Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Veit mb btctt «at der Alte bekamt, nicht nur in Ragdebnru selb-, «« er t» Jndenborfe de« erzbischöfliche» und städtischen Schutze» genoß, sondern auch i« ganzen Ulbthale, den Strom hinans und hinunter von Hamburg btt an die böhmisch«» Quell««. Diese« Umstand« verdankt er seinen Rane», den er auf sein« Rachkommeu vererbt hat.*) Er schien allenthalben z» Hause zu sei« uud hatte weitverzweigte verlindungen nach Rußland und Polen, Krankreich und Bei» gien, Italien md Spanien hinein. Man sprach davou, er sei vor fiinf Jahrzehnten aus Holland eingewandert, und «an hielt ihn für mermeßlich reich, obwohl sei» ganze« Hau»- wese« in groher Einfachheit geführt wurde. Er war da» Haupt einer zahlreiche, Familie, hatte wie der lßattiaich Jacob zwölf Sühne, die er, sobald sie herangewachsen. eine« »ach dem andern, in die Welt hinau«sandte, damt sie sich selbst ihre« Wtrkungökrei» schafften. Den kleinen Zehrpfennig in der Tasche, da« Ränzel auf dem Rücken, hatten sie vom Bater Abschied genommen und die Himmel»- gegeud durchstrich««, die er ihnen »orgeschrieben. Allen war e» geglückt, manch« besaßen sogar einflußreiche Stellungen in fernen Ländern, und selbst in Portngal sollte der Neltefte unter Geheimhaltung seiner Religion zu Macht und Einfluß gelangt sein. Man hielt ihn i« öffentlichen Leben für einen Christen, «ährend er in seinem Privatleben att Jude lebte uud Ine mosaischen Gebräuche gewissenhaft zu beobachten fortsulrr. <5o hatte Samuel Levy in seine« Sühnen gleichsam seine zwölf Lommiffär« in aller Herren Länder». Er unterhielt «Ü ihnen regen Verkehr, thätig, umsichtig, behutsam, dabei stett a if da» Wohl seiuer unglückliche« Glaubensgenoffenbedacht bllbthal hatte auch eine Tochter, Bianca. Mutter Sara starb, al« Bianca da» Licht der Welt erblickte, und der von stummer gebeugte Mann widmete sich »il hingebender Lieb« rer Erziehung de» kleinen Wesen». Siebeuzehn Jahr waren seit dem Tod« Sara'» verstrichen. Nu» dem liebliche« sttnd« war eine üppige Jungfrau erblüht. Di« bescheidene stnoüp! ward zur prachtvollen Blum«. S<e besaß ein« Schönheit. nie sie den Kraue« de» Orient» eigen, farbenreich, voll streift rud Saft, majestätisch, herau»ford«rnd und bescheiden zugleich. Bianca gehört« zu de« schönst«« ihre» Eeschlechte», und wir dafür im Ott« bei Jude und Ehrist bekannt. Ob da» nr n auch Jedermann wußte. fl« selber schien «» nicht zu «tffe«. Sie blieb so demüthig und anspruchslos, wie immer ein stiud an Herz und Gemüthe. Und dieser Rusdruk ahnmgöloer Unschuld, der sich in ihre« Antlitz au»prägte, machte ihr« Shünheit um so hinreißender. Eie» hatten di« Beiden «ine Biegung de» Wege» zurück- ÖtM Thürme von Merseburg waren schon längst im u verschwuudeu, und vor de« Wanderer thar sich von der Anhöhe au», auf welcher sie standen, eiae weite Fernsicht «ach dem Endziel« ihrer Reis« auf. St« erblickten auf hohem Bergab zange jenseits de» Kluffe» da« Schloß von Weißenfel». Leicht» leuchtete« feine Hellen Mauern mit den altetthümliche» Thürmen md Zinnen. Tief unten, zwischen dem Kelsen und dem Saaluser breitete sich da« Städtchen gleichen Runen» au». Roch wenig Stundrn, und der sreundliche Ort «uzte erreicht sei» »Willst Du nicht aufsitzen, Vater? Du bist ermüdet, md di« kurz« Streck« btt Weiseufett kau« ich gehen," sprach die Reierin mit wohlklingender Stimm«, während st« da» Saumtf irr anhirlt und ein« veweguag machte, al« wollt« st« adfitze». »Kein, bleib' Du im Sattel. Rein« Glieder stad der Anstrengung gewohnt. Ich verspüre keine Erschlaffung, mein stind." M t diesen Watten schlug der Alt« de« Thier« sanft «U der flachen Hand auf den Hal«, und der Zug setzt« sich nneder in Bewegung. dnrch di« *) >so» » Jahr« statt hie» stachsetagt «in» Tetgeri» di«s«s Nadle tttt» in «aguttnr,: ihren «amen hm fi« m der «eweinde Uchte in .Lttat ich« vtifuma m»G WWmff. ß^editio» »er »ertaz der Aber die Jungfrau tu einen Schleier gehölhberihr rnr da» stinn und ein« Hand frei ließ, gab sich noch «cht zufrieden. »Du bist alt, Vater; — entgegatte fle — »uud ich bi, jung. Ich kann'« nicht längrr mitansehe», wie Du nebenher trabest uud ich stolz einherrelte. Halt« an!" Der Alte lächelte und trlirb statt jeder Antwott Langohr zur Eile au. Der edle Wettstreit blieb auf sich beruhe«. Btauca kannte den unabwendbaren Sinn ihre» Later» »t«b macht«:,de»halb weiter keine Einwenduugen. Auch wußte fie wohl,' daß er auf eine« schickliche« Einzug in Weißeufel» »ine« hohe« Werth legt«. E« galt für die nächste« Tage daselbst et««» Congttß, eine Zusammenkunft der einflußreichsten Männer der verschiedenen Gemeinden, vorzug»w«ise von Rabbinern und Vorsteher. eine Att jüdischen Semeind'ttag, (Wmd *) abzuhalte». Schweißtriefend, mit dem stopfe im Takte nickend, klomm da« Granthier die letzte Anhöbe hinan. Bianca blickte tu'» Thal und stieß einen Ausruf angenehmer Ueberraschung au», fie hielt den ermüdete« Esel an. Auch der Schutzjude stand wie festgebannt und überließ fich ganz de« Eindrücke, de» di« Landschaft mit dem buntbewcgien Leben aus chu macht«. - (Forts, folgt.) •) Dies« Zusammenkunft ist historisch. Di« Schoppenctzronü ih«t ihrrr Urwatznung. auch Schutz, in fei«« (Oft. D«ne»üttigrei»m IL S. SO, und Sidoni Sesch. der Jude» in Sachse» v. »6. — Gsldmm»» surr Sesch. der Inden in Ma^ttur, S. 17) beuoeisett ihr« »risten, mit Unrecht. I» «etrest dtt Jotzrtt divertzirrn dl« Quelle«, einige ptm da« Jatr 1384, «idere 1388 dafür an. Sidoni schreidt: Anno 1188 hielte« die Juden «inen .-««»inen Da-- in Weihenfel« in Meist»» Dahin zog«« di« Juden aut allen Land«» u. s. Srütz, Sesch. »er Juden VIU S. 424 hült dies« «ersauunlung »ür ein« «aistzmostinode: dagegen spricht di« eben angeführte Quelle, sowie di« Schtppenehr»»» di« von allerlei Spielen, ja sogar Durniere» spricht, di« düs« Juden da. seitst .anstellten". Wir kommen Un «ap. 3 darans pirück. B »ülferuft Ein Unglück sonder Gleichen hat die russtsch« jüdische Stadt fBifac, zunächst Düuaburg, betroffen. I» Verlauf« von S Stundrn find dort SIS Wohnhäuser mit Zubehör und Stallgebäuden abgebrannt; nicht» haben die armen Leute gerettet und nichts versichert. Ihre einzigen Zufluchttstätten, ein große» Sotte«hau» und fünf Sotda-sttickr». schim (Lehrhäuser) find mit verbrannt, auch Hab,» bet de» Brand« S Personen da» Leben verloren und viel« Personen schreckliche Brandwunden davongetrage«. Mehr al» 8000 Personen haben nur da» nackte Leben (buchstäblich zu -nehmen) gerert t und find in diesem Zustand« vor den furchtbaren rusfischen Winter hingestellt. Jüdische Giaubentgenoffen und auch Ihr «dl« und humane Christen, dir Ihr in Ruhe und Frieden, in Glück und Wohlstand lebet, sehet, da ist Gelegenheit zum Wohlthue»; jeder Pfennig ist eine rettende Thal, di« Gott mit der ewigen Seligkeit belohnen wird. Memel i. Pr., im September l87ö. Dr. Rüls, Rabbiner und Prediger. «. A. WohlgttNNth, Rabbiner. Spenden find an Hett» S. Bloch, hier, (stausmann und Vorsteher Ruff. J»r. G«m.) sowie an dt« Unterzeichneten zu richten. Spendenliste» werdrn verüsfentltcht. IM«- Oetober 1876 TUehri 6638. Aalender. Donnerst«» .. 30 1 Koaeiv bMahono 1' ffrritng .... 1 1 3 Schab. Sehnwo. cmnai . .. 4 Montag.... Dienst»» . . . - 8 RttMl . . 7 *) Sahtzathausgang (»ach Stzeli»): I II 11 L WC &*nn H« LsferstesiBullsE». in «aM«lm»^ Den« m« «. Schar»!» t» »att,.