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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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iKtfttiibe ««ment in Kronstadt, ober deutscher Seift »nd Sitte find obwaltend. Die Zudengemeind« zählt 70 bi« SO Familien, jedoch ist diese kleine Semeind«, diese« geringe Häuf» lein «in Muster von Ordnung und bester Verwaltung. E« giedt hier zwei Misch« Kaaden-Justitute, welch« nur von rumänischen Kindern beschickt werden. Der Handel wird hier äußerst solid betriebe», wei! ein großer Theil der Einwohner sich mit verschtevtnen Fächern der Industrie beschäftigt. (Fortsetzung folgt.) Lu» Galizien bringt die „dl F. Pr.* folgende empörend« Mittheilung: Lm 29. August l. I. fuhr eine den besseren Kreisen angehörende jüdische Dame mit ihren vier Kindern und in Begleitung ihrer Schwester mit der Erzherzog- Aldrechtbahn von Stry nach Lemberg und kam da mit vier Pole« und drei Polurnen. anscheineild cioilifirten Leuten in «ine« Eonpö zu fitzen. Diese fingen jedoch gleich an, stch tn Schtmpfredeu gegen die Juden zu ergehen, darauf hinauSstredead, di« jüdisch« Dame zu irgend welcher Segenrede z>l prooocireu. um alsdann erst recht mit ihr anbinden zu köirnen. Dt« geäugstigte Frau, die» wohl merkend, setzte alleil Beleidigungen beharrliche« Schweigen entgegen. Diese Herren waren jedoch um einen Porwand, di« Frau persönlich anzugreisen, nicht lauge verlegen, denn kaum wagt« sie auf Verlangen «tue« ihrer Kinder, da« unter der an diesem Tage herrschenden tropischen Hitze besonder» litt, ein Fenster zu öffne», als fie ein Finanz-Kommissär au» Krakau, der da» Oberhaupt diese» Quarietl» zu sein schien, mit einem donnernden „Gleich utmacheal" ansuhr und auf ihre versuchte Entgegnung über sie eine Fluch von Beleidigungen in de» niedrigsten Ausdrücken, die anstandshalber nicht reproducirt werden können, ausjchütrete. Damit noch nicht zufrieden, sprang dieser heldenmüthige Ritter aus fie lo» und packle fi« würgend am Halse, während ei» anderer Bayard ihr di« Hände festhielt und der Dritte da« Fenster schloß. Einer dieser Leute verfiel auch auf dm gewiß geistreichen Einfall, der wehrlosm Frau jeden Augenblick «inen Tabakqualm in» Geficht zu blasen, lind die drei polnischen Damen 'i Sie erlustigten sich an diesem widerlichen Schau,piel und gaben durch Kichem und Lachen ihren Beifall zu erkennen. Weder die Thränen der schwachen Frau, noch da» Jammern der erschrockenen Kinder konnte die edle Gesellschaft entwaffnen. Al» endlich der Zug in die rettungverheißende Station ein, chr, ttürzte die Frau, derm Hilferuf bis nun nicht gehört wurde, schutzsuchend dem den Zug degleüendem Bahnrevidenlen entgegen. Dieser jedoch, Blicke de» Einverstäodnisse« mü jenen Herren, mü welchen er noch in Sry fraternisirte, wechselnd und für sie Partei ergreifend, fuhr die Frau barsch an: „Wenn Sie teilte Zeugen haben, ist Alles nicht wahr!" — und io blieb der armen Frau nicht» übrig, als sich ins Unvermeidliche zu fügen, und erst durch Hilfe de» Conducteur» konnte fie andere Plätze bekommen, wobei die Kinder in einem anderen Wagen getrennt von ihrer Mutter, die Reise znrücklegen mußten. Auf die erstattete Anzeige hat die Betriebsleitung der Erzherzog-Albrechibahn eine DiSciplinar-Untersuchung eingeleitet, die sich zwar schon einm Monat resultatloS hinzieht, gewiß aber — wir wollen die» noch hoffm — nicht im Sande verlaufen wird. Ebenso ist gegen ocige Attentäter der strafgerichtliche Weg betreten worden, und wenn der Arm de» Gesetze» noch stark genug ist, um einer alleinreisendeu Frau Schutz gewährm zu köunm, und wenn da» Beispiel, da» unlängst die englischen Gerichte in der welttundigen Affäre de» Obersten Baker statuirten, auch bei un» Stachahmung findet, so werdenjene würdigen Kollegen Baker'» der verdienten Strafe nicht entgehen. (Die Slawen der activ u. paffiv Betheiligren find bei der Red. der „R. F. Pr." hinterlegt.) Jaßh. (Schluß) Nie weit die Verwendung der Inden t» Lande reicht, habe» wir in ergötzlichster Weife selbst erfahren. In der erwähnte« Kirche den drei Patriarchen" befindet stch der au« Sold- und Silberblech in byzantinischer Art getrieben« Sarg der heiligen Par««- chioa, der Schutzpatronin von Jassy; auf demselben lag eine kunstvoll gestickte modern« Decke. Der Pope, der un« hernmsührte, zeigte fi« mit Stolz «(• ein Geschenk einer verstorbenen Hospodarin, und auf di« Frage nach der Arbeit bemerkte er, dir Deck« sei in Jassy von Jüdinnen gestickt worden. Da« „Katapitea«ma", die reichgeschnitzte Thür«, welche den Räum hinter dem Altäre — die „Krypta" im Sinn« der griechischorthodoxen Kirche — dem Auge der Laien »erschließt, haben Jaffyer Juden vergoldet; ja in der Kirche selbst saß eia Jude und copirte da« Gnadenbild der Schutzpatronin, mit deffen Verschleiß in theurer und billiger Ausführung di« Popen der Kirche glänzend« Geschäfte mache» So helfen die Juden selbst den materiellen Theil der chriftl. orthodoxen Religion besorgen Daß sie sich der geistigen BerufSaiten bemächtigt haben, so weil die Gesetz« e« zulaffen, versteht sich von selbst Die meisten und ge-uchtesteu Aerzte find Juden, und da unser neuer, von den Rationalen so stark bekämpfter Handeltvertrag mit Romanien den österreichischen Aerzten di« Ansiedelung im Lande ermöglicht, so wir» stch ihr« Zahl noch vermehren; hat stch doch schon gleich nach Abschluß de« Vertrage« rin junger Wiener Arzt in Jaffy ansässig gemacht. Auch da» Studium der Rechte und der Philosophie beginnt jetzt unter den moldauische» Jude», und sie werden sich den Weg, wo nicht zur richterlichen Laufbahn, so doch zum Anwaltstande zu bahnen wlffen; zur Förderung diese» Studium» wird di« Universität in Ezernowitz gewiß viel beitragen, umsomehr, al« an derselbe» da» in Romanien geltende französische Rech« oorgetragen werden soll." Araukretch. Pari». Da» „Uniorr»." welche» begreiflich gegen „Germania" vnd andere deutsche Kollegen im Judenhetzeu nicht zurückstehen kann, läßt sich auch au» Deutschland dahin Gehöriges schreiben. So wird in einer Korrespondenz au» Müuch en über dir grenzlose Frechheit der Juden geklagt. Und wa» haben sie gethan? Sie haben sich ain Starnberger See schöne Billen gebaut oder gekauft, allwo doch oon Rechtswegen nur Ehristen ihre So>nmerflische genießen sollten. „Jetzt hat sich rin Jude aus Stntigart, der Kommerzieurath oon Hallberger, ein Buchhändler, welcher sich ander Herausgabe der elende» Literatur de« Ritter» Hacklänoer bereichert hat, ein Grundstück bei Tutzing getauft, welche« 2 Millionen Gulden kostet. Die liebenswürdige, aber lächerliche Judencolonie in der Umgegend fühlt ihre Wichtigkeit durch diese fürstliche Besitzermecbung erhöht und wirst miileioige Blicke auf da« Schlößchen Berg, welche» der König vcn Bayern al« Sommerwohnung nicht verschmäht." — Hillberger, Inhaber einer alten Firma, ist sowenig Jude oder jüdischer Abkunft wie Hacklänoer. Ader wa» kümmere d >r den »llniver»," wenn eihn, paßt, ge,en Juden zu Hetzen? — Unter dem Titel „eine Revolution in J-rael" und in einem diesen sensationellen Titel entsprechenden Umfang und Tone berichtet der „GauloiS" vom 4. Oct, daß eine Anzahl französischer sehr vornehmer, eleganter und einflußreicher i«- raelirischer Damen eine Revolution im Lultu» plane Sie haben dem Rabbinat ein Promemoria überreicht, worin fie verlangen, daß die Tempel, welch« blo» zum Morgen- und Abendgebet offen sind, den katholischen Kirchen gleich, den ganzen Tag offen stehen sollen, damit man nach Belieben in denselben lein Gebet privatim verrichten könne; zweiten«, daß ihnen gestattet werde, am Sabbath re. zum Tempel zu fahren. — Den beiden französischen jüd. Blättern zufolge ist in der Rachricht nicht« wahre«, nur da« vielleicht, daß eine Dame ähnlich« Wünsche ausgesprochen haben möchte, und zwar in einer Unterhaltung mit — dem Verfasser jene» SeasationSartikel», dem Mo«, de Villen selbst. SifckN. „Arch. J»r." bringe» nach «ine» Liffaboner

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