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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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bit demselben vorangehende treffliche Abhandlung de» Direktor»: „Volksbildung und Volksschule im alten Judenthum zur Zeit deS jüdischen StaatSwesenS" werden wir im „Jüd. Literaturblatt" näher eingehen, hier sei auf daS aus den im Bericht angegebenen UnterrichtSpeilien ersichtliche Lehrziel dieser Anstalt hingewiesen. Die Samsonschule zählt 5 Klassen, das Pensum der 1. Klaffe geht über oar einer Real- Eecunda noch hinaus; zwei Schüler derselben kamen nach gut bestandener Prüfung nach der Sekunda B einer Realschule erster Ordnung; ein anderer bestand das Examen zum einjährigen Militärdienst „mit Lob." Es wirken an der Anstalt außer dem Director drei ordentliche Lehrer, der Hausvater und 7 Hülfslehrer mit. Dem Unterricht im Hebräischen, in der jüdischen Religion und Literatur wird ganz ^sondere Sorgfalt in jeder Klaffe zugewendet. Aus der „Chronik der Anstalt" entnehmen wir noch, daß der Anstalt nicht nur aus Nord- und Süddeutschland, sondern auch aus England, Polen und von den Azoren Zöglinge im Alter von 9—17 Jahren anvertraut werden. Der Gesundheitszustand an der Anstalt war ein durchiveg guter. Am 26. Juni starb in Hannover einer der Administratoren der Samsonschule, Hr. Gotthelf Jacobson. Der Director gab den Gefühlen der Trauer und Dankbarkeit bei der Beerdigung den entsprechenden Ausdruck. Am 13. u. 14. September fand im Aufträge des Herzog!. Ministeriums eine Revision der Anstalt durch den RegierungScommiffar, Consistorialrath Stausebach, statt, der sich sehr günstig über die Fortschritte der Schüler und über die Leitung deS Ganzen aussprach; ebenso waren die Resultate der öffentlichen Prüfung am 24. Septbr. sehr erfreuliche. ' Hannover, Ende Sept. (Or.-Corr.) Unsere Gemeinde ist dieser Tage auf's Angenehmste überrascht worden. Bei Eröffnung der Testaments des jüngst verstorbenen, langjährigen, ersten Vorstehers, Hrn. Daniel Heinemann, fand sich, daß derselbe, außer verschiedenen Legaten für hiesige Stiftungen und Vereine, 30,000 Thal« zur Gründung eine- Mädchen-WaisenhauseS auSgesetzt hatte. H. war allerdings kinderlos, aber es sind von seiner und seiner Frau (geb. Benfey) Seile nächste Verwandte vorhanden, die freilich auch noch keineswegs leer a«»gehen. Andere Legate find von einem andern Verstorbenen auSgesetzt worden, von dein sie auch wohl Niemand erwartet, um den überhaupt nur Wenige sich gekümmert hatten. Der Mann hieß Meyer — vulgo Goldmeyer, nach seinem Handel so genannt. Er war ein Sonderling, stand allein, war geizig bis zum Exzeß, d. h. für seine Person. Man munkelte, daß er sehr vermögend sei. Da» bestätigte sich, die Erben gingen aber leer aus, Meyer hatte Alles zu milden Zwecken vermacht und zwar zum größten Theil für allgemeine städtische Anstalten, ohne Unterschied der Religion. Die jüdisch« Gemeinde hat jedoch auch für ihre besonderen Anstalten etwas erhalten. Man erfuhr aber auch erst nach seinem Tode, wie viel Arme, Bedrängte, Verschuldete, AuSgepfändete seit Jahren von Gold - meyer Geld erhalten hatten, als Darlehn ohne Zinsen und meist als Geschenk, d. h. auf Wiederbezahlung an einem jener nie eintretendcn Kalendertermine. „DaS Herz ist ein krummes Ding", sagt der Prophet, „wer kann eS ergründen?" Rintel». Schon seit langer Zeit besteht hier eine iSr. Eynagogengemeinde, welche aber in Folge der geringen Anzahl der Gemeindemitglieder, die noch dazu meistens unbemittelt sinv, bislang leider weder eine eigene Synagoge noch Schullocal besaß. Bi» noch vor wenigen Jahren hat nian nicht so daS Bedürfniß gefühlt, ein Eigenthum zu besitzen, da sich bi» dahin leicht Gelegenheit fand, beide Locale für einen mäßigen MiethzinS zu erhalten; nachdem aber in letzterer Zeit, in Folge der durch die wachsende Industrie am hiesigen One sehr veränderten Berhältniffe, die Wohnungen sehr rar geworden und die Miethpreise ganz bedeutend gestiegen sinv, $ t* überaus schwierig, paffend« Räume für Synagoge und Lehrerwohnung verbunden mit Schulloeal zu erlangen, und schon öfter« ist die Gemeind« durch ganz unerwartete Kündigungen in die peinlichste Berlegenheil gebracht morden. Au» diesen Gründen geht denn auch die hiesige Gemeinde schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken um, sich ein Eigenthum zu erwerben, uud eS sind zu oiesem Behufe bereu» freiwillige Spenden in der Gemeinde veranstaltet. Zwar ist e» uns nunmehr gelungen, eiu paffendes Local zu erlangen, aber eS wird die Geiileinde, bevor sie den volle» Zweck erreicht, noch recht große Opfer zu dringen haben Da sie jedoch nicht im Stande ist, daü heilige Werk aus eigenen Mitteln zu vollenden, so ist sie daraus hingewiesen, daS noch fehlende Kapital durch Collecuon aufzubringen. Israel hat stets opferwillige Gaben gespendet, wenn eS galt, da» von unsern Vorkahren überlieferte Heiligthum zu erhalten und GolteS Namen zu verbreiten. Hierauf gestützt, richten wir an unsere Glaubensbrüder, insbesondere an sämmtliche Vorstände der Eultusgemeinden die ergebene Bitte, in ihren Kreisen und Geaieinden dahin zu wirken, daß die zum Baue des erwähnten Gotteshauses erforderlichen Summen durch milde Gaben aufgebracht und die Beiträge den Unterzeichneten gütigst zugesandt werden. Rinteln, i. d. Kurhessischen Grafschaft Schaumburg, den 7. Mai 1875. Die Gemeindeälteften: Julius Edelstein, Herrn. Stern. Der KreiSvorsteher: Louis Steinfeld. Daß die vorstehenden Angaben sämmtlich auf Wahrheit beruhen, bestätigt der Unterzeichnete mit den« Beifügen, daß die Israeliten zu Rinteln wegen der großen und vielen Opfer, die sie seit einer Reihe von Jahren der Erhaltung ihre» Eulte« und Religionsunterricht» bringt, da» größte Lob verdient. Ihr zur Verwirklichung ihre» Vorhabenbehülflich zu sein, ist in der Thal sehr verdienstlich, und ich empfehle dieselbe mit aufrichtigem Herzen alle,» denen, welchen die Förderung der Religiosität in den jüdischen Gemeinden nicht gleichgültig ist. Cassel, den 21. Mai 1875. Der Landrabbiner vr. Adler. Hamburg, 3. October. Ueber den von Ihnen berichteten Synagogendiebstahl bringen die „Hamb. Nachr." die nachfolgende Verhandlung: In der gestrigen Sitzung de» Strafgericht» erhob der Vertreter der Staatsanwaltschaft zunächst gegen den 19jährigen Ludwig Elkan, Uhrmachergehülfen, Anklage wegen mehrfachen schweren und einfachen Diebstahls und Diebstahl-oersuchs. Derselbe hat dem Boten der Synagoge „Agudath Jescharim", welcher bei den Eltern des Angeklagten wohnte, den Schlüffe! zu der Synagoge weggenommen, letztere mit demselben aufgeschloffen, daselbst Sammelbüchsen erbrochen und daraus ca. 20 M., sowie außerdem auch eine beim Gottesdienst in Gebrauch befindliche silberne Hand entwendet. Mit demselben Schlüffe! öffnete er ferner eine Synagoge am Neuen Steinweg und entführte hier ebenfalls eine silberne Hand. Die beiden Hände verkaufte er an verschiedene Goldschmiede für resp. 12 M. und 20 Nt. — Der Staatsanwalt hebt hervor, daß hier zum ersten Mal seit Einführung des neuen Strafverfahrens der Fall vorlige, daß aus einem zum Gottesdienste bestimmten Gebäude Gegenstände gestohlen seien, welche dem Gottesdienste gewidmet sind, und deshalb § 243 sub 1 des Strafgesetzbuches zur Anwendung komme» müsie, wogegen andererseits als strafmildernd in Betracht gezogen werden könne die Jugend des Angeklagten, seine bisherige Unbescholtenheit und die Wiederherbcischaffung der gestohlenen Gegenstände. Es werden 9 Monat Gefängniß beantragt. Der Bertheidiger, Hr. vr. I. Kohen, bestreitet, daß die silbernen Hände solche Gegenstände seien, auf welche die in 8 243 sub 1 gebrauchte Bezeichnung Anwendung finden könne und bittet um eine geringere Strafe. Das Strafgericht erblickt jedoch darin, daß der Angeklagte wiederholt in Gotteshäusern Diebstähle verübte, eine sittliche Verderbtheit erschwerender Art und verurtheilt ihn zu 1 Jahr Gefängniß. Lottbu», 30. Sept. Gestern wurde hier die neue Sy' nagoge eingewetht. ES waren dazu die Staat»- und die

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