Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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gegen solches Sebahr» Front machen und sich von Alle«, »as wie Judmfeindiichktt» auch nnr t« Enlf«rnte-e« auSsieht, fern halten. Leider tan» »an dao von unserer »Magd. Zeit. ' nicht immer sagen; sie fällt oft aus der Rolle. Mit tiefe» Bedauern muß es jedoch ganz besonder« erfüllen, wenn man sieh», wie leider auch einzelne» Juden das Urthttl dergestalt abhanden gekommen ist, daß sie selbst in das allgemein; Hep! Hep! miteinsiimmen, wähnend, sich dadurch in den Lugen unsrer Neider und Hasser beliebt zu machen und sich eindildead, aus diese Weise ihre eigenen werthen Person«» in eiu Extralichl zu setze«. Ueder die Thorhrit derartigen Benehmen«, welches die eiuße neu Persönlichkeiten i» ihrer Eigenschaft als Jaden nur proftituirt, ei» Wort zu verliere», halten wir für unnütz. Jeder ^Denkend, sollte wohl rinsehen, daß nur rin feste«, grsch osseues Eatgegentrrten diese mittelalterlichen Anfeindungen zurück» eisen kann, zumal dieselben ja doch nur von einzelnen Perstnlichteiteu ausgeheu und der Lern unsrer christlichen Mitbirger sich seiu klares Urtheil »och nicht hat trüben lassen. Rur gemeinsames, feste», aber iiiaaßoolleS Auftreten kau« nn« vor Zuständen bewahren, die denen wenig nachgeben dürft,», unter denen unsre Alten ausgewachsen sind und deren Schatten noch immer in unsre Zeit hinüber fallen. Berlin. Ter „B. B. C." berichtet: „Wir haben vor stürze« erwähut. daß an dem Zaune einer Easerne vor einigen Klagen eiu« mit streide geschriebene Inschrift zu lesen war, »elch>: svlgeude.rnaßm lautete: „Es ist Rot Hst and. Der Urheter davon ist das Judenthum. Sein Werkzeug ist der FortschrittSschivindel. Dem statser zurufen: Rothstand, Abhülfe/ Wir hatten dies damals — und wohl nicht mit Unrecht — den Hetzereien der „Germania" und ihren GefinnungSgenofi» zugeschriebe», von denen sich fürchten läßt, daß die Rothiage eines großen TheileS unserer arbeitenden Bevölkerung ihnen eineu empfänglichen Boden bereitet Hab«. Gleichwohl glaubten wir damals, auf eine derartige Inschrift irgend eines agitationsluftigen Schreibtundtgen kein besonderes Gewicht legen zu müssen; schien doch sogar die Annahme nicht ganz fern- UegeN), daß irgend ein erwachsener Straßenjunge mit sehr ernsthrfle» Dingen «inen frivolen Scherz getrieben habe. Seitdem dm? haben sich diese Inschriften über einen großen Thetl der Stadt verbreite«. Wie es scheint, hat die Polizei dieselbe« an manchen Stellen bereits wieder entfernen laffen, trotzdem zeigten gestern noch eine große Anzahl von Zäunen, Pttvathäifern und öffentlichen Gebäuden Inschriften derselben Art, oelche, wie es den Anschein hat, während der Rächt verfertjgi wurden. Dieselben verrathen durchweg — wenigsten» wo wir dieselben selbst gesehen haben, und zwar war die« der Fall «m eine« Zaune der Lahafter Bahn, Ecke- Königgrätzer- und tzllöckeraftraß«, am Palais de« Fürsten Pleß, iu der Paßstraße. am tönigl. Opernhaus«, an der Börse und an einem Hanse der Taubenstraße, der ftüheren Expedition der „Volksztg."— eine geübte Haudschrift und find durchaus orthographisch geschrieben. Di« J»,chrifleu in ih.eia sonderbare» Lapidarstil habe» verschiedene Varianten. Am Palais de« Fürsten Pleß lautet sie: „Es ist Rolhstand. Der Urheber da» Judenchum. Sein Werkzeug der Kortichritlsjchwindel. Abhülfe." An andereren Stellen lautet sie einfach: „Es ist Rothstand. „Abhülfe.' Dann mittler: „An den Minister. Rothstand." Abhülf«/ A..» verschiedenen Thttlen der Stadt find uns Nachrichten über ähnliche, ineist fast glttchlautende Inschriften zugegangen Es must daher angenommen werden, daß dieselben da« Löert eine« Complot», einer Anzahl von Personen sind, di« vielleicht nicht unweit der Urheber anderer und ähnlicher sociasir und konfessioneller Hetzereien zu suchen find, und die den Persuch machen, auch auf diese Weise den steim der Zwietracht iu den durch die winhschastlichen Mißstände eufgewühlteu Brden zu säen." Inzwischen ist, wie weiter berichttt wird, der Schreiber in der Person eine« in sttnen Vermögen«Verhältnissen »nd seine« Geisteskräften zerrüttete« staufmanns ermittelt worden. ES haben alsowirklich „RarrenhändedteWände besudttt." Indessen mitunter liegt im Wahnstim Methode, d. h. künstlich erregte Stimmungen schlagen in eine« nicht ganz controlltrbaren Gehirn die ersten Blasen. — In Beziehung aus die „Germania"-Artikel liest man in den Berllner Blättern:„ Segen die „Effener Blätter" hat die dortige Staatsanwaltschaft beim Preisgerichte den Antrag auf Strafverfolgung gestellt, und zwar wegen d«S Abdruck« zweier Briefe aus der „Gennania", di« das Berllner Blatt „zur Judenfrage" erhallen hat. In Berlin paffirten dieselber anstandslos." Aus Nentomifchel 12. Eept. wird der „Pos. Zeit." berichtet: Der Handelsmann Danziger Hierselbst beabsichtigte seiner ersten Frau, welch« in Grätz verstorben und aus dem jüdischen Kirchhofe daselbst begraben ist, ein Grabdenkmal zu setzen. Er ließ deshalb ttnen Leichenstein fertigen, welcher den Stamm, den Geburt»- und Sterbetag der Berstorb«»» auf der ein» Seite in hebräischer, auf der anderen Sette in deutscher Schrift enthielt, und holte von dem KorporationS- Borstande in Grätz die Erlaubniß ein, denselben auf dem Kirchhofe aufzustellen. Die Erlaubniß wurde ihm vom Borstande bereitwilligst erthell». Während des Frstmauerns des StttneS erschien der Korporations-Vorsteher Tarlau auf de« Kirchhofe und befahl, als er di« deutsch« Schrift auf ihm erblickte, die Arbeit sofort etnzustellen »nd den Stein herauszurttßen. Hiergegen remonstrirte Danziger ganz entschiede», indem er erklärte, daß die deutsch« Schrift durchaus nichts emhalte, was nach dem jüdisch» Glaub» verbot» sei. Hieraus erwiderte Tarlau, daß der Lttchmstttu nur dann sein» Platz einnehmen dürfe, wenn die deutsche Schrift durch Ueber- « reichen mit Farbe verwischt würde. Al» Danziger sich auch hiergegm verwahrte, auch der Maurer an der Befestigung de» Steine» ruhig wttter arbtttete, drohte Tarlau, er würde da« Verwischen der Schrift selber ausführcn laffen. Nachdem ihm noch die» von Danziger untersagt ward», entsernte er sich von dem Kirchhofe, unb der Leichenstein wurde ohne «eitere Störung befestigt. Rach ttnigen Tag» erhielt uun Danziger von befreundeter Eell« ein Schreib» au» Grätz, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß der Korporations-Vorsteher Tarlau d» von chm gesetzt» Leichenstein hat herausreißen und umwerfen laffen. Danziger fand leider Me ihm fast unglaublich« Rachricht bestätigt, und wird nun wobl dieser Vorfall nicht allein d» Korporations-Vorstand, sonder« jedmfall» auch da» kgl. Kreisgerichr in Grätz beschäftigen. (T. ist du: btt den Wallfahrten nach Grätz und btt Gelegenheit der ^Erbauung einer „Grabkappelle" oft genannt« Schwiegersohn |&e» sel. Rabbiners zu Grätz.) Au« der Provinz Hess» wird dem „Jsr. Bot." Folgendr» mitgethttlte Unter dem 4. Mai d. I. hatte ich an die Königs. Regierung zu Laffel ein» Gesuch um Erhöhung mttnes Gehalte», resp. um Glttchstellktng in der Besoldung der tSrael. Lehrer mft d» chttstl. ttngereicht. In diesem Schreib» schildere ich di« traurig« Lage der jüMschen Lehrer, welche gleich« Pflicht» — aber nicht gleiche Recht« mit ihr» chttstlich» Herr» Lolleg» haben; wies hin auf die Gleichstellung aller Eonfttston« durch» dmtsche Rttchsgefetz; zeigt«, wie ungmügend die jetzige Besoldung btt dm so theue» LebenSverhlltniff» stt; zeigte, wie wmig der Lehrer zu leist» vermag, menn er mft RahmngSsorgm zu kämpf» Hab« u. s. w. «. f. «., — bekam aber keine Resolution. Hinauf bat ich «nter de« 21. Juli c. abermals um Gewährung mttner Bitte, refp. um Resolution, uud hierauf bekam ich folgend» Regtemngsbttchetd, d» ich znr Benachrichtigung mttner Herr» Eolleg» mitzutheil» mir erlaube. Lasset, dm 30 Jnll 187». Auf Ihr« Gesuche vom 4. Mai «nd 21. Juli d. I., um Erhöhung Ihre« Gehalles, eröffn« mir Ihn», daß, nachdem uns durch Erlaß des Her» Minister» der geistlich» x. Angttegenhttt» vom 1». April e. II. Hl. 8770 di« nöthtg» Mittel zur Verfügung gestellt find, mir eine allgemeine >u»f-