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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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N§*", diesem vekenntuiß unserer Barfahren, nachznsinnen, soll sich nicht nach der „rituellen" Seite hin wenden. Da aber schwerlich jemand behaupten wird, bas; die Anklagen, welche heutzutage gegen Juden erhoben werden, iuSgesammt jede« Anhalt« und Grunde« enii>«hl.n, da sie nicht reiu au« der Lust gegriffen sind, so ziemr sich doch wohl darüber ei« ernster Gedanke — auch wenn wir nicht eben in den Lagen der Buße und der Selichoth schrieben. Die Anhaltspunkte und Anlässe der Anschwärzungen sind »u« von zwei verschiedenen Arten. Die der ersten Art kann mau nur namhaftt machen, sie fallen dann entweder in sich zusammen oder find nicht zu ändrru, die andere Art giebt zu »eiteren Erwägungen Anlaß. (Schluß folgt.) Berichte und Correspoadeuztu. Dewtschlaud. FwUtlfurt «. M , September Ueber die Naivität eine« Missionär« berichtet ein Eorresp. der „I. Bolk«z." Ich Hab« Ihnen einen interessanten Fall zu berichten, welcher mir in Hirsen Lagen begegnet ist. — Mich besuchte ein Herr Tschopurion, ein armenischer Ehrist, Vorsteher einer Schule zu Eon» ßantiuopel, welcher für diese die Wohlthätigkeit in Anspruch »im«nt, und da geht man auch an der Thüre der Juden nicht vorüber, welch« ja gerne überall zur Förderung menschenfreundlicher Zwecke beitragen, oh»e sich »ach der Zollstälte der Lonsrsfiou umzusehru. Auch ich hatte mir sofort oorgeno« men, hi«> Sach« nach Kräfte« zu unterstützen und meine» Beitrag zu zeichnen. Doch fragt« ich im Laufe de« Gespräche«, ob jene Schule auch von Mischen Kindern besucht werde? und auf die bejahende Antwort hin äußerte ich al« anzunehmende Voraussetzung, daß dieselben doch wohl in ihrem väterlichen Glauben nicht beirrt würdest? ' Akltist der Her: Missionariu« erwiderte, in schönster Einfalt, ohne mit einer Miene die Sahrscheinlichkeit kund zu geben, daß er mich, den Juden, de« Lehrer de« Jndentlütm«, damit verletzte: „nein, da« ist gerade der Zweck, «eShaib wir die jüdische« Kinder ausnrhmen, um sie »it de« Enaageliu« bekannt z> machen!" — Da« schien mir doch die Offenherzigkeit etwa« auf die Spitze getrieben, und ich sagte ihm ru aller GrmülhSruhe: „Lieber Herr, da« halt« ch für ein Verbrechen, Kinder auf diese Weise «m ihre angestammte Religion zu bringen. Wir Inden leben der llrberzengung, daß Jedermann au» seiner eigene« Religio« de» Weg der Seligkeit finden könne, und «ach«« Denjenigen Schwierigkeiten, die zu un« übertreten wollen. Luch erkenne» wir von unserem Standpunkt« di« Bedeutung de« Ehriftenthum« an; wenn r« sich selbst die Religio» de« Mittler« nennt, so ue»»«u wir et die Religion der Vermittlung, denn es vermittelt den Polytheismus und den Monotheidmu« in der Lehre der Dreieinigkeit. Da nun da« Jndeathn« den reine» Monotheidmu« lehrt und zu erhalte» berufen ist, so ist di« Judenmission ein zurückgreifender Verstoß gegen die Weltgeschichte und de« Beruf de« Lhristeuthum», dessen einzige Ausgabe ist, di« Heiden zu bekehren und da« deshalb mit der Judeubekehruug stet« fo schlechte Geschäfte gemacht hat." — Herr Lschopurion, der wohl nnler seinen armenischen GlaubenSbrüdern noch o)e eine solche Andauung von Zudeunckd Ehristenthum vernommen hatte, Lr stuylm vor Er,la»tn«n'stnb'säh mich mit langem Gesichte voeigetld an. Sä 'Wagte ihn nachttäglich, ob er den beamtest Brieswechsel zwischen MendelSsohii und'Laster kenn«, ^in' dieser Jeyem alt Aden da« GeLagen zur Seligkeit eine« längeren Pege — vi«' ~ 1 »uär. 1^11 D«tz» VVU^«» diese.Gegend war aber nunmehr srlbstverstanden meine Unterstützung einer An» stall, welche e« zu ihren ausgesprochenen Zwecken rechnet, di« Kinder meiner Glaubensgenossen von der Religion ihrer Bäler abwendig zu mache». Wir schieden in Friede»; her gute Mann war um ei»e Lehre reicher geworden. Düfteldosj, den 24. Sfpsbr. (Or. Eorr.) ,tz« gereicht mir zu großer Geuuzthuung. Ihnen über unsere Gemeind«, welch« eine Zeit laug da» Bild de« ZerfilleS und der größten TheilnahmSlosigkeit darbot, »unmebr recht ersreulich« Berichte geben zu können. Wie Ihnen bekannt, wurde, nachdem Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld nach l 7 jähriger geWiffen- Hafter Amt»thätigkeit al« Rabbiner nach Posen berufen worden und Herr Dr Plato, Direktor de« inzwischen von hier nach Eirenfeld verlegten Lehrer-Seminar«, einige Zeit al« provisc.sicher Predtger sungirt hatte, H:»r Rabbiner,Dr Wedell au« BreSlau einstimmig zum Rcbbjner der hiestge» Gemeinde gewühlt. Wie Herr Dr. W. in seiner am Schubuolseste gehaltenen und mit großem Beifall« ausgenommenen AnlrittSpredigt auScinandersetzte, hält er e« für wahre ächte Religion durchaus für nothwendig. daß die Bekenner derselben sie mit klarem Berständniß dr.rchdringeu Um dir» zu erreichen, wolle er bemüht sein, die Aufgabe zu lösen, welch« der Prophet (Mal. 2, 7 t) ausgesprochen habe, in den Warten: »Die Lippen de« Priester« sollen Erkenntpiß wahre,, und Lehre soll man suchen au« seinem Mund-." Daß er an die Lösung dieser Ausgabe mit Ernst herangegangen, dg« beweisen nicht nur seine lehrreichen Kanzelvorträg«, sondern auch da« Wachsen und Emporblühen der Rtjligiou-jchule, welche bereü« 100 Zöglinge zählt, während sie beim Amt«« autrüt de« neue» Herrn Rabbiner« nur ca. «0 zählte. Gewiß her best« Bewei«, daß die Gemeinde nicht ohne Grund Herrn Dr. W. da« unbedingteste Berlrauen entgegenbringt. Und dasselbe weiß er mU dem besten Erfolge auch »ach andern Seiten in vollkommensteni Mäße zu rechtfertigen. Denn so schwierig auch di« Ausgabe ipyr, die verschiedenen, in .ihre» Ansichten weit auSeinandergehenve», zum Theil nach den weitgehendsten Reformen verlangenden Parteien zu versöhnen und einander näher zu bringen, Herrn Dr W ist e« gehz»- gen, dieselbe in befrsrdgepdster Weise zu lösen. Zeugniß deß ist die neue Gebetordnung, qKldie mit dem neuen Jahre i, Kraft treten soll, und nach welcher nur solche Aendprungeu vörgenommen ugd solche Stücke weggelassen sind, welche nach dem p*7 sich nicht nur rechtfertige» lasten» sonder» der« n Leglaffung nach demselben sogar wünschenSwerth sind. Ganz besonder« hervorzuheben und hei der Zusammensetzung der Gemeinde wichtig ist e«, baß chan i« der neuen Synagoge von der Ausstellung einer Orgel, welche vielfach gewünscht worden, nunmehr Abstand genommen hat. Wie sehr sich di« Gemeinde mit ihrem neuen Rabbiner Herrn vr. W einig weiß, geht au« dem Berichte hervor, welchen der „Düffeldorfer Anzeiger" über da« anläßlich der Synagoge».Einweihung oeransialtete Kinderfest brachte, u,d welchen wir daher hier im AnSzuge folge» lasten: „Anläßlich der Einweihuqg der Synagoge veranstaltete die hiesig« Israelitische Gemeinde Montag den 13 h. ein Fest für die Kinder. Diese versgmmelten sich festlich gekleidet im Schullocal, zogen mit zahlreichen Fahnen versehen, ui geordnetem Zuge zum Wehrhahu, wo sie eine genügende L«abl Wagen erwartete, um sie nach Grasenberg zu sahre». Nachdem die Kinder hier sich gestärkt, Maschinen sie »ach de« Spielplatz, woselbst Herr Rabbiner Dr. Webest in einer treffenden Ansprache e« denselben an'« Herz legte, auf die in Synagoge und Schule ihnen gebotenen Lehren wie Ernst und Eifer zu achte», um sich zu züchtigen und treuen Bürgern de- 'Staate«, sowie zu aub^gglichen und gotte»sürchtigen Mitglieder» der Gemeinde hekanzrHildrn Hierauf sprach Herr Leo pön Perlstein he.m Herrn Rtb- S: seine» S^dnt aut »ad formte die oersamwelte Kinderr und die zur Lhejinahwe am Fest« zahlreich erschien eds» Herrn »ah.

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