Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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gcmofKK. Letzterer, wohl fürchtend, daß ihm seine Krone in einen großen Confliü mit de« Padtschah, der auch über Je» rnsalen herrscht, verwickeln könnt«, besann sich schnell eine» Besser t und erklärte seinen Anhängern, daß er einstweilen auf seine MesfiaSwürde verrichte, dieselbe jedoch wieder übernehmen rrerde, sobald ein Ruf de- Himmels ihn nochmals dazu einladi n würde. Seine Anhänger waren mit diesem Entschlüsse zwar nicht einverstanden, sie fügten sich aber dennoch dem Willen ihres Messias. Jbn David verschwand bald darauf au» der Provinz Hadramaut, und sein Ram« verscholl gänzlich. Jetzt aber höre ich durch südarabisch« Kaufleute, daß Jbn David wieder fich der Oeffenllichkeit zu zeigen beginne, und daß seine Anhänger schon mit voller Zuversicht darauf rechnen, daß er bald sein Wort einlösen und sich die Krone Israels aufls Haupt setzen wollet (Der oerst. Malrzan hat vor etwa lsahreSsrisl über eineu „Messias" in Süd-Arabien berichtet. Höchstwahrscheinlich ist hier von derselben Person die Rede. Red. d. Jsr. Woch.) Bermischte und neueste Nachrichten. Berit». Die Eisenbahnzeilung scheint von der Nemesis, der seil AhaSoeroS Tagen unausbleiblichen, schnell erreicht werden zu sollen. Die Blätter berichten: „Die Denunciationen eines hiesige« Revolverblattes, der „Eisenbahn-Ztg", gegen angesehene Bankhäuser und hervorragende financielle wie po ittjche Persönlichkeiten scheinen «inen AuSgang zu nehmen, d.-u jene vorausgesagt haben, welche da» Wrgelagererfystem einer gewiffen Sorte von Preßpiraleu kennen. Ja der sogenannten Redaktion der „Eisenbahn-Ztg." fand gestern eine Haussuchung und Beschlagnahme der Bücher, Papiere rc. statt. Andererseits wurden die von der Staatsanwaltschaft auf Dtnunciation der „Eisenbahn-Ztg." in Sachen der rumänischen Eisenbahn-Actiea-Äesellschaft mit Beschlag belegten Bücher der DiScontogesellschaft freigegebeu. Diese beiden Thatsathen werden durch die häufigen und langewährenden UntersuchungSverhandlungen illustrirt, deren sich ein Herr Gehlsen, der sogenannte Redakteur der „Eisenbahn-Ztg.", bei dem StadtgerichtSrath PeScalore zu erfteuen hat. — Die Ausdrücke, mit denen hier von dem Blatte und seiner Redaktion die Rede ist, bedürfen keine» Eommentar». Der Herr Gehlsen ist nur einer von den Bedienern der Preffe, die ke ine Jude» find! In Sachse» besteht noch die Vorschrift, daß die Juden vor Eri Heilung de» Bürgerrecht» den Unterthanen- und Verfassung! «id, wie er nach de« alten Landesgesetz vom 30 Mai 1840 vorgeschriebe« Und durch Verordnung vom 3. August 1888 f ir die Juden aufrecht erhalten worden ist, zu leisten haben. Die städtischen Eollegien in Leipzig haben deshalb beschloss:«, an Regierung uud Landtag eine Petiton zu richten, in welcher um Beseitigung, resp. Abänderung dieser Formel nachgesucht wrrden soll. — In der vom 26.—28. d. M. in Schneeberg abgehaileuen Sächsischen Lehreroersammlung, an welcher ca. S50 Lehrer bethelligt waren, wurde nach lebhafter 'Seneral- und Specialdebatte der Antrag auf Einführung rireS BibelauSzuge« für die Volksschule einstimmig angenommen. Bon besonderer Wichtigkeit dürfte der Umstand sein, daz weder der mit anwesende Geh. Schulrath, noch die vezirksschulinspectoren gegentheilige Ansichten kund gaben. Litte», im September. Bor einigen Tagen überreichte der Herr Bürgermeister im Aufträge der Kaiserin Auguste der christlichen Dienstmagd Sibilla Kander», welche seit 42 Jahren in der Familie de» jüdischen Handelsmannes Wolf in Son-'brck im Dienste steht, als Belohnung für chre Pflichttreue ei» goldene« Kreuz. Gelder», 30. August. Bei Gelegenheit oer durch den Oberrabiiaer Herrn vr. Horowitz vollzogenen Einweihung der hiesigen Synagoge ereignet« sich folgend« Prob« konfessioneller Unduldsamkeit. «in «hör ließ sich ein«» Gesang z»r Verherrlich»»- der Feiek von einem katholischen Lehrer ein« üben, wofür er IS Sgr. pro Stunde empfing. Da» mißfiel einem «aplan, und gelang e» ihm, den in dieser Art unselbstständigen Lehrer dahin zu überreden, daß e» sich für ihn nicht paffe, in der Judengemeinde einen Gesang zu letten. Dar mochte auf unseren Lehrer wohl Eindruck gemacht haben, er gab den Juden einen Tag vorher die Erklärung ab, daß er „verhindert" sei, sein Versprechen zu halten. Die Leute sahen fich urplötzlich in große Verlegenheit versetzt, und würde die Sache selbst unangenehme Folgen gehabt haben, wenn fich nicht glücklicherweise ein Dilettant gefunden hätte, der den Gesang prächtig zu leiten im Stande war. Wir müffen hinzufügen, daß der hiesige evangelische Pfarrer an der Feier sich brtheiligte. («ref. Z) München, Ende Sept. In Folg« de» unlängst hier abgedruckten Vorstand»-Circular (Nr. 34 Leitart.) haben 199 Gemeinde-Mitglieder sich für den alten, 270 für den vorgeschlagenen reformirren Cultu» erklärt. In einer um die Mitte v. M. abgehaltenen Versammlung der Gemeinde-Verwaltung ist darauf hin der Beschluß gefaßt worden, der erstgenannten Partei die bisherige Synagoge zu überlaffen und für die Reformgesinnten eine neue zu erbauen. A»S Bayer». Benjamin Lipschitz, ein katholisch getaufter Jude, der früher Porlraitmaler war und später vanquier wurde, starb neulich in Wien und hinterließ testamentarisch den Gemeinden seine» Geburtsorte» KriegShaber bei Augsburg in Bayern, 70,000 Gulden, die gleichheitlich zwischen Jude» und Christen zu theilen sind; der jüdischen Gemeinde zu Augsburg 33,000 Gulden, der jüdischen Versorgung»-Anstalt in München 100,000 Gulden und für da« ähnliche Jnstüut der Stadt Wien ebenfalls 100,000 Gulden. Wie «» sich denken läßt, machte diese» Testament groß« Sensation. Etepport und Pfersee bei Augsburg (wo süh früher da« berühmte Talmud-Manuscript befand) haben al» jüdische Gemeinden auf« gehört zu existiren, da die jüdische Einwohnerschaft nach den „ größeren Städten roan1, rt und dort sich ansiedelt. E» wohnen keine Juden hier mehr. Die Synagoge in Strpport wurde für 600 Gulden zum Abbruche verkauft. In Krieg«» Haber wohnen nur 15 jüdische Familien, der OrtSvorstand dort ist Jude. HeUbrou». Herr Friedrich von Rauch hat die ihm zugeschriebene Aeußerung über die Juden in Abrede gestellt; sie sei weder von ihm noch von einem Anderen in der Gesellschaft gethan. Dagegen veröffentlicht die Besitzerin de» betreffenden Etablissement», die Aeußerung sei zwar nicht von Herrn von Rauch, aber von einem Anderen ausgesprochen worden. Nichtsdestoweniger wird in der „Fr. Z." die Behauptung, Herr von Rauch sei es gewesen und kein Anderer, der sagte: „Dahin setze ich mich nicht, da hat «in Jude gesessen" vollkommen aufrecht erhalten. (Auch die Nachricht über die Verbrennung eine« Juden in Bagdad soll von der türklsche» Regierung dementirt worden sein. In franz. und engl Blättern haben wir über ein solches Dementi noch nichts gelesen.) Wien, 30. September. Ein journalistische» Curiosum bietet heute das „Vaterland", das anläßlich deS israelitische» Neujahrsfeste» einen mit hebräischen Lettern überschriebene» Artikel bringt, der über die Verhöhnung der christlichen Feste durch die „Judenbläller" klagt und in dieser feierlichen Stund« eine ernste Mahnung an diese Blätter in dieser Richtung adressirt, da man sonst von der katholischen Presse mit gleichem antworten würde. Nachdeal beule einige dieser ^Judenblätter" auch das jüdische Fest mit ihren Glossen nicht verschonen, so wird sich das seüoal-ultramontane Blatt, deffe» Bemerkungen übrigens in gewisser Beziehung nicht ganz »»« gerechtfertigt sind, beruhigen können. Die Art, in der ei» -■> zelne Wiener Blätter konfessionell« und andere Frage» fa. , handeln, streift nicht selten an da« Unanständige." — flfe f: