Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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858rleg;n ist. ohne daß «an, wir t* sei« Wumch war. de« alte« Baker und dessen uuglückliche Frau zu« Abschied« zu ihm ge affen hätte. Der ganze AuVageakt ist ei« Meisterstück van Sophismen und RechtSverdrehungrn. Der unglückliche Kränket war 49 Jahre alt, nie bestraft oder angeklagt, und wurde >on der Gazeta »arodowa hart angeklagt, weswegen jener tierberuS durch volle S Monate ihm keine gekochten Speisen zuließ. Dieser Unmensch und doch Richter, heißt G «i a z d o „, der io uugcftraft seine Lynchjustiz in Lemberg ausüdt un) gedeckt vo» den Präsidenten der Gerichte; auch ist er'», der mit eigener H.ind Wechsel von Juden gegen Bauern zerriß und die ankern Bauern eS nachzuahnien ausmunterte. Wer wlll also über rumänische Gerichte klagen, in jenen» Halbbarbari chen Lande, wenn es im österreichische« Kaiserstaate nicht bester aussieht. Diese Judenhetzen sind aber nicht lokal, sondern sie ziehen gai z Galizien i» ihre Kreise, und entgelten den hiesige» Juden ims, was sie in preußisch Polen oder im Russische» bleibe» affen müffc». Nicht uiinder gilt dieses der Verfassungstreue der galizlschrn Juden, welche hart gestraft werde», »eil es ihnen nicht drigesalle», im Kampfe um die Verfassung den Polen sich aus Gnade und Ungnade zu überliefern. Dbser Zustand kann nicht mit einem Male geändert werden — es wäre den», daß mau in Galizien wieder mit der polnischen Alleinherrschaft anfzuräumcn hohenorl« als gut desindeu würde. — Bevor aber diese« geschieht, giebl c« ein Remedinm, und dies ist — Einigkeit und Einigung. Hier könnte der Verein Schomer Israel seine heilsame Thäiigkeil entfalten, wenn nur unser« galizischen Brüder verständen, wie sehr eine Eoncentration gegenüber unseren offenen und verstkcktea Feinden nöthig sei. — ES müßte eiue eigene groß« Ralionalkaffe vorhanden sei», um mit deren Hülse Gewaltakte zu oermeideu und Gewallthäter, auf srischer Thal ertappt, d, u> Stirn« der Justiz zu überliefern. l. I « . . Kskschan Reisebilder au» Siebenbürgen. I.*) (Lr. Corr.) In der zweite» Hälft« deS Monats Slugust d. I. reifte ich nach Kronstadt. Der Weg dahin über Ploiest (Rumänien) ist ein äußerst romantischer. In Sinai, wo unser Fürst seine Sommer-Residenz har, hielt der Eilwagen an, wir stieg«« au», uni di« hier d>'in kluge sich dardreiende, Ralurichünhelten eine Weile zu betrachten Ei» frisches, klare» und schuiackhaste» Waffer entströmt hier rauschend den ringsumher liege,lben Gebirgen, die Ehauffee bespülend und den Touristen zum labende» Trünke einladend. Die Aussicht ist von hohen, alte», chrwürdigeii Eichen, deren stolze Wipfel dem Wirde höhnend Trotz bieten und dem Wanderer Bewunderung il'rer Größe abzwiuge«, und von einem ewlgen Grün abgrjchlosen. Hier, wo sonst kein HanS, keine Bauernhülte zu erblicken vai, prangen nunuiehr mehrere, im schönsten Style antgrführte, Schweizerhäuser. Da» HauS, welches dem rumänifcheu Fürstenpaare zur Wohnstätte dient, liegt auf einer Luhöhe, ,:S ist ein einsaches, schlichtes. Ursprünglich gehörte es einer xuiebeii stcheuden Kirche. Ein neue», reich gegliedertes, fürstliche« PalaiS, welches am Abhänge deS 8000 Fuß hohen Bvcege liegt, ist seiner Bollendnng nah«. Die im Werden begriffene Stadt Sinai (sie wurde kürzlich bereits feierlichst erngeweiht) verspricht einer der schönsten und reizendsten Sommer-äufeulhalls-Orte zu werdrn. Auch ein ziemlich großstädtisches Hotel ist hier anzntreffen, wo die ankoaimenden Gäste Unterkommen finden sollen. Da es aber einmal in der Näh« deS Fürsten, ja aus fürstlichem Grund und Boden sich befindet, t bekanntlich wurde Sinai von unserem Fürsten käuflich erworben) so müffen auch di« darin bewirtheten Gäste Alle« fürstlich bezahlen. Rachdenl ich in früher Morgenstunde diese Wahrnehmungen ausgenommen, bestieg ich gegeu vier Uhr de« iilwagen, und wir fuhren davon. I» Predeal, der rumänisch » Grenze und Maurhe hielten wir wiederum an. Die Gegend ist hier immer romantisch, aber minder anziehend. *) Die beide» fol^nde» veief« -ehe» näher aus jütz. «erhältniffe ein. KG. Wir gingen jetzt daran, ««seren Imbiß, zu nehme». Na« ist hier im Gebirge reich mit Slppetit gesegnet, weshalb her Reisende nie dem Himmel über.Appetitlosigkeit, »»hl aber über großen Ueberftuß an Effenmangel zu klage» hat. Rach» dem wir da» Murren unsere» Magens befriedigt hatten, suhrv,t wir weiter bis zur deutschen Mauth. Mir war'», als würde mir auf einmal leichter und wohler zu Mulh«, «in Blick zum Fenster hinaus, und siehe, ich fühlte den österreichischen Boden unter meinen Füßen „Sei mir gegrüßt. Du holve» Siebenbürgen"! so tönte es in weihevoller Stimmung in meine»» Innern, ja es war ein heilige» Gefühl, welches sich in mir regte. Denn d n ganzen Weg über, bi» nach Kronstadt, gab eS ker ailgeaehmen Wahrnehmungen genug. Hier die voll Leben i» strammer Haltung einherwandeludeu österreichischen Patrouillen, dort die fröhlich einherhüpfenden munlern, rosigen Wesen, die prachtvolle Ernte und die an» muihigen, herrliche», das Abzeichen der Sorgfalt und Thä'.tg« teil de« Sandmannes an sih tragen».'» Stecker und Wiese«, wie da» heiter freundlich dreindlickeade Firmament, Alles dies war angethan, das düsterst« Semüth fröhlich zn stimmen. Run weile ich seit einigen Z igen inKronstadt. Di« Lage dieser Stabt ist durch die hier gehäusle» Raturschönhei« ten eine überaus reizende. Der berühmte, stolze, hohe und breitschultrige Kapellenberg schaut, «eiin der Himmel freundlich ist. guihmüthig zu den ihm wohlbekannten Fenstern hinein, nur scheint er dem Himmel zu grolle», sobald dieser launisch zu werdrn beginnt, denn da sieht man ihn plötzlich sein Haupt tief mit Nebel verhüllen, »in uiigesehen zu WH« beit, er liebt es, sich seinen guten Kronstädtern nur im heitern, fröhlichen Gewände zn zeigen Eine wunderhübsch« große Allee, welche um die ganz« Stadt geh«, erheb« sich a« Fuße de» Kapellenberge», imnier höher allutählich sich ai« ihm emporwindend, wo da» promenirende Publikum, dem Gewühl« der Stadt entrückt, im Schatten der die Allee bildenden Bäu»«« durcheinander,vogt. Seitwärts an einem Abhange de« Kapellenderge» erhebt sich ein schinucke« zweistöckiges Schützenhau», wohin die Schützen Kronstadt» und der Umgebung an Festtagen mit Gesang und Spiel wallen Bon der Alle« führt eia schmaler, in Zickzack-Form sich schlängelnder Steg di» zum Gipfel des dicht bewaldeten Kapellenberges. Trotz aller Behändigkeit im Erkliminen währen di« Strapazen bis man an» Ziel gelaugt uugesähr eine Stund«; mir wenigsten» war'S, wie wenn ich eine steile Feljenwand zu erklimmen hätte. Der Mann, der mir als Menior diente, schlug eine» falsche» Steg ein; ungefähr IS Minuten irrten wir planlos umher, bald wateten wir bis zu den Knöcheln in aufgewühlter Erde und welken, Laub, bald machten wir Rehsprünge, vorwärts stürmend, bald klammerte» wir un» au de» Stamm eines BaumcS an, um nicht den tief unten in der Allee Promenirciidcn den Hut durch da» Heranrollen unserer eingeschlagenen Schädel auS der Fayon zu dringen. Oben augelangl, erscheint nnS das Häusermeer Kronstadts verschwindend klein. Hier oben auf der Spitze diese» Berge» stand einst eine kleine Kapelle, von deren Trümmern noch Spuren vorhanden; daher der Rame de« Berge«. Die Bestrigung drsselben gehört zu de» ioniikäglichen Vergnügungen der Kronstävter, va strömt Jung und Alt dahin. Jeden ersten Rai pflegt man in der frühesten Morgenstunde dem kahle« Scheiter d,S Kapellenberges rin Ständchen unter allgemeine« Jnvel zu bringe». Ja wahrlich, die Gegend um Kronstadt scheint ein Abglanz des Paradiese« zn sei», man erblickt hier die Ramr in ihrer schönstcn Jungfräulichkeit; ber neue Ankömmling fühlt sein Herz vor Freude auswallen, beim Anblicke der frische», fröhlich dreinblickeuden Gesichter, und wie der Si mpel der Einfachheit hier Alle»» aufgedrückt ist! Unlängst sah ich in einem Siebenbürger Blatte da« Bedauern ausgrdrückt, war»» denn kein Fuß all der Touristen-Schaaren Europa'» ist« Stätte Siebenbürgens betritt, nun fand ich volle Bestätig»»» hierfür; es giebl hier für'» Späheraugr de» Tonnst«» Ksch Biele» zu« Ansbente»! — Di« Rn«ä»e» find fast dw» »*•