Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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311 selbstständigen Lehrerpräparauden, sowie eine größete Synagoge umschließen wird, schreite». Zweitenempfingen die znr Jahrc-verfauimluiig hier gewesene» Distrikt-präfibentei, von den drei Ministern, welche sie empfingen, Tisza, Weuckheim und Träfort, die feste Zusicherung, dag dem Rabbiner- Seuiinar nichts mehr hindernd entgegenstehen könne, und namentlich Ttäfort sprach die Hoffnung au-, baß dasselbe schon im Oktober 1876 eröffnet sein werde. — Und in der Thal läßt sich nicht absehen, was jetzt »och die Gründung der Anftalt hinlerlreiden k.»»n, nachdem die „Glaubenswächter" ihre feste Stütze, die ehemalige Oppositionspartei des Reichstages, über die Ansion verloren. Indessen noch immer „zwischen Lipp' und Kelches Rand jchwevt de» Schicksals dunkle Hand." Diese dunkle Hand unserer ungarisch jüdische» Dunkelmänner schwebte und waltete schon bei de» jüngsten Wahlen, indem sie in Wahlbezirken, in welchen sie in größerer ausschlaggebender Zahl sind, den Wahlcaudidaten iormell die Bedingung uuszwangen, eventuell gegen das Seminar zu wirken — Indessen scheint diesmal ooch alles Complotiren zu Schanden «erden zu wollen. Aus Böhmen. Wer hülle es geahnt, daß unter unseren deulschesresienden Ultra Ezechen sich doch ein so findiger Kopf zeigen werde, der es zur Restaurirung seines Finanzdepartemenls nicht verschmähen dürste, eine schon ziemlich abgedlaßte deutsch geschriebene Scharlecke hervoizusuchen und fie ad inajorem pecuniae gloriain ins Czechische zu übersetzen? Ja! Herr Balack, so heißt der Alaun, wie der einstige Moaditerkünig, fand er für zeitgemäß, Dr. Stohlings Pamphlet „der Talmudjude" ins vaterländische Idiom zu übertragen, und fürwahr der Alaun ist ein Finanz-Genie, er hat auf den Unverstand und auf die Juden feindlicher Elemente im Bolle speculirt, und hat ein gutes Geschäftchen genurcht, die RohlingS'sche schmachvolle unsinnige Schmähschrift, in der Judenhaß und Böswilligkeit »inen wahren Triumph feiern, findet im Gewände der czechischen Sprache reißenden Absatz, an allen Ecken der Straßen in Böhmens czechisch sprechenden Provinzstädtchen wird das Paniphlet mit Eommödiantenfanfaronaden angetündigt, man sieht die rothbrochürten Büchelchen in allen Händen, uni so eher als hochsinnige Menschenfreunde (?) es als christliche Pflicht betrachten, das Ding zu kaufen und an die ärmeren Klaffen zu verschenken, um sie gegen den bösen, bösen „Talmudjuden" zu hetzen. — Run hai'S zwar gottlob noch keine Judencravalle in Folge der durch Rohltng-Balak entstandenen Hetzerei gegeben, aber skandalöse, aufregende WirlhShausgejpräche u. d. gl. zeigen denn doch, daß durch den aufgewärmlen alte» Kohl viel Stand ausgewirbelt wird, und daß die HamanS nie aussterben. Am Spaßigsten ist-, zu sehen wir Rohling in der neuesten Ausgabe seiner Pamphlet» mit Rabbiner Dr. Kroner, dem Verfasser einer Gegenschrift, umspringt; großmäulig wie alle Seandalhelden erzählt er seinen nicht« weniger als uriheilsfähigen, weil des Talmuds unkundigen, Lesern, wie er Herrn Dr Kroner abgefertigt, und wie lfieser endlich vom Schauplatze-verduftete*) —. Man ist hierzulande neugierig, die Gegenschrift de« Herrn l>r Kroner zu lesen, und würde derselbe uns sehr verbinden, wollte er seine Schrift unter Adreffe „Rabbiner Dr. Ehrentheil in Horiz in Böhmen, hierher gelangen laffen, damit das auckiatnr et altera pars zur Wahrheit und der Maulheld entlarvt werde — In Dr. Fester, der jüngst in Prag gestorben, hat die Prager Judenschaft, so wie überhaupt die deutsche Bevölkerung Böhmen», einen Herden Verlust erlitten. Dr Feller war ein für jedes humane, intellektuelle Streben begeisterter, mit der deutschen, speciell auch mit der jüdischen Juornalisti' im rege« Eontacte stehender fteifinniger, aber doch religiös gefimuer wackerer Mann; er wurde erst vor wenigen Jahren •) „Scrkuftct" ist »i« fcttamt Rohling, nämlich aus Münster «erichmun»«» und nach Amerika -enanaen. wir »rrmuthm daher, da *»• auch anderweili, von einer Dupllk «ohllna« gegen «rauer nicht« bekannt gemorden ist, daß »er hier ermähnt« Raehkr«« nicht »an U. herr-hrt, sondern von vaiak. fkted.) von Sr. Majestät unseren' #«ifet decorirt, und bei alle« Bereinen stand er in segensreicher Thätigkett! M)' Großbrttawmten. Lrrdoo. Ein Arttkel de- „Jewish Shronikle", eine« auch in politischen Dingen sehr konservativen und in seiner sonstigen Haltung von jeder Parteilichkeit für Deutschland oder Frankreich, seit den Zeiten de- Krieges, entfernten Blattet, wird unsern deutschen Lesern interessant sein, und könnte denjenigen französischen J-raeliken, welche noch immer in den Ton ihrer DurchschnittS-Land-leute «»stimmen zu müffen glauben, wohl Stoff zuin Nachdenken gewähren. Er lautet: „Die Deutschen haben in voriger Woche mit großer Freude deit fünften Jahrestag der Schlacht von Sedan gefriert ^beiläufig: e« ist nicht der JahreSlag der Schlacht, die war am ersten September geschlagen und entschieden, eS ist der Tag der Gefangennahme Napoleons und seiner Armee, an die sich damals frohe Hoffnung auf baldigen F r i edenknüpfle! Di» für ausländische Leser; jeder würdig« Deutsche weiß es so au» eigener frischer Erinnerung und faßt den Tag so auf) Anscheinend sind die Juden, als religiöse Gemeinschaft, bei dem denkwürdigen Ereignisse nicht betheiligt. Wenn wir iudeffen genauer Nachdenken, so werde« wir sehen, daß e» für das jüdische Volt von besonderer Wichtigkeit gewesen ist. Der französisch deutsche Krieg bietet zwei Seiten dar Auf der einen Seite war er dynästischer Natur. Frankreich war wieder borstig geworden, die Dynastie war gefährdet, uin sie zu retten, wurde der Krieg mit Deutschland begonnen. Andrerseits war es ein Religionskrieg. Die Kaiserin war immer mehr ultramontaner geworden, der Kaiser neigte sich, je älter er wnrde, auch immer mehr auf diese Seite, besonderbuhlte er um die Gunst der Klerikalen, welch« zusammen mit der Armee seine feste Stütze in einem Kampf« gegen die Radikale« abgeben sollten. Härte Frankreich gesiegt, so würde weniger die Dynastie als der Klerikali-mus die Früchte de- Siegegeerntet haben. Da- Kaiserreich sollte den Klerikalen die Kastanien audem Feuer holen. Der SyllabuS, der jetzt verhältnißmäßig ein todter Buchstabe ist, würde eine schreckliche Wirklichkeit geworden sein. Daprotestantische Preußen, auf die ehemalige Ausdehnung zurückgeführl oder gar zerstückelt, würoe für nichts gezählt haben. Oesterreich hätte sein einstige» Uebergewicht >n Deutschland wiedcrgewonnen, und die Reaktion hätte in ganz Europa tri» umphirt. Und wer wäre da« erste und vorzüglichste Opfer, dieser Reaktion geworden? Wer ander» als dir zerstreuten hilflose,» Juden. Sie wären zunächst zur Hand gewesen, um den Eifer und die Frömmigkeit ihrer Bersolger zu belohnen. Man würde fie nicht gerade maffacrirk, aber doch erniedrigt, entwürdigt und demoralifirt haben Durch schwere Unterdrückung hätte man noch einmal die Starrsinnigkeit de» hartnäckigen Juden zu brechen versucht. Bor diesem traurigen Schicksal hat die Schlacht von Sedan u»S bemihrl" UnS bewahrt! So schreibt ein engltscher Jude, der gewiß in seinen, Lande weniger von politisches oder religiöser Reaktion zu fürchten hat, al» irgendwo in der Welt. Die französische» Israeliten wollen nicht zugeben, daß ein Sieg ihrer Heere einen Sieg der ultramonlanen Prinzipien habe bedeuten können, fie find auf ihr Frankreich mel zu stolz, »m da« einzuräumen. Auch jetzt wolle» fie, anscheinend, in de« Siegen und Orgien der Klerikalen im Innern keine Bedrohung der Freiheit und Gleichheit erblicken. ' Wir wünschen sehnlichft, daß fie Recht behalten möge«; abex gleich un« t heilt offenbar unser englischer College jene Zuversicht nicht. Vermischte und uenepte Nachrichten. ©ttlta. 6. Excellenz der Herr Lultu«minister Dr. Falk deehrte den Herrn Dr. Adolph Kohut, Verfasser de» Buche«: „Die Erlebnisse und Huldigungen des Herr« Eultu-miutster«