Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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389 — „Eduard Horn — oder wir er mit seinem ursprünglichen Namen hieß, Ignaz Eichhorn — wurde al« Sohn eine» jüdischen Wollhandler», am 36. September 1836 in Vagu - jhely im Rrutraer Lomitate geboren; er wandte sich in Prag, Neutra und vornehmlich in Pr eh bürg de» jüdischtheologische» und den Gymnasialstüdien zu. In der bamal» von Adoplh Neustadl reoigirten „Pretburger Zeitung" betrat Horn zuerst seine iitrrariiche Lausdahn; bald folgten Artikel in der „Pester Zeuung," „Pesti Hirlap," „Jetenktor" rc. Mit gtühenbem Elser wandte sich Horn der damals überall venttlirten Kruge der Juden-Emancipation zu and ivar durch Wort uno Schrist bemüht, seine» Glaubensgenossen zu einer geachteten socialen Stellung zu verhelfen. — An die Spitze der Peft-Osrner Reform-Gemeinde al» Prediger und Rabbiner drrusrn, war er bemüht, den von Holdyrim in Berlin ringe» führten Rformen auch in Ungarn Verbreitung zu verschaffen, durch Beilegung de« Ruhetageauf den Sonntag, Einführung von Mischehen rc., für welch« Reformen er sich auch in mehreren Broschüre» auSjprach. Die neu« Gemeinde, welch« auch in Arad und KaniSza Anhag fand, hielt sich jedoch nur bi« 1863 — Horn, der in den Märztagen de« Jahre» 1848 brr Bewegung-partei angehört hat, und durch öffentliche Reden und puplizisttjche Artikel für diese Partei wirkte, floh, al» die Kaiserlichen in Pest einrückten, nach Kontor», wo ihn Klapka zum jüdischen Feldpaier mit Haupt,nanitsrang ernannte. Rach der Eapuulation von Kontor», wobei ihm die Vorih-ile de« Offizierrange» gesichert werden sollten, war er Verfolgungen au»gesetzt, war längere Zeit von Prag au» heintiich für den „Pester Loyd" und „Wanderer" thätig. bi» » ihm im März 1860 gelang, nach Sachsen zu entkommen. Auf dieser Flucht entstanden die Schriften: „Arthur Görgey, Obercontmandaut der ungarrsche» Armee. Ein Beitrag zur Ge» tchichte der ungarijchen Revulation von I. E. Horn, ungarischem Feldpaier" (1860) und „Zur ungarisch östreichlschen EeutraltjatiouSfrage." — In Leipzig wendete er sich philosophischen und »alional-ökonoinischen Studien zu, schrieb über „Spinoza'« Staatslehre", ungarische Statistik rc. Der erste Band seine» Werke» „Ludwig Kosfuth al« Agitator und Minister" wurde conft«cirt und gefährdete den Verfasser, der uuu oou Leipzig nach Brüssel entfloh, dort da« Werk über Rossmh tu englischer Sprache, ferner mehrere sehr bedeutsame statistisch« Werke pudlicirte. Er sollte eben die Redaction der „Jndrpendauce Betge" übernehuten, al» ihn Anträge deutscher Journale zur Berichterstattung über die Pariser Ausstellung 1866 zur Reise nach Pari» veranlagte,t. Hier wurde er durch den Redakteur Michael Lhevalier bei dem „Journal des Dedal»", dann bei „La Presse" 'augestellt, war gleichzeitig bei der „Revue Eoutemporaine," „Journal de» EcouomisteS" thätig, schrieb außerdem für deutsche und ungarijche Zeitungen, veröffentlicht« eine Unzahl leidenschastlicher und heiligster Pamphlese gegen Oestreich. Horn» Aufenthalt in Pari» bildet oeu Glanzpunkt seiner literarische» und wiss»nschaftlichen Thäkigkru. 1886 erschien sein Buch: „La libertä des banques,* 1867 da» mit dem großen Akademienpreisen gekrönte Werk: „L'6conomie politque avant les Physiocrates“ u. a. — Bon Pari» zurückgekehrt, schloß sich Horn der Linke» an und gab ei» oppotrtronelle» Organ herau», in welchem er trotz der gro- V«n Schwierigkeiten, mit welchen do» Blatt zu kämpfen hatte, mu Eifer für dr« Partei, der er angehörte, agitirte.') Rach der Fusion wurde er zum Staat-secretarr im Handelsministerium ernannt, *) al« welcher er noch in den letzte» Wochen di« Berhandlnirgen über die Zollfrage gelertet hatte. Horn war bekanntlich auch Abgeordneter der Pester Theresienstadt ’) Sein Tod wrrd in Ungarn allgemein aus'» Tiefste betrauert. *) Ja Sachen de» Bieichterechtigung-kampse» ist ein Unterschied zwischen Reform» und orthodoxem Judenrhum nicht am Platze. ') In dieser Liaenschast unterzeichn«» er merkwürdiger Weis« zw«, Ortaff« zu Gunsten »er «inst von ihm dektmzstea Richtung im Judenrhum; de» erneu di« Sadbath-WochemnLrtt«, de« ander» de» Ro» steischhaadel betreffeud. e«ta Gegenkanditm Mt edensa»» Jude (•»« geratest 7) Harn. Püch», im Rov. (Or.-Eorr.) Die hiesige Gemeind« wählte einstimmig Se. Ehrw. den Herrn Samuel Deutschländrr zum Rabbiner. Herr D., der ein f?N2v de« -ibio DDH s. A. ist nnd seine philos Studien a» der Prager Universität machte, erfreut sich n"2 trotz seiner 69 Jahre ro’ *pTK' ',1 VD13C1 einer staunrnSwerthen geistigen sowohl al» körperlichen Frische. Herr D. ist ein tüchtiger Schulmann und dirigi'ie hier längere Zeit*) eine Privatschule, au« der sich mit der Zeit die noch jetzt florirend« jüdisch« Gemeindrschule entwickelte. Herr D. war. nachdem die Schul« zur Gemeinde» schule wurde, noch lange Jahre Schulvater und lebte bi» nun nur seinen Privatstudien. Seit dem Tod« de» früheren Rabbiner» rpv» der au« der Radbinerschule zu Padua hervorging, stand da» Rabbinat hier verwaist, und Herr D. verwaltete da» Amt ganz unentgeltlich Herr D. ist auch in weiteren literarische» Kreisen oorthrilbaft bekannt. Sr ist Bersaffer de« sU2^.N.1R">0 D und Mitarbei. ter niehrerer hebr. Zeitschriften. Gegenwärtig befaßt er sich mit einer Uedersetzung und Eommentirung der Sthica Ari» Itoteli». — Von seinen drei Söhnen ist der älteste Herr Dr. R. Deutschländer Dirigent der Hildr-heimerschen Reli» gionSichule in Berlin, der andere ein tüchtiger Kaufmann und der jüngste Lehrer an der isr. Gemeinoeschule in Altona, welche unter der Direction de» als tüchtiger Pädagoge bekannten Rabbiner» Herrn 0r. Löb steht. fokfchai. (Reisebilder au» Siebenbürgen, ll. .**) Die Dante, unsere Reisegefährtin, hatte sich bi«her stille verhalten und nur hier und da, während mein Gegenpart sprach, durch Kopfnicken zu verstehe» gegeben, daß sie seiner Meinung beipflichle. Die» politische Leben mit seinen an Gehässigkeiten reichen Debatten pflegt dem schönen Geschlechte wenig Anziehende» zu bieten, nnd diese» ist mit wenigen Ausnahmen (wohin ich die Baronin Rothschild rechne, welche s. Z. au» Patriotismus oder Eitelkeit sich weigerte, dem deutschen Botschafter de» Arm zu reichen) co»mopolitifch. Die Dante also nahm nun doch da» Wort; e» schien, al» wolle sie versöhnend zwischen un» treten, und mit Emphase, aber doch mit voller Grazie im Ausdruck, begann sie: „Wenn wir einen Blick auf die Karte de» civilisirten Europa werfen, so gewahren wir einen durch seine Lage politisch intereffanten Punkt, Rumänien genannt. Hier haust, wie man mich lehrt, seit beinahe zehn Jahren ein gewaltiger Sturm von Wirrwarr, welcher kraft der ihn rettenden Macht von Teufeln und höllischen Furien, abwechselnd bald an de» Donauufern zu Galacz und JSmail, bald am Verlad (Fluß bei der gleichnamigen Stadt) bei Tccuci u. s, w sein verheerende» Unwesen treibt. Ein meteorlogisches Euriosum, da e» doch in dem benachbarte», verwandten Ländchen Bukowina, wie in unserem nahen Siebenbürgen stet» so wunderschön und ruhig auSsicht. Am allerinerkwürbigsten ist eS, daß von diesem periodisch aufwieglerischen verheerende» Uilgewitter nur semitisches Hab und Gut niitgenommmen wird, ivelche Bewandniß e» nur haben »tag? Specialisten. die einen näheren Einblick in die politische Teniperatur jene» Ländchenzu haben vorgeben, glauben die Natur diese- Uebel anrichtenden Orkangenau zu kennen, un- Laien aber genügt e», zu constatireu, daß dort ein beklagen-werthr», Uebel anrichtrnde», entfesselte» Elenient waltet, die anderen kleinen Ungeheuerlichkeiten diese« geographischen Flecken» ungeachtet, und so wollen wir e» uicht verdammen, wie Sie mein Freund Jonescu (so hieß der Ru» «rschien z. A. im Tempel und tioß sich „ausrufen." «an legte da« damal« al, WahtumnSver au« — nach dem Tod« ist «in Prüfen der Oftsichten gewiß nicht inehr der Mensch« Sach«. *) Fernere «erichte er»»«scht..I» Hinsicht scheint ei, «ißverpändniß odprwaiten. Dir von Ihnen erwähnt, Ldiertuug ist jedem bekannt: dort war ater von der Bezeichnung 0'*V7J di« Rede. (*A) **) Wir demerke» uachtr »glich, daß der Herr Lorrespondent in seine» Be-irit sch reit«, versichert, die tzer mit^rhellteu »«sprach« seien, wen» auch nicht duchstütitch, »och mMd—m sinngetreu mje»ev»e»em (M.)