Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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städtischen Behörden eingeladen und auch erschienen. Rur Einer hatte abgelehnt und zwar der hiesige Superintendent Ebeling, welcher wörtüch folgend« Antwort absandte: „Dem Verwalt» lgsoorstand« für die durch die gütige Einladung zu der heutig m Synagogeneinweihung mir erwiesene Aufmerksamkeit ergebenst dankend, bemerke ich Folgende«: Adonai, der Gott LbrahrmS, hat längst feine Verheißung enüllt. Er hat den Sohn Davids, Jefum gesandt, ihn von den Tobten auferweckt und ün zum ewigen Könige feinem Volke Israel gesetzt und hat m«, die wir von Natur Gojim (Heiden) find, zu dem Volke Abrahams hinzugethan. Wir, die wir nun das Israel Gottes find, laden Jeden, auch die hiesige jüdische Gemeinde, so oft die Glocken geläutet werden, zu dem heiligen Dienste der re hten Söhne Abrahams ein und beklagen es schmerzlich, daß Viele, welche leiblich von Abraham herstammen, auch die hiesige jüdische Gemeinde, dieser Einladung noch nicht gesolgt find, sondern sich eigene Synagogen aufrichten gegen den Willen de» Atonal, des Gottes Abrahams. .Hiernach bin ich nicht im Stande, der an mich gerichteten Einladung zu folgen." (Wir lberlaffen dem „Kladderadatsch" die Lntwort. R.) Oesterreich. Pest. In und von einer gewiffen norddeutschen Gemeind« pflegt« eia längst in Frieden ruhender Mann zu sagen: „in N. ist kein und kein S731P" Kr dachte dabei an di« Gemrindebeamren. vom Rabbiner bi» zum Unter-SchammeS, und meinte, man fei ruhiger Natur, tadle nicht heftig und nicht le cht, nehme al>er auch eifriges Wirken und Streben d«S Beamte» als etwa» Selbstverständlich«» hin, ohne sich besonder« dankbar zu beweisen, oder sich gar zu irgend einer Ovation be oegen zu lassen. Da» mag denn auf mauche Gemeind« in, kühlen Norden noch heut paffen. Nicht so scheint e» im Ungarloud« zu sein. Bor un» liegt ein Aufruf zur Feier de« auf den 30. Oktober fallenden Lüjährigen AmtSjubiläum« de« Obercantor« Herrn '.Noritz Friedmann, unterzeichnet von einem Frstcomite und begleitet von einem Schreiben an die Redaktion, welches um Abdruck de« Aufrufe« ersucht. Da« Ganz« ist für unsere Raummrhältniffe zu groß, wlr geben diejenigen Sätze, welch« uu« di« wesentlichsten zu sei« scheinen. Die atren Weilen sagten: „Auf drei Dingen steht die Welt: Wissenschaft, Gottesdienst und Humanität." Wer also auf dies:» drei Gebieten mit Erfolg wirkt, der besitzt unstreitig allg« meine, bleibend« Verdienst«. Es sei un« nun gestattet, in :kürze zu erwähnen, wa« und wie unser verehrter Jubilar in dieser dreifachen Richtnug geleistet. Während seiner 13jährigen Wirksamkeit al« Jugendbildnrr und Religionslehrer hat er so glänzende Resultate erzielt, daß er ivn der löbl LomitatSbehörd« zu Oedenburg, von der Gemeinte zu Wien, deren ehrw Rabbiaate und von der k. k. niederöfterrrichischen Statthalterei mit Belobigungrdecreten auSgezei hnet wurde. Ja, laut Zeugniß der Wiener Gemeind« war er einer der eifrigsten, uneigennützigsten geistigen Mitbegründer der EultuSanftalten: Tempel und ReligionSschule zu Fünfhav«. Seitdem ist er unermüdlich thätlg auf dem Gebiete der BolkSerziehung. wie auch für Förderung der Kunst und Wifenschaft überhaupt. Wr« er für Veredelung de« Eultu« leistet, darüber hat di« öffentliche Meinung seit LS Jahren nur da« günstigste und lobendste Unheil gefällt. Doch wollen wir nicht von seinem scht nen, ergreifenden, oder wie der große Meister LiSzt über chn geäußert, „seinen mächtigen und begeisternden" Gesang spiechen, sondern von den vielen weihevollen Formen und gediegenen Eompositionea, welch« er seit seiner ISjähri« gen vearttung iu der hiesigen Gemeind« geschaffen, und welche nicht nur dem hiesigen Tempel, sondern den jüdischen Synagogen in. Allgemeinen zu Gut« komme». E« find die Fälle nicht seltrn, wo selbst Gemeinden außerhalb Ungarn» sich an ihn wenten, bald um Normativ«, bald um Mustkali«», bald na Rat »schlüge in gottesdienstliche» Angelegenheiten, und überall ist er sofort bei der Hand, nm der guten Sach« §u dienen. (Hier folgt eine Aufzählung der bisher von F. in Druck gegebenen elf Eompositionen: Liedersammlung und Psalmen, hebräisch, deutsch, ungarisch, meisten» für besondere Festlichkeiten componirt.) Da» Ertcägniß aller dieser Eompositionea, circa 1000 Gulden, hat er WohlthätigkeitSanstalten zugewendet. Um sein Wirten al« Vorsteher vieler HumanitätSverein« zu charakterifiren, dürfte die Thatsache genügen, daß er Ehrenmitglied von SO verschiedenen, jüdischen und nichtjüdischen wiffenschaftlichen, gewerblichen und WohlthätigkeitSoereinen ist. Namentlich ist seine Thätigkeit als Bicepräie« de« „ung. tSr. LaadeS-LehrervereniS" über jede« Lob erhaben. Die Summen, welche er diesem Institute zum Wähle armer kranker Lehrer, beffen Wittwen und Waisen zugeführt, zählen bereit« nach Tausenden. E» ist hier nicht der Ort, eine Biographie zu schretbku, diese wird bi« zum Tage de« Jubiläum« al« eigene Brochür« erscheinen. Aber di« vorstehende Skizze dürfte genügen, um unser Vorhaben al« berechttgt zu begründen. Und so gebe» wir der angenehmen Hoffnung Raum, daß Ew. Wohlgeboren unserer Bitte um Betheiligung freundlichst willfahren werde«. Die Bctheiligung kann geschehen durch ein« Gratulation, sei e« in Form einer Adreffe, eine« Briefe«, eine« Telegramme« oder durch ein Ehrengeschenk, je nach Belieben Zuschriften und Sendungen sind zu adressirea an Herrn Hermann Schwarz. Präse« de» „Festcomite'S für da» Friedinann-Jubiläum," (Budapest, Radialstraße 4L)" An« «ent Banat. Die „Tem«»oarer Ztg.", eia Blatt, da« sich allerding» sonst nicht eben durch Wahrheitsliebe au«- zeichnet, erzählt eine haarsträubend« Geschichte, die, wenn wahr, ei» traurige« Licht auf die Zustände im Banat wirft. Am S. September Vormittag« kam B. M, ein übelberüchtigter junger Mensch, in die Wohnung de« jüdischen Kaufmann«« Ph. Sch. in Kizdia und sagte der Hausfrau, die ihn um de» Grund feine« Kommen« fragte, er wolle ihre noch nicht fünfzehnjährige Tochter mit sich nehmen Auf diese Drohung de« mit einem Gewehre bewaffneten jungen Manne« floh da«, Mädchen in ein Nachbarhau«, wohin ihm der Later folgte um sie unter seinen Schutz zu stellen. Allein B. M folgte dem Mädchen auch hierher uud entführt« r« mit Gewalt, inden» er, die Flinte in Bereitschaft, Jeden zu erschießen drohte, der e« wagen würde, ihm und dem Mädchen zu folgen. Rach dieser Gewaltthat verfügte sich der verznxifelnde Later de« geraubten Mädchen» zu dein Sicherheitt-Eommiffar Aloi« Szanto, der sich in vegleitnng von Panduren au die Aufsuchung de« Mädcheuräuber« machte, und dem «* Tag« darauf gelang, L. M. und da« Mädchen auSstndtg zu machen und Ersteren zu verhaften. Derselbe theilte dev» Sicherheit»« Eomiffer offen mtt, daß er da« Mädchen bereü« geschändet Hab« und. wenn mau e« chm entreiß«, nicht nur diese«, sondern auch dessen ganz« FamUie erschieß:» werde. Al« der Strolch nach diesem Geständniß gebunden wurde, ging ein Rumänischer Geistlicher vorüber, der die Panduren arg beschimpfte, dafür, well sie, wie er sich auSdrückte, eine« Juden «egen Einen chre« Glauben« feftnahmeu. Nachdem da« unglücklich« Kind befreit war, schickt« sie ihr Later, um st« in Sicherheit zu bringen, zu seinem Sohne nach Paracz. Zu dtesem Behufe wurde da« Mädchen in Begleitung ihrer Mutter auf einen Wagen gebracht, der unmittelbar nach seine« Bestimmungsorte abging. Mittlerweile war «» jedoch B. M. auf irgend eia« Weif« gelungen, sich au« den Hände» der Panduren zu befreien, uud plätzlich befand sich derselbe zwischen Lutaretz und Pre«ztowacz vor dem Wagen, fiel d«n Pferden in di« Zügel und eatriß da« Mädchen wieder de» Händen seiner Mutter, indem er abermal« Jeden mit de« Tod« bedrohte, die chm verfolge« würde. Auf die Anzeige von dieser neuerliche» Gewaltthal brach der SlcherhettScommiffar abermal« anf und fand nach drei Tagen da« Mädchen' in eine« Hause der Gemeind« Sustra auf et«» Hanäbaden