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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— M7 > Lckttonsplaue in allgemeiner Ueberficht taten«! Dt« Beiträge, Fo«d» und tu fpecielleu Zwecke« tafitmmien Einnahme» find nicht «uerhevlich gewachsen, zu einer Bibliothek ist ein kleiner Anfang gemacht. LI» Zahl der ordentlichen Hörer betrug 18, dir der Hospitanten S. — Die Gefamuiteiunahmen betrugen Cm Fond« 2ISO M.. Beiträge S6458 M. — <Ü ist eine sonder« Seminar Synagoge eingericdtet morde,— Dem Jahresbericht geht ein Programm de» Dr. Berliner: „die Maffora zum Targum Onltclo»" voran», aus welche an an» derem Orte zurückzutomme» sei» wird. — Die in Journalen gegebene Nachricht von dem Lbleben de« Rabb. vr. Nascher in G. s. D. unbegründet, wahr ist Itlder, daß er sich in einem Asyl sür Gemüth»leidrnde befindet. f^sgtaburg. Al« vor einige« Wochen ein jüdische» Blatt in feteier Heimleuchtuuq der judeafeindlichen Artikel der „Germanla" und „Kreuzzeit" sich au» Berlin schreiben lieb, daß bisher nur ein Jude «ege» Gründungsschwindels angeklagt und vernrtheilt worden, da mochte mancher Leser da» Haupt geschüttelt haben, mir pocht« da» Herz, denn hierort» schwebte eine au» gehässiger Denunciation heroorgegangene Klage gegen eine znm größten Theile au» Israeliten bestehende Gründergesellschaft. In diesen Wochen fand di« öffentliche Verhandlung statt, di« zwei Tage währte, und mit der vollständigen Freisprechung von Betrug, resp. versuchten Betrug, endet«; nur wegen formalen Vergehen» ge^en da» Aktiengesetz »urd« sech« Angeklagten (darunter 2 Israeliten) «ine kleine Geldbuße auferlegt. Wahrlich wären di« gehässigen Anschuldigungen, denen »nsere Vorfahren so oft «»«gesetzt gewesen, in jedem einzelnen . Kall« vor da« Forum unbestechlicher und unpartheischer Richter gezogen worden, so mancher Borwurf und manche« noch dt» jetzt herrschend« Borurtheil wäre im Keime erstickt worden oder im Lichte der Gerechtigkeit und Oeffentlichkeit auf feinen wahren Grund zurückgeführt worden, al« welchen sich in den meisten Fällen die au« Haß und Neid hervorgegangene Lüge «ad Berläumdung ergeben hätte. Wiirzßurg. „Univ. Jsr." vom 1. Oktober berichtet, daß ganz kürzlich folgender Fall sich in Würzburg ereignet habe. Eine jüdische Wittw« hatte einen Sohn im Gymnasium, welcher läufig zu dem EanonicuS Ruland kam. Dieser Tage nun stellte dieser ihn dem Bischof ReiSmann vor, und beide Herren beschloffen, den Jüngling in ein Kloster treten zu lassen. Die Mutter erfuhr die» und bat den Sohn flehentlich, ihr diesen Kummer nicht zu bereiten, der junge Mensch blieb jedoch gegen Bitten und Thränen der Mutter gefühllos. Er ist in da« Kapuzinerkloster zu Alt-Oetting eingetreten, die Mutter hat sich nun an die Behörden gewendet".— Wir haben bi» heut über diesen angeblichen Vorfall in keinem deutschen Blatte, auch nicht in den so nahe bei Würzburg erscheinenden jüd. Blättern (Israelit., Jüd. Volkszeit.) ein Wort gefunden. Ist e» vielleicht eine ältere Begebenheit, welche durch einen Jrrthum im llniv. J«r. als dieser Tage vorgefallen berichtet ist? Sslbaa, 12. Oktober. Der hiesigen ziemlich großen jüdischen Gemeinde fehlte e« bisher an einer geeigneten Räumlichkeit zur Abhaltung ihres Gottesdienste». Der viele Jahre hindurch benutzte Raum im alten Schloß war seit dem Brande de» letzteren nicht mehr verwendbar. Die Gemeinde faßte nun den Entschluß, einen eigenen Tempel zu errichten. Durch freiwillige Zeichnungen kam die Summe von 6000 Mark zusammen. Da jedoch die Ausführung des Baues auf das Dreifache veranschlagt worden war, mußte man suchen, da» Geld anderswoher zu beschaffen. Man wandte sich wegen eine» Darlehn» an den ProvinzialhilfSfondS und fand e» auch nicht «angemessen, im Vertrauen aus Erfolg, der Firma von Roth- -fchild die Angelegenheit zu unterbreiten. Vom Provinz ialhtlf»- >s»<ld» ging «in abschlägiger Bescheid ein; Herr v. Rothschild jibt tflMUftU in Ansetzung de» Men Zwacke» seinen Gteuben»- und Stuunnergenoffe» «inen Betrag von 60 M. (ganze 20 Thaler!?) al» Geschenk. So war den» die Gemeind« ans die Selbsthilfe angewiesen, und st« hat in der Thal weder Mühe noch Kosten gescheut, um da« einmal begönne« Werk zur Vollendung zu bringen, verkauf und Verpachtung der Sitz« m der nunmehr fertig gestellten Synagoge haben die Summe von etwa 10,500 Mark ergeben, so daß die nöthigsten Auslagen gedeckt werde» tonnten. Die innere Ausstattung der Synagoge bleibt einstweilen »och vorbehatten. Zu der am 25. Septem er erfolgten Einweihung de» Gotteshauses waren auf ergangene Einladung hin u. a. auch die Mitglieder de» Magistrats, die Stadtverordneten und die evangelischen Geistlichen erschienen. Di« von Rabbiner vr. Klein au» Reidenburg gehaltene EtnweihungSred« hat den ungetheilten Beifall der Anwesenden gesunde». (G. Ges.) Oesterreich. 8. Lemberg, 24. Oktober. (Or.-Sorr.) Die Haltung, welch« der Verein Schomer JSroSl in der Wucherfrage ein- I genommen, gegenüber derjenigen der galizifchen Gericht« zum ministeriellen Tommuniqu», würde im LuSlande al» reaktionär oder gar judenfeindlich gedeutet werden könne». De» ist aber in Wahrheit nicht so. Der Sachverhalt ist folgender: Der Minister Glaser, wahrscheinlich angeregt durch Rücksprache mit vr. HönigSmann wegen der Affaire Fränkel, erließ an alle galizikchen Gerichte die Anfrage, ob für Galizien ei« Wuchergesetz nöthig sei. Der Herr Minister ermahnte die Gerichte, ihre Gutachten »ine ira et Studio ohne Hintergedanken abzugeben. (Eine solche Mahnung zur Selbstbeherrschung ist für die meisten polnischen Richter sehr nothwendig.) Merkwürdig genug, der polnisch« Richterstaud, der am allerwenigsten freiheitlich gesinnte, hat bte Rothwendigkeit eine« solchen Gesetze« negirt. Denn, meint derselbe, die bestehende» Gesetze geben ausreichenden Schutz. Anders faßte der Verein Schonier JSroöl, resp. dessen Referent in judiziellen Sachen, die Angelegenheit auf. In einem Lande, tt« töckch-tsti die Gegensätze in nationaler und religiöser Beziehung eine nüchterne Auffassung der Rechtssachen fast unmöglich machen, in welchem der christliche Richter den Juden von vornherein al« Verbrecher behandelt, kann ein richtige» Verdikt nicht erhofft werden, wenn nicht da» Verbrechen de» Betrüge» einerseits klarer gefaßt. andrerseits der Zinsfuß bestimmt und etwaige Uebertretung als civilrechtlicher Delikt angesehen wird. Ich will aber Ihrem Leserkreise eine kleine Blumenlrse der hiesigen Justizzustände geben, um ihnen ein Urtheil über da», waS hierorts Recht heißt, zu ermöglichen Die gerichtlichen Beamten leben in den meisten Ortschaften auf großem Fuße, zu welchem Ende diese kleinen Krösusse einen recht energischen Wucher mit den Bauern führen. Der Jude nun tritt auf dem Lande ihnen al» Eoncurrent entgegen; diese Eoncurrenz zu beseitigen, sucht man die Bauern zu bereden, die Juden als Betrüger anzuklagen und das Geliehene nicht zurückzuerstalten. Eine andere Sorte von Richtern sind Agents prorooateurs der Gazeta narodowa und ihrer Geheimbündler und wühlen da» Landvolk nach dem Mot d'ordre au« Lemberg nnd weiß Gott woher noch, auf. Derlei Richter, Kläger und Verurtheiler sitzen nun da zur Handhabung de« Gesetze». Wenn z B. der X. angeklagt wird, so wird derselbe unbarmherzig in'S Gefängntß geworfen, ohne die Möglichkeit der Freistellung gegen Laution. Nun bleibt derselbe monatelang sitzen und wartet auf die Vornahme der Voruntersuchung. Hierauf werden dir Zeugen vorgeiaden und sehr oft gleich inhaftirt. So z B. wurden 27 Personen al« Zeugen eingezogen, und wurde der 28. nach einjährigem Schmachten in dem Städtchen N. in Galizien, nachdem deffen Sch viegersohn vor Gram gestorben — doch al« unschuldig freigesprvchen. — Eben wäh.end ich diese Zeil .n uiederschreibe, dringt zu mir die Nachricht, daß der Fränkel noch vor Schlich im Spital de» Sttashause» de»Fojgeuder unzureichenden Nahrung und frischen Luft nach bald einjähriger Voruntersuchung

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