Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 336 — ein Jude?" Neunmal unter zehnmal erhielt sie jnr Antwort: ich bn ein Jude." IW Schluß Mi vorig« Leitartikel« i» nächster Rr. Berichte und Correspoudeüzeu. Leutschlaud. Berlin, den 26. Septbr. (Or.-Corr) (Die neue Synagoge an der Potsvamer Brücke.) Die Ausdehnung Berlins hat schon lange das Beoürfniß fühlbar gemacht, in den entfernteren Stadttheilen Betlocale einznrichlen. Wie diesem Bedürfnisse. welches zu den hohen Feiertagen am lebenöigften hervortritt, im Allgemeinen Abhülfe gewährt wirb, varübcr ist genug geschrieben und noch mehr gesprochen worden, und wir lassen diesen Punkt gerne unberührt. Um so mehr Anerkennung verdienen die Männer, welche k ine Mühe und Kosten gescheut, um in« Westen der Stadt ein« würdige Stätte für den jüdischen Gottesdienst zu errichten. Cs sind die Herren M. Oppenheim, Coinmerzienrath Salomon Lachmann, Rentier L. Ungcr vnd Bankier Jakob Bamberger. Bor Allen hat der Erstgenannte mit wahret Selbstverleugnung seine Zeit dem Interuehmen zugewandt, und es ist nur seiner rastlosen Energie zuzuschreiben, daß Vas Gotteshaus schon zu den hohen ssesUagen seiner Bestimmung dienen kann, und heute die Einweihung statthaben konnte. LS ist eine für die hiesige Gemeinde sehr bedeutsame Lhatsache und wohlgeeignet, zum Nachdenken aufzufordern. Sie zeigt uns, daß die ein religiöses Bedürfniß fühlende,, Gemeindeglieder mir der herrschenden neologen Richtung nicht einveistanden sind und cS deshalb vorziehen, ohne sich von der Äemeinde zu trennen, selbstständig und ganz unabhär gig von der Gemeinde-Berwaltung, für chre Befriedigung zu sorgen. Die Festhaltung de« iu der alten Synagoge vom sel. vr. Sachs eingeführten Ritus und die Berufung des Landes-Rabbiner vr. Cohn au« Schwerin zum Rabbiner und Prediger an dieser Synagoge sind dafür vollgültiger Beweis. Die Einweihung der nicht großen, aber einfach und würdig r «gerichteten Synagoge fand vor einem zahlreichen gewählten Publikunt durch Hrn. Rabbiner vr. Lohn statt. Ts wäre , der Borstand der Gemeinde, das Rabbiner, sowie die Rabbiner der Privat - Vereine, geladen und auch meist erschiene«. Von den Behörden bemerkten wir den Ober-BürgerMeifter und auch einige Sladträlhe. Rach den üblichen, vom Lantor Hrn. Lichtenstein inlonirten und von den Thören der beiden Gemeinde - Synagoge« begleiteten Gesängen, den Ilmzüge» mit den prächtig geschmückten Thorarollen, bestieg xr Hr. Rabbiner vr. Lohn di« Kanzel «ad legt« in einem eelenoollen, von hohem GeifteSschwuage getragenen. Bortrag rar, was die Synagoge dem Israeliten lehre, nämlich waS er Gott und was ihm die Welt sein solle. Wa» Gott dem Mensche«, waS der Mensch der Welt, daS erfahre tt brausen, da« lehrt die Natur, die Geschichte der Menschheit und besonders die Geschichte Israel«, ja jede« Menschen Geschch. Es nahm der Redner Gelegenheit, auf di« frechen Astgrffe der den finsteren Mächten de« Wahne« dienende» Blätter hinzuweisen und die feste Hoffnung aüSzusprechen, daß «S chnen nuht gelingen werde, das hell« Licht de« angebrochenen Tage« zu verlöschen und da» finstere Mittelalter mit s:inen Verfolgungen und Trübsalea von Neuem erstehen zu lasse«. Der Redner führte nun au», wie die Synagoge «ad da« t arin vor uns aufgerollte Buch der Thota un« lehren, wa» vir Sott und wa« un« di« Welt sei» solle: „Ihr sollt lieben dem Ewigen unfern Sott von ganzem Herzea, von t.auzer Seele und mit ganzem Vermögen." »Ihr sollt heilig sein, den» ich bin heilig." Minder seid Ur Eurem Gotte" Da haben wir di« Richtschnur für unser Lerhältniß zu Gott, zü unseren Rebenmenschen, da hören wir, wie wir die Güter der Welt benutze» sollen, daß sie uns und der Welt zum Segen gereichen. Der Redner weihrte nun noch in gehaltvollen Worten da« ewige Licht, die heil. Lade, den Vorhang, die ganze Synagoge dem heiligen Zweck und schloß mit dem vom sel. vr. Sachs verfaßten Gebete für Könighaus und Vaterland, dem er die Schlußformel des alten Gebetes für den König beifügte, seine über eine Stunde währende Rede. Ungeachtet dieser nach unserer Meinung etwa« zu langen Zeitdauer, hielten der mitunter bis zur dichterischen Schönheit gesteigerte Anmuth des Ausdruckes, ünd vor Allem der tiefe Gehalt welcher Geist und Herz in Anspruch nabm, die Aufmerksamkeit der Hörer bis zum Schluffe gleich rege, und die lebhaftesten Glückwünsche wurden dem Redner am Schluffe der Feier zu Theil. Wir nannte» oben das Ercigniß ein für unsere Gemeinde bedeutsames, denn es scheint uns damit der Weg angebahnt, der allein geeignet ist, den verschiedenen religiösen Strömungrn Rechnnng zu trage», ohne die Gemeinde zu zerreißen. Wenn sich die Synagogen s e l b st st ä n d i g constituiren, dabet aber eine Central-Verwaltnng der Gemeinde für gemeinsame Institutionen: Armen-Unterstützung, Begräbuißwesen, WohlthätigkeitSanstalten u. f. w. u. f. w. erhalten wird, so ist jedensalls der Friede in der Gemeinde und die Einheit, auf welche wir bisher stolz waren, gerettet. Wir können die« jetzt nur andeutungsweise berühren und überlassen eS gerne einer gewandteren und sachverständigen Feder, den Gegenstand ausführlich zu behandeln. (Auch wir halten diesen Gedanken für einen im Allgemeinen richtigen, ohne jetzt, schon der Nähe deS Feste« wegen, darauf genauer eingehen zu können. Wir glauben weiter, väß unser Hr. Torresp damit die Ansicht der ungeheuren Mehrzahl der Juden unserer Länder und unserer Tage ausspricht; eS sind nur diejenigen anderen Streben«, welche entweder ihre Meinung Anderen auszwingen, oder die um jeden Preis die Einheit zerreißen wollen, sei dies au« Ueberzeugung, sei e« um der Herrschsucht willen, und weil sie nur e» petit comit6, so ganz unter den Ihrigen, sich Geltung verschaffen können Aber die Möglichkeit zu solchen Büdungen ist «ur in ganz großen Gemeinden gegeben! Red.) Migdebarg. Einem Aufsatz der hies. M. Z., welche» nach der „Jenaischen Allgem. Schulzeitung" die Statistik de« höheren Schulwesen« in Preußen bespricht, eMnehmen wir über das Zahlenverhältniß der Mischen Schüler noch folgend« Daten, welche als zllsammenfassend von Jttteresse sind, obgleich daS Verhältniß im Ganzen und Einzelnen schon oft besprachest worden ist. „An Gymnasien stieg vom Sommer 1868 bi« Sommer 1873 die Zahl der evangelischen Schüler vost 37,985 auf 43,149, also um fast 14 pEt., die der katholischen von 13,611 auf 14,438, also um 6 pEt., die der jüdischen von 4498 auf 5609, also um fast 25 pEt. Bet den Realschulen L Ordnung dagegen stieg die Zahl der Evangelischen von 15,715 auf 29,871, also um fast 33 pEt., dis der Katholiken von 2495 auf 2971, also u« fast 24 pTt., die der Juden von 1179 auf 2329, also um 31 pTt. & stellt sich demnach die Zunahme in züsammenfaffender üeberßcht also: Evangelisch« Katholiken Juden Gymnasien. 13 6 25 Realschulen. 33 24 31 und e« erhellt, daß die Frequenz der Realschulen sich in weit höherem Grade gesteigert hat. Beachtenswerth ist ferne», daß die Zahl der jüdischen Schüler am meiste« zugenommen» und zwar nameMlich an den Gymnasien, nicht an den Realschule». Mizdebnrg, Ende September. Mit Jahretschluß geht H «st» der vom Direktor Vr. M. Rosenstock geschriebene „Jahre«- bericht der Samsonschule zu Wolfenbüttel* PI. Auf 4