Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5938014--2892-5372328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iRt|ktxrt (Or.-Lorr) Lin hiesiger jüd. Fleischer, der wm Rabbiner früher für bn» verkanf koscherer Fleisch- «. Wurst waaren autorisirt «Sr. hat Kch seit einigen Wochen diese« Vertrauen« unwürdig gezeigt, er lieh nicht mehr von de« vamit seiten« de« Rabbiner» beanstragten Schlächter schlach en. konnte sich über da« Alte r de» al« koscher verkauften Fleische« nicht auSweisen. hatte an eine jüd. Restauration Hinterviertelfleisch verkauft, ohne die ftenntniß de« Eutadernt' dieser Tbeile zu besitzen und batte vcrig« Woche sogar die ftiihnheit. eine gestochen« Fettgan» al« koscher geschlachtet au eine jüd. Familie zu verkaufen Dieser Fall kam zur ftenntniß de« Rabbiner«, ward constatirt. und da zu befürcht, n stand, daß von dieser Sorte noch mehr aus Lager sei. li. ß bnr Rabbiner sofort durch die .Magd. Zeit." bekannt machen, daß der betr. San«- u Fleischverkauf den relig. Ansorder äugen nicht mehr genüg». Al« Tag« darauf jener Fleischer Imrch dasselbe Blatt seine .koscheren" Gänse empfahl, sich auf die Quelle, au« welcher er dieselben beziehe,*) und unter Andern ans die Autorität de« Berliner Rabbinat« ber-ef, — <« fehlte auch sonst darin an unwahren Angaben nicht — hielt sich der Rabbiner nochmal« veranlaßt, kurz ohne vollere Ramrnnennung bekannt zu geben, daß ein jüd. Fleisfler, der gestochene Gänse al« koscher verkaufe, jede« relixiSse Bertrauen verwirkt habe. Am darauf folgende« Sabbath wurde die» im Tempel in einer Ansprache vom Rabbiner näher motivirt. Daß e« in den nächsten Rümmer» de. .Magd. Zeit." nicht an Erwiderungen au« den Kreisen jene« Fleischer« fehlte, läßt sich denken. Interessant ist e« nun zu sehen, von welchem Gesichtspunkt, au« dergleichen in jüdischen Preisen einer- und in christl chen andrerseits betrachtet wird Während man in jenen hie und da darob die Rasen rümpfte, daß man solche Bekanntmachungen durch die Zeitung geben laffe, man müsse sich (l»ei der table d’höte!) vor den christlichen Mitbürgern genirin, so etwa« gehöre in den Tempel, (wohin die Herren alle fsesttage einnial kommen) und nicht in ein GeschäfSblatt unter gewerbl. Annoncen (als ob c« sich dabei nicht auch darum gehandelt hätte. Irma »den» da« .Gewerbe" zu legen) — erklärten gebildete Christen, daß sie e« ihrerseits al« einen Forts chritt und al« ein« Wohllhat ansehen würden, ivenn unter it ne» Jemand sich fände, der ihren Fleischern auf die Finger sähe, und e« öffentlich bekannt »lachte. wo man der Gesundheit unschädliche Fleisch- und Wurstwaaren bekäme. Die Trichinen-Echau genüge nicht.**) — In der Thal hat auch der hies. Eonsumverein, der eine Fleischerei für seine Mitglieder unterhält, beim Rabbiner angefragl, welchen Modalitäten er sich beim Schlachten zu unterziehen hätte, damit da« Fleisch auch an Jt raeliten verkauft werden könne. — Israel, wir erleben'« noch, daß keine weise» Schlachtu. Speisegesetze, die Du vornehm ignoril st. von nicht israelitischer Seite zu Ehrrngebracht werden — Bei einer hier nöthigen Nachwahl wurde der Rabbiner in einem vom Israeliten wenig bewohnten Stadttheil von ver 3. Abtheilung einstimmig zum Wahlmann gewählt. 8»» Rhein Die Hetzartikel der .Germania" finden auch in der .deutschen BercinS-Üorr.spondenz" eine treffende Erwdervng in einem Artikel, dessen Ueberschrift .die Rheinisch,» Gründungen und die Ultranioatancn" schon errathen läßt, in welcher Weise dem Blatte heimgeleuchtet und heimgezahlt wird. E« genügt daher, bier einige Sätze mitzutheile«. .Wie >„ der .gut u alte» Zeit", fehlt Heuer auch da« Hept cp-Grschrei nicht, und müffen natürlich die Juden wieder herhalten Schmachvoll ist e«, wa« die .ftreuzzeitung" und die ..Germania" in deSfallsigen Artikeln geleistet haben . . . Aber die Juden haben e« nicht allein zu büßen, — die ul« tramontanen Zeitungen erklären den Schwindel geradezu al« ”) (St will diese Sau« von der Fleischhandlung v. in Berlin bekommen haben. "*) Jüngst hat der chultutnnnifter di« hies. Aeaterung darauf hi», -»wies«», ihr besonder«« Augenmerk auf solch« Fleischbeschau« zu richte». 14« öfter« Tager«»bigung«» eintreten lassen, «oent. gegen dieselbe» «injulchreitm. ein« Schöpfung de« LiberaliSmu«. — >l« ob schwindelhafte Unternehmungen von bestimmte religiöser oder politischer Färbung nicht gerade, ja ausschließlich unter der Firma deü UltramonlaniSntu« entstanden wären, fromme Werke klerikaler Rächstenliede, die mit de» Gerichte» iu höchst unangenehm« Berührung gekommen I Wer erinnert sich nicht an die Spitzeder, den pä stlichen Grafe» Langrand-Vnmonceau, der nicht wie andere bescheidene Gründer in seinem Prospectu« einige vornehme Leute, sondern den Papst und Gott selbst herangezogen? Gab e« doch sogar in Pari» eine banqne des meases, wollte man doch in Berlin eine .katholische" Bank gründen, die aber selbst in der Schwindelzeil kein.' gläubigen Aktionäre fand. Roch in neuester Zeit übertrifft Phillipart an Großartigkeit seine« Krach» alle andern, nnd der frühere Fiuanzminister der Ultramontanen in Belgien, Jakob«, ward vor einigen Wochen Mit einer Berläumdungrtlage gegen liberale Z.ilaug.n »bg wi sei«, obschon dideaiuptet hatten, er veikaufe seinen Runen an Aktiengesellschaften. Dem frommen Biedermann war» in d r gerichtlichen Verhandlung nachgrwiesen, daß er für bloße« Zusehen al« Berwalt»ng«rath die Kleinigkeit von 100,000 Frc». beziehe. Und diese Menschen, in» Bereine mit Zocialdeinokraten nnd wa» sonst alle« damit znsammenhängt, fabeln von einer Plulokratie, di« de« Staat beherrsche und die arme betrogene Menge in schwindelhaften Unternehmungen au»sauge!" J»»»rarl«», 31. Oktober. Am 23 d. M. verschied nach kurzem Krankenlager im 74 Jahre seine« Leben« der Stadtrath und Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Raphael Schlesinger. In ihm verliert die Stadt eiue« an der Förderung der kommunale» Angelegenheiten stet« thrstnehmenden Mitbürger, die jüdische Gemeinde ihren für da« Wohl der Gemeinde fürsorglichen Borsteher, da« orthodoxe Judenthuin sp.ciell einen gründlichen Renner und Pfleger de« Talmud», der in sehr schwierigen Partien einen scharfsinnige« Eommenlator in dem Verblichenen gefunden hatte. (Manuskript geblieben.) In letzterer Beziehung sagen wir nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß Schl, von den Jüngern de« großen Talmudisten R Atiba Eger zu Posen einer der hervorragendsten gewesen ist Trotz der streng talmudischen Richtung, der Schl, angehörte, war er nach Weise der älteste» Talmudisten der früheren Jahrhunderte den profanen Aiffenschaftrn nicht abhold, sondern dem Fortschritte derselben stet« zugewendet. Dieser Umstand erklärt auch seine Toleranz gegen Andersdenkende. Bei der dem Leichenbegängnisse am 2S. vorangehenden Todtenfeier in der Synagoge, wo sich außer den Gemeinbemitgliedern auch die Vertreter der hiesigen städtischen Behörden eingesunden harten, sprach der Rabbiner Herr vr Rohn*) in beredten Worten über den harten Berlust, der die Gemeinde durch den Tod ihre« Vorsteher« getroffen, indem er die Bedeutung de« Verstorbenen in» Licht setzte, der al« Mensch, Bürger und Israelit seine Ausgabe im Äben so schön za erfüllen wußte. Da« zahlreiche Gefolge beim Leichenbegängniffe selbst zeugte von der Theiluahme, die der Tod de« Herrn Schl, bei der hiesigen Bevölkerung heroorgerufe« hatte. Auf dem Friedhofe sprach der Schwiegersohn de« Verblichenen, Herr vr. Mendel au« Stettin, erhebende Worte de« Tröste«. (ft. SB.) Oefkerretch. I. F. Kpkscha». (Reisebilder au» Siebeubürge n. II.) Von Kronstadt reifte ich mir der Eisenbahn uach .Agustin - Voloa", einer kleinen Eifenbahnstatio», von wo ich per Achs« weiter reisen sollte. In dem Coupä, in welche« ich ringcstiegen war, befand sich auch eia wohl au«seh«»der, im kräftigste« ManneSalter stehender, siebenbürgischer Rumäne und eine junge Rumänin, welche nach ihren seinen angeneh» uien Zügen, wie durch ihre «tajestälisch« Haltung, eher der aristokratische» al« der vürgerklaffe anzugehüreu schien. Der Faden zu einer rumänischen Eoaoersatiou ward bald angespönnen. Nachdem die üblichen HöflichkeitSaFragen über di« *) Die Leich« mb brt**» nicht in G» ««■»»>,, »»«acht wrtab

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.