Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5938014--2893-5372329- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
379 «fcMtaUn zwischen br* gegenseitig ansgewechselt warta, mixte bat Thema «»irres Gespräches aus die politische L i« Rnmäuieus im Lll-e>nei»eu und speciell ans die obfchwed. rbewußte Handelskonvention gelenkt. Der Rumäne m»chl«. seine« diesbezüglichen Aeußerungen und Bemerkungen starke >NssLllr gegen den patriotischen Rationalgeist und die Regiernugsfähigkeit der rumänischen Ration, welch« mich in Erstaunen setzten, da es mlr nicht einleuchten wollte, von einem Rnmänen»w«»u auch einem UntiNhan eines fremden Staate», solch eine, jedes rumänisch« Rationalgefühl hinwegleugnende, Sprache zu vernehmen. Um nun die Aufrichtigkeit und ven vollen Ernst seiner vehauptilng zu erproben, stellt« ich mich als eine« A l» Eogoluicsnu und Braicanu eingefleischten Rumäne». Nachdem ich ihm hinsichtlich der Lonveniion die von der Opposition geltend gemachte» Gründe im Geiste ihrer lden auseinandergesetzt hatte, mast mich mein rumänischer isegtfährte mit groben Augen, seine Züge zeigten Erregtheit, seine Zunge setzt« sich rasch in Bewegung, und «i»< Eündfluth harter schonungsloser Worte brach über mich resp di« rumä,lisch« Ration (denn er hielt mich für einen Rational-Rumäuen) herein: „Ihr seid an Geist und Herz verkommen", fuhr er mich an, „mir Eurer angekränkelten Ratioualpolitck; eitle, nichtssagende, kindische Phrajengespinuste sind es, womit Ihr, das schimmernde Licht de» neunzehnten Jahrhunderts trübend. Euch breit zu machen sucht, Ihr. di« alleinigen, würdigen, makellosen, gottgefälligen Herren der rumänischen Muttererde, und die österreichischen, ungarischen Unterthaveu, wenn sie zu Euch kämen, B igabunde»! — 0, welche Ausgeburt einer regellosen, uuausgebildelen Phantasie, Die Menschheit verleugnen, und doch als geistig civilisirtes humane» Bolt gelten zu wollen! — Welche Gewaltthätigkeit von Seiten eine» erst vor kurzem durch fremden Impuls (welcher von Augen kam) zum sogenannten politischen Bewnßtsein gelangten Bältchen», den heiligen Freibrief der Selbst- «rhailnng, de» der große Baumeister aller Weiten de» Menschen nnterschiedlo» mir den Worten: „Gehet hin. beherrscht das Erdreich und Alles, was darin!" ertheilte. durch ein Li- «nz Gesetz luobificiren zu wolle», indem es de» in oen Ruralgemeindeu wohnenden Unterchaneu, resp. Juden, die neue Lehre als Machtwort verkündete: „Bon Allem könnt Ihr irden. Euren Erwerb ziehen, nur vom Baum der geistigen Getränte (o welch ei« Baum der Eikenntulß!) nicht, denn am Tag«, da Ihr von ihm effet, trifft Euch di« eiserne Faust des Gesetzes!" — Hier spiegelten sich Ironie und Berachtung in seinen Zügen. Ich, um meine Rolle als eingefleischter Ralional-Rumäae nicht zu v.rralhen und vollends ausspielen zu töuuen, erwiderte meinen» sanguinischen Reisegesährte» im Tone eines tief Gekränkten, daß er in seinem Eifer und seiner Begeisteruug. wenn auch zugegebenen Falle» für die gute und heilige Sache, zi» weit geh« und keine Grenzen kenne, wo . . . Roch wollte ich weiter ausführen, „wo Patriotismus zu schweige» gebeut" — aber meinem Reisegefährte» riß die Geduld, er schien dieser meiner Bemerkung wenig Aufmerksamkeit schenken zu wolle», und doch wußte er bereit«, wa« ich erst aussprechen wollt,. Denn er fuhr fort mit derselben Ginth i« Ausdrucke wie zuvor: „Laßt uns vorurlheilsfreie, von Patriotismus unbefangene Richter sein, Ihr müßt dann meia gefällte» Unheil gutheißeu. Wie sollen wir für «ine Ration, wenn wir auch derjetbea angehöreu, die geliebt, geachtet werde» will, aber selber nur ein gelheiites Gefühl und «in unlauteres Berständniß für die Ausübung dieser hohen und doch natürlichen Tugenden hat. in unserem unpartheiischen llrtheil Rücksicht üben? Rimmeruiehr! Wer von Alle« geliebt und geachtet werden will, inuß auch All« zu lieben und zu achten wissen! Man wende mir ilicht ein, daß die rumänische Regierung manche Restriktionen aus diesen oder jenen Gründe», so gegen den jüdischen Stamm z. B„ schaffe« mußte, diese all« sind sophiitisch«, unwahr«, dem Geift« mittelalterlicher Anschauungen entsprungene Gründe, — wem das Herz seiner Stell« nicht entrückt ist, der sieht di« Herzlosigkeit dieser Restriktionen genug rin. — Ich weiß, Sie wer» den diese «ein« Ansicht ein« kosmopolitisch« schölten, aber st« ist nnr das Product einer unpart.i-schen Anschauung jedes gutdenkende» Meushen. Wollen unsere rumänischen Brüder als cioilisirtr Mensche» gelten, so «üffen sie sich von dem ihnen anhaftenden Borurtheil und ihre« Dünkel loszuschäie» suchen lind mit der von ihnen nicht' erkämpften politische« Freiheit kein Prio rt-Eigenihum begründen, da fl« sonst dem adoptirten Geiste des civilisirten Europa nur Hohn iprcheul" — Ich wollte meinem Anti-Rational-Rumänier noch irgend welchen Einwurf machen, aber ich merkte, daß wir mit ungleichen Waffen, er mit Ueberzeugung. ich mit Sophismen zu kämpfe» hallen, und ich ihm nothwendig unterliegen müßte. So brachte ich denn die Eonoersalion auf die sokiale und Eultur- Stellung Rumäniens. Ich behauptete, Rumänien Hab« in verschwindend kurzer Zeit sowohl auf dem volkswiffenschafllichen, wie auf dem Eullurgediete, Riesenschritt« gemacht; Eisenbahnen sind entstanden und eutst.he» im nerfort (stla>es«e« Piedeai und Aojud Okua). Di« finanzielle Lage des Landes ist ein« geregelte. (?) Di« Industrie ist im Werden begriffen. Der Geist der Rumänen nimmt seinen Anlauf zu modernen Einrichtungen. Manch« Lücken im gesellschaftlichen Leben sind oortheilhast ausgefüllt. Die rumänische Ratio» hat gegenüber andern Lasallen-Staalen der Pforte (als S-rbieu, Montenegro, Bosnien, Herzegooiu») ein« gewaltige Intelligenz und hochgelehrte Männer aufzuweiseu. Die Mod«, resp. der Luxus, diese zarte, romantische Pflanze der phantastischen Industrie und Ranft de» hochrioilisirten Europa, steht oei uns in größter Achtung — unsere Damenwelt huldigt ihr leidenschaftlich. Selbst bei unserer Bauernklaffe wurde der Sinn für großstädtischen Geschmack und Farbe wachgerusen. Ein Beweis, daß di« rumänische Ratio» in soz aler Einsicht gewachsen ist und Sinn für» Gut« und Schön« hat. Mein rumänischer Reisegefährte schalt mich fast unverhohlen einen Erzlügner u,ld unbescheidenen Prahler. „Ihr habt ein« mylhenbildende Phantasie", sagte er schalkhaft zu mir, „wer hat Euch sonst dies« Mähr der rumänischen Glückseligkeit gelehrt? Glaubt Ihr etwa", fuhr er gutmüthig fort, „durch Eure Aufzählung von gedachte» guten Institutionen, die Ihr in patriotischer Gutwilligkeit unjeru rumänischen Landern zuschreibt, meinen Unglauben zu beirren? Becgedensj Ich kenne alle di« Fortschritte und Errungenichafleit Rumäniens zu gut, als daß Ihr mich auj's Korn nehmen könntet, iviffel, es find uur schwach«, matte Erscheinungen, blendende Irrlichter, welch« am Euilnr- Horizonle der Rumänen wei.eu, eine I,»dustr»e ferner, welche erst creirl werben muß, pflegte man „nichts" zu heißen. Daß die Existenz des Luxus, diese» jchleichenoea, Ruhe stehlenden Gauner» in Eurem Ländchen Euch geradezu alS ein« Gnade de» Himmel» erscheint, läßt mich fast permuihen, daß Euch ein Theil der Sinne abhanden gekommen sei. Der Luxus ist ein Feind des Menschen, ein Ruin de» Voltes, untergräbt den Wohlstand der arbeitenden Klaffen. W, ich trauriges Loos dem arnleu Rumäuier, von diesem Tyrann.n auSgedeuttl zu werden Unser« Krauen hitldigea dem Luxi^ nicht, sie kleiden sich einfach, aber neu." (Forts, folgt.) Frawkretch. Paris (Bericht der Alliance Jsr. Uni», für Oktober.) Reu« Mitglieder: 16S. H. Baron v. Hirsch, der neulich die Knaben- und Mädchenschule vou Ruftschut besucht und sich über dies« Anstalten einen Bericht hat zuschicken lasten, übersandte de« E.-Eomite eine Gumnu von 13,650 Fr. zum Ankauf und Ausbau der Häuser, in denen dieselben untergebracht sind, und wird außerdem während der nächste» S Jahre zur Unterhaltung derselben «in« Summe von 3400 Fr. ausgeben, indem er hofft, daß «ach Ablauf dieser Zeit die dortige Gemeind« di« Ausgaben ihres Schnlbudget» selbst wird bestreiten können. Di« HH. von Eamoudo haben für di« Schul« von ll alata (Eonstantinoprl) ein« jährlich« Subskription von 1000 Fr. versprochen, und H. Alex. Sidi in Smyrna hat