Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5938001--2823-5372271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' <NH«*dt; (M ÜUiMwi). Die „Mgd. «olfipit.- ntt^ait kslgsnd« Bekanntmachung: »Der btrtjtyrige fkQmnaift fällt nicht, mit althergebracht, auf Freitag, und Sonnabend, sondern wegen de« auf dies« Lage fallenden jüdischen Laubhütlenfest auf Montag und Dienstag den II. und 12. Oktober*. Auch der Magistrat »acht AehNffche« bekannt. Dirfchrn, 21. September. Zu welchem Verbrechen die Putzsucht «in achtjährige« Mädchen verlocken kann, haben wir dieser Läge erleben müssen. Ein zweijährige« Lind jüdischer Eltern, welche« anständig gekleidet und unter ander» auch mit einem neuen Schürzchen und einen Korallenhalsband angethan war, wurde von einem achtjährigen Mädchen an den Rand der Weichsel gelockt, dort der Schürze und Halsbandes beraubt und dann in'« Master gestoßen. Einem Fischer, der, nachdem die kleine Berbrechertn die Flucht ergriffen hatte, hiazukam, gelang e«, da« schon im Abgrund verschwunden« Ktä> heraichzuzichen und mit vieler Mühe zum Bewußtsein zarückptrufen Jene« achtjährige Mädchen, wegen de« beabsichtigte» Verbrechen« zur Red« gestellt, soll geäußert haben, sie habe da« jüdisch« Äinb nur taufen wollen. Eil», 10. September. Di« hiesige prächtig« Synagoge, «elch« schon einmal vor mehreren Jahren durch Feuer im Innern beschädigt worden war, ist heute durch eine in deren Nähe an«gebrochene FeuerSbruust bedroht gewesen. Der Schade», de» sie durch die Giulhen und Lurch da« Löschen genommen hat, ist indeffrn Gottlob unerheblich. £(UtMM, 4. Sept. Ein sonderbarer Bdrfall setzt die hiesige jüdisch« vrvSlkerung in Aufregung und verursacht auch in den freistnuige» christliche» Kreisen der Stadt bedenkliche« Kopsschütteln. Sie «erden da« begreife«, wenn ich Ihnen auf Grund authentischer rIdfformptivn dqn LlMng erzähle. In eine hiesige renommiN?Miittvitthschäf?1rnr Herr Friedrich von Ranch, ein Mitglied der hiesigen Haute-rol«e; von eine« der Tische hatte sich einen Augenblick - zuvor ein jüdischer Bürger erhoben und blieb nur noch ein Gast an demselben. Dieser war ein Freund de« eben eintretendrn Herrn v Rauch, der sich'aber nicht zu ihm sftste, sondern ihn an «iWkN'Rebentisch zu sich einlud, indem er diese« Verlangen la»t mit de« Worten begründete: »An diesen Tisch setze ich mich nichtda hat «in Jude gesessen.* Ich enthalte mich jebkk Kritik diese« Benehmen» und bemerke nur noch, daß Herr vo» Rauch Abgeordneter der Stadt Heilbronn im Landtag, Präsident der hiesigen Handelskammer und Berwaltung»rath der Mürtembergischen BereinSbank ist, Schweiz. Der große Rath von Genf hat «in Gesetz von, folgender Fassung angenommen: »1) Jede gottesdienstliche Handlung, Prozession oder religiöse Zeremoni auf öffentlicher Straße ist verboten. 2) Bou diesem Verbot ist der Feld-GottrSdieast für kantonale und eidgenössisch« Truppen autgeuommrn. S) Da« Tragen »eine« geistlichen Kostüm« oder Ordens-Kleide« aus..öffentlicher Straße ist allen im Kanton Genf wohnenden Personen untersagt. 4) Verletzungen dieser Bestimmungen werden mit Gefängniß von 1 bi» 10 Tagen und mit Geldbuße von 10 bi« 50 Fr«, bestraft. 5) Den «änilichen Strafen sind die Urheber vou Unorduuageu unterworfen, die bei der Frier eine« öffentlichen. Kultn« auf Privat-Eigenihüm Vorfällen, wo zur Verachtung der bestehenden Gesetze, der Behörden oder zu konfessionellen Hasse ausgereitzt wird.* Amsterdam. In Beziehung auf da« Circular eine« Wohlthätigkeit«-Verein», welche« die Zahl der jüd. Armen der Stadt aus 11000 angibt, (s. vor Nr.) berichtigt der HülfSverein der Diamantschleifer,jdaß, während nochwor wenigen Jahren von den 30000*) Juden Amsterdam« 16000 Unterstützung erhalten haben, diese Zahl sich jetzt auf 1100 vermindert hat. (I. World.) *) Dies« rund« Zahl hab«n «ir für di« jüd. BevSlkeruna von »nrstrrdam schon oft eng «ged«, gesund«». Wir erinnern uns «der dieselbe Nnaadeauch schon ,or 30 Jahre» gelesen zu hat«». Sollt« im satzHWDen HmchtsUdte» gerade in ».-die-Aahl che» JUdeet-j KImr sein 9Zcto4jw£ Wie Je«. World erfährt, wird der. lilm* rische Theit de« „Hebr. Leaher* von einer Dame, Mr«. Hurb, redigirt. Bagdad, von de» fanatischen Pöbel ist, wie Reuters Tel. vom IS. berichtet, «i« Jude verbrannt worden. Die französische» Zeitungen erfahre« über de» Fast, daß da« unglückliche Opfer Jehuda hieß «nd au« Hamadast i» Persien ftamMW Auf di« Anstag« eine« türkische» Priester», daß er Gott gelästert, wurde er vom PSbet '«»chtdar mißhandelt «nd dann ans öffentlichem Platz« verbran..'. Sine ganze Anzahl Inden wurde bei dieser Getegenheit mißhandtl» nnd verwundet.' Man fürchtete von den Hetzereien der Priester Mederholunder schrecklichen Vorgänge. (Erschein» t» Bagdad etwa auch eine Zeitschrift „Germania* k — setzt ein deutschrSJournal hinzu.) Feuilleton. Der Srhmtzjmd«. Sin« hiäorisch» Srzähluug au« der -«schichte der Juden in «ageturgck) Erste« tntzittl. Der Äemeindetag zu Wetßenfel«. Der Frühling de« Jahre« 1SS4 war uagrwShultch Zeitig in'« Land gekommen mit seinem Gefolge von KNöSpS», Blättern und vlüthen, Lerchmfang und Sonnenschein! Natur und Mensch jubelte über den endlichen Abschied eine« überau» harten Winter» Selbst auf den höchsten Berggipfeln de« Böhmer- und Thüringerwald«« schmolz der Schür« und machte di« Ufer zahlreicher Gebirgsbäche schäumend üderfluthea. Wild rauschte die Saale dahin, von allen Seiten Mit Waffrrmaffen" gespeist. Auf der große« Landstraße, dir vo»' Magdeburg gen Weißenfel« am linken Ufer der Saale entlang führt »ad' dt« reichen Auen de« Saalkreffe« in zwei Hälften theilt, zogen zwei Personen dahin, ein Grei« und ein junge« Mädcht», da» auf einem Esel rin. Trotz' der MsttagSftünd^ »mr c# ziemlich öde auf dem Hrerwege. Kaum daß sich hin und wieder ein Karavanenzug von Kauffenten zeigte, die bi« an dt« Zähn» gewaffnet, von Geharnischten zu Fuß und Roß gelektet wurden, denn die Straßen waren unsicher oor de« wegelagrrnden Raubritter«. Der Alte hielt da» Grauthier am Zügel, während er rüstig nrhenherschritt, mit scharfem Auge die Gegend nach allen Richtungen durchmusternd Kleidung, Halmng «nd Gesicht«züge verriethen. daß er jenem vielverleumdrtrn und vielverfotgten BolkSstamme angehörte, deffrn Dasein in jenen Zeitläuften eine fast ununterbrochen« Kette von Roth, Drangsal und erlittenem Unrechte bildete. Seine hohe Gestalt war von einem langen, bi« an die Knöchel reichenden, Kafka» von schwarzgrauen, Mariendorfrr Tuche umschloffeu, und um de» Leib wand sichrem wollener tzüszeagurt. Den Kopf bedeckt« eine AN Pelzmütze, deren Deckel au die' Polnisch« erinnerte. Bi» auf die Brust herab wallte sein filbergraner Batt, nicht in wilden Zotten, sondern weiß «ad glänzestd in zwei lange« Hälfte«. Darüber erhob sich eine scharsgeschnitteue, «nergtst!jeformte Rase «nd eia Angenpaar, dessen dunkele Ster,« eurigc Blitz« schaffe«, raftko» sich bewegend, die Rähe un » Ferne durchdNugend Alle« an dem Manne trug den Ratio - naistempel, den Urtypu« israelitischer Abknnft. E« war Samuel Levy, genannt Etbthak, der jüdische tzoftmnkier, im Mund,; de« Bolle« „der Schntzjude*geheißen, oderschlrchlweg „Schmoll* (Schmnel). •) Der Nnckbrnck dieser, Vchriststrüer in »nzchiüi», rischen, die »i» jwoch dum tetenwolle» stühmrstorten« «ich de» Qneüe» bearbeiteten hist». m seyr «eie» «e»e» i» Interesse