Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 347 — Berichte nud Lorrespolldenzeu. Deutschland. Berlin. G.-.euüber der in der „Kreuzztg." vom 7. d. M. enthaltenen Bemerkung, daß rin »yristlimer Geistlich r ich an der Weihe einer jüdischen Synagoge mch! belheilige» könne, »ohne damit den Christenglauben und die Christenhoffnung ihrer Leugnung gegenüber ine Ungewiss? unv Glei bgüliig. zu letzen", sei einfach lharsächlich angeführt, daß der ilrenggläubige unv kirchlich gesinnte König Friedrich Wilhelm 1. von Preußen am 20. April 1718 in Begleitung der Königin und de» damals sechs Jahre alten Kronprinzen Friedrich in der hiesigeil Synagoge der Heidereutergafle erschien und dem FrühgolleSdienste beiwohnte; es war am dritten der Mitrelfeierlage de» Mischen Passah- (Oster-) Feste», am Tage »ach dem dritten christlichen Osterfeiertage. Der Besuch beS König» in der 3'/, Jahre zuvor neuerbautcn und eingeweihten Synagoge ist durch einen Kupferstich verewigt, von welchem ftch eilt Exeniplar auch in der Sammlung de» kgl. Hos- «arschall-Amle» befindet. D-r König schenkte der Synagoge einen türkischen Teppich al» Borhang, der heute noch au einem hohen Feiertage die Lase mit den ÄesetzeLrolle» schmückt. (Die Bemerkung der „Kreuzztg." bezog sich auf bas von na» mitgethcilte Schreiben eine» eoang. Geistlichen in Cottbus. — Wir können zu den« Synagogenbejuche Friedrich Wilhelm I. einen Pendanl erzählen. Die Fürstin Pauline zu Lippe, eine der geiftreichston, gebildetsten und edelsten Frauen, welche je auf einem Throne gesefien — wenn derselbe auch nur ein . Thrönchen gewesen; sie führte nämlich lange Jahre hindurch di« Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn — besuchte, al» sie ihre» Erstgeborenen genesen war. am Freitag Abend den GotteSoieust in der Synagoge zu Detmold und dann, ain darauf folgenden Sonnlag, die Kirche. E» machte das damal« bei den strenggläubigen Christen böse» Blut, die edle Frau aber war über religiöse Borurlheile erhaben. Dar war un Jahre 17SS. — Red. b. Jsr. Woch) — Die hiesige Stadtverordneten-Bersammlung hat für die drei Wahlen, die sie für die Mitgliedschaft de» Brandendurgischen Provinzial-Landtage» zu treffen hat, auch einen Israeliten gewählt und der exclusiven Versammlung damit sicherlich große» Verdruß bereitet. Da» alle Gesetz machte die Mitgliedschaft von der Zugehörigkeit zu einer der christlichen Kirchen abhängig, und dann ging man so weit, israelitische Stadtverordnete nicht einmal als Wähler zuzulaffen. Die Wahl eine» Jsraelueu ist deshalb bezeichnend; auch einer der Stelloerireter ist Israelit! — Dir »Voss. Ztg." schreibt: „Die große Jubenhetze, welche die „Germania" im srommen Verein mit der „Kreuzzritung" in Scene zu setzen für gut befände», hat auf der aadern Seite eine Statistik veranlaßt, deren einzelne Punkte manche» Jntereffante bieten. Zuerst wird darin die Behauptung widerlegt, daß SO pCt. der Gründer von 1870/73 Juden seien. Der Berliner Kurszettel zählt ca. 310 hier und anSwärl» in den letzten Jahren gegründete Industrie-Gesellschaften auf, bei denen am »«eisten gesündigt ist. Die Statistik hat nun für 392 Gesellschaften mit rund 365 Millionen Thaler Kapital au» den Eintragungen in'» Handelsregister, den Prospekten rc. da» Material zusammengetragen, und »S «rgiebl sich daraus, daß sich an den Gründungen detheiligten: 1) jüdische Häuser nach der Zahl mit 23 pCt, nach de« Werth mit 16 pCt , 2) christliche Häuser mit 40 rrsp. ' 49 pCt., 3) geurrinschaftliche Gründungen jüdischer und christlicher Häuser nach der Zahl 37 pCt., nach dem Werth 42 pCt. Bettheilt man die letzt: Kategorie je zur Hälfte auf die beiden ersten, so kommen auf die Juden 41,50 rrsp. 37 pCt., »ns di« Christen 58,50 resp. 63 pCt. — LS ebenso unrichtig wird die Behauptung bezeichnet, daß sich von den Rück- & kauf»- »nd Psandlechegefchäste» hier in Berlin 90*/, pCt. in Hie Ststißt« ker schon au« dem Adreßbuch nach, daß von 140 Pfandleih¬ und RückkaufSgeschäften nur 37 oder IS pEt. von Juden betrieben werden. F rner ergiebt sich au« Schabe'« Berliner Jahrbuch, daß die Juden sich keiiitSwcg« einer „unerhötten Fruchtbarkeit" erfreuen, denn hier in Berlin kommen z. B. auf die cvangelij.he B oölkcrung 4,40 pCt. Kinder, auf die katholische 3,38 pCt. lind auf die I »den nur 2,93 pCt. — Dagegen beweist anderereit» die Statistik unwiderruflich, daß Ober- »ad Rü cer Baiern, saß Eldoridr und die eigentliche Doulane der llltramonlanen ä la „Germania", fo-tgeietzl die höchste relative Berbrecherfrequenz zeigt." Hannover, 10. Oktober. (Or.-Corr.) Der Herr Landrabbiner 0r. Mayer erließ folgende Aufforderung an die Vorstände der Gemeinden jetnc; LandrabbinalS-Bezirke: „Der Herr Minister des Innern hat die Aufstellung einer Nachweijung über die Verhällnisie der Synagogengemeinden »ach den« angejchloffenen Formular angeordnet. Obgleich niir nun das Material durch die bei meinen Jnspectionsreise» und anderwcillg gesammelte» Notizen theilweije zur Verfügung steht, wird doch, zu einer genauen Rachweijung für alle Synagogengemeinden, eine neue Erhebung durch Hülfe der Herren Vorsteher staltfinden müssen. Cs ist da» um so nothmendlger und wichtiger, als e» sich voraussichtlich um die statistische Grundlage für den Gesetzentwurf über den Austritt aus der Synagogengemeinde ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judenlhume — den sogen. LaSker'schen Alltrag — yandelt. Je größer die Lasten und Verpflichtungen der Synagogengemeinden sind, desto ernstere Sorgfalt wird di« Gesetzgebung anzuwenden haben, um den Fortbestand der Synagog.ngemeinden nicht zn gefährden; weil damit auch viele dem Gesamintwohl dienende Einrichtungen für Gottesdienst, religiöse und allgemeine Bildung uild Wohllhäligkeit, ebenso wie die Existenz vieler Einzelnen, in Frage gestellt werden würden. Es kommt also auf eine genaue, gewissenhafte Darlegung der Verhältnisse an, uin den betreffenden Factoren der Gesetzgebung zu beweisen, welche wichtige Interessen aus dem Spiele siebe», und daß eS nicht wohlgethan sei, dem Andringen Einzelner zu Liebe, die weitaus überwiegend« Mehrheit der Juden underücksichligt zu lassen und die lebensfähigen Gemeinden dem Belieben der Willkür preiSzugebei». Nachdem meine wiederholten Bemühungen, eine directe Befragung jüdischer Gemeinoeoenreler über virse hochwichtige Frage zu erzielen, leider! erfolglos geblieben sind, wird auf diesem indirekten Wege mindestens das erstrebt werden müssen, daß der Austritt nur unter solchen Bedingungen für zulässig erklärt werde, welche einerseits den Fortbestand der Synagogengemeinden und die Erfüllung ihrer Verpflichtungen sichern, andrerieil» verhindern, daß j. g GewissenSdedenten zu eigennützigen Absichten mißbraucht werden. Zur Ausfüllung des anliegenden Formular» bemerke ich, daß die Seelenzahl (Rubrik 4) meisten« nur annähernd wird angegeben werden können. Es wird daher in den Bemerkungen auch die Zahl der beitragenden Mitglieder anzugeden sein. Zu Rubrik 8 ist anzugeben, welche CultuSdeamten und ReligiouSlehcer lebenslänglich (definitiv) angestellr sind. Zu Rubrik 11 ist der Gesammlbetrag der von den Gemeinbemitgliedern, unter welchem Namen inimer, aufgebrachten Summen au« der letzten Rechnung zu entnehmen; also nicht nur dir eigentlichen Gemelnveadgaben, sondern auch di« Stellenmiethe, Schulgeld, Opfergeld, Lauvraddinalskaffenbeilräge, besondere« (kirchliche») Armengeld u. s. w. Zu Rubrik 13 ist der Gefammrbetrag der jährlichen direkten Steuern der Mitglieder der Synagogengemeinve pro 1874, wo die Gemeindibeiträge nach dem Sleuerfuße veriyetli sind, au« de« Heberollen der Synagogengemeinden zu entnehme». Wo da« niäü der Fall ist, wird der Steuerdetrag lhunlichft an«läher»d auzuaeben sein. Jüdisch« ReligimtSgr «llfchcfft«» «it gottesdienstlichen »i». richttwlgr«, welch« von de heuige» der Synagoge», ^met ad«