Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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de« Khedtve dir Eroberung, wenn auch vielleicht nicht die dauernde Unterwerfung Abessinien« nicht allznfchwer werden. Durch eine solche Eroberung würde aber diese«, bisher für Europäer so sehr schwer zugänglich« Land erschlossen werden, und würde die dem europäischen Einflüsse und de» civilisatorischen Bestrebungen so zugängliche ägyptisch« Regierung sicherlich nicht« dagegen haben, wenn europäische Juden ihre äthiopischen Glaubensgenossen aussuchen wollten. Auch würde die ägyptische Militärherrschast dem Räuberwejen Abessinien» schon steuern und für Sicherheit der Landstraßen Sorge tragen. Wir würden denlnach endlich in der Lage sein, mit diesem merkwürdignen aller jüdischen Volksslänime. welcher einst die Oberherrschaft de« Lande« in Händen gehabt und noch bi« in verhältnißmäßig neuere Zeit hinein ei» selbnändige«. von eigenen Königen and Königinnen beherrschte« Genlcinwesen besessen hat, eine Verbindung anzutnüpfen, und dieser mit körperlichen und geistigen Gaben reich begabten, arbeitsamen und tüchtigen Menschrnklasie da« Licht der Civilijation zu bringen. Die Falascha, welche mit allen Aaser» ihre« Leben« am Judenthum hangen und die Vorschriften der Thora auf da» Gewisienhasteste befolgen, durch ihre lange Jsolirung aber außer jedem Zusammenhänge init ihren Brüder» gekommen sind, werden jüdische Sendboten, die sich ihnen mit Aufrichtigkeit und liebevollem Herzen nahen, gern und freundlich ausnehmen. Die« hat der Sendling der Alliance, der Orientreisende Halevy, erfahren. Sie werden sicherlich die ihnen unbekannte hebräische Sprache (sie besitzen die Bibel nur in äthiopischer Sprache) gern kennet» lernen und werden mit Stanneil von dein Schicksale ihrer Brüder in fremden Ländern und von der Entwickelung, welche da« Judenlhum durch Schrift und Tradition seit den mehr al« zweitausend Jahren, wo sie da« Land ihrer Väter verlaffen haben, sich erzählen lasten. Thun wir diese« nicht, so werden sich andere sehr unberufene Leute finden, die sich den Falascha ausdrängen werden. Tie protestantischen Missionäre halten bereit« unter der Regierung de« König« Theodorus ihre Netze nach ihnen ausgeworfen, hatten sich bei diesem Könige, den sie selbst al« den blutigsten aller Tyrannen schildern, über die Hartnäckigkeit der Juden beklagt und ihnen Leid und Drangsal aller Art bereitet. Sie werden nicht »ersehlen, sich auch jetzt wieder einzusinden und den arglosen jüdischen Bauern und Handwerkern (Handel treiben die Falascha nicht) ihre Fallen zu stellen E« ist deshalb Pflicht der europäischen Judenheit. diesen snlschen Aposteln zuvorzukommen nnd aus eigener Mitte Männer von starkem Herzen und erfüllt von Liebe und Begeisterung für die Mission und die Lehre des Judenthums den wackern Brüdern im fernen Aethiopien zuzusenden. Oesterreich. 8. Lemberg, l l. Rovbr. (Or. Corr.) Die jüdische Gemeinde hat bekanntlich genug an äußeren Feinden; aber auch an inneren darsts ihr nicht se ilen. Die kleine und ehrgeizige Partei, welche vor wenigen Monaten ihr Familienmitglied Orenstein auf den Rabbinatsstuhl gesetzt har, will die Gelegenheit bei.utzen, um auf Grund de« ehemaligen Rabbi Fanatismus das lemberger Mische Publikum auszubeuten, uin in dem neuzuwählenden Vorstande alle oder mindestens die meisten Vorstandsfitze für sich in Anspruch zu nehmen und die Gemeinde für ihre Familien-Jntereffrn auszunutzen. Daß derlei Ansicht eine gegründete sein mag, sieht man nur zu deutlich aus dem Verhalten jener Herren vor ungefähr drei Jahren, als bürgerliche Elemente gegen das Statut Sturm gelaufen, Ordnung im GemeindehanShalte, Rechnungslage über die Gebahrung der Gemeindekaffe, Einführung von Ersparniffen und Oeffenilichkest der Sitzungen verlangten. Da waren eben jene Herren, denen noch kein Rabbiner.zur Seile stand, diesen Forderungen mtt einem vornehmen Jgnoriren begegnet, und suchten den alten Vorstand ausrecht zu halten. Heute, nach drei Jahren find sie die Volksvertreter und «ollen e« nicht dulden, daß die Intelligenz unter drei Kurien «st der erste« und höchstdesteuerten wählen solle», und da die Höchstbesteuerten zufälliger und möglicher Weise die Quast- Ortbodoren (eigentlich die Ornsteinstchen Familienglieder) die Majorität haben — so wäre e« leicht möglich, daß die Intelligenz auS dem Vorstande oerdrängt werden könnte. Diese« übersieht die Partei der Intelligenz nicht, und der Vorstand thut daS Seinige, um die dem Volke insinuirten Befürchtungen niittelst Plakaten und Wählerverfammlungen zu zerstreuen. Die durch dm Vorstand veröffentlichten Belehrungen, ivelchc durch Würde »ind Sachlichkeit vor dem Geschwätz de« Drei - Männercomite sich auSzeichnen, dürften vielleicht vortheilhaft auf da« irregesührte Publikum wirten. Ter Verein Schomer Israel, besten Verdienst e« Ist, auf die Ausarbeitung eine« Statuts hingewirst zu haben, schließt sich unverhohlen den Bestrebungen der Besonnenen an. Ich nieine aber nicht irre zn gehen, wenn ich die Behauptung ausstelle, daß die Intelligenz de» Sieg davon tragen wird. Jeder Wähler hat dem Sinn dafür, schon vom Hause aus keinen Klausner zum Genieindevertreter zn wählen. — Einiges als Rachtrag zur Fränke'.'schen Affaire: ES ist eine alte Erfahrung, daß wenn einein Juden oder einer Gesammiheit von Juden etwa« 2 öse» geschieht, diese« sehr oft von Eonvertitcn oder Zeloten ausgeht. Diesesmal geht es von den Zeloten in Belz aus. Der selige Fränkel gehörte der freie rn Richtung an, d. h. er huldigte keiner Rebl-eanbelung, und zog sich so den Haß des Beizer Zadik zu, da er al« reicher Mann diesem Z. tributpflichtig sein sollte. Die Anhänger dcS Rebben juchten ihn daher zu verfolgen und trugen nicht wenig zur Aufstachelung gegm ihn bei. Gegenwärtig weilt dieser Rebbe in oer Metropole Galiziens bei einem der Patrioten. Obschon augenletdmd, nimmt er, sehend und nichtsehend, Pidjonini und ordinirt in allen Krankheiten des Menschen — auch in Frauenkrankheiten. Andere Rebben, wie z. B. der MaSzkower, Zydahzower und Olesker sind Seelenärzte, Psy*) — chiari, treiben Dybyt ** au« hysterischen Frauenspersonen und heilen Wahnsinn. — O, welcher Wahnsinn! Haben wir noch Grund über unsere Vorfahr« vor 4000 Jahre» zu klagen, die sich vor einem goldene» Kalbe bückte», wenn heute Schaaren von Inden — de« Am’chocliom wenowon— vor einem Lehmkalbe herumtanze» Es fehlt noch das dafür aber — patt tn*rp — u. j. w. In dem hiesigen Tempel versanimelten sich am 8. d. M.! eine auserlesene Anzahl Glaubensgenosieu, um dmr dahinge-! schieden«» Rabbiner Löw, welcher vor 25 Jahren um den I lemberger Posten concurrirte, die letzte Ehre zu erweisen. Hr.! Rabb. »: Prediger Löwen,lein, gegenwärtig etwa« angegriffen,! setzte in '/.ständigem Vortrage die Bedeutung des t.abb. Löw | auseinander und schloß mit einem rührenden Gebete für sei» i Seelenheil. Der hiesige Eantor, Herr Bachniann, verrichtete, wie immer, tadellos sein Gebet. Schlecht sieht e» aber mit der Orgelbegleitung aus. Chor und Orgel gehen ganz auseinander — und übm eine» schlechte» Eindruck aus. Die Einführung der Orgel ist erst wenige Wochen alt und har weniger Opposition hcrvorgerufen, als man Anfang« vermuthete. — Es ist eben mit denl Beten nicht gut bestellt, vor kaum 2 Jahren war der hiesige Tempel dem Verfalle nahe. Der Prediger predigte vor leeren Bänken, und ebenso wenig war daS eigentliche Tempel-Publikum zum Erscheine» an den Feiertagen zu bewegen. Man muß daher alle modernen Reizmittel anwenden, um die Schwindsucht im Beten verschwinden zu machen. Daher ist die Acquifitwn eines berühmten Cantor» und Chor« eine förmlich« leben-rettende That seiten« der Tempelverwaltung; nun ist dieser Mittel bald nicht mehr neu, daher Orgel — al» Reiz der Neuheit — gut am Platze. Pest. Ueber Eduard Horn geben wir nachstehend de» in mehreren Blätter» abgedr»ckten Nekrolog: •) PXMsch: ftw* - ••) Mf« «etst.