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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— *90 — wAitier). «* gethau, sondern bedaner«, bemitleiden, Mllen wir e«.* Mitleidig und voller Güte ist doch da« schwach« «it- . fühlende Frauenherr! — Die Dam« schwieg, keiner von un» unterbrach die entstehende Pause, und unsere Gefährtin legte wie )iun Gebet die HHnde in einander, und wir vernahmen mit wahrer Andacht ihre nur halb geflüsterten Worte: »Möge Sott ihnen (den Rumänen) ihre Vernunft wieder schenken!" Der Rumäne schien die« andächtig mitzuempfinden, und ich betete in der Thal und erst recht ernst im Stillen die au«- gesprochenen vielsagenden Worte der Borbeterin Da brauste da« Dampfroß heran, und der Eisenbahn-Herold rief: »Fünf Minuten Aufenthalt! — Meine .umänischen Reisegefährten bedauerten lebhaft, al« ste mich zum AuSsteigen gerüstet fahr«, daß wir un« schon trennen müßten und nicht ein Stündchen über noch zu erörternde Dinge beisammen verplaudern können. Auch mir that «8 leid, so rasch au« einer Sesellschast zu scheiden, wo ich de« Vernünftigen über unser Rumänien so viel gelernt. Wir befiegelten denn durch einen Händedruck untere neu begründete Freundschaft und stoben auteinander. IIL Am darauffolgenden Tage fuhr ich von Kronstadt per Achse nach St. George«, ein«» von Kronstadt etwa vier Stunden entfernten Städtchen. Unterweg« erging fich meine Seele, von der gestrigen Polemik mit meinem stebeubürger Rumänen auiruhend, in der vewundrrung der Gegend und der harmonisch um mich her waltenden Elemente Die sächsischen Dörfer, auf die man hier stößt, find äußerst schön; fie haben beinah« städtisch« Lauten. Der landmännisch« Fleiß und die Ordnungsliebe de« Letter Wenzel ist hier deu Häusern von Außen her anzusehen. — In St. George«, einem sowohl durch seine romantische Lage, wie durch mehrere im schönsten großstädtischen Baustyle aufgeführte Häuser ziemlich hübschen Städtchen, wo ich kaum drei Stunden verweilte, kam ich mit einem Ungar, einer kleinen Mittelmäßigkeit von Intelligenz, in geschäftliche Berührung. Unte" Anderem erkundigte ich mich über die daselbst wohnenden Rationalitäten und wie hoch hier der SeschästS-Puls schlägt, worauf er mir in seinem arg zugerichteten Deutsch erwiderte: »Hier wohnen viele« Jud und reiche» Leut (darunter), da un« gilt aber ka Unterschied, ba un« »ix Ungar, nix Wallach, nix Jud, nix Sach«, nur Mensch, alle« Mensch!" Böller Raiveläl noch hin- ,»fügend: »ba un« alle« gute Bürger, wer nur Steuer zahlt " Wie lieblich klangen mit diese Worte. Ich war nah« daran, vor Freude aufzujauchzen — Glücklich, dachte ich, der Staat, deffen schlichtester Bürger in schlichten Worten von d«r Aussöhnung der Menschheit zu erzählen weiß, — glücklicher noch die Bürger, denen der Staat durch die Wohlthäligkeit seiner «erfaffung Anlaß gibt, fich unter einander au«zusöhnen! — Unter dem Geleite dieser und ähnlicher Eindrücke überkam «ich nunmehr auch der Geist der gestrigen, zu Gunst.» der Menschheit so warm gesprochenen Worte des stebenbürger Rumänen, ich rief mir nochmals die Hauptphase» meiner gestrigen Debatte in Erinnerung, wo ich, zum ersten Male in meinem Leben, unberufen als Anwalt der Rumänen gegen erneu merkwürdig schonungslosen Anti -Ratio nal-Rumäuen auftreten mußte. Ich schritt zum Resumä, mir unter der veeinflussung der durch meinen St. Seorger Gewährsmann eingezogrnen diesbezüglichen Information folgend« Jnclufion herauSblldend: Die ßebenbürger Rumänen sind Menschen und noch obeudrein Ruatänen, fie haben durch che nioellirenpe Macht der weisen Staatserurichtung und der Gewohnheit, die Bevorzugung ihre« Stamme« nicht nur verlernt, sondern e« gilt ihnen geradezu al« Verhöhnung ihrer selbst, al» Erkorene geltrn zu wollen. Jacob Freiman». ArwmkreUH. (Mo»at«bertcht der Alliance Jsr. Uuiv. für Oktober.) (Schluß.) In dem Bericht über die Ackerbauschul« zu Jaffa ist u. A. erwähnt, daß da» zu Berlin unter Vorsitz he» Hrn M. ». Leny constUuirtr «Lomir« für die Waise» Palästina'« beschlossen habe, 4 Waisenknaben für de« . Penfion»prei« von 350 Fr. pro Anabeu, in der Ucherbauschule zu placiren Dieselben werden in gleicher Welse wie die anderen Zöglinge behandelt werden, und soll da« Berliner Comite alle 4 Monate über fie eine« Bericht erhalten. Ferner hat der Roarä of Delegat«» von Rew-Aork eine« neuen Beweis seine« Jntereffe« für di« Ackerbauschule an den Tag gelegt, indem er für dieselbe eine Subvention von 1131 Fr. 35 Et. votiere. Bagdad. — H. Lurion, Präsident de« Loeal-Eomile«, schreibt, daß nur noch 6 Freischüler aufzunehmen sind, um die Zahl 100 voll zu machen, welche die im vergangenen Jahre vom E.-Eomite bewilligte jährlich« Subvention auszunehmen gestattet. Eonstantinopel. — Die neu«, von H. ^B. Rissim geleitete Schule zu Balat ist vollständig organisirt; mehrere Rabbincn schicken ihre Kinder hin, und di« Lusnahmegesuche sind so zahlreich, daß wegen Raummangel» leider nicht all« berücksichtigt werden können. — Frau B. Rissim hat zu HaSkeui eine Mädchenschule mit 22 Schülerinnen eröffnet, von denen nur 4 ein Schulgeld bezahlen könuen; dieselbe hat sich die Mitwirkung eine» Rabbinen verschafft, der. Spanisch und Hebräisch, uud die einer Hilf«lehreria, die im Nähen und Piano unterrichtet. — Die Schule von Ga lata, für welche eine Subvention von 500 Ir. p a. ootirt worden ist, wird von 100 Zöglinge», worunter die Hälfte Freischüler, besucht werden und unter Leitung de« H. Salem stehen. Nachschrift der Redaktion. Der Okloberbericht giebt auch einen ganz kurzen Auszug au« dem hier bereit« erwähn - teu Memorandum des Hrn. Sam. Montagu über di« Zustände in Palästina uav deffen Vorschläge zur Befferuug derselben. Die „Jüd. Preffe" nimmt hiervon Anlaß, diese« Memorandam einer Besprechung zu unterziehen und zwar mit der oorau-geschickten Bemerkung: »Für un« handelt r« fich hier um den Bericht selbst, der iin Auszug in dein Sitzung«- protokoll der Alliance vom 6. Oktober d. I. mitgetheilt Ist und dadurch erst seine Bedeutung und Tragweite erhält. So lange dieser.Bericht bloS von den TrgeSdlättecu wiedergegeben ward, mochte er al« Privatansichl schweigend hingenommen werben, nachdem die Alliance aber diese Aitftcht zur ihrigen gemacht, dünkt e» mir Pflicht, ihn einer nähern Erörterung zu unterziehen." — Wir halten un« für berechtigt uud verpflichtet, gegen diese Auffassung der »Jüd Pr." Verwahrung einzulegen. E« ist mit keiner Silbe angedeutet, daß da« Lentral-Eomit' der All J»r. Ilnio. uh den Inhalt des Berichts des Hru Moillagu aneignet. Die Beolchäe der »L. I. U" theilen allmonatlich Auszüge au« mancherlei Schriftstücken mit, die dem E.-Lomite au« den verschiedensten Ländern über Dortige Verhältnisse und Zustände zugehen, und die zugleich Vorschläge und Derartige» «nlhalhalten. Sie dienen ohne Zweifel inimer mehr oder meuiger zur Information für das E.-Eomite und die Leser der Berichte, die Mitglieder der Alliance, aber e« kmn keine Red« davon sein, .daß da« E-Somit« durch Aufnahme.solcher Berichte in da« Monats-Bulletin irgend welch« Bürgschaft ober Beranlwortlichseit für de» Inhalt derselben übernimmt. lieber den Montag u'schen Bericht selbst zu rede», ist hier nicht der Ort. Wir haben s. Z. auf die ihn Wort für Wort beleuchteitde und berichtigende Kritik im »Habazeleth" verwiese«. Diese Kritik beruht ohne Zweifel auf guter Ort«-, Sachuud Personalkenntniß. sie ist unparteiisch, den« »Habazeleth" ist von jeher al« Gegner der virlgerügten Mißwirthschaft bei der Seldvertheilung aufgetreten; wenn daher »Habazeleth" manche», ja viele« Einzelne i« den Montagu'fchen Schilderungen al«.zu schwarz dargestellt, und doch wieder da« Ganze al« nicht übertrieben bezeichnet, so wird man diese« Gesammt« urtheil wohl al« richtig betrachten können. vermischte und «eneste Nachrichten. Mud«, u. Rovemhcr, M fota.W« fttzt <<*»3*0

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