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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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369 A. Ksfchmi», November. (Or.«€*rr.) 9m 36. October erstattete der Vorstand de« Urmenoerein« Bericht über feine Am1«thätlgkeft seit dem S. Jali 1874. Die Einnahmen betrugen 978 M. IS Pf., von denen ISS M. 8S Pf freiwillig« Gaben find. Die Ausgaben: I) an 430 durchreisende Parteien 446,10 M., 3) an die Darlehntkaffe 413,40 M., S) Unterstützung an Hiesig« und Unkosten 79,70 M. Die Darlehnstaffe, welche 963,61 Mark BermSgen hat und 310 Mark von dem Krankenoereill geliehen hat, machte 76 Geschäfte im Betrage von 4784 Mark. Im neuen Geschäftsjahre sollen nur Darlehen bi» SO M. unvrrzinft — von SO M an gegen 3*/, per anno — ausgeliehen werden, damit auch der bessere Kleinbürger fich nicht scheue, von der Kasse zu leihen. lvecherreich. -»»Hai. Uebrr den Prozeß Frenkrl, bzw die Haft und de, Tod des Jnquisiten, bringt der „Scmb. Jsr." nachstehende, auf verläßlichsten Quellen beruhend« Darstellung. Da die Sach«, traurig an fich, noch weitere Folgen haben wird, so geben wir de» Bericht vollständig wieder; man wird fich danach so ziemlich ein Urtheil bilden können. »Mendel Frenkrl, ein überaus strenggläubiger, den besten Familien anaehörigex, wohlhabender Realitätenbefitzer in ilubaczow, welcher früher nie bestraft worden war, und dem, nach den Zeugniffen der dorttgen Behörden, mit Ausnahme dessen, daß er hohe Zinsen beim Edelmann und Bauer zu nehme» pflegte, gar nichts vorzuwerfe» war, wurde noch im vorigen Jahre wegen zweier wider ihn gerichteten Anzeigen wegen Betruges in Untersuchung gezogen. In dem einen Fall« handelte es fich wegen einer angeblich listiger Weise entlockte» Eigeuthumsauerkennurig eines von Mendel Frentel gekauften Grunde«, der vom Besitzer und angeblich Beschäbigtigte» mit dem Werth von SOO fl. b-ziffert wurde; im zweite» Falle wegen riner angeblich einem Bauer vor mehreren Jahren entlockte» Erklärung, wonach dieser fich verpflichtete, ihm im Falle der Nichtzahlung eines Wechsels p. 113 fl. SO kr. eine Eonventionalftrafe von IS kr. täglich zu bezahle»; ferner soll Mendel Frentel im letzteren Falle eine Aussage der angeblichen Belastungszeugen zu seinen Gunsten angestrebl haben. Etwa im Jänner 187S und Anfangs Feber erschiene» in der Goxeta NorodOwa mehrere Eorrespondrnzen au» Lubarzow, welch« den Mendel Frenkel mit Koth bewarfen nnd ihn als ei» Ungeheuer unter Anführung zahlloser Lügen schildeneu. Bald darauf etwa am IS. Feber l. I. wurde Rendel Frenkel beim hiesigen Strafgericht« zum Unlersuchnngsrichter Gwiazdon vorgeladen und über ihn die Untersuchungshaft aus Grund des §. 175 Lit. 3, 3 und 4, verhängt, nämlich sowohl wegen Fluchtverdachtes (weil bei ihm ei« älterer Paß »ach Rußland gefunden wurde) als wegen Eollufio», als auch wegen Befürchtung der Thatwirderholuag. Welch« besonderen Umstände die Präventionshaft hier rechtfeNigen sollten, blieb unausgeführt! Die Haft selbst nmrdr tu einer Weise in Vollzug gesetzt, als ob man «» mit einem der gefährlichsten Verbrecher zu thun hätte. Der Jngntfit wurde von der Außenwelt abgesprrrt, und die Zubringuug von Kost an denselben von Außen gleich strenge untersagt. Da Rendel Frenkel, wegen seiner Strenggläubigkeit, di« nicht-koschere Gefängnißkost nicht genießen wollte, so hatte diese Maßregel de» Erfolg, daß er auf trockenes Brod und Wasser gesetzt war. Erst nach circa 40 Tagen*) fand fich der Untersuchungs-Richter bewogen, ihm kalte Speisen — «der nur kalte nnd nicht warme — von Außen zudringen laffen. Da die Beschwerden nnd Bitten bei den Präfin sehr wenig halsen, und die Haft auf Grund jener Lit. *1 Wat sechswschentlich« MenrrttzeUu», zu Wasser und Stob ist itam gu «. Ul. Born dH, *•« dem-. z»s Last »etezt »ued«, drnsach »ahr mtn, s« Itmmt immer »ach (am etr«f« heran«, die dieser Prsnenrt». HG» —n iHtiem thntich dir», (Red. d. I. «.) 4 über zwei und drei Monate hinaus fortgesetzt wurde, so sahen fich die verwaadlrn des Jnquifitea genöthigi, beim Hrn Justizminister Beschwerde zu führen, welche Beschwerden, da die verwandten den RechtStitel der Lit. 4 «och nicht kannten und nicht ahnten, zwar ungerecht, übertrieben und boshaft waren — aber immerhin den Erfolg halten, daß die Behandlung iw» Jnquifitea eine viel bessere und humanere wurde. Aber die Präventivhast blieb aufrecht, ungeachtet deffen Eau.ion und alle möglichen Garantien angebolen wurden. Rendel Frenkel ward inzwischen in Folge der erzählten Prävention ernstlich krank, magerte zusehend« ab, verlor au Kräften, hatte keinen Appetit und erbrach alle« Genossene. Aerztliche Konsilien fanden wiederholt statt, und gewichtige ärztlich« Autoritäten erklärten einstimmig den Zustand de« Patienten für sehr bedenklich und sahen nur in deffen Freilassung und sorgsamer Pfleg« in freier Lust, allenfalls auch in der Traubenkur, das einzige Mittel, ihm da« Leben zu erhalten. Aber alle diese Erklärungen wurden nicht berücksichtigt, trotzdem die Gerichte «ad Odergerichte förmlich mit Gesuchen üderfluthet wurden und angesehene glaubwürdige Personen sich für den unglücklichen Jnquifitea verwendeten. Alle Bitten wurden m t dem einfache» Hinweise auf Li«. 4 de« §. 175 5t P. O. abgeschlagen, als ob die Freiheit des sterbenskranken Manne« die Gesellschaft mit der größten Gefahr bedrohen möchte. Roch am SO. September 187S, wo die Untersuchung nach 7'/,monatlicher Dauer schon gänzlich beendigt war, wurde da» Freilaffungsgesuch verworfen, und der todtkranke Mensch in« Jnquifiteaspital überschickt. Der Unglückliche hatte nur noch Einen Wunsche nämlich außerhalb de« Gefängniffes. bei seiner Familie zu sterben. Man recurirte daher nochmals zum Oberlaudesgericht. Man urgirte am 10. October schriftlich die Erledigung de« Rekurse« — am 19. October starb Mendel Frenkel — dann erst wurde» die Akten in aller Eile dem Oberlandesgericht zur Entscheidung vorgelegt, und diese« bestätigt« nach dem Tode de« Jnquisiten die «rstrichterliche Entscheidung,' wa» freilich schon Niemanden wehthat. Dir Behandlung de« Unglücklichen im Jnquisitenspitale während der Zeit seine« Dortseiits verdient übrigen« alle» Lob." Szegeds», lleber den verewigten Leop. L ö « geben wir zunächst euuge biographische Notizen. Er war am 11. Mai 1811 geboren und stirb am 13. Oktober d. I. Abend« nach 9 Uhr. Er war einige Jahre Rabbiner in Papa, hctrathete eine Tochter deS el.)> ee ldbiaerS 2 hwab zu Pest, und trat dann die Stelle in Szegedin an, welch« er fast 35 Jahre bekleidete. Außer einer großen Zahl von einzelnen, in oerschiedenen Zeitschriften erschienenen Abhandlungen u. dgl gab er 10 Jahre hindurch ein eigene« Blatt „9ni Ehananjah" heraus Größer« Werke von ihm sind seine „Beiträge zur jüdischen Alterrhumskunde", und sein letztevor einem Jahre erschienener „die Lebensalter" betitelte« Buch. Er war ein Mann von großer, vielseitiger Gelehrsamkeit, al« bedeutender Talmudist auch von den Gegnern anerkannt. Seine Werke enthalten überall anregende Gedanken, selbstständige Forschungen, wenn auch viel Unhaltbares und Subjective«. Seine religiöse Richtung und seine Bctheiligung an den Synoden zu Leipzig und Augsburg dürfen al« bekannt rorausgesetzt werden. Z» den Parteikämpsen in Ungarn nahm er in den letzte» Jahren eine mehr reseroirte und isolirte Stellung ein, d. h. er stand, ohne eine Mittelstellung zu suchen oder zu beanspruchen, doch auf keiner von beiden Seiten. Er konnte nicht mit den Orthodoxen und wollte nicht mit den Eoagreß« lern gehen. E« hat Aufsehen erregt, daß er vor einiger Zeit, als er am Sabbath in Pest war, nicht den Eultustempel sondern die orthodoxe Synagoge besuchte. Doch ist hier weder der Ort, noch jetzt Re Zeit, um über seine Partetftellung im Allgemeinen oder die seiner letzten Lebensjahre zu sprechen. Sein Leichenbegängutß war ei» sehr großartigr« ungarische Blätter gaben darüber an«fützritche Berichte. Außer seinem theologische» Wirken, nnd von demselben ffk da« her-

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