsoerhandlung.) Unsere Leser werden sich eine« im Juli d. I. von eiuenl russischen Handelsjuden in Warlubien an seüiem Reisegefährten verübten Raube- und Mordversuchs erinnern, über den wir damal» schon BerschiedeneS mitlheillen (Siehe Wochenschrift Rr. 35) Die Sache verhielt sich, wie die heutige Verhandlung ergeben hat, folgendermaßen. Der 24 Jahre alte jüdische Handelsmann Mendel Eheywitz aus Klimowicz im Gouvernement Mobilem hatte durch Brandunglück sein Vermögen verloren. Er begab sich daher mit Zurücklasiung seiner Familie auf die Löanderschast und ernährte sich durch Betteln, und, wie er wenigstens angiebt, durch Vertrieb hebräischer Bücher. In Kowno traf er den jüdischen Schneider Jaite (Jakob) Wei ßw.ann aus Jaffy in Rumänien, mit dem er di« Reise sortsetzte. Bei Filipowo wurde die preubische Grenze über - schritten, und dann durchzogen beide unsere Provinz. Am 28. IM halten sie Reuenburg heimgesucht; am Abende desselben Tages kehrten sie bei dem Gastwirthe Reumann Hermann in Warlubien ein; es wurde ihnen im Stall ein Lager angewieseu; da sie eS dort aber zu schmutzig sanden, betteten sie sich im Freien, indem sie stch entkleideten und mit ihren Kleidungsstücken bedeckten, nahmen auch, als Hermann ihnen ein Lager im Hause anbot, dies Anerbieten, wahrscheinlich aus Betrieb deS Angeklagten, nicht an. Um Mitterimcht wurden Bewohner de« Dorfe« durch da« jämmerliche Geschrei de» Weibumnn „Mein Gold, mein Sold!" erweckt. Weibmann lief im Hemd«, bluttriefend, durch die Dorfftrabe. Den •) 8ra diese« war«» einigt Kapitel, UN» dies« auch nur i« Auszug«, >« »Zu«. Literatucdl." erschiene«, bc vorder Lers. da» Ganz« de» ,Lit«ratur->rrei»" anbot. N. Herbeieilendea berichtete der au» 10 Wunden am Halse, am Kops und an der «inen Hand Blutende, daß sein Schlafg»- noije ihn habe ermorden wollen und ihm sein« Weste, in der sich 160 Thlr. in Gold und Silber befanden, geraubt Hab« und entflohen sei. Der GenSdarm Frommanu eilte in Begleitung Anderer dem Flüchtling nach; mit Hilje von Hunden spürte man ihn auf einem Weizenfeld« auf, woselbst «»-bekleidet nur mit Hosen und der gestohlenen Weste, kauerte; sein blutiges Hemd war er im Begriff foeizuwerfea. Al» sich ihnl ein grober Hund näh«te. ergab er sich seinen Lersolger» mit dem AuSruf: „ü$ bin der Mörder!" Von dem Geld« fand nmn nur einen Theil bei chm. In der Boruutersuchung hatte Eheywitz Alles zugestauden, auch auSgrsagt, daß er di« ganze Zeit, bis er seinen Kollegen mit einem Messer überfallen, nicht geschlafen Hab«. Heute leugnete rr, dab er ihn habe morden wollen; das geraubte Seid sei gemeinschaftlicher Verdienst gewesen; Weibmann habe sich geweigert, ihm seinen Antheil anSzuzahlen und habe ihn. bevor er ihn angegriffen, in de« Finger gebissen. Zeuge Weitzinaim, der nicht zur Stelle geschafft werden konnte, hat, wie vr. Stechern au» Reuenburg. der ch» behandelte, bezeugt, 20 gröbere und kleinere Wunden erhalten, von denen zwar keine einzelne tüdtlich, die aber in chrer Gesammlheit hätten tödtlich sei» können; er hat 3 Wochen im Lazareth gelegen, ist auch bei seiner Entlassung noch nicht ganz wiederhergestellt gewesen. Die Aussagen de» Angeklagten waren sehr schwer verständlich, da er einen ausgeprägt jüdisch-deutschen Dialekt sprach. Die Geschworene« gewannen die Uederzeugung von seiner Schuld, und der Gerichtshof verurtheilte ihn ivegen Raube» uud versuchten Morde» zu 8 Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf gleich« Dauer und Zuläffigkeii der «Ällung unter Polizeiaufsicht. (Gr. Ges.) An« Odtkschleftr». (Or.-Eorr.) Auch Oberschlesten bleibt nicht unberührt von den Strömungen der Z-il in bonam et in malam partem. Vor wenigen Monaten erst ereignet« sich in Z. der sonst bei Juden unerhörte Fall eine» Selbstmordes. Wie wir hören, oeranlaßlen kteintiche Familigndiff«- renzen den jungen, hoffnung-vollen Sohn sehr wohlhabender Ettern, seinem Leben vorzeitig ei» Ende zu machen. Wir werden bald nicht mehr zu unsereui Ruhm« sage« dürfen: 2pir pbn .-6*2 K1?. — Am 23 September wurde die neu erbaut«, prächtige Synagoge in König-Hütte eingeweiht. Rach den« Festprogramme hielt Herr 1>r. Lohn, Rabbiner zu Kailowitz, die Abschiedsreoe im alte» Betlokal,. Die Weihrede in der neuen Synagoge sprach Herr l)r. Rosenthal, Rabbiner zu Benthe», während Herr Dr Fränk.l, Rabbiner zu Rybnik, die übliche Liturgie abhielt. Mil der Au-sührung decantorale» und musikalischen Theile» mar Herr Eantor E. B i r » d a u ni au» Beulh« n betraut, der mit seinem Synagogenchore die ihm geworden« ehrenvolle Aufgwe in glänzender Weise löste. Seine Leistungen wurden bei tem der relig. Feier solgendcn Festeffe» von dem Oberregierung-rath v Reefe au- Oppeln in einem besonderen Toaste heroorgehoben. In der Rachdargemeinde B e u l h e n erregte vor mehreren Wochen die AnttSenlsetzang eine» Schächter» nicht geriugc» Aussehen. Wie »ach eingehender Untersuchung sich ergeben haben soll, hat auch 0iet ein Pole mit seinem Vertraue«»- amte den frechsten Unfug und Mißbrauch getrieben. Der Mann Halle sich kurz vorher, wie wir hören, mit einem Mädchen seiner Gemeinde verlobt. Besonders während de» Winter» werde» wir hier mit fetten, gejchrachleke» Gänsen, den Produkten polnischer «nd galizischer Schechita, förmlich über» fluthet. Es empfiehlt stch dringend, beim Ankäufe derartiger Gänse ehürig ans der Hut zu sein Al» mir neulich ein polnischer Rabbiner vorgestelll wurde, der um Alle« in der Welt u, Preußen kein Fleisch effen mag, konnte ich die Vemerkung nichl uuterdrückeu: Der Mann mag so Unrecht nicht haben, und wäre unser Schachet ein Pole, wir selbst dürfte» höchstwahrscheinlich von seiner Schechita auch nicht effe». — Neulich erhielten wir au« vunziau in Schlesien mehrere Loose zu einer Synagogeubaulotteri«. S» verdirul» rühmlich