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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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331 — verständlich auch dem fraazSfifchen bürgerlichen Gesetz« unterworfen find und sich lediglich nach diesem zu richte,» habe». Ferner ist bekannt, daß bei den Juden in Asten und Afrika die Polygamie noch zu Recht besteht, in den, der Cherem de Rabbena Gerschom, welcher sie vor ca 800 Jahren abftellte und von den adenbländifchen Juden angenommen wurde, in, Orient nicht in Kraft getreten ist. Faktisch leben unsere Glaubensgenossen auch ta fast ohne Ausnahme in Monogamie, für einzelne Fälle, wie den hier gleich zu erwähnenden, halte» sie sich aber an da» alte mosaisch talmudische Gesetz, nehmen eine zweite Frau zu der ersten oder geben dieser den Scheidebrief. Bi« zum Jahre 1870 war die« den algerisch:» Jtraeliieu gestaltet, nunmehr aber stehen sie »ntcr dem oods civil, nach' welchem weder von einer Scheidung »och von einer anderweitigen Heirath, al« Bigamie, die Rede sein kann. — Jetzt zur Sache. Ein gewisser Sasportewar seit 36 Jahre» oerheirathet, doch war die The kinderlos; früher arm, war er durch Fleiß oder Erbschaft oder Glück, gleichviel wie, sehr reich geworden und — »ahm ii» Jahre 18 7 2, wie di« Anklage behauptet, eine zweite Frau zu der ersten. Eomplirirter »urd« dttb vergehen gegen da« französische Gesetz dadurch, daß Sasporte« diese seine The in da« I. 1869 — also vor der Raturalisirung — zurückdatirt hat, d. h. er hat die Ke ludah von diesem Jahre datire» lassen. Er hat sich also auch tluer Art Fälschung schghVgge machtk. i«dessen ist dieser Umstand nicht vollkommen conftatirt, iudem Angeklagter zwar zug»bt, daß er die Kelubah au« 1869 Hab« ausstelleu lassen. >n Wirklichkeit sei er aber auch schon seit diesem Jahre mit der zweiten Frau vetheirälhe«. Wenn er auf Vorhalt in frühere« Berhär erklärt habe, diese zweite Frau sei nur seine Dteustmagd, so Hab« er nur den Kreuzfragen ausweicheu wolle», Hude di« ganz« Sache nicht recht verstand-». weil er bona Öde die zweite Frau genommen Hab«, ohqe zu wissen, daß ihm bi«« jetzt oerbolen sei. und ohne sich um die« französische Gesetz'zu kümmern. T« wucde ihm freilich vorgehalten, daß er dre Ausstellung einer oordatirten Ketubah in dem Bewußtsein veranlaßt habe, daß seine zweite The im Jahre, 1872 vor'dem Ärsetze ungäliig gewesen sein würde; er oerharrt jevdch bei seiner'Ansicht, daß er damit 'nicht« . Unrechte« gelhau Hab«, er hält die Ehe für legitim, ja für religionsge- »rtzltch'geboten, weil die frühere kinderlos geblieben war Er behauptet, man werde in Ora» mehr al« zweihundert I«- raelüe« finden, welche da« neue Gesetz durch Autrdatirung dev Ketnbah'o umgangen HSIlSn. — Wir lasst» indessen die Frage, ob Saoportr« sich einer Fälschung schuldig gemacht Hab«, auf sich beruhen; denn obgleich sie dem Staatsanwalt, de« Brrrheidiger und den Geschworenen sehr wichtig sein mußt« und eigentlich durch Erkenntuiß de« obersten Gericht«- hyse» zu Algier in der Voruntersuchung bereit« bejahend «nt> schieden war, so «st sie doch von keinem allgemein«« Interesse. Desto uiehr gilt d,e« von de» Auslassungen de« Sasporre« über seine zweite Ehe und seine Stellung zu dem französischen .Gefecht-, merl er daulit ohne Zweifel die Ansicht sehr »ieler Joraeluru in ^>ran autjpricht., Tr behauptet mit Wärme und Entschieden eit: »die Religion befiehlt mir, ein« -welle Frau zu nehmen, weil die erste mir keine Ander 0«'- scheukl hat; da« französisch« Gesetz kann mein Religionßgtsttz »tcht ändern» wenn (wie der Richter ihm entgegetihtelt) alle europäischen Juden sich strikt an die Monogamie hasten^ so mögen sie r« halten, wie sie wollen, ich halte mich ay..Msg Rrtigio»t«gejetz; ich habe nie begehrt, Franzose zu werben, ich will Israelit« sein und bleiben, dauiit Punktum!" — Gejchwdrenrn haben den Mau» sreigesprochen, zweifellos bärum, wrü sie die Festigkeit seiuer religiösen llrberzeugung ehrten, denn die bewußte Grsetzüvertrrmna, also die rigentl>DWkhalfy»g«,l km«-,ar.»chl^ betetet to&btHi Süif haben nur noch hjnzuzufügen, daß Sasporte« für sich ganz recht hat, wenn er behauptet, da« Gesetz schreibe, chm vor, eine zweite Frau (zu der ersten oder nach Scheidung von dieser) zu uehmen, wenn di« erste kinderlo« geblie-. den» «» ist so rnltWchtschr Vorschrift. - St» lst atrrdtag«/ tir natürlicher Lonsequenz •' üok den abendländische« Jude« angenommenen verbot« der Polygamie, für dieselben außer Gebrauch gekomaien. Für die Inden in Oran ist da« aber nicht der Fall, und sie befinden sich in Folg« de« Decrech, welche« ihnen einfach den cod» Napoleon mit seinen mitunter auf reiner Willk,sihr beruhenden ehrgesetzlichen Bestinlaiungeo auferleg«, in einer unangenehme» Lage., Der Herr Redakteur de« Unio. J«r., der sonst fp fest und energisch auf dem Boden der pofitiv-Jübische« stehc, geht über das fragliche Dilryima diesmal viel zu leicht hinweg Tr beruft, sich aus die Trklärunge» de« Synh^driumt vo» 1808. Kann aber diesem für hi« Juden in Oran rin« Spur vo» Autorität inwohnen!? (Wir haben über diesen Punkt i» einem Leitartikel Rr. 24 ». I. etwa« ausführlicher geredet.) Vermischte und »euefte Nachrichte». , Stotp, 25. September In her letzten Ssadt^rnrdqpj. teusitzuug erklärte sich die V«tsamsqlzl»g bumst «ytoerstaudeu», daß vorn 1. Oktober diese« Iahest ab.her, Misch« Resiglou«; unterricht im hiesiger; GymnajWn obligatprijch eingeführt ütttz, dem betreffenden . Lehrer eine jiihr.iche Remuneration vM 300 Mark gezahlt werde. (R. St. Z)^. Lu« Bade«, 17. September., Der «esttzentwurf über Einführung der obligatorischen gemischten völks« schule soll bereit» vollständig ausgearbeitet' sein und nur noch der Genehmigung de« Großtzerzog» unterliege«. — I» Monat Oktober wird in Karlsruhe rin gemischte« Schulleshrersrminar eröffnet »erden. G« werden Lehrer der verschiedenen Eonfesfionen an der neuen Anstatt wirsen. Au« dem VntheirsgthuA.Heße». Herr Alagrmiein, i«r. Lehrer in Oberiygelheim und Redakt. der Polkszlg", ist von der Regierung zum'.Lshrer an der t-Arttgep Se-, meindejchule, woryy nunmehr $ Psoteftanil»^, zw^t statholiken und eist Jude, mitten, ernannt worde^T, T« ist die« der"erstg Fall einer solchen definitiven Anstellung im Größherzog» thum Hessen. Wie». (Rothschild obdachlos) De«-va«»Rothschild passirte vor einiger Zeitei» Malheur, das sonst nur de« - ärmsten Teufel passirt: er war obdachlos. Da« kam so:-Da» PalaiS Rothschild wird renovirt, und der glüctlich« Besitzer desselben war daher gezwungen, in Miethe zu gehen; Baron Rothschild logirte sich im „Hotel zum -römische« Kail«" ein,-, v wohin auch sein geiammte« Meublement geschafft wurde. Heuts Rächt —. e« war schon gegen Mtternacht — kam der Millionär „nach Hause", und da dal Hotel schon g^chloffeu, so .that er. wa« minder BemiUelt« in. solchen Momente« auch thu«, er. läutete. Dem Herrn Barou sollte e« aber auch weiter ergehen. wie es minder Bemittelten zu ergehen pstegl, der Portier hörte nicht. Der Barou läutete, zum »weiten Mal«, zum dritten Male, zum vierte» Male, vergeben«! Der Portier schlief riuen Schlaf, »«.den. ih» die Gölüu. der Gerechtigkeit selbst beneiden mußte. Viertelstunde auf Viertelstunde verrinnt, und noch immer läutet „esll, zuweilen wir» da« Läuten durch Pochen an die Thür« unterbrochen -» Alle« vergeblich, der Pottier schläft. Schließlich bleibt, dem. Ansgesperrteu nicht« übrig, d« sein eigene« Hau» aufzusnchen, ü««i,ä»ami1t»ldnv an das. Hotel anstößt. Hier ist her Herr Barou glücklicher. Schon bei» drille» Lünten öffnet sich da« Thor, aber — neue Berl^enheit, wo .schlastn? . Sämnulich«. Bttto» de« -Hanse« find im „Römischen Kaiser". Endlich ist doch ei» Lager znsammengestellt unbvaro» Rathschitd gebettet. De» anderen Morgen» läßt er eine» Sekretär pr. sich kommen und sagt!' , „Linder J, nehmen..Sie hundert. Gulden .und schicken Sie die- - selbe« sofort an sag.^lsGfstr Obdachinje". Kein Zimmer, tei« Bell. i» habe», ba« O ei, große« Etmch. tch hab' 4» ftthst rwpflMUM." Sö «kb Ut Mstsche» Zmtuug^ «Mt.

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