Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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vomuhrbe«, va« er zur Lhre und zur Hebung der vaterländischen Juderhett gelhan hat. »m Hauptsitze de« eigentliche« Magyarenthr m« lebend und der ungarischen Sprach« mächtig, hat er sich iu dieser Beziehung sehr hohe Verdienste erworben und — wie wir vermuthen, «ehr al« irgend ein ungarischer Rabbiner oder Laie — dazu beigetragen, den Juden in Ungar« Sichtung zu erwerbe«. Echo« seine rege patriotische vetheilijjung an den Ereignissen de« Jahre« 1848 hat viel dazu bei Magen Holland. Antsterbt«- (Or.-Torr.) In einem meiner letzten Bericht« erwähnte ich, daß unter der Redaction de« Herrn R. Roest eine jüdische Zeitung erscheine, welcher jede 4 Wochen eine „Letterl>ode“ beigefügt sein werde. Bor mir liegt Rr. 17 de« ^Israelitische Nienr/sbode“, und heute ist e« wohl an der Zeit, über diese Zeitung ein Urtheil abzugebe«. Wir warnten bei ier Snlüadigung dieser Zeimng, der Redacteur möge nicht in denselben Fehler verfallen, den wir bei den andere« in tzilland erscheinende« jüd. Zeitungen entdeckten, uämlich über jeden unbedeutendsten Vorfall in irgend einer kleinen Gemeinde einen umfangreichen Bericht aufzunehmen. Herr R. scheint diese« wohlgemeinten Rath im Ange behalten zu habe«; ohne di« wichtigen auf jüdischem, socialem und cultueilem Äben sich ereignenden Vorfälle zu übergehen, hat er vor Allem seine Ausmertsamkeit ven bedeutenden Vorgängen in der Indent eit außerhalb der Niederlande zugewandt Obgleich ohne Oiiginalcorrespoudenten im Au«lande, benutzt er di« in Frantnich, England, Deutschland, Lmerika u s. w. -rfcheinenden jüd. Zeitungen und macht an« ihnen paffende AuHüge, wobei er niemal« da« Wiffenschastliche übergeht. Dir Richtung de« Blatte« ist streng-orthodox, ohne iu einen fanatische« Don, wie er di« deutschen orth -jüd. Zeitungen alltzusrhr verunstaltet, zu verfallen. Diese« beweist auch der „Letterbode* Schon in der erste« Rümmer vom 30. Juli, in de« erste» Aufsatz, überschriebeu „Een literarisch Wonder* (ein literarisch Wunder) tritt Herr Jakob Hoofien für den von dem Mainzer jüd. Krittler, Herrn Lehman, in den Staub Sperrten groß«» Frankel ein und weist nach, daß Herr Lehman — wa« wir übrigen« schon längst wußten — den *]’“! und di« nicht versteht.*) Der „Letterbode,* «elcher noch e nige andere interessante Aussätzi übet Isaak Aboab u. s. w ritthält, verdient alle Anerkennung und wird gewiß nicht ermangeln, da« wiffenschaftlich« Jntereffe unter de» Juden Holand», welche« dort noch sehr im Argen liegt, zu wecken und zu fördern. Weniger günstig lautet da« Urtheil über ein andere« fast zu gleicher Zei neu in« Lebe« getretene jüd. Blatt, da« den Ramen „onaftaukelyk israelitisch orgaan voor Nederland* führt und von Herr« S. L. Knoek herau«gegeben wird. Diese« Blatt, ivelche« man «i» OppofitionSblatt neunen kann, richtet seine Ai griffe gegen die Vertreter der Amsterdamer Gemeinde, da« 'Seminar, vor Allem aber gegen den seit einem Jahre neu angestellten Oberrabbiuer Dr. Dünner. Wir »ollen durchaus nicht gegen alle Angriffe al« vertheidiger auftreten, denn jeder Mensch, der ein öffentliche« Amt bekleidet, muß sich die Kritik gefallen lassen, und Bottlod jüdische unfehlbare Päpste hat'« nie gegeben und wird« auch nicht gebe«, und wenn man bedenkt, daß die Amsterdamer Se- «eindr über 2.’»,000 Seelen zählt, darunter ultru-orthodoxe und kalte Jndiffereute, hochgebildete Juristen und abergläubisch« Lastträger, grosi« Talmudgelohrte und Siddur-Lamdonim, so liegt e« nahe, i,aß der Rabbiner unmöglich bei jedem Schritt und Tritt die;anze Gemeinde hinter stch habe» kann, aber die Art und Leis« de« Angriffe«, der To«, den da« „onaf- *) Dssseib« uab «ehr noch hm der ^l. «mens de« Lehmmm'schen tommeMars, Hr. Raph. Nirchhed», i« „Hawsgid* durch mehrere Nrn. ih« grOndttch «fer Hr. L schweigt'. Und gerade da, t» hedr. «t.. wäre j< »er Geeignetste Ort, «amu». Dtgeusfidnen zu sdhren und di« nachgemieene» grrthSmer zu widerleg«». Schweiz» ist Metch. »«deutend mit haukelyk* (unabhängige) -Blatt auschlägt.,jflriua« j^e« anstädlgeu öffentlichen Organ« unwürdig. Genstß, diese« Blatt ist „unabhängig*, aber „unabhängig* von Anstand und Selbst- «ürd«, von der ßkückfichtönahme, du man gegen jeden geistlich Vorgesetzte« zu beobachte» hat. Kritik schadet.nirgendwo, im Begentheil sie nützt, ,uud eia Blatt, da« von aus Wahrheit beruhender Krim redigirt wird, würde in Holland, fl» alle übrigen jüdischen Zeitungen au« einer Richtung blasen, großen Nutzen verbreite» können, allein scheite» und schimpfen muß man den Schiffsjungen überlaffen, gehören aber nicht in da« Redactiontbureau einer Zeitung, di« die Int,reffen de« Volke« oirtreten soll, dessen oberste« Prin- , zip lautet: „Liebe deinen Rebenmenscheu wie dich seihst.* Schließen wir mtt etwa« Angenehme«. In Purmereud (Nord-Holland) fand am 87. September die Einweihung der neuen Synagoge statt. E« verdient hervorgehoben und der Vergessenheit entriffen zu weiden, daß durch die Toleranz undWohlthätigkeil einer christlichen Dame di«se>Syyagoge vom Grunde bi« zum Dache gebaut wurde. Diese Dam« ist die Wittw« Sedyst, grb. van Garderent, und verdtent die Dankbarkeit und Anerkennung aller Meuscheufreund«. (Wir empfehlen diese Notiz de« Herrn Superittud. zu „LottbuS*.) Vermischte und neueste Nachrichten. L-l», 8. November. (Or.-Eorr.) I« der gestriaen Lbendsitzung ist Hr. Rabbiner vr. Frank in Linz mit großer Majorität zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden. E« hatte« sich nahezu 60 Eandidaien um die Steil« beworben und 10 von ihnen Probepredigtr« gehalten. Der Gewählt« ist rin Schüler Kranket» und hat in de» bisher von ihm "bekleidete« Rabbinaten (in Saaz und Linz) al« Rabbiner uüd Prediger eine sehr segensreiche Wirksamkeit in Synagoge uab Schule entfaltet. Ihm eröffnet stch nunmehr aus de« «nw» bedeutenden Posten rin wette« Feld ersprießlicher Thätigkett, zu der er die nöthige rüstige Thatkrast in sich trägt. Hlmßnrg. In dem jüdischen Vethause „Klau»* in der Peterstraße wurde bei der Feier de« Jom-Kippur-Feste« ein 60jähriger Man» plötzlich vom Schlage gerührt und verstarb sofort. Daß nicht viele ähnlich« Fäll« in der großen Synagoge vorgekommen find, kann man, bei der außerordentlich mangelhaften Ventilation und dem ohrzerreißenden Gesänge einiger Lorbeter, nur der vortrefflichen Constitution der An« wesenden zuschreiben. — Ein Lehrer der Taimud-Tora-Schul«, welcher bi« znm Jahre 1876 fest «ngagirt war, blieb plötzlich au«. Ra» forscht« in seiner Wohnung nach und fand dort einen Brief, laut welch«« er abgereist ist. Wohin er gereist, hat rr «icht näher angegeben. Wohin er auch gereist ist, er kann«» nicht schlechter treffen al« bei der Talmud-Tora-Schule, deren Ck« meatarirhrer durchschnittlich 36 Stunden di« Woche zu gebe« haben, bei einem Einkommen von jährlich 1200 Mark. Fulda, 29. Oct. Ein hiesiger ultramontaner Schreiner sowie noch ein anderer Handwerker haben sich i» Folg« der auch hier inscenirten „Iudenhetze* geweigert, für den Provinzial-Rabbiner Enoch irgend eine Arbeit zu übernehme«. ' (S«ff flst.) Angsdnrg Wie hier in Rr. 42 erzählt worden ist, hat ein au« KrtegSheber gebürtiger, in Wien katholisch gemard» »er und so verstorbener Jude, Namen« v. Lipschitz, sei» sehr bedeutend«« vermögen zumeist jüdischen Gemeinden und Instttuten vermacht. Die Sache macht« natürlich Aufsehen. D» „I. v* wird nun von hier folgend« Anekdote erzähtt: „Einem bekannten Ultramontanen hier, der sich erbost über diese „Treulosigkeit* au«sprach, anwortete rin Jude sehr treffend: „Run, wo« wollt Ihr? Ihr sorgt doch immer nur für bi» Seligkeit, wollt nur die Seelen retten, wie e« in der Bibel - $ heißt: Mein Reich ist nicht von dieser Wett — und ga» beschäl»■